Die akademische Viertelstunde: American Athletic Conference (ex-Big East) im Sommer 2013

Man könnte ein ganzes Buch über die Entwicklung und Degradierung dieser Conference schreiben. Ich versuche es mal möglichst simpel nachzumalen. Also: Die Big East Conference wurde Ende der 70er Jahre als Basketball-Conference gegründet, und wurde im Football erst in den 90ern relevant. Schon damals häuften sich die Mahner, dass man damit nicht nur die Seele der Liga verkaufen, sondern langfristig die Existenz riskieren würde. Aber weil Mitglieder wie Miami (Florida) oder Virginia Tech super erfolgreich waren (BCS Titel und BCS Finals), blieben die Kritiker lange einsame Rufer im Walde.

Erst mit dem logischen Abgang von Miami und Virginia Tech 2004 setzte der rasante Niedergang ein. Die Big East konnte sportlich nicht mehr auf höchstem Niveau mithalten und wurde auch für die BCS immer mehr ein Dorn im Auge. Die wenigen Top-Unis liebäugelten mit einem Wechsel in die richtigen Power-Conferences.

Mit dem Re-Alignment Wahnsinn ab 2010 wurden aus den Rissen richtige Waale: Im Football gingen die letzten verbliebenen Zugpferde West Virginia, Pitt oder Syracuse, und weil man lange nicht wusste, ob die als Ersatz aus den kleineren Conferences verpflichteten Teams (zum Beispiel T.C.U., Boise oder Houston) auch wirklich in die Big East wechseln würden, wurden die TV-Verhandlungen mit ESPN zum Alptraum. Hätte man vor drei Jahren noch zumindest 150 Millionen pro Jahr abkassieren können (die Mitglieder lehnten das Angebot ab), so waren die letzten Angebote vor wenigen Monaten nur noch bei mickrigen 60 Millionen.

Das hatte zur Folge, dass die reinen Basketball-Unis (Slang: „Catholic-7“) eine eigene Liga gründeten und aus der Conference austraten. Die Liga war tot. Die Catholic-7 kauften den Namen „Big East Conference“, und die Nachfolge-Footballliga wurde in den wahnsinnig spannenden Codename „American Athletic Conference“ umbenannt. Die A.A.C. ist die offizielle Nachfolgerin der Big East, während die jetztige Big East eine neu geborene Conference ist, die nur noch im Basketball existiert – wie einst die originale Big East, deren Niedergang genau dann einsetzte, als sie über den Basketball hinaus expandierte.

Diese Liga – nennen wir sie Big East oder A.A.C. – ist die größte Verliererin im College-Football in den letzten Jahren. Und wenn ab 2014 das größte verbliebene Zugpferd Louisville (stark im Football und sehr stark im Basketball) in die Atlantic Coast Conference geht, droht erneut die Implosion.

Sehen wir’s sportlich: Der korsakoff-Take

Dachterrasse: Louisville
Zweiter Stock: Cincinnati, Rutgers
Erdgeschoss: Houston, Central Florida, South Florida
Kellerkinder: UConn, Temple, SMU, Memphis

BCS-Titelkandidaten: keine.

Weil viel Fluktuation drin ist, muss man erst schauen, wie sich die Liga dieses Jahr entwickelt (Fluktuation 2014: more to come…). Louisville hat sicher das kompletteste Paket und auch genügend Hype, dass eine perfect season ins BCS-Finale führen könnte. Ein sehr konjunktiviger Konjunktiv, denn es ist nicht schwer, beim Thema Louisville zu argumentieren „mehr Buzz als Substanz“: Gute Mannschaft, fraglos, aber Elite? No way.

Cincinnati und Rutgers würde ich nicht unterschätzen. USF ist seit Jahren ein underachiever, der mehr aus seinen Möglichkeiten machen könnte. Houston ist zwei Jahre nach dem Fast-Durchmarsch in die BCS eine komplette Unbekannte. UCF hätte alle Voraussetzungen, zumindest ein gutklassiges AAC-Team zu werden, aber es gibt immer wieder interne Querelen im Athletic-Department, die die Knights zurückhalten.

Im Keller ist es dunkel und ich traue mir keine richtige Prognose zu, was UConn, Temple und SMU angeht. Memphis wird, wenn alles seine Wege geht, Letzter, aber die Tigers haben einen exzellenten Head Coach, der gerade im zweiten Jahr ist und schon einiges bewegt hat.

Wort zum Sonntag: Karam hat gewonnen

Nachdem ich mich häufig genug über das Footballteam der Memphis Tigers (AAC) lustig gemacht habe, heute mal eine Geschichte der anderen Sorte. Freilich geht es weniger um Football selbst, sondern um die Freizeitaktivitäten von QB Jacob Karam. Diese Woche kam raus, dass Karam, ein Halb-Libanese, gerne mal eine lokale von einem Libanesen gegründete Kinderklinik besucht. Nicht als übliche offizielle „Team-Activity“, sondern ganz leise ohne Tamtam seit Jahren in der Freizeit. Das nachfolgende Video zeigt Karam als Klavierspieler mit einem 11jährigen krebskranken Mädchen:

Die Tigers selbst spielen dieses Jahr ihre erste Saison in der neuen American Athletic Conference, der Nachfolgerin der Big East Conference. Es gibt Gründe zur Hoffnung: Der Head Coach der Tigers ist Justin Fuente, der ehemalige OffCoord der TCU Horned Frogs. Ich halte Fuente seit einigen Jahren für einen der absolut besten Footballköpfe, weil er stets eine Sahne-Offense spielen ließ, die alle vorhandenen Talente maximierte und er einen meisterhaften Job macht, die bekannten Probleme zu kaschieren. Das ist für mich „Coaching“ im Reinsten.

Jacob Karam war bisher der Starting-QB, aber er riskiert übrigens diesen Sommer, von Fuente auf die Bank gesetzt zu werden. Fuente will gewinnen. Karam hat schon gewonnen.