Tschö: Michael Owen

Das Ende der Fußballsaison ist jedes Jahr auch das Ende einiger Spielerkarrieren. Einer, der diesmal nach Saisonende in der englischen Premier League zurücktrat, war Stoke Citys Stürmer Michael Owen. Nun ist allein die Kombination aus „Stoke City“ und „Michael Owen“ für mich immer noch so fremd wie Beckham und PSG, aber dass Michael Owen in den letzten Jahren seiner Karriere sportlich etwas abgewirtschaftet hat, ist ja nix Neues.

Owen war einer der ersten Spieler, die ich von klein auf verfolgen konnte, da sein aufgehender Stern ziemlich gut mit dem Beginn meiner Zeit als fanatischer Sportkonsument zusammentraf. Und Owen war einer der Jungs, deren Stern schon am Verglühen war, wo andere Spielerkarrieren überhaupt erst ins Rollen kommen (mit Mitte 20). Owens Karrierelinie verläuft in etwa so wie aktuell jene von Wayne Rooney, auch wenn die beiden abseits davon aber mal gar nix miteinander gemein haben.

Michael Owen war bei der Fußball-WM 1998 das ganz große Ding, als 18jähriger Wunderknabe zum ersten Mal auf der großen Bühne, und wie: Das Achtelfinalspiel gegen Argentinien war eines der Spiele, die man nicht vergisst, und die in keiner Aufzählung der Karrierehighlights fehlen dürfen. Owen erwies sich nicht bloß als abgewichster Fallkünstler, als er in der zehnten Spielminute mit einer filmreifen Flugshow den Ausgleich durch einen Shearer-Elfer vorbereitete, sondern erzielte wenige Minuten später einen der herausragenden Treffer des WM-Geschichte:

Das war Owen zu jener Zeit: Erfrischend dynamisch, unbekümmert, kaum zu bändigen. England verlor jenes Achtelfinale gegen Argentinien, weil die Gauchos Owens Wundertor durch einen sehenswerten und gar nicht so einfach auszuführenden Freistoßtrick egalisierten und anschließend im Elfmeterschießen gewannen (einer der wenigen Engländer, die staubtrocken verwandelten: Michael Owen), aber es gab am Turnierende keinen Zweifel, wer zu den großen Stars gezählt hatte: Owen himself.

Im Dress des FC Liverpool war Michael Owen Europas Fußballer des Jahres (2001), nachdem Liverpool in einem weiteren epischen Match den UEFA-Pokal gegen Alaves gewonnen hatte. Aber schon mit 22, 23 Jahren ging es abwärts. 2002 bei der Fernost-WM war er einer der wenigen hellen Punkte in einer eigenartig sterilen englischen Mannschaft, aber es war ein mattes „Hell“: Der Owen der früheren Tage war das nicht mehr.

Owen ging in der Folge nach Madrid, und Liverpool gewann ausgerechnet im ersten Jahr nach seinem Abgang zum fünften Mal die Champions League. In Madrid wurde Owen nie glücklich, und spätestens nach dem Kreuzbandriss bei der WM 2006 gegen Schweden verloren sich unsere Wege. Es ging sogar so tief runter, dass Owen zum role player in Manchester degenerierte, beim großen Erzrivalen des FC Liverpool.

Owen fand vor wenigen Wochen unweit seines heimischen Landguts eine Ente mit zerrupftem Flügel. Er nahm sie mit zu sich nach Hause und pflegte das arme Ding gesund. Entließ sie in die Wildnis zurück. Fuhr ins Trainingslager. Zur Rückkehr empfingen ihn keine Trompeten und Fanfaren, sondern quakendes junges Geflügel: Die Ente hatte ihren Nachwuchs auf Michaels Hof ausgebrütet. Eine schöne Geschichte zum Ausklang einer merkwürdigen Karriere für einen fast vergessenen englischen Hoffnungsträger, der die geschürten Erwartungen letztlich nie ganz erfüllen konnte. Eine Ikone der 2000er war Michael Owen dennoch.

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