Geno Smith und die New York Jets

Die Einberufung von QB Geno Smith mit dem 39ten Pick zu den New York Jets war eine der weitreichendsten Entscheidungen in diesem Draftwochenende 2013. Meine erste Reaktion war „also doch“. Ich war nicht wirklich überrascht, auch wenn jedem sofort bewusst war, wie heikel die Entscheidung der Jets war.

Ma überlege: Geno Smith ist alles andere als ein fertiges Produkt. Die Skill-Player sind selbst nach dem Trade für RB Chris Ivory maximal lauwarm besetzt, die Offense Line ist eher so naaaaaaaja, der Trainerstuhl des Rex Ryan ist schon an zwei Beinen quasi durchgesägt. Oben drauf kommt noch die aggressivste Boulevard-Presse und ein Publikum, dessen Geduld nun zwei Jahre überstrapaziert wurde. Entsprechend schaumgebremst guckte Geno auf der Vorstellungspressekonferenz dann auch aus der Wäsche.

Geno Smiths Einberufung bedeutet auch: Er ist quasi per sofort der beste Quarterback im Jets-Kader. Ob er deswegen auch gleich ins Getümmel geschmissen werden sollte, ist eine andere Frage: Man riskiert, ihn zu verbrennen. OffCoord Marty Mornhinweg ist kein unterirdischer Mann, aber es galt als Konsens, dass Geno als Rookie einige Zeit zum Einlernen brauchen würde. Bloß: Von wem willste lernen?

Weil die Jets Quarterbacks sammeln wie andere Bierdeckel, war Geno Smith der sechste Quarterback im Jets-Kader. Wir sind mittlerweile bei fünf, da Tebow wie lange erwartet am Montag gefeuert wurde. Der Tebow-Einkauf letztes Jahr wird ein Mysterium bleiben, der letzte oder vorletzte Bock des ehemaligen GMs Tannenbaum. Tebows Entlassung kostet 1.5 Mio. Cap-Penalty, spart aber insgesamt 1 Mio. Platz unter der Cap ein (Tebow schreibt momentan zirka 2.5M an). Auch Matt Simms können wir als sicheren Streichkandidaten eintragen.

Vielleicht kann David Garrard als Art Mentor fungieren. Garrard geht auf die 40 zu und hat seit gut drei Jahren nicht mehr gespielt. Wenn schon Mentor, kann der Mann auch gleich einen auf Assistenzcoach geben und als solcher eingestellt werden. Greg McElroy ist noch jung und zwar blass, aber keinesfalls so unterirdisch, dass man ihn unbedingt rausschmeißen möchte. McElroys Entlassung käme aber praktisch gratis (nur 32k Cap-Penalty).

Bleibt The Sanchize, Mark Sanchez, der nach vier Jahren Stagnation als komplett verhasst in der Anhängerschaft gilt. Seine Vorstellungen schreien seit zweieinhalb Jahren nach „entlasse! Entlasse!“, aber weil ihm Tannenbaum letztes Jahr einen Deal aufsetzte, wie ihn nur ein Wahnsinniger ausschreiben kann, ist Sanchez nicht schlecht gegen den Rauswurf versichert: Er schreibt 2013/14 mit 12 Mio. Dollar unter der Salary Cap an – ein Wahnsinnspreis, aber nix gegen die Kosten, die seine Entlassung noch vor der Saison kosten würde: Die dead money würde 17 Mio. betragen, also mehr als Sanchez‘ Gehalt!

Jedem ist klar, dass Sanchez nicht die Zukunft ist. Bisher war man davon ausgegangen, dass er aufgrund des idiotischen Vertrags aber zumindest noch eine Saison überleben würde. Nach Geno Smiths Einberufung sind Zweifel angebracht: Sanchez muss sich trotz der dead money-Absicherung Sorgen machen um seine Jobsicherheit. Ein Rauswurf wäre der beste Move für die Jets.

Am günstigsten wäre eine Abschreibung noch vor dem 1. Juni, also keine Verschiffung von dead money in die nächste Saison. Die Jets würden eine Saison 2013/14 in der Hölle durchleben, aber sie hätten in einem Jahr millionenweise Platz unter der Salary Cap (locker 40-50 Mio.) – ausreichend Platz um einen Neustart zu iniziieren, ob mit oder ohne einen Head Coach Rex Ryan.


Ich sehe den Jets-Pick für Geno Smith optimistischer als andere Beobachter. Alle waren der Meinung, dass Smith die Voraussetzungen hat, eine Franchise zu führen, dass er aber Zeit brauche und man von ihm keine Luck’schen Wunderdinge erwarten dürfe. Die Jets verbrannten keine wertvollen hohen Draftpicks für die Wundertüte Geno, sondern den relativ risikofreien Pick in der zweiten Runde. Das ist insofern wichtig, da es immerhin finanziell und medial deutlich weniger heikel ist, einen Quarterback aus der zweiten Runde zu bekommen. Freilich wäre das Jahr Einlernzeit für Geno der beste Fall, aber sofern man nächstes Jahr durchstarten möchte, sollte man Sanchez entlassen und mit dem Rookie Geno in die Saison gehen. Die Offense kann eh nicht mehr unterirdischer werden und wenn alle Stricke reißen, wartet nächstes Jahr eine interessantere Quarterback-Gruppe in den Top-10.

8 Kommentare zu “Geno Smith und die New York Jets

  1. schöner Artikel,sehe Geno Smith auch als guter fang mann könnte mit im wenigstens mal wieder die Playoffs erreichen zu mehr würde es aber nicht reichen.

