Die Erfolgsquote der Running Backs, ihre Bedeutung und die dazugehörige Leseempfehlung

Die beste Nachricht voraus: Das Blog lebt! Andy Goldschmidt hat auf seinem Blog „Football is Sex, Baby“ über das Phänomen der Running Backs und ihrer Erfolgquote geschrieben, was ich unbedingt als Lektüre empfehlen würde.

Die Erfolgsquote (englisch Success Rate) beschreibt, ob ein Spielzug einen positiven oder negativen Beitrag gebracht hat. Man muss sich das so vorstellen: Ein Down ist die Ressource, mit der ein Coach arbeitet. Gewinnt die Mannschaft im ersten Versuch zwei Yards, ist das ein negatives Erlebnis, da in die Opportunity Costs das verlorene Down mit reingerechnet werden muss. 2nd-und-8 ist schlechter als 1st-and-10.

Es gibt verschiedene Definitionen der Success-Rate, wie Footballissexbaby richtigerweise schreibt. Diejenige von Brian Burke dürfte die am meisten entwickelte sein. Bei Burkes Success-Rate springen zwei Dinge ins Auge:

  • Die Success-Rate des Laufspiels korreliert mit Sieg und Niederlage sehr viel besser als die einfachere Statistik Yards/Lauf (Y/A), und zwar mit 0.42; Y/A korreliert fast überhaupt nicht mit Sieg und Niederlage (0.08).
  • Success-Rate im Laufspiel korreliert sehr viel besser mit Yards/Passspielzug (NY/A) denn Yards/Laufspielzug, und zwar mit 0.39 (gegenüber 0.03).

Man kann daraus schließen, dass NFL-Trainerstäbe primär versuchen, ihre Siegchance mit viel klein-klein im Laufspiel zu optimieren, anstelle noch aggressiver via des viel riskanteren Passspiels den großen Knockout-Punch zu suchen.

Adrian Peterson scheint übrigens nicht unter den besten Running Backs auf, wenn wir auf die Erfolgsquote schauen. Das kann mehrere Gründe haben: Peterson ist erwiesenermaßen eher ein Back der Güteklasse boom or bust, gibt also lieber sieben Carrys mit null Yards für den einen Big Play auf als konstant die 3-4 Yards zu nehmen. Es kann aber auch dran liegen, dass die Vikings häufig „Feldposition“ spielen und bei drittem Down und neun Yards to go lieber laufen, punten, und auf ihre Defense vertrauen.

Das ist dann ein Punkt, an dem ich nicht mehr komplett einher mit Footballissexbaby gehe: Ich sehe die Success-Rate eher als Bewertungskriterium für die gesamte Offense als für einen einzelnen Spieler. Gerade Running Backs sind relativ machtlos den Gameplans ihres Coaches ausgesetzt und haben sehr viel weniger Kontrolle über ihre persönlichen Statistiken als z.B. ein Quarterback.

It’s my job now to, I hope, be a light who inspires others

Die US-amerikanische Basketballspielerin Brittney Griner von der Baylor University hat ein exzellentes Essay über die Anfeindungen und Diskriminierungen gegenüber Homosexuellen für die New York Times geschrieben. Griner gilt als eine der besten Basketballspielerinnen aller Zeiten und war in der jüngsten Draft für die Frauen-Basketball Profiliga WNBA der erste Draftpick. Sie ist in die Geschichte des College Basketballs der Frauen aber nicht nur als beste, sondern auch als eine der tragischsten Figuren eingegangen, weil Baylor immer und immer wieder viel zu früh scheiterte und nur einen großen Titel holte.

Und Brittney Griner ist lesbisch.

It’s taken me a long time to figure out exactly where I fit. During that journey, I realized that everyone has a unique place in this world. I also discovered that the more open I was with my family and friends, the more I embraced others, and the more committed I became to doing the things I love, like basketball, skating and, of course, eating bacon (the greatest food of all time), the more love and confidence I received in return.

