Audiotipp für die Offseason: Hard Count Podcast, Debütausgabe

Verweis auf ein neues deutsches Podcast-Projekt zur National Football League: Der Hard Count Podcast von Flo Zielbauer und Benni Köpfle vom uns bereits bekannten Blog Hardcount. Die beiden diskutieren in der Debüt-Ausgabe über diverse Offseason-News (Pro Bowl, Verlegung des NFL-Drafts), ausgiebig über den NFL-Draft und schließlich über Sportwetten (win totals).

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(Fast) alles DB in Tampa

Die Tampa Bay Buccaneers – ich schrieb es schon in der Sezierstunde – hatten 2012/13 genau eine große Schwachstelle: Die Pass-Verteidigung, und die war wirklich schwach. Die Pass-Defense besteht im Kern aus zwei Teilen: Passrush und Passdeckung. Die Buccs gingen in der Offseason vor allem letzteres an. Die Secondary wurde ihrem Namen nicht gerecht, denn sie war die Primary.

Die Einkäufe sind massiv: CB Darrelle Revis für einen Erstrundenpick (und zwei weitere Picks), mit Sechsjahresvertrag über 96 Millionen Dollar ohne Handgeld ist einer der größten Trades der letzten Jahre, vielleicht noch höher einzuschätzen als der Harvin-Trade nach Seattle. Revis gilt als bester Manndecker der letzten 10-15 Jahre, als einer, der auf der Höhe seines Schaffens eine ganze Saison lang jeweils den Top-WR des Gegners kaltstellen kann. Revis war der wichtigste Spieler in der Defense der Jets, nein, er war der definierende Spieler der Jets-Defense, der Mann, der möglich machte, was Rex Ryan sich mit seinen gewagten Zone-Blitzings traute. Revis kommt von einer Knieverletzung, aber er dürfte im Herbst wieder voll wiederhergestellt sein und ist dann immer noch erst 27. Es gibt in der Secondary keine schnellere sofortige Verbesserung als Revis einzukaufen.

Via Free Agency wurde der Hitter Dashon Goldson, ein Strong Safety, vom Superbowl-Verlierer San Francisco eingekauft. Goldson war teuer, aber ein Billigteam wie Tampa kann sich den einen oder anderen überbezahlten Spieler leisten. Um aller guten Dinge gleich drei zu machen, kam im Draft dann auch noch CB Johnthan Banks von Mississippi State in der zweiten Runde. Banks‘ größter Negativpunkt war sein fehlender Highend-Speed, alles andere an diesem Prospect soll schon sehr fortgeschritten sein.

Eine Starter-Reihe CBs Revis/Banks und Safetys Mark Barron/Goldson kann sich schon sehen lassen. Die Backups Eric Wright und Myron Lewis könnten auch schlechter besetzt sein. „Vorne“ wurde der Abgang von Passrush-Spezialist Michael Bennett eher schulterzuckend hingenommen. Man scheint darauf zu hoffen, dass die jungen DEs Da’quan Bowers und Adrian Clayborn in ihrem jeweils dritten Jahr endlich ihre Verletzungsprobleme abschütteln und ihrem Draft-Status gerecht werden.


Etwas kurios war im Angriff die Einberufung von QB Mike Glennon in der dritten Runde. Was für ‘n Signal sendet das denn bitte? Es war eh schon bekannt, dass HC Schiano nicht der größte Freund vom Starter Josh Freeman ist und dass man probierte, über diverse Kanäle einen Ersatzmann aufzutreiben (Mallett, anyone?). Persönlich halte ich Freeman für mittlerweile massiv unterschätzt: Die Offense der Buccaneers bringt immer wieder großartige Effizienz-Stats trotz niedriger Completion-Rate zustande, also what? Der Angriff ist um Freemans Monsterarm und die pfeilschnellen WRs Jackson/Williams konzipiert, also warum holt man sich im Draft mit einem recht wertvollen Pick (der ein 3rd-Rounder zweifellos ist) eine unfertigere, schlechtere Kopie Freemans, die jener als offene Kampfansage aus dem eigenen Trainerstab interpretieren muss? Die Einberufung Glennons gehört zu den unkonventionelleren Draftpicks in diesem Jahr.