Die Akademische Viertelstunde: Big 12 Conference im Sommer 2013

Es ist nur etwas mehr als drei Jahre her (Juni 2010), da waren die Abgesänge auf die Big 12 Conference geschrieben und nur noch den Klick auf den „online“ Button von der Veröffentlichung entfernt. Das Urgestein Nebraska war gerade in die Big Ten Conference geflohen, Colorado in die Pac-12 Conference, und das Goldene Quartett Oklahoma-Texas-Texas Tech-Texas A&M sollte folgen. Im allerletzten Moment konnte der Absprung verhindert werden und eine völlig instabile, in sich zerstrittene Conference blieb zurück.

Die texanischen Unis gegen Oklahoma. Die kleinen Unis im Norden (Kansas, K-State, Iowa State) gegen Oklahoma und Texas. Texas gegen alle. Der Sommer 2010 endete damit, dass sich die Kleinen den Großen (vor allem der University of Texas) beugten, vor allem deswegen, weil sie ohne die Riesen selbst auf der Straße gesessen wären und ihren BCS-Status verloren hätten. Texas war auch ganz froh, konnte sich am Ende als Retter des Königreichs feiern lassen und musste nicht in Pac-12 oder SEC eine Uni unter vielen werden.

Ein Jahr später, 2011, sprangen Missouri und Texas A&M in die SEC ab, da sie von den Zicken der Uni Texas genug hatten: Diese hatte ihr millionenschweres Longhorn Network mit ESPN-Hilfe gegründet um ihre Vormachtstellung unter Beweis zu stellen. Als Reaktion holte sich die Big 12 West Virginia und das aufstrebende TCU und feuerte Commissioner Dan Beebe.

Der neue Commissioner ist Bob Bowlsby, ein Name, den man sich merken sollte. Die Unis beschlossen ein gemeinsames Revenue-Sharing, mit dem alle halbwegs zufrieden sind: Texas und Oklahoma bleiben Krösus, aber sie wissen, dass sie eine starke Liga im Hintergrund brauchen. Und die Kleinen, Baylor, Kansas, K-State und Freunde, wissen, dass sie sich im Ruhm der Großen Zwei sonnen können und nur dadurch weiterhin in einer Power-Conference spielen können. Seither ist Ruhe eingekehrt.

Die Big 12 Conference ist heute recht stabil und auf alle Fälle mehr als zwei Dominosteine vom Zerfall entfernt. Ob der Friede trügerisch ist oder tatsächlich hält, will niemand mit 100% Sicherheit sagen. Aber die neuen TV-Deals mit ESPN und FOX sowie der Umstand, dass öffentlich nur noch über eine Lappalie wie ein einheitliches Branding (wir sollen „Big 12“ schreiben, aber das immer noch gültige offizielle Logo sticht durch „Big XII“ hervor) diskutiert wird, stimmen positiv. Und dass in dieser Zehnerliga jeder gegen jeden spielt, und in den nächsten Jahren ein breites sportliches Spitzenfeld für Spannung bis zum Schluss sorgen wird, kann dem Erfolg der Liga auch nicht schaden. Aber zum Sportlichen jetzt mehr…

Sehen wir’s sportlich: Der korsakoff-Take

Dachterrasse: Oklahoma State, TCU, Texas
Zweiter Stock: Oklahoma, Baylor
Erdgeschoss: West Virginia, Kansas State, Texas Tech
Kellerkinder: Iowa State, Kansas

BCS-Titelkandidaten: mit etwas Glück Texas

Die Big 12 dürfte dieses Jahr breiter aufgestellt sein als in anderen Jahren, mit vier, fünf Teams, die sich berechtigte Meisterschaftshoffnungen machen können. Das sollte für ein aufregendes Titelrennen sorgen, aber der Wermutstropfen ist, dass es vermutlich kein Team gibt, das ungeschlagen durchkommt und die BCS stürmen kann. Am ehesten ist ein solches Husarenstück wohl noch den Texas Longhorns zuzutrauen.

TCU und Oklahoma State schauen mir aus wie echte Dark-Horses. Im Mittelfeld sind alles halbgare Teams: Baylor, WVU und Texas Tech haben keine Abwehr, Titelverteidiger K-State muss seinen lebenswichtigen QB und die komplette Defense ersetzen. Sollte eine dieser Mannschaften, vor allem Baylor, einen Hauch von Defense finden, ist aber ein Durchmarsch an die Spitze nicht ausgeschlossen.

Die Kellerkinder bleiben dieselben Verdächtigen wie immer: Iowa State und Kansas sind aufgestellt, die eine oder andere Überraschung zu schaffen, aber insbesondere die Kansas Jayhawks haben keine Chance, mehr als drei, vier Conference-Siege zu holen.

5 thoughts on “Die Akademische Viertelstunde: Big 12 Conference im Sommer 2013

  1. Was K-State und seinen QB angeht mal ein Auge auf Daniel Sams behalten. Ein wahnsinniger scrambler, der feil schnell und flink ist. Er mag vllt. noch nicht der beste Werfer sein. Was ich aber in der Machtdemonstration gegen Miami in Manhattan im letzten Herbst von ihm gesehen habe als er am Ende für Collin Klein war absolut überragend. Unbekümmert und leicht, mal gleich für 2 TD´s gelaufen.
    Ich sage nicht das er Klein 1-1 ersetzten wird, das geht gar nicht. Aber einfach mal im Auge behalten ob der sich auch Langfristig so zeigen kann.

  2. eine frage zu Ohio State Buckeyes sind die wieder berechtigt an den bowl games teilzunehmen nach der sperre.

  3. @joeyseck: Ja, Sams ist ein exzellenter Scrambler, aber seine Wurftechnik… meine Fresse. Das reicht gegen den Big 12-Bodensatz, aber ich sehe keine Chance, dass Sams gut genug ist für die Defenses von, sagen wir, Texas oder TCU.

    @jogi: Ja.

  4. „aber insbesondere die Kansas Jayhawks haben keine Chance, mehr als drei, vier Conference-Siege zu holen.“

    Ich glaube, das ist irgendwie die optimistischste Einschätzung des Jahres. Gegen wen sollen diese Siege kommen? Ein Conference Sieg wäre bereits ein Fortschritt und Erfolg. Zwei Conference Siege ein extrem gutes Abschneiden. Drei Siege wären für mich eine Sensation… Die Ausgeglichenheit der Big12 in der Breite bedeutet auch, dass eigentlich alle Teams ne Klasse besser als die Jayhawks sind. Auch Iowa State. Und gegen die Cyclones muss Kansas auch noch on the road antreten.

    Auch wenn die Jayhawks sich in dieser Saison steigern- jeder

  5. Iowa State dürfte nicht unerreichbar sein, und bei WVU und K-State sehe ich durchaus Katastrophenpotenzial. Klar sind beide immer noch um Welten besser aufgestellt als Kansas, aber es hätte größere Sensationen gegeben.

    Kansas war schon letztes Jahr nicht nur hoffnungslos (u.a. 0-5 in engen Spielen, darunter Oklahoma State und Texas). Dazu stößt eine eine Unzahl an Spielern aus den JUCOs neu dazu. Das ist zwar nicht nachhaltig, dürfte aber 2013 qualtativ helfen.
    Der QB Jake Heaps ist dieses Jahr spielberechtigt. Ich habe Heaps von BYU in eigentlich exzellenter Erinnerung und bin mir nicht sicher, woran es lag, dass er dort so plötzlich verbrannt war. Potenziell ein gewaltiges Upgrade. Komplett aussichtslos sehe ich Kansas nicht – who knows.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s