„Just as basketball doesn’t define who I am, neither does being gay.“

Buffalo Bills 2013: So schnell wie der Wind

Seit im Winter Owner Ralph Wilson jr. mit der Mistgabel durch den Laden lief und den nur unwesentlich jüngeren Al Davis von Petris Pforte zum neuen General Manager beförderte, steht in Buffalos Offense der sechste Gang hoch im Kurs: Die an sich schon sehr schnelle Offense wurde im Draft 2013 um eine ganze Latte an explosiven Playmakern gänzt. Nach der Einberufung von QB E.J. Manuel (16ter Pick), WR Robert Woods (41ter Pick) und WR Marquise Goodwin (78ter Pick) liest sich der Bills-Angriff mit einem Mal erstaunlich spektakulär:

QB – Manuel, Kevin Kolb

RB – C.J. Spiller, Fred Jackson

WR – Stevie Johnson, Woods, Goodwin, Da’Rick Rogers

Es war ja einer der Hauptkritikpunkte an Chan Gailey gewesen, dass er zuviel Energie in das Bauen der Fundamente (Lines und Linebackers) gesteckt und in diesem Zug komplett vergessen hatte, dass Football ja eigentlich mit Eiern und Händen gespielt wird und ausgerechnet dort, bei den Skill Players (also Quarterbacks, Runningbacks, Wide Receivers, Tight Ends), kaum Hochkarätiges aufgeboten wurde. Das führte zwar in jedem Jahr zu Lobpreisungen von wegen „sie haben es drauf, ein Team zu bauen“, aber mehr als die 6-10 und 7-9 Jahre sprangen nicht heraus, weil die richtigen Granaten außerhalb der Lines fehlten.

Der neue Approach unter Head Coach Doug Marrone scheint eher in Richtung Hochgeschwindigkeits-Offense zu gehen. Spiller und Goodwin gehören zu den schnellsten Spielern ligaweit, und QB Manuel ist auch einer der Quarterbacks, die etwas flotter auf den Füßen sind. Es wird gemunkelt, dass Buffalo Elemente der read-option Offense einbauen will, eine Offense, die Marrone an seiner vorherigen Station am College in Syracuse immer wieder versuchte zu implementieren, aber nicht die richtigen Spieler dafür hatte.

Manuel ist als Spielertyp wie gemacht dafür: Nicht der allerpräziseste und geschliffenste Werfer unter der Sonne, aber genügend Gefahr als Scrambler ausstrahlend um für voll genommen zu werden, wenn ein Option-Spielzug ansteht. Manuel wird mittelfristig das Zepter in Buffalo übernehmen, nachdem der eingekaufte Free Agent-QB Kolb meistens nur drei Wochen von der ersten Gehirnerschütterung entfernt ist oder mit einer Lawine von Incompletions selbst für seine Degradierung sorgt.

Auch für den brutal explosiven Spiller, der auch ein guter Fänger ist und der die effizienteste Saison 2012/13 aller Running Backs spielte, und den Arbeitstier-RB Fred Jackson dürfte ein mobiler Quarterback wie Manuel Vorteile bringen: Historisch gesehen helfen flotte Quarterbacks dem Laufspiel, selbst wenn sie keine 65% Completion-Rate einfahren.

Der WR-Corp liest sich auf dem Papier auch ganz ordentlich: Johnson ist als Charakter zwar nicht unumstritten und galt als Buddy vom gefeuerten QB Fitzpatrick, dürfte aber vom Einkauf des possession receivers Woods profitieren: Woods ist kein Sprinter, kam aber in der zweiten Runde des Drafts und gilt als cleverer und abgewichster Mann. Sein Fallen in die zweite Runde wird unglücklichen Umständen zugeschrieben, nachdem es bei USC, seinem College, im abgelaufenen Herbst teilweise Auflösungserscheinungen zu beklagen gab. Als ungedrafteter Rookie-Free Agent (UDFA) kommt Da’Rick Rogers von Tennessee bzw. Tennessee Tech. Rogers gilt als physisch allen Cornerbacks dieser Welt gewachsen und pfeilschnell, aber als charakterliche Zeitbombe.

Bei Goodwin weiß keiner so recht, was uns erwartet. Lt. Mayock ist das ein „Leichtathlet, der Football spielt“. Das liest sich nicht per sofort als einsatzbereit, aber Goodwin (ein Olympionike im Weitsprung) offeriert Antrittsschnelligkeit und Ausdauer auch für die langen Sprints. Dass sich Goodwin durchsetzen wird, gilt als längst nicht sicher, aber die Herangehensweise der Bills ist eindeutig: Speed, Speed, Speed, und damit passt er zumindest konzeptionell in diesen Wirbelwind von Angriff, der in den nächsten Jahren über Orchard Park/NY fegen soll.

The Countdown, T-minus 125

Der großartige Paul Myerberg ist in der Fanszene des College Football berühmt für seine alljährliche gigantische Vorschauserie „The Countdown“ auf die kommenden Saison im College Football. Myerberg schreibt seit Oktober für die USA Today, und hat gestern seine Countdown-Serie 2013 begonnen.

