The Countdown, T-minus 56: Auburn Tigers

The Countdown ist mittlerweile bei der 56 angelangt, und Paul Myerberg schreibt darin über die Auburn Tigers (für mich überraschend hoch gerankt an #56), den National Champion von 2010/11, der seither innerhalb kürzester Zeit zu einem zahmen Kätzchen verkommen ist und im Winter den Meistertrainer Gene Chizik feuerte – so kurz nach einem Titelgewinn wie nie zuvor ein anderer Coach. Die Meister-Tiger von damals bestanden in erster Linie aus drei Protagonisten: DT Nick Fairley, QB Cameron Newton und OffCoord Gus Malzahn, ein Guru der Spread-Offense. Malzahn wurde letztes Jahr gefeuert um eine NFL-„typische“ (für Mitte 2000er Verhältnisse) Offense zu implementieren, die viele begehrte Talente der Region anspricht. Die Folge war der Einbruch auf eine unerhörte 3-9 Bilanz, inklusive der ersten sieglosen SEC-Saison seit über 30 Jahren. Das passiert, wenn dein Cheftrainer keine Ahnung hat und deine rekrutierten Spieler für was ganz anderes gedacht waren.

Nun ist Malzahn wieder zurück – als Head Coach. Die Anstellung Malzahns ist ein unausgesprochenes Schuldeingeständnis der sportlichen Leitung, mit Malzahn letztes Jahr den falschen Kopf rasiert zu haben (Chizik wäre schon da fällig gewesen). Jetzt kann Malzahn „seine“ Offense mit „seinen“ (also den schon vor Jahren von ihm rekruitierten) Spielern installieren.

Spielermaterial ist zuhauf da: Die Running Backs waren selbst in dem Schrotthaufen von 2012 Spitzenklasse, die Combo aus dem Sprinter Jonathan Ford und Tre Mason sucht vielleicht sogar in der SEC ihresgleichen. Wenn ein Guru der spread-run offense wie Malzahn da nix draus macht, dann Gute Nacht. Viel mehr Sorgen macht das „Passspiel“ (Anführungszeichen absichtlich gesetzt). Letztes Jahr kassierte man in jedem sechsten Spielzug einen Sack und in jedem zwölften eine Interception. Wenn du noch beachtest, dass nur knapp über 50% der Pässe überhaupt komplettiert wurden, kann bei nix rum kommen.

Die Hoffnung ist, dass der Scrambler QB Kiehl Frazier, ein einst gehyptes QB-Prospect, zu seiner Form findet, wenn er keine West Coast Offense mehr spielen muss. Oder dass der junge Jonathan Wallace übernehmen kann. Oder der aus dem Junior-College geholte Nick Marshall, ein ehemaliger Defensive Back. Zu wem sie alle werfen sollen? Das wissen die Götter, aber Gus Malzahns Offenses brauchen keine überragenden WR-Athleten, bloß einen soliden Tight End und ein paar Buben aus dem Vorlesungssaal; leider ist der einzige brauchbare TE Lutzenkirchen mittlerweile Bachelor mit Diplom und nicht mehr im Kader.

In der Defense soll der zuletzt bei seinem ersten Versuch als Head Coach in Southern Miss spektakulär gescheiterte Ellis Johnson (Bilanz: 0-12 mit einer Mannschaft, die im Jahr zuvor Conference-Sieger und 11-2 gewesen war) als DefCoord übernehmen. Es gibt dort junge Talente, die auch die ganz großen Unis verpflichten wollten, und glauben wir den Pundits, soll sich auch die Breite im Kader verbessert haben. Die Defense war im Gegensatz zum komplett überforderten Passspiel aber längst nicht das größte Problem.

Von Auburn sollte man keine schnellen Wunderdinge erwarten; zu sturzflugig war die Leistungskurve in den letzten beiden Jahren. Was mit Malzahn aber schnell zurückkehren dürfte: Ästhetik. Identität. Selbst in der Niederlage wird der gemeine Tigers-Fan Positives finden, aus dem heraus er Hoffnung für die Zukunft ziehen kann. Die Bowl-Season wäre für diese Mannschaft gewiss schon ein Erfolg, aber sie ist nur drin, wenn einer der Quarterbacks den Groove findet, und zwar besser früher als später.

So, das war in erster Linie meine Intrepretation des verfügbaren Materials über Auburn. Paul Myerberg ist da optimistischer: Zum Original-Countdown.