GFWTC, #119: OG Kevin Zeitler

Das Guard-Phänomen im 10-Teilnehmer-Feld der GFWTC habe ich schon im Blogeintrag zu Carl Nicks erklärt, und weil es sich bei einem Aaron Rodgers gut trifft, und dieser mein GFWTC-Quarterback seine einzige wirkliche Schwachstelle hat, wenn die Offensive Guards zu schnell den Passrush durchkommen lassen, ziehe ich auf #119 quasi mit Halbzeit der Team Challenge alle Register und verpflichte den jungen Offensive Guard Kevin Zeitler, der rein zufällig von der besten (und manche behaupten: weltweit einzigen) Schule für Offensive-Linemänner: Der University of Wisconsin. Mal ehrlich: Ein Team korsakoff ohne Blocker von Wisconsin – das hatte doch niemand ernsthaft erwartet, oder?

Zeitler war mein #4-gerankter Offensive Guard, nach Yanda, Iupati und Nicks (der in meiner Mannschaft den anderen Guard gibt), und er war es nicht nur, weil er eine sehr gute Rookie-Saison 2012/13 spielte, sondern auch wegen seines Alters. Klar hätte ich Jahri Evans, Mankins oder Brandon Moore draften können, aber die haben alle bereits ihre herbstlichen Nachmittage auf dem Buckel – und bei allen hat man ihre Flauseln schon entdeckt. Beim jungen Zeitler haste wenigstens noch Hoffnung, dass sie sie bei ihm nie finden werden.

Mal im Ernst: Ich hätte ohne mit der Wimper zu zucken auch einen David DeCastro gezogen, selbst nach dessen durchwachsenem und verletzungsgeplagtem Rookie-Jahr. Es ist erst ein Jahr her, da war im direkten Duell Zeitler vs DeCastro klar, wen die Pundits für den besseren, kompletteren Spieler hielten. Der Zeitler-Pick ist für mich in dieser Hinsicht auch ein Tribut an einen jungen Guard, der als Rookie in einer beinharten Division gegen exzellente Defensive-Fronts gehalten hat und sich somit das Privileg, Aaron Rodgers zu beschützen, verdient hat.

The Countdown, T-minus 57: West Virginia Mountaineers

Die West Virginia Mountaineers gehörten zu den exzentrischsten Teams in der letzten Saison, ihrer Debütsaison in der Big 12 Conference: Mal top mit sensationellen Punktezahlen in der Offense, mal flop mit Debakeln und katastrophalsten Defensiv-Vorstellungen. Ergebnisse wie 70-63, 700yds-Passoffense in einem Spiel, oder 350yds Laufspiel für einen Wide Receiver in einem Spiel? Es war alles dabei, ebenso wie 600 aufgegebene Passyards in der Abwehr.

West Virginia und die Rednecks (das Gros der Big 12 ist in den Rednecks zuhause) haben geographisch aber mal gar nix miteinander zu tun (suche den Ausreißer), aber kulturell passt die Offensivgewalt der Mountaineers wie Arsch auf Eimer in die Big 12. Diese Offense trägt die Handschrift vom Head Coach Dana Holgorsen, einem der kreativsten Köpfe im Football-Business. Holgorsen kommt aus der Air Raid-Offense, und es wurden viele, viele Einträge geschrieben, wie Holgorsen sein System implementiert.

Die kommende Saison wird Holgorsens größter Test: 2012 war mit ihrer 7-6 Bilanz das schlechteste Jahr der Mountaineers seit einem Jahrzehnt, und nun ist auch noch fast alles an Spielermaterial weg, was Rang und Namen hatte: QB Geno Smith, WR Stedman Bailey, WR Tavon Austin. Läuft Holgorsens Offense auch geschmiert, wenn nur noch unbekannte Spieler dabei sind?

Charakteristisch für die Mountaineers ist eine Orgie an schnellen Kurzpässen, die häufig (Schätzungen sind 1/3 der Passversuche) schon hinter der Anspiellinie gefangen werden und dann von schnellen, wendigen kleinen Receivern mit vielen Yards after Catch nach vorne getragen werden. Die Offense ist, wenn sie „klick macht“, super effektiv, aber es hängt vieles an der Offensive Line, die bei mir im Ruf steht, zuviel Auf und Ab zu sein. Werden zu viele Assignments verpasst, werden die Spielzüge zu schnell abgewürgt, und dann kommen eine Woche nach einem Punktefestival plötzlich scheinbar unerklärlicherweise nur mehr 14 Offense-Punkte raus.

Holgorsen steht im Verdacht, sich zu sehr auf seine Kernkompetenzen (er war jahrelang WR-Coach) zu konzentrieren und alles weitere (O-Line, Defense) zu stark zu vernachlässigen. Die Defense muss nicht spektakulär sein, aber sie sollte wenigstens etwas mehr Passrush zustande bringen: 23 Sacks sind bei der Unzahl an Würfen, die die WVU-Defense gegen sich ausgespielt sah, viel zu wenig. Die Hoffnung ist auch, dass die mittlerweile etwas erfahreneren Defensive Backs aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.

Zumindest eine 6-6 Bilanz und die damit einher gehende Qualifikation für die Bowl Season sind aufgrund des Schedules wohl drin – viel mehr könnte aber schon zuviel verlangt sein, wenn die Offense zu stark nachlässt und die Defense zu wenig verbessert auftritt. WVU 2013 = Mittelklasseteam in der Big 12.