Die #125 bei Myerberg ist übrigens ein Neuling in der FBS: Die Georgia State Panthers aus Atlanta, eine Uni mit hohem Anteil an schwarzen Studenten. Georgia States Footballprogramm existiert erst seit drei Jahren und fuhr letztes Jahr in der FCS eine 1-10 Bilanz ein. Ihr neuer Head Coach ist Trent Miles, der vorher an einer aberwitzig schlechten Uni respektable Aufbauarbeit geleistet hatte. OffCoord ist der ehemalige College-Cheftrainer von Matt Ryan, der nun im gleichen Stadion wie die Panthers die NFL aufwühlt. Georgia State wird in die Sunbelt Conference aufgenommen und spielt – wie eben angedeutet – im Georgia Dome. Georgia States Offense ist noch komplett im Fluss, während in der Defense wenigstens die Line halbwegs solide besetzt ist. Ein oder zwei Saisonsiege wären schon ein Erfolg für die Debütanten, bei einem 5-7 würden sie eine Party schmeißen, die der Süden nie vergisst. Am besten nutzen sie das Jahr nur zum Aufbau. Ach ja, der Spieler mit dem besten Namen (ein rekurrierendes Thema bei Myerberg) ist LB Cole Moon.

Oft kopiert, nie erreicht: Paul Myerberg und sein Countdown. Wer alles über alle Teams wissen will, ist bei der USA Today am rechten Ort. Die #124 hat letztes Jahr übrigens gegen die sechs Bowl-Teams in seinem Schedule insgesamt mit 75 zu 278 Punkten verloren. Wer das ist? Sie sind dran mit der Recherche.

Der Nachwuchs der Detroit Lions 2013

Es dürfte sich herumgesprochen haben, welcher NFL-Mannschaft ich in erster Linie die Daumen drücke. Daher heute mal etwas ungewöhnlich ein etwas genauerer Blick auf die einzelnen Moves und der Versuch, die angeknackste sportliche Leitung einzuordnen. Die einzelnen Picks im Überblick:

DE Ziggy Ansah. Ich schrieb schon direkt nach dem Draft, warum ich Ansah mag. Der Spieler selbst gilt als exorbitantes Risiko: Riesentalent, aber noch wenig Zeit im Vorlesungssaal verbracht. Am College mag dieser „Theorie ist nicht gleich Praxis“-Ansatz gut gegangen sein, weil Ansah kleine Jungs übers Feld schieben durfte. In der NFL ist die Konkurrenz eine andere, und reine körperliche Wucht reicht nicht mehr. Die Hoffnung ist, dass der hoch geschätzte DL-Coach Jim Washburn und HC Jim Schwartz, der von der Defense Line kommt, Ansah innerhalb von zwei, drei Jahren fit kriegt. Der Knackpunkt ist aber, dass Schwartz dead man walking ist und schneller als gedacht auf dem Markt sein wird, wenn dieses Jahr erneut eine unterdurchschnittliche Bilanz eingefahren wird.

Detroit hat zu wenig Kadertiefe, um Ansah gemächlich an die NFL heranzuführen. Die Ends sind teuflisch dünn besetzt, wenn schon Leute wie Young und Jason Jones, eigentlich eher Tackles als Ends, die großen Starter geben müssen. Ziggy wird mehr Snaps sehen als man einem Rohdiamanten seiner Güteklasse zumuten möchte. Dass er sich dabei nur nicht verbrennt.

CB Darius Slay. Wie Ansah auf Defensive End ist auch der Cornerback Slay ein Prospect, das eine seit Jahren offene Baustelle schließen soll. Slay gilt als fassungslos schnell und lernbereit, aber das zeigte sich im Spiel bei Mississippi State nur allzu selten. Die anhaltenden Knieprobleme sind ein weiterer Punkt mit Fragezeichen für einen Spieler auf einer Position, auf der Detroit zuletzt extrem viele Verletzungsausfälle hatte und wo man endlich Stabilität braucht. Die Moves der Offseason waren immerhin allesamt gut: Der bei mir hoch geschätzte FS Louis Delmas wurde gehalten, mit S Glover Quin kommt etwas Erfahrung aus Houston, S Spievey als Backup – nimmste gern. Bei den Cornerbacks bleibt Chris Houston der erste Starter, dahinter dürfte sich Slay mit den Youngsters Bentley, Greenwood und Green um die Hackordnung balgen. Letzteres Trio geht ins zweite Jahr NFL, und die Jungs hinterließen offenbar genügend Eindruck, dass Detroit keine weiteren Defensive Backs nach dem Abgang von Lacey holte.

