The Countdown, T-minus 33: Baylor Bears

Paul Myerberg fragte im gestrigen Eintrag der Countdown-Serie: This program has three fewer wins since 2010 as it had from during a decade-long span from 1996-2005. Die Antwort ist Baylor. Der Countdown-Eintrag bei USA-Today wird erst im Laufe des Tages online gehen, aber auf Sideline Reporter wird es schonmal eine Preview dazu in deutscher Sprache geben.


Die private Baptistenuniversität Baylor aus dem texanischen Waco erlebt gerade unter dem Head Coach Art Briles einen nie da gewesenen Aufschwung: Das Footballteam, die Bears, war viele Jahrzehnte lang in Grund und Boden gespielt worden (siehe auch obige Frage), aber seit das Offensivgenie Briles übernahm, geht es kerzengerade Richtung oben, inklusive eines neuen Pracht-Stadions, und vor der anstehenden Footballsaison hypen manche die Baylor Bears schon zum dark horse in der Big 12 Conference (letztes Jahr: 8-5).

Der Hype ist erklärbar: Die Bears hatten letzte Saison eine der absolut besten Offenses im College-Football, direkt nach den Abgängen von QB Robert Griffin III und WR Kendall Wright, den beiden besten Offensivspielern, einem Heisman-Gewinner und größten Jungstar der Footballwelt. Wo andere Footballprogramme der Güteklasse Baylor jahrelang an solchen Verlusten zu knabbern haben, war Baylors Offense im Jahr eins danach minimum gleich gut als mit der Wunderknaben RG3.

Der Kopf hinter dem Erfolg ist Briles. Das Offensivsystem, das Briles spielen lässt, gehört zu den krassesten Dingen, die auf einem Footballfeld veranstaltet werden. Das ist eine s–p–r–e–a–d–o–f–f–e–n–s–e mit so viel Spppppppprrrrrrrrrrrrreaddddddd, dass die Bears aufpassen müssen, dass nicht versehentlich der zehnte und elfte Mann schon außerhalb der Seitenlinie stehen. Die Offensive Line ist bullig gebaut und schiebt alles, was nicht niet- und nagelfest ist, durch die Landschaft. Die Wide Receivers sind alles Jungs, die in der US-Staatsmeisterschaft über 100m im Finale mitlaufen können, und sie können auch halbswegs brauchbar Bälle fangen. Die Running Backs sind wieselflink. Die Quarterbacks in der post-RG3-Ära zwar keine Granaten, aber interessant genug anzuschauen, weil sie drauf gedrillt werden, ihre Options zu scannen und den richtigen Read zu machen (sorry für die Anglizismen).

Per Systemdesign wird jede Defense gezwungen, ihre Intentionen schon vor dem Snap durchzutelegraphieren: Soll geblitzt werden? Geht nicht, Weg vom Slot-WR zum Quarterback ist viel zu lang. Sollen überhaupt 5-6 Defensive Backs aufgestellt werden? Beschissene Idee, da RB Lache Seastrunk dann mit fünf 15yds-Läufen en masse antwortet. Soll die Mitte dicht gemacht werden? Dann kassierst du sieben 10yds-Pässe. Pick your poison.

Genug des Hypes. Es gibt vor dieser Saison einige Fragezeichen, die mich abschrecken: Nach RG3 letztes Jahr verabschiedete sich diesen Winter mit Nick Florence auch dessen Nachfolger auf QB, und der angedachte Starting-QB Bryce Petty wird zwar aufgrund seiner Spielintelligenz hymnisch besungen, hat aber letztes Jahr ganze 10 Pässe geworfen. Okay, sieben davon waren komplett für 91yds und ein TD, aber trotzdem. RB Seastrunk, der schon zum Heisman-Kandidat gejazzt wird, macht 7.7yds/Carry, aber es gibt hinter ihm kaum adäquaten Ersatz. Noch dünner sieht es in der Offense Line aus, wo selbst der Trainerstab zugibt, dass eventuelle Ausfälle ein kaum kompensierbares Loch reißen würden: Baylor braucht diese bullige Line, um im Zweifelsfall sein Laufspiel durchdrücken zu können, bzw. die Bedrohung durch das Laufspiel aufrecht zu erhalten.

Wenn die Offense „klickt“, hat die Defense ein leichtes: Sie ist zwar längst nicht überzeugend, aber DefCoord Phil Bennett lässt eine wahnsinnig aggressive Unit spielen, die nur Hopp-oder-Topp kennt: Wenn du mir ein Big Play einschenkst, bitte. Aber von 8 Drives mache ich dir zweimal die Interception und zweimal halte ich dich zum Field Goal, und weil meine Offense sowieso 40 Punkte scort, reicht das schon zum Sieg.

Es gibt aber durchaus Gründe, skeptisch zu sein. Baylors Defense wird hoch gelobt für eine Performance von sechs Sacks (!) in der Bowl-Season gegen UCLA. Aber Baylor hatte in den zwölf Spielen zuvor insgesamt nur 13 Sacks produziert. Das UCLA-Spiel ist Ausreißer galore, und es wird auch dieses Jahr Spiele geben, in denen Baylor 50 Punkte und mehr kassiert.

Diese Jungs bilden ein optisch attraktives Team, aber ein Conference-Gewinn würde mich schwer überraschen. Der Schedule ist fies (Oklahoma und Texas zuhause, aber Oklahoma State und TCU auswärts), aber in der diesjährigen Big 12 ist es aufgrund der Ausgeglichenheit vielleicht eh wurscht, wann du wo gegen wen spielst: Jedes Spiel ist ein potenzieller Sieg, jedes Spiel eine potenzielle Niederlage. Baylor ist nur zwei Verletzungen in der Offense davon entfernt, dass sie die riskante Abwehrstrategie verbrannt wird. Die Bears werden gut sein, aber wohl nicht gut genug um die höchsten Erwartungen (sprich: Conference-Sieg) zu erfüllen.