The Countdown, T-minus 37: Penn State Nittany Lions

Die Penn State Nittany Lions und ihr Umfeld bieten zu viele Storylines, als dass man darüber kurz und knackig eine Mini-Vorschau schreiben könnte. Um kurz die Rahmenbedingungen abzustecken: Die Mannschaft spielt noch für zumindest drei Jahre außer Konkurrenz im College Football mit, da sie nach dem ekelerregenden Sexskandal um den pädophilen ehemaligen Assistenztrainer Jerry Sandusky und die einhergehende Omertá von Trainerlegende Joe Paterno von der NCAA gesperrt wurde. Viele meinen, die Sperre sie ein Unrecht gegenüber den aktuellen Spielern, weil diese am wenigsten dafür könnten für ein Unrecht, dessen Wurzeln schon in den 90ern liegen.

Falsch. Wenn so gravierende Verstöße gegen allgemein anerkannte menschliche Werte getätigt werden, und das von oben herab, von der Universitätsleitung, muss eine harte Strafe her. Wenn wir nicht mehr drauf vertrauen können, dass unsere angebliche Elite in der Lage ist, Menschlichkeit über Kohle zu stellen, muss der Hammer her. Die NCAA ist ein Kartell, das zu sprengen es sich lohnt, und die Strafe kam auf rechtlich wackeligen Beinen daher, aber sie fühlt sich ausnahmsweise mal „richtig“ an, und wenn, dann höchstens zu lasch.

In diese Stimmung mischen sich im Fall Penn State eine riesige Studentenschar und Alumni-Clubs, die viele Jahrzehnte lang mit Stolz bei Penn State studierten und diesen Stolz in die Welt hinaus trugen, weil es eine Uni war, die zumindest nach außen auf ehrenwerte ethische Grundsätze fundierte und diese auch strikt einzuhalten schien. Das wichtigste, einflussreichste Gesicht, Football-Headcoach Joe Paterno, sein Mantra vom Grand-Experiment („Erfolg ist wichtig; Ethik ist wichtiger“) galt als sowas wie eine Institution, eine graue Eminenz, die letzte Bastion des sauberen College-Sports.

Paterno wird in vielen Studentenkreisen noch immer verehrt. Viele glauben noch immer, dass sein Rauswurf drei Spiele vor seinem eh fast sicheren Karriereende unwürdig war. Viele glauben, dass Paterno nach seinem schnellen Tod wenige Wochen danach nicht genügend gewürdigt worden war.

Ein streitbarer Punkt, zu dem es viele Meinungen gibt.

Die massiven Sanktionen gegen Penn State (u.a. 60 Millionen Dollar Geldstrafe über fünf Jahre, Ausschluss von der Bowl-Season, Aberkennung von Sportstipendien in empfindlichem Ausmaß) schwächen auch die Footballmannschaft und führten vor der letzten Saison zu einem Massenexodus etlicher arrivierter Leistungsträger. Umso höher einzuschätzen ist das, was der neue Head Coach Bill O’Brien aus dem Team letztlich machte: Eine 8-4 Bilanz mit Pauken und Trompeten, und ohne Ficken und einen unnötigen Kollaps hätte es locker auch ein 10-2 sein können. Wohlgemerkt mit einer extrem ersatzgeschwächten Mannschaft.

O’Brien blieb entgegen der Unkenrufe auch über seine schwere Debütsaison hinaus an der Uni, und er muss jetzt langsam den Umbruch hinkriegen. Der von ihm aufgebaute Starting-QB Matt McGloin ist mittlerweile ausgeschult, und O’Brien muss sich einen neuen talentlosen Quarterback suchen und ihn zu was Respektablem heranziehen.

Großer Anwärter ist dabei QB Christian Hackenberg, ein Freshman, dem man unendliches Talent nachsagt (u.a. ein „5 Star Recruit“), der aber noch zu viele mentale Fehler begeht. Die einzige andere Alternative ist Tyler Ferguson, der auch keine Erfahrung hat. Ansonsten gibt es nix. Nada. Aber zweifelt jemand ernsthaft dran, dass O’Brien einen der Jungs hinbiegen kann?

Die Offensive Line ist eine absolute Stärke, aber bei den Skill-Players sieht es nach dem Abgangsschwall letztes Jahr zappenduster aus. Aber zweifelt jemand an O’Brien?

Die Defense gilt als extrem stark gegen den Lauf (nie schlecht in der Big Ten), hat aber trotz stabiler Secondary oft Probleme mit dem gegnerischen Passspiel, weil der Passrush vorne nicht wie gewünscht zündet. Ob O’Brien das hinkriegt, steht in den Sternen: Er gilt nicht als Mensch, der sich bisher allzu viel um die Defense geschissen hat.

So sind die Nittany Lions dieses Jahr folgendes: Spielen außer Konkurrenz mit. Haben möglicherweise, wenn sie nicht von Verletzungen arg gebeutelt werden, Potenzial, jeden Gegner zu schlagen. Werden aber nicht jeden schlagen, weil sie dafür nicht breit genug aufgestellt sind und zu wenig Erfahrung auf QB haben. Und müssen nebenbei einen einsamen Kampf um wenigstens eine Linderung der harten NCAA-Strafen führen. Langweilig wird es in State College nicht.


Ja, der Countdown-Artikel zu Penn State bei USA Today ist noch nicht raus, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Antwort auf Myerbergs RätselCurt Warner“ lautet (zweitmeiste Rushing-Yards in der Unigeschichte seit 1977, viermal über 1025yds bei den Seahawks in den 80ern). „Curt Warner“ ist übrigens nicht „Kurt Warner“.