The Countdown, T-minus 31: Wisconsin Badgers

The Countdown

#31 Wisconsin Badgers.
Big Ten Conference.
(Leaders Division).
2012: 8-6 Bilanz.

Die University of Wisconsin-Madison ist nicht unbedingt eine der ganz großen traditionellen Großmächte des College-Football, wie man es vielleicht annehmen würde, wenn man erst seit ein paar Lebensjahren dabei ist. Wisconsin, das zuletzt dreimal in Serie die Big Ten Conference gewann, erlebte zuletzt vielmehr die absolute Blütezeit des Bestehens des Footballprogramms der Badgers, und so fühlte sich der urplötzliche Abgang von Head Coach Bret Bielema, der zum größten Teil für den gewaltigen Aufschwung verantwortlich war, wie ein Schlag in die Fresse an.

Es war nicht mal so sehr der Abgang selbst; es war vor allem Bielemas neuer Arbeitgeber, der die US-Collegelandschaft verwunderte: Arkansas. Nicht Auburn, Texas, USC oder Tennessee, sondern Arkansas, eine insgesamt doch eher graue Institution. Das Umfeld der Wisconsin Badgers war ergo weniger erzürnt ob Bielemas Abgang, sondern vielmehr erstaunt, niedergeschlagen. Da qualifizierst du dich zum dritten Mal in drei Jahren für den zweitgrößten Preis im College-Sport – die Rose Bowl – und dann ist ein Mittelklasse-Team aus der verhassten SEC immer noch attraktiver für deinen Macher dahinter!

Der Neue ist Gary Andersen, der von Utah State kommt. Die Wahl verblüffte viele, denn die meisten hatten damit gerechnet, dass der umtriebige Sportdirektor Barry Alvarez einen Mann mit festen Wurzeln in der Region holen würde, wie zum Beispiel Paul Chryst (HC bei Pitt), der jahrelang OffCoord unter Bielema gewesen war. Tat er nicht, und Alvarez, die gute Seele und der Kopf der Philosophie in Madison holte sich externen Input in „sein“ Programm. Andersen hat etliche sehr positive Dinge bei Utah State bewirkt, aber insgesamt gilt er als unbeschriebenes Blatt.

Er übernimmt ein exzellent aufgestelltes Programm. Wisconsin spielte zuletzt 11-2, 10-3 und 8-6 Saisons. Beim letztjährigen „8-6“ sollte man nicht vergessen, dass die Badgers 2-6 in Spielen mit maximal einem Score Differenz waren. Das war nicht mehr die Offensivwalze um QB Russell Wilson und RB Montee Ball, die man gewohnt gewesen war, aber gut genug, um trotz der vielen Niederlagen als legitime zwei- oder drittbeste Mannschaft der Conference zu gelten. Tja, und wenn’e im Liga-Endspiel den Nebraska Cornhuskers mal eben 70 (!) Punkte einschenkst, sind eh die meisten Zweifel beseitigt.

Um nicht wieder das Klischee der Offense Line („Wisconsin!“) zu bedienen (die Line wird mittlerweile überschätzt, war 2012 maximal Mittelmaß): Wisconsin war stets eine auf den Lauf basierende Universität. Letztes Jahr rannte man 67% der Downs. Siebenundsechzig. Viel mehr schaffen nur mehr die Option-Offenses von Army, Navy und Georgia Tech. Das wird sich unter dem defensivorientierten Head Coach Andersen eher nicht ändern, und noch weniger, weil die Quarterback-Position völlig in der Schwebe ist. Ich habe letztes Jahr Wisconsin-Spiele mit dem QB Curt Phillips gesehen, in denen nur vor der totalen Implosion ein Passspielzug riskiert wurde.

Die Defense war schon letztes Jahr stark, und nun kriegt sie mit Anderson und dem DefCoord Dave Aranda zwei fanatische neue Leader. Aranda gilt als 3-4 Fetischist und installiert selbst mit einem 30kg-Fliegengewicht auf Nose Tackle dieses Abwehrsystem, aber wenn ich mich an die letztjährige Rose Bowl Übertragung richtig erinnere, wurde dort das vorhandene Wisconsin-Personal unisono gelobt für seine 3-4 Kompatibilität. Die Front-Seven dürfte also passen. Aranda gilt zudem als einer, der sehr kreativ darin ist, Passrush zu generieren – wichtig in einer Defense, die Probleme auf Cornerback hat. „Probleme auf Cornerback“ wie Wisconsin – aber in der Big Ten Conference ist das das kleinste Problem, das du kriegen kannst…

So.

Ich würde Wisconsin dieses Jahr erneut nicht unterschätzen. Der Schedule könnte kaum günstiger sein, außer natürlich, dass man Ende September zu Ohio State fahren muss. Da wird sich entscheiden, ob Wisconsin unter Umständen erneut die Qualifikation für das B1G-Finale schaffen kann bzw. die Möglichkeit zu einer vierten Rose Bowl en suite kriegt. Ohio State wird im Myerberg-Countdown schlimmstenfalls an #3 gerankt sein (ich glaube weiterhin, die Buckeyes werden diesen Sommer massivst überjazzt) und Ohio State wird die schwerste Hürde sein. Gewinnt Wisconsin dieses Spiel in Columbus, halte ich nix für ausgeschlossen – es sei denn, sie verlieren nicht erneut sechs knappe Spiele.