The Countdown, T-minus 119: Texas-San Antonio Roadrunners

Paul Myerberg ist mittlerweile schon bei der #119 im Countdown angelangt, und es handelt sich dabei um ein interessantes Projekt aus dem texanischen San Antonio, einer Stadt mit einem seit seinem Bau fast brach liegenden Stadion, dem 60.000 Zuschauer fassenden Alamodome. Seit zwei Jahren ist dort ein neues FBS-Programm im Aufbau, die Roadrunners von der University of Texas, San Antonio (UTSA).

Die Jungs debütierten letztes Jahr in der FBS und fuhren gleichmal zum Einstand einen 8-4 Record ein! Okay, sie spielten viermal gegen die FCS und gewannen davon viermal, und von den vier Siegen gegen die FBS waren zwei Siege gegen die Debütantenkollegen von South Alabama und Texas State sowie gegen zwei Gurkentruppen, die zusammen 2-22 waren, aber wen kratzt’s? Die Roadrunners sind nicht soooo übel wie man meinen würde. Und weil sie viele Ressourcen haben und offensichtlich potente Booster, wechseln sie schon gleichmal diesen Herbst in die Conference USA, die deutlich über die Qualität der aufgelösten WAC einzustufen ist.

Head Coach ist mit Larry Coker kein unbekannter Name: Coker war vor einem Jahrzehnt der Cheftrainer der Miami Hurricanes, deren 2001er-Mannschaft als vielleicht beste aller Zeiten im College-Football gilt. Cokers Teams brachten Superstars wie Ed Reed, Andre Johnson, Vince Wilfork, Jonathan Vilma, Clinton Portis oder Willis McGahee in die NFL (die Liste ist noch länger!). Coker galt allerdings nie als Mann, der ein Team aufzubauen vermag, sondern mehr der Typ Mourinho, der aus einem fast fertigen underachiever einen Champion formt. Bei UTSA beweist Coker gerade das Gegenteil, denn auch wenn die meisten Siege nur gegen inferiore Konkurrenz kamen: Es sind beachtliche Erfolge für eine Mannschaft, die ganze 22 (!) Spiele in ihrer Geschichte bestritten hat.

Ich habe Coker mal bei ESPN im Interview gehört und er meinte sinngemäß: Es ist eine geile Aufgabe, ein Programm von null auf aufzubauen. Das schwierigste ist am Anfang, eine Philosophie, eine Kultur zu schaffen. Das dauert. Du musst deinen Trainerstab darauf einschwören, das ist nicht einfach. Es werden nicht alle Spieler mitziehen und du hast am Anfang erfahrungsgemäß viel personellen Turnover (also Abgänge), aber damit musst du leben.

Das zweitschwierigste ist, dass du keine erfahrenen Recken hast, die die Youngster führen. Das ist nicht zu unterschätzen, denn die Jungs sind keine Dummies. Sie sehen genau, was vorgeht und wenn es ihnen nicht in den Kram passt und sie nicht von Kumpels geführt werden, machen sie Sachen, die sie nicht sollten. Wenn du deine Arbeit aber gut machst, beißen sie sofort an.

Es ist zwar schwierig vorstellbar, dass ein traditionsloses Programm aus dem Nichts komplexer ist als, sagen wir, aus den Alabama Crimson Tide ein Angriffsmonster zu basteln, das statt 13-7 nun eben 54-51 gewinnt, aber das ist nicht der Punkt. Coker hat in Texas riesige Footballbegeisterung und einen unerschöpflichen Pool an Talenten aus den Highschools, dass die großen Player wie Texas-Austin, Texas A&M oder Oklahoma gar nicht genug abgreifen können, als dass nicht noch ein paar gute Spieler für die Roadrunners abfallen.

Für 2013 sollte man von Texas-San Antonio erneut keine Wunderdinge erwarten, aber es gibt zwei positive Dinge: QB Eric Soza ist ein wirklich ansehnlicher Mann, der brutal gut scrambeln kann, ein Näschen dafür hat, Sacks zu vermeiden und erstaunlich wenige Turnovers produziert. Zum anderen soll die neue Recruiting-Klasse gut sein, auch weil einige gute Jungs aus den Junior-Colleges (JUCO) gekommen sind.

Texas-San Antonio spielte bisher ganze acht Spiele gegen FBS-Konkurrenz. In diesem Jahr werden es allein zwölf sein. Eine erneute 8-4 Bilanz ist nicht nur unrealistisch, sondern komplett ausgeschlossen, und trotzdem wird die Mannschaft eine bessere sein als letztes Jahr.


Der Coach der #118 im Countdown hat am selben Tag Geburtstag wie der NFL-Rekordhalter an Catches bis zum Jahre 1995, nur in einem anderen Jahr.

(Tipp: Besagter Rekordhalter könnte Art Monk gewesen sein, der 1995 zurücktrat; Monk hat am 5. Dezember Geburtstag. Jim Tressel hat lt. Datenbank am 5.12. Geburtstag, ist aber derzeit a) nur als Berater angestellt und zwar bei Akron, das b) schon im Countdown vorgekommen ist)