NFL-Franchises im Kurzporträt, #20: Tampa Bay Buccaneers

In den 70ern gegründet, aber 20 Jahre gebraucht, um sich Respekt zu verschaffen. Das sind die Buccaneers, die erst nach Stadion-, Wappen- und Trikotwechsel und einem Unsympathen-Owner zum Top-Team mutiert sind.

Die orangene Lächerlichkeit

Florida brauchte neben den Dolphins ein zweites Footballteam. Die Bucht um Tampa/St. Petersburg bekam den Zuschlag – dank Piratenlegenden hatte man auch schnell einen Spitznamen bereit. Willkommen, die Tampa Bay Buccaneers.

1976 kamen die Buccaneers als Expansionsteam gemeinsam mit Seattle in die Liga, spielte erst ein Jahr in der AFC, danach NFC, sodass man gleich zu Beginn zu allen Mannschaften „Hallo!“ sagen konnte – und jeder Mannschaft einen Sieg schenken konnte. Denn Tampa Bay verlor gleich die ersten 26 Spiele der Vereinsgeschichte. Man war so sehr in der Schublade der Lächerlichkeit, dass die Coaches von Saints und Cardinals, gegen die man die Spiele #27 und #28 endlich gewinnen konnte, daraufhin sofort entlassen wurden.

Tampas grellorganene Trikots entwickelten sich zum Symbol für Looser – obwohl man damit eigentlich die vier großen Universitäten des Staates repräsentieren wollte: Orange für UF & Miami, dunkelrot für FSU & UT.

Willkommen im Mittelmaß

1979 spielte man zwar plötzlich im NFC-Finale, aber das revolutionärste, was die Buccs zu dieser Zeit in die Liga brachten, waren die weißen Heimtrikots – damit die Gegner unter der flordi florin floridianischen (?) Sonne schwitzen mussten.

Über eineinhalb Jahrzehnte näherte man sich fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit Jahr für Jahr dem Abgrund. Ein Owner, der sich weigerte, angemessene Gehälter zu zahlen, ein Heimpublikum, das dadurch nicht bereit war, die Verlierer anzuschauen – einige Zeit waren die Buccs damit zwar rentabel, aber am Ende doch kurz vor der Pleite.

Alles neu in Tampa Bay

Mitte der 90er war dann genug mit Verlieren. Der neue Owner Malcolm Glazer (jo, der ManUnited-Glazer) baute ein neues Stadion, kreierte ein neues Logo, änderte die Teamfarben, strickte neue Trikots und installierte einen neuen Coach – Tony Dungy. Mehr Neuigkeit geht nicht.

Gemeinsam mit den blutjungen Abwehrspielern DT Warren Sapp (Miami) und dem pfeilschnellen LB Derrick Brooks (FSU) machte Dungy die Buccs dank „Tampa 2“-Defense innerhalb weniger Jahre zum Titelkandidaten. Dungy holte in Tampa aber nie den Titel. Glazer hatte nach mehreren Playoffniederlagen die Schnauze voll, installierte den intensiven „Chucky“ Jon Gruden als neuen Coach, der 2002/03 sofort im ersten Jahr den Titel abstaubte, für den Dungy das Feld bereitet hatte. Gegen Grudens altes Team Oakland wurde ein kinderleichter Sieg in Super Bowl XXXVII geholt.

Danach folgten wechselhafte Jahre, in denen Tampa Bay unter dem Fehlen eines Franchise-QBs litt, aber trotzdem hin und wieder die Post Season erreichte. Nach Grudens Abgang holte Tampa vor zwei Jahren QB Josh Freeman, der bisher ambivalente Eindrücke hinterlässt, aber aus rational wenig nachvollziehbaren Gründen mein derzeitiger NFL-Lieblingsspieler ist. Es kann wieder aufwärts gehen in Tampa.

Das Räuberschiff

Raymond James Stadium

Raymond James Stadium

Tampa Bays Stadion ist seit Ende der 90er das Raymond James Stadium (68.000 Plätze), für mich eines der schönsten Stadien in der NFL und versehen mit einem ganz besonderen Clou: Hinter einer Endzone steht ein Piratenschiff, von wo bei jedem Touchdown Salven abgeschossen werden – siehe nachfolgend:

Piratenschiff

Piratenschiff

Rivalitäten

Die größte Rivalität hat sich Mitte des vergangenen Jahrzehnts zwischen Buccs und Carolina Panthers entwickelt: Zwei defensivstarke Mannschaften im Kampf um die Divisionsvorherrschaft. Ansonsten dürfte für Tampa das Skalp der Philadelphia Eagles von Wichtigkeit sein: Zu Beginn der 2000er scheiterten die Buccs immer und immer wieder an den Eagles in der Post Season, um beim x-ten Mal die Eagles in Philadelphia rauszuwerfen und eine Woche später die Super Bowl zu holen.

Gesichter der Franchise

  • Tony Dungy – Head Coach. Führte Ende der 90er die Tampa 2 Defense ein und wurde ein Jahr vor der Super Bowl gefeuert. Unglaublicher Sympath. O-Ton Warren Sapp in der entsprechenden Serie von America’s Team über Dungy: Mit Tony Dungy hätten wir 2002 nicht den Titel geholt. But I love him to death.
  • Warren Sapp – DT, Lautsprecher und Fettsack, aber bärenstarker fetter Sack. War mitverantwortlich für eine der besten Defenses ihrer Zeit und eines der markantesten Gesichter der Liga. Heute in der Hall of Fame und pleite.
  • Derrick Brooks – LB, Herz der Defense und aufgrund seiner Schnelligkeit ein gefürchteter Linebacker.

korsakoffs Highlight

Super Bowl XXXVII – Oakland galt als leichter Favorit in dieser Partie, aber Tampa mit dem unglaublichen DE Simeon Rice zerfetzte von Beginn an die Offensive Line der Raiders und fuhr in der Folge über die Raiders drüber. Hätte man Jon Gruden angestellt, einem Kind einen Lutscher zu klauen, Gruden hätte damit größere Probleme gehabt, als dieses Spiel zu gewinnen.

Eckdaten

Gegründet: 1976
Besitzer: Malcolm Glazer (First Allied)
Division: NFC South
Erfolge: Superbowl-Sieger 2002, 10x Playoffs (6-9) – Stand 2013