GFWTC, #82: LB Brian Cushing

Brian Cushing ist mein #3-gerankter Inside Linebacker. Er ist Profi bei den Houston Texans und geht in sein erst fünftes Jahr in der NFL. 2009 war der Defensiv-Rookie des Jahres, obwohl er bei einem Dopingtest positiv getestet worden war. Damals wurde die ursprüngliche Wahl annulliert, aber auch in der zweiten Wahl setzte sich Cushing durch. Ein Zeichen dafür, wie es in der NFL zugeht.

Lassen wir das Thema.

Cushing ist gleichermaßen Inside wie Outside Linebacker. In die NFL gekommen ist er als OLB, als Spieler, der als sehr komplett galt: Keine richtige Schwachstelle, aber bis auf die monströsen Hits auch keine weltbewegende „eine“ Stärke. In den letzten beiden Jahren spielte Cushing vor allem auf ILB in der neuen, aggressiven 3-4 Defense. Und Cushing machte eine Wandlung durch.

Er gilt heute als bester Linebacker, was „Inside-Blitzes“, also Blitzen über die Spielfeldmitte angeht. Das ist für meine GFWTC-Defense, die in Jason Pierre-Paul den besten 4-3 Defensive End und in Gerald McCoy den zweitbesten 4-3 Under Tackle der Liga besitzt, von unschätzbarem Wert: Eine dritte ernst zu nehmende Dimension im Passrush: Linebacker-Blitzing. Ich kann garantieren, dass das nicht der letzte Spieler für meinen Passrush sein wird, aber Cushing wurde durch die vielen gedrafteten Linebacker ein Muss mit meinem Neuntrundenpick. Es wären danach noch gute ILBs verfügbar gewesen, aber die meisten verbliebenen Optionen sind eher eindimensionale.

Cushing ist rekonvaleszent (wie übrigens auch der von mir geholte OG Carl Nicks). Ist das ein Grund, weswegen er durchfiel in die neunte Runde? Auf alle Fälle ist das für das Team korsakoff ein weiteres vielseitiges Puzzleteil, und somit exzellenter Value.

GFWTC – Team Herrmann (Runden 1-8)

Die von den Hard-Count-Jungs ins Leben gerufene und von footballissexbaby technisch unterstütze German Football Writers Teambuilding Challenge macht viel mehr Spaß als ich gedacht hätte. Hier nochmal ein großes Danke an Euch! Zuerst hab ich gedacht „mal sehen, was das wird“, aber jetzt hab ich meinen Twitter-Account wiederentdeckt und erwarte den jeweils nächsten pick mit mehr Spannung als bei der echten Draft. Team Herrmann hat bis jetzt ein sehr stabiles Gerüst; wie das kam, hier in chronologischer Reihenfolge: (alle anderen Artikel zur Challenge finden sich hier.)

Runden 1 & 2

Im Anfang war J.J.Watt. Der NFL-MVP Sportler des Jahres war an meiner vierten Position noch zu haben und so griff ich natürlich zu. Ich hab kurz überlegt, einen Quarterback zu nehmen, aber der Unterschied zwischen Watt und dem zweitbesten Verteidiger ist viel größer als der Unterschied zwischen dem besten QB (Rodgers) und dem sechst- oder siebentbesten.

Runde zwei: hier hatte ich mich schon davon verabschiedet, in den frühen Runden einen Quarterback zu nehmen. Kaepernick (1st pick), Wilson (7th) und Griffin (10th) sind für mich (noch) keine Top-10 QBs. Es waren zu diesem Zeitpunkt nur noch Benni (@bkoepfle) und Daniel (@42661977) spielmacherlos und noch drei meiner Top-6 QBs zu haben – kein Grund zur Eile also.

In dieser Luxusposition fiel es mir leicht, einfach den zweitbesten Verteidiger auf meinem Board zu nehmen. Cornerback Darrelle Revis an 17. Position zu picken, ist ein no-brainer. Sollte er nach seinem Kreuzbandriß nicht langzeitgeschädigt sein, wonach es nicht aussieht, wird er dem kleinen Eiland Richard Sherman in der kommenden Saison zeigen, was ´ne richtige Insel ist.

Runden 3 & 4

An Position 24 hab ich dann ernsthaft überlegt, einen Offensivspieler zu nehmen, aber da selbst Kaliber wie Larry Fitzgerald und Andre Johnson noch zu haben waren und auch erst ein einziger Offensive Linemen (Joe Thomas an 12 zu @maschemist) weg waren, hab ich mich auf die andere premium position der Verteidigung (neben Cornerback) konzentriert. Da in meiner engeren Defensive-Coordinator-Auswahl Rex Ryan und Ray Horton waren, sollte es ein 34-OLB sein. Clay Matthews ging schon in der zweiten Runde und für Werner Leinmähnn (Name von der Redaktion geändert) war es noch zu früh. So wurde es guten Gewissens DeMarcus Ware, ein 34-OLB wie aus dem Bilderbuch.

Schließlich sollte es in Runde vier dann tatsächlich ein Angreifer werden, aber vom Big Board ganz oben waren laute Hilfeschreie zu vernehmen: Calais Campbell, der Zerstörer aus Arizonas Linie, suchte tatsächlich noch einen neuen virtuellen Arbeitgeber.

