Die 3-4 Defense in gebotener Kürze

Gestern habe ich versucht, in einem 20-Minuten-Beitrag die grundlegendsten Bezeichnungen an der Line of Scrimmage für Gaps und technique-Positionierungen zu geben. Heute setzen wir das theoretisch Erlernte mal auf dem Spielfeld um. Nochmal zu Beginn das uns schon bekannte Schmierbild:

Offensiv-Positionen in blau, Gaps in rot, Defensiv-Techniques in grün: So geht es an der Line of Scrimmage zu

Offensiv-Positionen in blau, Gaps in rot, Defensiv-Techniques in grün: So geht es an der Line of Scrimmage zu

Die 3-4 Defense bietet, haben wir ja gestern schon gelesen, drei Line-Männer an der Anspiellinie auf; im Regelfall haben diese Jungs ihre Hände am Boden bzw. im Dreck (down linemen). Die absolut rudimentärste Version der 3-4 Defense hat einen Nose Tackle (0-technique) und zwei Defensive Ends (5-technique). Die drei Männer haben häufig Verantwortung für jeweils zwei Gaps (two gap responsibility):

  • Der NT darf sich als 0-technique direkt am Mundgeruch des Centers des Centers erfreuen und muss die beiden A-Gaps zwischen dem Center und den beiden Guards kontrollieren, d.h. für den gegnerischen Running Back darf sich dort keine Lücke auftun. Weil der NT somit gegen extrem kräftige Bolzen gematcht wird, sollte er in dieser Formation selbst an die 320 Pfund auf die Waage bringen, um nicht wie ein Fähnchen durch die Luft geschoben zu werden.
  • Die DEs stellen sich für gewöhnlich an der Außenschulter der Offensive Tackles auf (5-technique) und sie müssen die B- und C-Gaps kontrollieren (also die Löcher zwischen Guard und Tackle sowie zwischen Tackle und evtl. aufgestelltem Tight End).

Hauptaufgabe der Line-Männer ist es, den Linebackers den Rücken freizuhalten. Sie sind nicht dafür gedacht, auf dem Stat-Sheet mit 80 Tackles und 12 Sacks in die Sommerpause zu gehen. Dafür sind die Linebacker zuständig. Die Outside Linebackers kriegen durch diese Aufstellung häufig 1-vs-1 Matchups gegen Tight Ends oder Running Backs, Duelle, die sie als starke Passrusher gewinnen sollten, um dauerhaft Druck auf den gegnerischen Quarterback ausüben zu können. Die Inside Linebackers sollten freie Hand haben und in ihrer Hauptarbeit (dem Tackling gegen Ballträger oder dem Decken von Tight Ends) nicht durch einen lästigen Offensive Guard gestört werden (denn der Guard wird ja vom NT oder einem DE beeiert).

Das sind die Grundideen der 3-4 Defense.

Es gibt aber Abwandlungen. Zum Beispiel fällt auf, dass der jetztige DefCoord der Eagles, Billy Davis, auf seinen bisherigen Stationen seinen Nose Tackle nur selten als 0-technique aufstellt, sondern als 1-technique etwas versetzt zum Center. Der ganze Zauber wird zum Beispiel veranstaltet, um auf einer Seite der Line ein Übergewicht zu bekommen und dem OLB, der ein extrem guter Passrusher sein sollte, zu einem besonders einfachen 1-vs-1 Duell zu verhelfen, und einem der Linebackers (oft der Weakside Linebacker, also der, der auf der Gegenseite vom Tight End steht) einen komplett ungestörten Aktionsradius zu verschaffen.

Eine sehr spezielle 3-4 Defense spielen in der NFL auch die Houston Texans unter DefCoord Wade Phillips, deren 3-4 total auf one-gap-Prinzipien ausgerichtet ist: Kein Defense Liner ist für zwei Gaps verantwortlich wie in obig beschriebener ursprünglicher 3-4 Philosophie. Manchmal muss einer der OLBs ein two-gap-System spielen. Das Schema sieht dann in etwa so aus:

Vereinfachtes Schema in der Defense von Wade Phillips

Vereinfachtes Schema in der Defense von Wade Phillips

Der NT ist ein 1-technique, ein DE ein 3-technique und einer ein 5-technique, die OLBs sind entweder 5-, 7- oder 9-techniques (der OLB auf der Gegenseite vom Tight End, also der Weakside Linebacker, ist in dem Schema oft ein reinrassiger Passrusher, der nur Dampf gen QB machen soll). Man könnte das Schema auch als 5-2 statt als 3-4 bezeichnen. Auf alle Fälle ist es optisch attraktiv anzuschauen: Houstons Defense fackelt nicht lange. Sie ist zügig, straight und kompromisslos.

So, und wer jetzt nix verstanden hat: Aufmerksamkeitsdefizit. Hinsetzen. Sechs.

9 Kommentare zu “Die 3-4 Defense in gebotener Kürze

  1. Großes Lob für diesen Crashkurs!
    Die letzte Zeile ließ mich außerdem schmunzeln, da werden Erinnerungen wach 🙂

  2. Sag mal korsakoff, könntest du dir mal vorstellen einen imaginär durchgeführt Drive mit allen möglichen Facetten in der Offense wie in der Defense zu beschreiben? Darin dann halt Kleinigkeiten wie Encroachment, Audible, warum manche WRs einen Schritt weiter hinten sind als andere, wann es ein Sack-Fumble ist oder anderes Erwähnenswertes. Nur halt Sachen die nicht immer in einem extra blog erwähnt werden… Dieser Sport lebt halt auch von den vielen Kleinigkeiten ^^

  3. @habesha4live: Sehr gute Idee, die ich mir warm halten werde. Kann für den August nicht zu viel versprechen, weil es voll wird mir Previews, aber vielleicht geht sich das irgendwo trotzdem aus. In der Zwischenzeit kann ruhig auf HardCount verwiesen werden, die schon einiges in Sachen Taktik– und Regelkunde gemacht haben.

    Vielleicht eignet sich ja auch mal ein realer Drive, in dem einigermaßen repräsentative Dinge passieren.

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  7. Pingback: Houston Texans in der Sezierstunde | Sideline Reporter

  8. Wie siehts aus dem Vorschlag aus dem obigen Kommentar? Nach dem Super Bowl vll etwas Zeit oder hast du in der Richtung schon was gebloggt?

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