  2. Wie teuer wäre es denn Sanchez erst nach der Saison zu entlassen? Ich verstehe nicht ganz, wieso man (wenn die Saison eh abgeschrieben wird) nicht gleich auf die bessere QB Klasse nächstes Jahr wartet und den diesjährigen Draft dazu genutzt hat ein entsprechendes Umfeld aufzubauen, wenn man schon eine so tief besetzte Klasse an Linemen und Co geboten bekommt?!

  3. Man darf den Value nicht vergessen: Geno Smith war durch die Bank ein 1st Round Prospect – wenngleich in einem sehr schwachen QB-Jahrgang. Ihn Anfang der 2. Runde zu bekommen ist insofern sicherlich „good value“. Außerdem noch zu bedenken: die Defense wird mit den beiden 1st Round Picks mehr als solide – tendenziell eher wieder saustark – sein. Das heißt der Pick in der 2. Runde war so oder so für die Offense vorprogrammiert. Wenn man sich nun überlegt, dass man für die Offense an dieser Stelle sicherlich keine „fixen“ Stars der Zukunft (wenngleich sicherlich Liner, Receiver oder RBs mit viel Potential) bekommen hätte können, dann macht die Selection eines eben solchen QBs (kein fixer Star, aber sicherlich Potential) in meinen Augen schon Sinn, einfach weil der QB in dieser Liga letztlich die entscheidendste Einzelposition ist.

    Und zum QB-Hype ein Jahr im Vorhinein sei das Beispiel von Matt Barkley gebracht, der genau heute vor einem Jahr der Consensus #1 Pick des 2013er Drafts war – man braucht nur schauen was die Leute jetzt von Barkley halten. Schon klar, bei Bridgewater oder Manziel ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass beide im Senior Jahr so stark abbauen; der Punkt ist: man muss einen QB nehmen, wenn man ihn mit gutem Value kriegen kann – vor allem wenn man keinen im Kader hat.

    Im allerschlimmsten Fall bringt man Smith in 2 Jahren wohl immer noch für einen Mid Round Pick an den Mann.

  4. @ Philipp S.

    „(…) der Punkt ist: man muss einen QB nehmen, wenn man ihn mit gutem Value kriegen kann – vor allem wenn man keinen im Kader hat.“

    Da bin ich mir eben nicht so sicher, zumindest in der Jets-Situation. Frei nach dem Motto „Wer billig kauft, kauft zweimal“, wäre es vielleicht besser eine Top-Mannschaft zusammen zu stellen und dann noch einen Bomben-QB zu ergänzen.
    Aber natürlich gibt es auch keine Garantie, dass nächstes Jahr die QBs wirklich so super sind bzw. sie einen der besten bekommen…

    „(…) einfach weil der QB in dieser Liga letztlich die entscheidendste Einzelposition ist.“

    Genau deswegen ist es eben wichtig niemand zu haben, der nach einer Eingewöhnungszeit „gut werden könnte“, vorallem, wenn ihm diese Zeit nicht gegeben wird…

    Aber ich versteh insgesamt schon was du meinst und wahrscheinlich ist es auch nicht die schlechteste Idee. Nur bei den Jets ist eben vieles noch komplizierter als Spieler, als es in der NFL eh schon ist…

    „(…) oder Manziel ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass beide im Senior Jahr so stark abbauen“

    Hat zwar eigentlich nichts damit zu tun, aber ich bin mir noch nicht wirklich sicher, ob Johnny Football wirklich ein Pro-QB ist, habe schon öfters gehört, dass er eher einer dieser Fun-College Spieler ist, aber er hat ja noch Zeit was zu zeigen…

  5. @whoops_bat: Abzuschreibende Dead-Money wäre in der nächsten Offseason 4,8 Millionen Dollar (bei ca. 9 Mio. Cap-Number also eine Ersparnis).

    Re: Warum nicht nächstes Jahr ein Quarterback?
    Warum nicht diesmal? Es gibt keine Garantie, dass New York einen Bridgewater bekommt ohne extrem teure Tauschgeschäfte und ein viiiiel schlechteres Prospect als die meisten anderen QBs ist Geno Smith auch nicht, zumal man ihn in der zweiten Runde bekommt, wo er eher billig und mit etwas weniger Druck arbeiten kann.

    @Philipp S:

    Und zum QB-Hype ein Jahr im Vorhinein sei das Beispiel von Matt Barkley gebracht, der genau heute vor einem Jahr der Consensus #1 Pick des 2013er Drafts war – man braucht nur schauen was die Leute jetzt von Barkley halten.

    Mit dem Unterschied, dass Barkley nie wie ein „richtiger“ NFL-QB aussah, auch letztes Jahr nicht. Ein Bridgewater ist da in Sachen Mobilität, Wurftechnik und Präsenz schon ein komplett anderes Kaliber, bei dem niemand überrascht wäre, wenn der in fünf Jahren einer der drei besten QBs der Liga ist.

  6. Ok ok, mit der Erklärung kann ich leben. Ich bin eben nur
    a) kritisch gegenüber jeder QB-Entscheidung der Jets und habe mich gefragt, ob es
    b) keine „klügere“ Taktik gegeben hätte mit den enormen Kosten für Sanchez umzugehen…

    P.s. Hast du eigentlich meine Anmerkung per Email gelesen, Korsakoff? 😉

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