Alex Gibbs und die Denke eines Coaches

Mitte vergangener Woche bin ich mehr zufällig bei einer Youtube-Recherche auf ein Video gestoßen, in dem Alex Gibbs, der bekannteste Kopf hinter dem „Zonenblocking“, einer Schar von Nachwuchstrainern erklärt, wie das Dingens mit der Zone Block Offense funktionieren sollte.

Das alles ist lehrreich, aber es gibt in dem Video eine Aussage von Gibbs, die auf etwas Allgemeineres hindeutet und sinngemäß lautet: Wichtig sind die Reads der Running Backs. Manchmal lesen sie das Play falsch, aber es kommt ein Big Play bei raus. Das will ich nicht. Ich will, dass meine Backs die Plays und Reads richtig ausführen, so wie wir es trainiert haben.

Das ist ein fantastischer Kommentar, der die Denke von Coaches untermauert. Trainer glauben, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit im Football am höchsten ist, wenn sie die Kreativität der Protagonisten auf dem Feld (ugs. Spieler) möglichst eindämmenu und ihnen klare Vorgaben geben. Die Spieler sollen allein ausführendes Organ sein – aber sie müssen korrekt ausführen.

Wenn mal „aus Versehen“ ein Big Play trotz falscher Exekution rausspringt – geschenkt (ich glaube nicht, dass der Coach nein sagen würde). Aber Coaches wollen um jeden Preis verhindern, dass Running Backs wie Shady McCoy oder Chris Johnson nur noch die highlightträchtigen Big Plays suchen. Denn diese sind schlecht für die Erfolgswahrscheinlichkeit. Trainer glauben, dass du beständig sein musst, richtige Ausführung Play für Play, dann kommen die langen Läufe ganz von allein.

Diese Interpretation spiegelt sich auch in der Welt der Statistiken wider: Heerscharen von Mathleten haben aufgezeigt, dass die konstanten 4yds-Läufe ein probateres Mittel sind als boom or bust. Die von Andy Goldschmidt diskutierte Success-Rate im Laufspiel (auch angeschnitten: hier) korreliert viel besser mit dem Erfolg des Passspiels und mit Sieg und Niederlage als andere Lauf-Statistiken – und genau da können wir auch draus folgern, was Coaches im Laufspiel zu optimieren versuchen: Success-Rate. Sie versuchen, einen Spielzug so zu designen, einen Spieler so zu lehren, dass sie nach diesem einen Down das Gefühl haben, jetzt sind wir besser dran als vorher. Die Big-Runs werden kommen, zwischendurch, sie sind eingeplant, aber der Zeitpunkt ist völlig zufällig und unkontrollierbar.

Alex Gibbs‘ Statement lässt sich meiner Meinung nach genau so intrepretieren wie eben beschrieben. Die Statistiken lassen genau die gleichen Schlüsse zu. Coaches und Advanced-Stats sind nicht so unterschiedlich, wie wir glauben. Coaches sind natürlich intuitiver, weil es am Spielfeldrand keine Computer gibt, aber das ändert am Kern nix: Die Coaches wissen ihre Ressource, das Down, und dessen Möglichkeiten und Potenziale, sehr gut einzuschätzen.

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