Eine Art Zusatzaufgabe schimmert bei Slay auch schon durch: Return-Spiel als Ergänzungsspieler für Reggie Bush und Stefon Logan.

RG Larry Warford. Warford ist ein Spieler, bei dem sich Mike Mayock gar nicht mehr einkriegen konnte, als er gedraftet wurde. Soll ein gigantisches Talent sein, ein extrem muskulös gebauter Mann für die seit Jahren vakante Guard-Position in der Line der Detroit Lions. Ich kann nachvollziehen, warum man selbst nach dem Rücktritt von LT Backus und RT Cherilus keinen Tackle holte: QB Matt Stafford kriegt den Ball wenn nötig schnell genug aus der Pocket, weil es kaum einen Quarterback gibt, der schneller beim Rausfeuern ist. Stafford ist allerdings immer dann gefährdet, wenn der Spielzug gewollt (per Design) oder ungewollt (also wenn Druck über die Mitte kommt) aus der Pocket hinausführt. Und da kommen die Guards ins Spiel. Nicht nur für offenere Bahnen im Laufspiel, sondern auch für bessere Pass-Protection gegen Defensive Tackles oder blitzende Linebackers. Das Fragezeichen ist freilich, weshalb der offenbar so großartige Warford in Runde drei purzelte, aber wollen wir im Zweifel doch mit Mayock gehen.

DE Devin Taylor. Taylor ist der erste der Spieler in diesem Lions-Draft, die für diese Saison nicht als Starter eingeplant sind. Taylor ist ein 2m-Hüne mit Armlänge einer Spinne, und schaut eigentlich aus wie der Prototyp von Defense End, den die NFL immer sucht. Ich hab Taylor bei den South Carolina Gamecocks häufig gesehen und hatte stets eine gute Meinung von diesem Prospect, aber er soll nicht agil, nicht sauber genug für die NFL sein. Taylor könnte wie Ansah ein Fall für das Feintuning bei Coach Washburn sein, aber der Punkt, dass Taylor es in vier Jahren am College nicht hinbekam, zumindest NFL-ähnliche Technik zu entwickeln, hinterlässt mich doch stutzig und fragend ob seines NFL-Potenzials. Liest sich wie der nächste Spieler, der in Detroit vor allem deswegen gedraftet wurde, weil er was werden könnte. Irgendwann.

Taylor ist immerhin ein „need“-Pick für die Kadertiefe, für 15 bis 25 Snaps jedes Spiel zum langsamen Einlernen. Ein kluger Plan könnte sein, Taylor, Ansah und den ebenso noch jungen DE Ronnell Lewis (letztes Jahr gedraftet) jeweils in Teilen einzusetzen und so langsam an die NFL zu führen. Mit einem situational player wie DE Willie Young und an der Seite der Tackle-Giganten Suh und Fairley sollten es diese jungen Spieler auch einfacher haben, sich bei den Profis einzugewöhnen.

P Sam Martin. Bei angeblichen number’s guys wie GM Mayhew und Jim Schwartz ist es immer überraschend, wenn sie einen Punter draften. Keine Frage: Das Punt-Spiel der Lions war letztes Jahr schwach, und es ist seit Jahren ein kleines Ärgernis. Insofern kann man die Intention hinter diesem Pick durchaus verstehen. Es ist mehr… alle Zahlen weisen drauf hin, dass a) die Produktivität eines Punters extrem schwer messbar ist und b) die Leistungen von Puntern aufgrund der geringen Anzahl an Versuchen extrem schwankt. Das macht den Punter zu einer verhältnismäßig wertarmen Position, oder wie es ein amerikanischer Kollege mal ausdrückte: Wenn durchschnittliche Teams Punter draften, stellen sie sicher, dass diese auch gebraucht werden. Dass ein Mathe-Stratege und Schachspieler wie Schwartz so stark an Sam Martin interessiert war, dass er ihn per Draftpick golte, überrascht.

WR Corey Fuller. Dafür, dass Detroit seit Jahren konsequent ein bis zwei Wide Receiver draftet, ist die Position immer noch enttäuschend besetzt. Fuller könnte sich bei gutem Verlauf schneller als gedacht etwas Spielzeit kaufen: Calvin Johnson ist gesetzt, aber dahinter ist vieles im Flow. Nate Burleson ist rekonvaleszent und wird nicht jünger, Ryan Broyles hatte zuletzt zwei Kreuzbandrisse en suite, Kris Durham und Mike Thomas sind auch nicht die Granaten, um die du mit heutigem Wissen bauen willst. Fuller wäre das sechste Rad am Wagen, aber bitte nicht überrascht sein, wenn vor Saisonstart entweder Durham oder Thomas zu seinen Gunsten fliegen.