Campbell gehört für mich zu den fünf besten Verteidigern der Liga – mit Watt, Von Miller, Revis und Geno Atkins. Er ist mit 2,04m nochmal acht Centimeter größer als Watt, genauso explosiv und nur in purer Muskelkraft hat ihm Watt ein Iota voraus. Seine Anzahl an Sacks kann mit 28 über die letzten vier Jahre natürlich nicht mit Watt mithalten. Aber im Gegensatz zu diesem hat er auch in einem klassischen two-gap scheme gespielt. Der letzte two-gap end mit Superstar-Status war Richard Seymour – und nicht mal der konnte so viele Sacks und batted passes wie Campbell vorweisen. Warum ist er nun kein Superstar? Seine öffentlich Wahrnehmung leidet unter vier Punkten:

  • Position: 34-DE ist immer noch so unsexy wie das Wort “unsexy”
  • Konkurrenz: er ist nicht der beste Spieler auf seiner Position
  • Small market: er spielt im Nichts, irgendwo zwischen Klapperschlangen und honey badgers
  • Loser: sein Team verliert

Für mich ein ganz klarer Steal!

Runde 5 & 6

Jetzt aber, in Runde fünf, führte kein Weg mehr an einer Offensivwaffe vorbei. Als Freund von Offenses à la Norv Turner, Kevin Gilbride und Bruce Arians – sprich: mit ausgeprägtem vertikalen Element – sollte es natürlich ein großgewachsener, kräftig gebauter No.1-Receiver sein, der die Seitenlinie beherrscht. Mit Fitzgerald (dritte Runde zu @RonGL83) und Calvin Johnson (erste Runde zu Daniel, @42661977) waren die beiden Prototypen natürlich schon weg; aber mit Tampa Bays Vincent Jackson war noch ein wohlbehändeter 1,95m-Mann zu haben, der Norv Turners Lehrbuch für diese Position illustrieren könnte.

Da bisher vier Verteidiger und nur ein Angreifer im Team waren, mußte an Position 57 weiter die offensive Seite verstärkt werden. Die Wahl würde fallen zwischen einem Offensive Tackle und – häh? Vernon Davis ist noch zu haben?!?

Dieser paßt mir hervorragend ins Konzept als langbeinige, pfeilschnelle Waffe mit Händen wie ein Masseur. Mit einem Tight End als zweitem go-to player hat Arians von sich aus auf den Job als OC verzichtet, aber Turner und Gilbride werden dafür immer heißer.

Runden 7 & 8

In Runde sieben mußte dann aber endlich ein Offensive Tackle her und als safest pick und komplettesten Anker der Linie identifizierte ich den Deutschen Sebastian Vollmer: 2,04m groß, schwer wie ein Barrel Öl und beweglicher als die meisten Draftboards

Warum erst ein Right Tackle und keiner für links? Ich glaube, man braucht einen herausragenden Offensive Tackle für die Linie, den man alleine lassen kann im Kampf gegen den Pass Rusher auf seiner Seite, ob das nun links ist oder rechts, ist egal. Dem anderen Tackle kann man dann problemlos Hilfe zukommen lassen in Person eines Guards, eines chip blocks durch den Tight End oder durch einen Running Back.

Weil aber ein herausragender O-Liner nicht genug ist, kam in der nächsten Runde gleich noch einer. San Franciscos Mike Iupati ist ein Monster im Laufspiel – und genau darum ist er im Team. Er erinnert mich immer ein wenig an die vier Zenter schwere Augenweide Chris Kemoeatu, der vor einigen Jahren bei den Steelers aus dem pull block eine Kunstform gemacht hat. Wenn der mal zwei Schritte Anlauf hatte, hat er drei Zentner schwere Gegner zu Zwiebelmett verarbeitet. Iupati hat nun gegenüber Kemoeatu noch den Vorteil, daß er auch im pass blocking zu gebrauchen ist (ohne Anlauf sah Kemoeatu eher aus wie ´ne morsche Eiche).

Zwischenfazit

Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Auf der einen Seite hab ich mit Watt, Revis und Campbell drei Superstars und die D hat sogar schon eine klare Form als aggressive 3-4-Formation. Und auf der anderen Seite stehen zwei hervorragende Waffen für die Tiefe und zwei Linemen, die beide sowohl dem Quarterback viel Zeit für die tiefen Routen geben als auch große Löcher für den Running Back reißen können.

Bei den Entscheidungen für  Watt, Revis, Campbell und Davis hab ich einfach den besten noch verfügbaren Spieler genommen, also strikt nach value entschieden. Bei den anderen vier war die Position entscheidend. Ein Pass Rusher war nach Watt und der luxuriösen Quarterback-Situation ganz oben auf dem Einkaufszettel genau wie zwei erstklassige Offensive Linemen. Bei Vincent Jackson hab ich wahrscheinlich etwas zu früh zugegriffen (Runde fünf), zumal immer noch – Stand Beginn Runde neun – klassische Nr.1-WR zu haben sind.

Und ohne Jackson hätte ich in Runde acht auch Dwayne Allen nehmen können, verdammteaxt!, der dann an 80. Position an @footballissex ging. Kurioserweise hat Allen den bisher größten Aufschrei hervorgerufen. Die halbe Liga wollte ihn haben und hat dabei – so wie auch ich – gehofft, daß man ihn locker noch in Runden zehn oder elf abgreifen kann, weil ihn sonst niemand auf dem Zettel hat.

Für die Defense hab ich noch zwei Wunschsspieler, von denen ich hoffentlich mindestens einen bekomme. Für die Offense hab ich noch einen Liebling, mit dem ich meinen zukünftigen OC gerne beglücken würde. Allerdings gibt es auf Angriffsseite auch noch einige Steals, die auf einen Dieb warten. Überhaupt sehe ich im Angriff noch viel mehr starke Spieler als in der Defense.