The Countdown, T-minus 30: UCLA Bruins

The Countdown

#30 UCLA Bruins.
Pac-12 Conference.
2012: 9-5.

Es gibt Leute, denen schaue ich jahrelang zu, und mit jedem Mal manifestiert sich in mir noch stärker der Schluss: Nada. Hat nix drauf. Jim Mora jr. ist einer von ihnen. Bei den Atlanta Falcons jahrelang als Head Coach mitverantwortlich dafür, dass man das einzigartige Talent Michael Vick völlig verbrannte, und später in Seattle eine dümpelnde Franchise endgültig in die Kacke gecoacht. Mora hatte bei mir stets einen schlechten Ruf, weil er nach meinem Ermessen schlechte Jobs als Cheftrainer gemacht hatte.

Umso erstaunter war ich, als die renommierte University of California, Los Angeles (UCLA) ausgerechnet ihn vor eineinhalb Jahren zum Head Coach bestellte. Ich erwartete keinen sofortigen Totalschaden, sondern das, was unter Mora immer passierte: Die wirklichen Probleme werden lange genug ignoriert, das Programm schmiert ganz leise immer weiter ab, und ab, und ab, und ab, und nach drei Jahren wunderst du dich, wie tief es gegangen ist und warum nie jemand etwas dagegen gemacht hat.

Cut.

Sommer 2013: UCLA steht nach einer richtig starken Debütsaison Moras mit einem Mal vor einer relativ rosigen Zukunft. Ganz abschreiben möchte man ein erneutes Managementdebakel von Mora noch nicht, aber die gezeigten Vorstellungen der Bruins letzten Herbst waren erstaunlich, und lassen mich meine Meinung zu Mora zumindest leicht errötet hinterfragen.

Obwohl mit Brett Hundley ein Freshman den Quarterback gab, ließen Mora und sein (zugegeben: bei mir geschätzter) OffCoord Noel Mazzone den Grünschnabel von der Leine. Hundley ist ein exzellentes double threat und trug den Angriff gemeinsam mit dem Rekord-RB Jonathan Franklin (über 1700yds), der allerdings mittlerweile in der NFL spielt. Es bleibt abzuwarten, was Hundley ohne die dominante Laufspielentlastung wert ist. Die Eindrücke aussm letzten Jahr lassen mich erahnen: Einiges, obwohl kein Spiel ohne 4-5 Sacks gegen Hundley vergeht.

In der Defense ist der Superstar der OLB Anthony Barr, der schon als potenzieller Erstrundenpick 2014 gehandelt wird. Barr ist vielleicht noch mehr als Hundley die Erfolgsgeschichte, auf die Mora bisher verweisen kann: Ein Spieler, der zwei Jahre lang im Kader gestanden hatte, ohne dass er irgendeine brauchbare Position zugeordnet bekam. Slot-WR, Fullback, Tight End… Barr spielte alles, aber konnte nix. Mora schob Barr in seiner verzweifelten Suche nach etwas Tiefe im Abwehr-Kader auf Outside Linebacker… und Barr mutierte zum gefährlichsten 3-4 OLB im Lande, mit weit über einem Dutzend Sacks und einer Spielweise, die man eher einem zehnfachen Pro Bowler denn einem Versuchskanninchen auf seinen ersten Gehversuchen zugetraut hätte.

Keine Ahnung, was von UCLA diesen Herbst zu erwarten ist. Zu viele dieser Teams sind nach rasantem Aufstieg in Jahr eins im zweiten Jahr erstmal wieder eingebrochen. Der wichtigste Offensivspieler (RB Franklin) und der zweitwichtigste Defensivspieler (DE Daton Jones) sind beide mittlerweile in Green Bay. Aber es gibt hervorragendes Recruiting und in QB Hundley und OLB Barr wenigstens zwei attraktive Spielertypen, die zu verfolgen es sich 100%ig lohnt.

UCLA hat einen monströsen Auswärts-Schedule mit @Nebraska, @Stanford, @Oregon, @Arizona und @USC zu bestehen, und es wäre eine Sensation, wenn da weniger als drei Niederlagen bei rumkommen. Bowl Season ja. Vorherrschaft in Los Angeles gegen USC – vielleicht auch ja. Aber wenn UCLA tatsächlich die Pac-12 gewinnen sollte und in die Rose Bowl einzieht, wäre ich schon überrascht.