RB Theo Riddick. Es ist zwar eigenartig, einen Running Back zu holen, aber immerhin passt bei Riddick die Anlage: Wendig, fangstark, quick. Riddick ist gebaut wie der typische role player auf Runningback. Problem ist nur, dass mit Reggie Bush schon ein ähnlicher Spielertyp im Kader steht (und, so er die 2%ige Chance nochmal fit zu werden nutzen kann, auch Jahvid Best). Riddick riecht etwas wie ein Streichkandidat und möglicherweise hättest du lieber einen Offense Liner für die Kadertiefe gehabt.

TE Michael Williams und LB Brandon Hepburn kommen aus der siebten Runde und sind größtenteils unbeschriebene Blätter. Williams kommt aus dem stärksten aller Football-Colleges (Alabama), fiel dort aber in Dutzenden Übertragungen fast gar nicht auf. Sehr selten, dass ich von NFL-Kalibern solcher Unis nicht eine einzige Notiz über die Jahre gemacht habe; bei Williams ist das der Fall. Hepburn kommt von Florida A&M, was bei einem Basketballspieler nach dieser March Madness eine coole Geschichte abgeben würde, aber übers Footballteam kann ich wenig bis nix schreiben: Nie gesehen. Beide Positionen waren zudem nicht wirklich problematisch in Sachen depth.

Bei den ungedrafteten Free Agents (UDFA) sticht der Name von QB Alex Carder heraus, der Mann von Western Michigan: Ein wuseliges double threat mit relativ guter Wurftechnik, und einer meiner Lieblingsspieler in den letzten zwei Jahren. Carder war vielleicht der beste, aufregendste Quarterback in der Mid-American Conference, die immerhin auch einen Zac Dysert in diesem Draft schickte. Carder könnte Kellen Moore den Platz als dritter Quarterback im Roster streitig machen.


Man sieht, dass Mayhew/Schwartz unter Druck sind: Die meisten Picks sind auf die großen Baustellen im Kader ausgerichtet, auch wenn sie nicht die risikofreiesten Spieler sind. Die komplette sportliche Leitung muss hoffen, irgendwie eine akzeptable Saisonbilanz (Güteklasse 8-8 bis 10-6) hinzukriegen und nebenbei bei Leuten wie Ansah, Slay oder Taylor wenigstens ein paar Schleifspuren zu hinterlassen. Ich habe prinzipiell nix gegen den Versuch, mögliche All-Pros wie Ansah oder Slay zu holen auf das Risiko hin, dass die Jungs es nicht packen und als Mega-Busts in die Geschichte eingehen. Auf solch wichtigen Positionen willst du möglichst hohes „Upside“. Allerdings ist das Einberufen solch unreifer Prospects normalerweise eine bessere Idee bei eh schon gut besetzten Teams, die sich ein langsames Heranführen leisten können. Detroit ist kein solches Team.

Alle Indizien deuten bei Ansah und Slay auf eher geringe denn höhere Chancen hin, dass sie jemals ihr Potenzial voll ausschöpfen können, aber immerhin haben Mayhew/Schwartz erstmals wirklich mit Nachdruck versucht, an diesen beiden großen Baustellen zu arbeiten.

Sämtliche Neueinkäufe plus Draftees dieser Offseason gelten aber immerhin als einwandfreie oder zumindest nicht skandalträchtige Charaktere. Das ist wichtig, nachdem Detroit zum wiederholten Male mit seinem Versuch, die bad boys II aufzubauen, gescheitert ist. Vielleicht wird es also doch noch was.

Die Legenden sind tot.

Die Big Ten Conference wird ab 2014 ihre Divisionen neu sortieren. Einher geht das Ableben der clownigen Divisionsnamen „Legends Division“ und „Leaders Division“, die ein Versuch waren, den Stolz der urigen und ältesten noch bestehenden College-Conference zu manifestieren. Aber wie es so ist mit zu originellen Ideen: Sie verwirrten die Fans, die nicht mehr unterscheiden konnten, welche Teams denn nun in der Legends und welche in der Leaders Division spielten.

