Was ist die 4-3 Under Defense?

Passverteidigungen sind uns nun klar. Wir haben gehört, dass das Cover-2 System stark darauf vertraut, dass die Defensive Line ohne Blitz-Unterstützung Druck gen Quarterback auf die Reihe kriegt. Ein System, das unter anderem dafür kreiert wurde, diesen Passrush zustande zu kriegen, ist die 4-3 Under Defense, die in einer generischen Form so aussieht:

Defensive Line in der 4-3 Under Defense

Defensive Line in der 4-3 Under Defense

Wichtigstes Charakteristikum ist, dass die Defense Line vom Tight End weg konzipiert ist (das Gegenstück dazu ist die 4-3 Over Defense, die zum Tight End hin aufgestellt ist.): Der 3-technique DT ist auf der Gegenseite des Tight Ends aufgestellt (quasi ein weak side DT); Der Defensive End (5-technique) wird auf der äußeren Schulter des „weakside“ Tackles aufgestellt.

Neben dem 3-technique DT spielt der Nose Tackle als 1-technique: Seine primäre Aufgabe ist es, dem Center auf die Eier zu gehen. Er steht im A-Gap, also nicht direkt in der Fratze des Centers, und das hat zwei wichtige Ziele:

  1. Ungünstiger Winkel für den Center: Der Center muss im Moment des Snaps brutal flink sein, um einen guten Block-Winkel gegen den NT zu erlangen.
  2. Der NT steht gleichzeitig auch dem Guard quasi „im Weg“. Ziel des Guards ist es, einen Linebacker zu blocken, aber wenn der NT quick genug ist, entsteht in dieser Situation für die entscheidenden Sekundenbruchteile ein double team quasi per Design.

Der Nose Tackle sollte aus diesem Grund in diesem Schema kein fetter, unbeweglicher Bolzen sein; er sollte vielmehr wendig genug sein, um den Center lange genug zu beschäftigen und automatisch den Weg des Guards zu blockieren. Der DT-Kollege nebenan (also der 4-3 Under DT) profitiert von dieser Aufstellung insofern, dass der Center und der „strong side“ lange genug Guard beschäftigt sind.

Ziel des ganzen Zaubers ist es, auf der weak side ein Matchup 2-gegen-2 zu erzwingen:

  • Blockt die Offense Line mit OG und OT den Defensive Tackle, hat der End freie Bahn.
  • Blockt die Line die Passrusher mit jeweils einem Mann, gibt es zweimal eine 1-gegen-1 Situation.

Grundvoraussetzung für die Abwehrseite ist natürlich, dass der 3-technique DT (4-3 Under DT) ein extrem guter Passrusher ist: Er wird etliche 1-vs-1 Duelle sehen und hat die Hauptaufgabe, für Druck über die Innenseite zu sorgen. Der Defensive End, der direkt neben ihm spielt, ist idealerweise ein Passrusher, der nicht von einem Tight End im Alleingang handlebar ist.

Letzteres ist eine wichtige Einschränkung, denn: Wäre dem so, könnte die Offense beruhigt per motion kurz vor  dem Snap den Tight End auf diesen End abstellen und mit Tackle und Guard den 3-technique DT doppelt blocken.

Der Schlüsselspieler ist der 3-technique Defensive Tackle. Um seine Stärken herum ist dieses Abwehrschema konzipiert, und er muss mit massivem Druck über die Innenseite antworten. Das Paradebeispiel in der heutigen NFL ist Tampa Bays #93 Gerald McCoy, ein wahnsinnig guter Tackle im 1-vs-1. Man sehe sich das Buccs-Tape vom letzten Jahr an: McCoy zerbröselt seine Guards reihenweise im Alleingang. In NT Roy Miller hatte er einen soliden, aber längst nicht überragenden, Nebenmann, der haargenau ausreichend genug Wirbel machte, um McCoy den Rücken freizuhalten. Das Buccs-Problem im letzten Jahr war eher die suboptimale, weil zu wetterwendische Vorstellung der Defensive Ends.

Die beste 4-3 Under Defense Line aller Zeiten gab es einst auch in Tampa, vor 10-15 Jahren, als DT Warren Sapp aus der 3-technique Aufstellung heraus zum Hall of Famer wurde. Tampa hatte damals auch „nur“ einen funktionierenden Nose Tackle (Culpepper oder Booger McFarland), keinen dominanten, aber den brauchte es nicht. Dafür hatte Sapp in DE Simeron Rice einen fantastischen Passrusher mit HoF-Qualitäten neben sich.

Gemeinsam schufen die beiden mit ihrem Dampf die Voraussetzungen für eine der besten Defenses in der Footballgeschichte: Die sieben Mann in der Back-7 konnten sich drauf verlassen, dass vorne ohne Blitz-Unterstützung Druck gemacht wurde, und sie konnten sich allein auf ihre Deckungs- und Laufaufgaben kümmern. Tampa gewann mit dieser Herangehensweise eine Superbowl trotz maximal durchschnittlicher Offense, und Tampa wurde vor allem zum Vorreiter für ein Jahrzehnt, in dem viele NFL-Teams versuchten ebenso 4-3 Defense zu spielen.