Die Akademische Viertelstunde: Big Ten Conference im Sommer 2013

Die Big Ten Conference ist für viele die älteste noch existierende Liga im College-Football (gegründet 1896 als Western Conference), und sie hat sich als solche auch ein Image angelacht, besonders konservativ zu sein. Sie ist im Norden und Nordosten der Vereinigten Staaten um die Großen Seen herum angesiedelt. Einige der größten Universitäten in den Staaten sind Mitglieder der Big Ten Conference. Die Mischung aus großen Namen, Tradition und Studentenzahlen macht die Big Ten Conference sehr attraktiv für die großen TV-Networks.

Der Commissioner ist Jim Delaney, ein grauhaariger alter Mann, der regelmäßig dadurch auffällt, dass er alles Neumodische an diesem 21.-Jahrhundert-Zeugs verflucht und mit aller Gewalt an Werten aus den 60er Jahren festzuhalten versucht. Offiziell zumindest. Tatsächlich hat Delaney mit vielen guten Ideen die Liga auf einen ziemlich guten Stand gebracht: Sie ist dank milliardenschwerer Deals mit ESPN und der Eröffnung des liga-eigenen TV-Sender „Big Ten Network“ finanziell topp aufgestellt, ist gerade dabei, ihr neues Conference-Endspiel zu einer Marke aufzubauen, und hat einen Weg mit dem Ziel eingeschlagen, eine starke, regional verwurzelte Conference zu bleiben.

Das Selbstverständnis, der Nabel der Welt zu sein, ist freilich übertrieben. Das offensichtlichste Beispiel war im Januar der Wechsel von Bret Bielema in die SEC. Bieleman war Head Coach bei den Wisconsin Badgers, die dreimal in Folge die Rose Bowl erreichten (und dreimal knapp verloren) und damit eines der momentan besten Teams in der B1G stellten. Bielema ging nach Arkansas, einem nur mittelmäßig attraktivem Team in der meilenweit enteilten SEC.

Eigentlich ist die Big Ten eine Liga mit mittlerweile zwölf, nächstes Jahr dann sogar 14 Teams. Delaney musste sich den Vorwurf gefallen lassen, die gute alte Liga zu verwässern nur um den einen oder anderen müden Cent mehr in den Fernsehverhandlungen herauspressen zu können. Und tatsächlich: Die Einladungen von Rutgers und Maryland sind aus sportlicher und ökonomischer Sicht fragwürdig.

Aber es gibt mit den Steckenpferden Michigan und Ohio State, dem erst vor wenigen Jahren angeworbenen Nebraska, den traditionellen Wisconsin und Michigan State sowie dem berühmt-berüchtigten Footballprogramm von der Penn State University immer noch sechs Universitäten, die die Conference zusammenhalten und definieren werden, zweitklassige Produkte wie Rutgers, Purdue oder Minnesota hin oder her.

Sehen wir’s sportlich: Der korsakoff-Take

Dachterrasse: Ohio State
Zweiter Stock: Michigan, Michigan State, Wisconsin, Penn State, Nebraska
Erdgeschoss: Northwestern, Iowa, Purdue, Minnesota
Kellerkinder: Indiana, Illinois

BCS-Titelkandidaten: Ohio State.

Ohio State ist nach zwei Jahren Bowl-Sperre nun wieder ein Titelkandidat, und kriegt extrem viel Presse. Der Head Coach Urban Meyer gilt zwar menschlich als fragwürdig, aber sportlich bestreitet niemand, dass Meyer der beste ist. Der Schedule für die Buckeyes ist wachsweich, die Conference sportlich mäßig genug und im Ruf dennoch stark genug, dass die durchaus mögliche perfect season ins BCS-Endspiel führt.

Der zweite Stock ist voll von recht soliden Teams, von denen keines wirkliche Top-10 Qualität hat. Michigan State war letztes Jahr 7-6 und ein ziemlicher Pechvogel. Michigan war mit 8-5 besser, aber hat noch nicht die Qualität für den Durchbruch. Wisconsin muss den Schlag des überraschenden Abgangs des Head Coaches verkraften, kriegt aber immerhin einen spannenden neuen Coach. Nebraska ist… Nebraska. Gut, aber nicht mehr der juggernaut der 80er und 90er. Penn State war eine der positivsten Erscheinungen 2012 (sportlich zumindest!) und HC Bill O’Brien machte einen bewundernswerten Job und hielt den Laden zusammen, aber die Nittany Lions werden wegen der Scholarship-Beschränkungen vorerst schwer gehandicappt bleiben.

Aus dem Erdgeschoss ist für mich Northwestern der offensichtlichste Kandidat, nach oben zu klettern. Die Wildcats spielen einen attraktiven Ball und haben einen exzellenten Coach und grundsolides Fundament. Bei Minnesota macht die Gesundheit von Coach Jerry Kill Sorgen. Iowa und Illinois waren zuletzt fürchterliche Enttäuschungen. Bei Indiana/Bloomington rührt sich etwas, und Seminole hat versprochen, darüber noch ein Stimmungsbild abzugeben.

2 thoughts on “Die Akademische Viertelstunde: Big Ten Conference im Sommer 2013

  1. Meine Lieblingsdivision – hat irgendjemand einen Ahnung ob Eurosport2 diese heuer wieder überträgt, habe leider noch nichts dazu gefunden

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