Die Reaktion der Big Ten auf diesen ihren gescheiterten Marketing-Gag: Die Divisionen werden ab 2014 (weil dann Rutgers und Maryland neu dazustoßen werden) nach geographischen Gesichtspunkten sortiert, was immer der einfachste und verständlichste Weg ist. Dumm ist dabei höchstens eines: Die beiden Aushängeschilder der Conference, die University of Michigan (aus Ann Arbor nahe Detroit) und die Ohio State University (aus Columbus im Herzen von Ohio), werden dann in dieselbe Division eingeteilt werden. Ein Conference-Finale zwischen Michigan und Ohio State („The Big Game“) wird damit unmöglich.

Traditionalisten sehen das nicht mal als größtes Übel, da für sie das Big Game eh nur einmal jedes Jahr stattfinden darf. Bis vor wenigen Jahren war das am Samstag vor Thanksgiving. Seither ist es am Samstag nach Thanksgiving, und das war schon ein krummes Ding, für das die Conference-Leitung eine Tracht Prügel einstecken musste.

Die aufgeblähte Big Ten Conference wird ab 2014 also 14 Teams haben; ab 2016 wird jedes Team dann neunmal gegen Conference-Rivalen spielen (bisher waren es acht Spiele). Der Vollständigkeit halber nachfolgend die neue Divisions-Rangordnung ab 2014:

Eastern Division: Indiana Hoosiers, Maryland Terrapins, Michigan Wolverines, Michigan State Spartans, Ohio State Buckeyes, Penn State Nittany Lions, Rutgers Scarlet Knights.

Western Division: Illinois Fighting Illini, Iowa Hawkeyes, Minnesota Golden Gophers, Nebraska Cornhuskers, Northwestern Wildcats, Purdue Boilermakers, Wisconsin Badgers.

Vier der sechs Universitäten (Michigan, Michigan State, Ohio State, Penn State) mit den größten Ressourcen werden also im Osten spielen (Nebraska und Wisconsin sind die anderen beiden).

Frischzellenkur in Jacksonville: Grundsteinlegung

Grundsteinlegung ist das Thema, unter das man die Draftklasse der Jaguars von 2013 einordnen kann. Der erste Draft vom neuen Gespann um die Owner-Familie Khan, GM David Caldwell und Headcoach Gus Bradley litt unter dem Fehlen des so händeringend gesuchten Top-Quarterbacks, aber angesichts der unglücklichen Umstände, dass du dir mit dem zweiten Pick overall eigentlich nix kaufen kannst, gefällt mir das, was Jacksonville so alles unter Dach und Fach brachte, extrem.

OT Luke Joeckel gilt als relativ unspektakulärer, solider Pick, der die Ecken der Offense Line sicherer gestaltet. LT Eugene Monroe, einstiger hoher Pick von 2009, arbeitete sich in den letzten beiden Jahren in die Sphären der besten Pass-Blocker nach vorn, aber sein Vertrag läuft nächsten Winter aus. Behalten die Jags Monroe, dürfte das Tackle-Duo auf Jahre gesichert sein. Geht Monroe, ist zumindest der wichtige Left Tackle in Form von Joeckel bereits im Kader. Wer auch immer nächstes Jahr den Quarterback gibt, er dürfte es hinter einer Offense Line tun, die wenig Raum für Ausreden lässt. Wenn der 2te Draftpick overall erstmal nur als Right Tackle eingeplant ist, kannst du nix anderes schreiben.

Wenn es schon keinen QB gibt, dann verbessere wenigstens neben der Offense Line noch die Anspielstationen: In der vierten Runde kam in WR Ace Saunders ein Prospect für den Slot, in der fünften Runde schoben Caldwell und Co. in einem der interessantesten Moves Denard Robinson nach. Es ist nicht sicher, ob Robinson NFL-fit auf Wide Receiver gebracht werden kann (Stichwort: Routenlaufen und Ball festhalten), aber die Coaches gehören zum Teufel, wenn sie nicht irgendein Einsatzgebiet für den Weltklasseathleten Robinson (als Jungendlicher 10,44sek über 100m) finden. Vielleicht wird er auch ein change of pace-RB. Würzig ist der Pick auch, weil Robinson aus der Gegend stammt (sein Heimatdorf liegt ein paar Kilometer südlich von Jacksonville) und dort immer noch als kleiner Volksheld gilt. Ein WR-Corp aus Justin Blackmon (sofern er nach verpasstem Drogentest nicht rausgeschmissen wird), Cecil Shorts, Saunders und möglicherweise Robinson plus ein halbwegs brauchbarer Tight End in Marcedes Lewis könnte schon NFL-würdig sein.

Die klare Message dürfte in aller erster Linie QB Blaine Gabbert verstanden haben: Die Zeit der Ausreden und des Fingerzeigens auf die Mitspieler ist vorbei. Der lethargische Gabbert, bisher übel gefloppter 1st round pick von 2011, kriegt wohl zumindest noch die ersten Wochen der neuen Saison, um sich zu beweisen. Und immerhin ist Gabbert erst 23, ein Alter, in dem andere Jungs wie ein Tyler Wilson noch am College waren.

Gabbert wird sich erstmal gegen Backup Chad Henne durchsetzen müssen, und in der Hinterhand wartet mit dem ungedrafteten Free Agent-QB Matt Scott ein Junge, auf den QB-Coach Scelfo höchstpersönlich angeblich scharf war: Scelfo war Scotts Coach am College, als Scott dort den Backup für Nick Foles geben durfte. Scott ist technisch unausgegoren, aber wuselig und ein Krieger von Spieler, und es ist nicht ausgeschlossen, dass er ein Jahr Lernzeit im Training kriegt und wir nächstes Jahr nochmal drüber diskutieren, ob aus ihm mittelfristig was werden kann. Der vierte Mann im Quarterback-Bunde ist ebenso UDFA (undrafted rookie free agent) Jordan Rodgers von Vanderbilt. Rodgers? Yup, Aarons Bruder. Mit 25 Lenze schon etwas betagt für einen Rookie, sah aber durchaus NFL-kompatibel in seiner Wurfbewegung aus. Scott und Rodgers könnten sich um den letzten Platz im Roster prügeln.

Jacksonville hat gewiss einen langen Weg zu gehen, aber die Tatsache, dass hier nicht verzweifelt einen Quarterback-Nachfolger für Gabbert abgegriffen wurde, lässt mich hoffen, dass das neue Regime dort die Geduld hat, Caldwell/Bradley erstmal arbeiten zu lassen. Für Gabbert ist es der dritte Trainerstab, sicherlich suboptimal, aber wenn er es jetzt nicht schafft, kannst du den #10-Draftpick guten Gewissens auf die Straße setzen und fast sicher in einem Jahr in den Top-10 startend erneut auf die QB-Jagd gehen. Dann werden auch wieder reifere QB-Prospects erhältlich sein.


In der Defense bekommt Bradley den interessantesten Safety des Jahres: Jonathan Cyprien von Florida International. Ich kenne Cyprien nicht, aber die Scouting-Reports lassen einen enorm dynamischen, kraftvollen Spieler erwarten. Dynamisch? Kraftvoll? Riecht hier irgendwas nach Earl Thomas, Bradleys Super-Safety in Seattle? Cyprien war mit dem 33ten Pick noch zu haben, und glaubt man den Experten, war das ein Schnäppchen für die Jaguars.

In Josh Evans von der nahen University of Florida kam in den späten Runden noch ein weiterer Safety, in Dwayne Gretz und Jeremy Harris in den mittleren und späten Runden zwei Cornerbacks. Bradley bastelt an der Secondary, die schon in Seattle den Kern seiner Abwehr bildete. „Vorne“ scheint es erstmal mit vorhandenem Personal und Scheming weiterzugehen.

Geno Smith und die New York Jets

Die Einberufung von QB Geno Smith mit dem 39ten Pick zu den New York Jets war eine der weitreichendsten Entscheidungen in diesem Draftwochenende 2013. Meine erste Reaktion war „also doch“. Ich war nicht wirklich überrascht, auch wenn jedem sofort bewusst war, wie heikel die Entscheidung der Jets war.

Ma überlege: Geno Smith ist alles andere als ein fertiges Produkt. Die Skill-Player sind selbst nach dem Trade für RB Chris Ivory maximal lauwarm besetzt, die Offense Line ist eher so naaaaaaaja, der Trainerstuhl des Rex Ryan ist schon an zwei Beinen quasi durchgesägt. Oben drauf kommt noch die aggressivste Boulevard-Presse und ein Publikum, dessen Geduld nun zwei Jahre überstrapaziert wurde. Entsprechend schaumgebremst guckte Geno auf der Vorstellungspressekonferenz dann auch aus der Wäsche.

Geno Smiths Einberufung bedeutet auch: Er ist quasi per sofort der beste Quarterback im Jets-Kader. Ob er deswegen auch gleich ins Getümmel geschmissen werden sollte, ist eine andere Frage: Man riskiert, ihn zu verbrennen. OffCoord Marty Mornhinweg ist kein unterirdischer Mann, aber es galt als Konsens, dass Geno als Rookie einige Zeit zum Einlernen brauchen würde. Bloß: Von wem willste lernen?

Weil die Jets Quarterbacks sammeln wie andere Bierdeckel, war Geno Smith der sechste Quarterback im Jets-Kader. Wir sind mittlerweile bei fünf, da Tebow wie lange erwartet am Montag gefeuert wurde. Der Tebow-Einkauf letztes Jahr wird ein Mysterium bleiben, der letzte oder vorletzte Bock des ehemaligen GMs Tannenbaum. Tebows Entlassung kostet 1.5 Mio. Cap-Penalty, spart aber insgesamt 1 Mio. Platz unter der Cap ein (Tebow schreibt momentan zirka 2.5M an). Auch Matt Simms können wir als sicheren Streichkandidaten eintragen.

Vielleicht kann David Garrard als Art Mentor fungieren. Garrard geht auf die 40 zu und hat seit gut drei Jahren nicht mehr gespielt. Wenn schon Mentor, kann der Mann auch gleich einen auf Assistenzcoach geben und als solcher eingestellt werden. Greg McElroy ist noch jung und zwar blass, aber keinesfalls so unterirdisch, dass man ihn unbedingt rausschmeißen möchte. McElroys Entlassung käme aber praktisch gratis (nur 32k Cap-Penalty).

Bleibt The Sanchize, Mark Sanchez, der nach vier Jahren Stagnation als komplett verhasst in der Anhängerschaft gilt. Seine Vorstellungen schreien seit zweieinhalb Jahren nach „entlasse! Entlasse!“, aber weil ihm Tannenbaum letztes Jahr einen Deal aufsetzte, wie ihn nur ein Wahnsinniger ausschreiben kann, ist Sanchez nicht schlecht gegen den Rauswurf versichert: Er schreibt 2013/14 mit 12 Mio. Dollar unter der Salary Cap an – ein Wahnsinnspreis, aber nix gegen die Kosten, die seine Entlassung noch vor der Saison kosten würde: Die dead money würde 17 Mio. betragen, also mehr als Sanchez‘ Gehalt!

Jedem ist klar, dass Sanchez nicht die Zukunft ist. Bisher war man davon ausgegangen, dass er aufgrund des idiotischen Vertrags aber zumindest noch eine Saison überleben würde. Nach Geno Smiths Einberufung sind Zweifel angebracht: Sanchez muss sich trotz der dead money-Absicherung Sorgen machen um seine Jobsicherheit. Ein Rauswurf wäre der beste Move für die Jets.

Am günstigsten wäre eine Abschreibung noch vor dem 1. Juni, also keine Verschiffung von dead money in die nächste Saison. Die Jets würden eine Saison 2013/14 in der Hölle durchleben, aber sie hätten in einem Jahr millionenweise Platz unter der Salary Cap (locker 40-50 Mio.) – ausreichend Platz um einen Neustart zu iniziieren, ob mit oder ohne einen Head Coach Rex Ryan.


Ich sehe den Jets-Pick für Geno Smith optimistischer als andere Beobachter. Alle waren der Meinung, dass Smith die Voraussetzungen hat, eine Franchise zu führen, dass er aber Zeit brauche und man von ihm keine Luck’schen Wunderdinge erwarten dürfe. Die Jets verbrannten keine wertvollen hohen Draftpicks für die Wundertüte Geno, sondern den relativ risikofreien Pick in der zweiten Runde. Das ist insofern wichtig, da es immerhin finanziell und medial deutlich weniger heikel ist, einen Quarterback aus der zweiten Runde zu bekommen. Freilich wäre das Jahr Einlernzeit für Geno der beste Fall, aber sofern man nächstes Jahr durchstarten möchte, sollte man Sanchez entlassen und mit dem Rookie Geno in die Saison gehen. Die Offense kann eh nicht mehr unterirdischer werden und wenn alle Stricke reißen, wartet nächstes Jahr eine interessantere Quarterback-Gruppe in den Top-10.

Only God Can Judge

Unter der Woche outete sich der NBA-Center Jason Collins als erster aktiver Sportler in den Big-4 der Profiligen als homosexuell. Die Versuche der Amerikaner, mit diesem Coming Out umzugehen, gestalten sich nicht einfach und wirken stark verklemmt. Zwar unterstützt die Mehrzahl der Prominenten Collins‘ Entscheidung in der Öffentlichkeit (es gibt Ausnahmen), aber draußen in den kleinen Ortschaften sieht das anders aus. Ein Beispiel: Der ehemalige NFL-Safety Leroy Butler (Green Bay Packers) sollte eine Rede in seiner Kirchengemeinde halten. Aber lesen Sie selbst: