The Countdown, T-minus 27: Michigan State Spartans

The Countdown

#27 Michigan State Spartans.
Big Ten Conference.
2012: 7-6.

Die Michigan State Spartans waren letztes Jahr 7-6. Trotzdem sind sie für dieses Jahr sowas wie die Steilvorlage, um über das Phänomen „Regression zur Mitte“ zu schreiben, quasi das Notre Dame von 2013: Ein Team, dessen Bilanz im letzten Herbst massiv schlechter aussieht als es die Zahlen dahinter vermuten lassen. Also: Michigan State spielte in neun (!) engen Spielen, verlor davon fünf. Michigan State hatte die drittbeste Defense im Lande, according to Football Outsiders. Michigan State schaffte all das quasi ohne eigene Offense. Und Michigan State bringt 15 Starter zurück.

Um das Gesamtbild des Super-Sleepers abzurunden: Die Spartans sind unter Head Coach Mark Dantonio eine der beständigsten Footballteams der letzten Jahre. Das ist kein Breakout-Team, das aus dem Nichts schießen würde. Es ist eine Mannschaft, die zuletzt mehrfach über 10 Saisonsiege einfuhr und im letzten Jahr schlicht durch eine mega-ineffektive Offense gehandicappt wurde und trotzdem in fast jedem Spiel am Ende hätte noch gewinnen können. Wenn die Würfel etwas günstiger fallen, gibt es dieses Jahr mindestens neun oder zehn Siege.

Die Offense muss sich aber stabilisieren: QB Andrew Maxwell spielte im letzten Jahr einen schlechten Ball (52.5% Completion Rate), und wenn sein extrem ineffizientes Spiel gegen Boise State noch sowas wie die beste Saisonleistung war, ist alles gesagt. Im Laufspiel muss man den brachialen RB LeVeon Bell (jetzt Pittsburgh) ersetzen. Bell bekam fast 90% der Laufspiel-Snaps, aber seine Advanced-Stats sprachen eine negative Sprache (wenig Effizienz, viele Plays, die einfach da waren, um nicht Maxwell werfen zu lassen bzw. die Uhr runterzunehmen). Wer Bell ersetzen wird, muss auf alle Fälle viele Snaps nehmen.

In der Defense gibt es eine brutal knackige Defensive Line, gegen die jeder Laufspiel-Snap zum Unterfangen mit Stoßgebet wird. Der Passrush ist eher mau, aber trotzdem ist die Pass-Defense eine absolute Stärke der Spartans, weil das Defensive Backfield so überragend aufgestellt ist. In anderer Sprache: Dantonios Jungs sind nicht das optisch attraktivste Team, aber sie sind Mehltau. Sie legen sich über die Offense und würgen diese dann Schritt für Schritt für Schritt ab. Wenn sogar Boise oder TCU keinen Stich dagegen machten, sagt das einiges.

Michigan State Spartans 2013/14: Sleeper. Mit ein wenig Offense: Gigantischer Sleeper.


Wer ist Nummer 24?

Im Eintrag zu #25 Fresno State schreibt Paul Myerberg als tipp für die #24:

Who is No. 24? This program has won 10 or more games eight times in its history. Only twice has it failed to win at least nine games during the season after posting double-digit wins.

Die Oregon Ducks würden passen: 8x zehn Spiele oder mehr gewonnen (2000, 2001, 2005, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012) und nur zweimal „weniger als neun Spiele“ in der darauf folgenden Saison gewonnen (2002, 2006). Die Fragestellung ist mit „neun“ etwas merkwürdig formuliert, weil es zweimal nur sieben Spiele in der darauf folgenden Saison waren, aber trotzdem: Sollte es tatsächlich Oregon sein, wäre das eine große, große Überraschung.

Es könnte auch Kansas State sein, aber die Wildcats haben neunmal zehn Saisonspiele gewonnen.

The Countdown, T-minus 28: Miami Hurricanes

The Countdown

#28 Miami Hurricanes.
ACC, Coastal Division.
2012: 7-5.

Weiter geht es im College Football Countdown mit einem der bekanntesten Footballteams in den Vereinigten Staaten, den Miami Hurricanes. Der Ruf der Canes gründet in erster Linie auf der sehr erfolgreichen und „lauten“ Zeit in den 80ern und Anfang der 90er Jahre, aber seit zirka zehn Jahren ist es recht leise um „The U“ geworden. Die letzte BCS-Bowl war Anfang 2003 das National Championship Game, seither wurstelt man sich mit mittelmäßigen 7-5 und 8-4 Saisons durch und machte nur mehr durch einen riesigen Booster-Skandal auf sich aufmerksam. Die TV-Ratings sind zwar nach wie vor gut, weil Miami extrem viele Fans quer über die Staaten verteilt besitzt, aber im seelenlosen Sunlife Stadium spielt man zumeist vor leeren Tribünen, es sei denn, die Florida State Seminoles sind im Anmarsch.

Ein Merkmal bei Miami ist das immer noch extrem gute Recruiting. Das Highschool-System in Florida ist das landesweit zweitbeste hinter Texas, und noch immer wollen viele Supertalente für die Hurricanes auflaufen. In den letzten Jahren lagen die Probleme eher beim schlechten Coaching oder zu vielen Kneipenschlägereien als am fehlenden sportlichen Niveau. Der Head Coach Al Golden ist seit zwei Jahren dabei, diese Baustellen zu schließen. Golden gilt als weitsichtiger Stratege und vor allem auch als guter operativer „In-Game“-Manager mit guten Playcalls und gutem Clock-Management.

Das reichte in den ersten beiden Jahren für schnelle sportliche Konsolidierung: 6-6 und 7-5, wobei vor allem in der zweiten Saisonhälfte letztes Jahr die Offense den Durchbruch schaffte. Sie muss nun ohne den abgewanderten OffCoord Jedd Fisch (Jacksonville Jaguars) auskommen, aber dafür konnte der Offensive Coordinator vom großen Rivalen FSU gewonnen werden. Superstar im Angriff ist der extrem explosive RB Duke Johnson, erst ein Sophomore, der letztes Jahr in nur 139 Carries 947yds (6.8 Y/A) und 10 Touchdowns fabrizierte. Johnson ist übrigens auch ein famoser Kick-Returner (2 TD in nur 27 Returnversuchen), und explosiv, Baby:

Johnson ist der Superstar, aber Miami hat auch eine Offense Line, die sich gewaschen hat, bzw. die in Kürze Prospects wie RG Brandon Linder oder RT Seantrel Henderson in den Draft schicken wird. Es ist dank des Super-Backs zu erwarten, dass Miamis Offense stärker lauforientiert sein wird, auch wenn der QB Stephen Morris mit seinem rattenscharfen Wurfarm auch keine unterirdische Option ist. Morris hat halt nicht den großen Support-Cast an Skill-Players; dafür kann er auf die Line vertrauen, die ihm selbst auf tiefen Passrouten ausreichend Zeit verschafft (Sack-Rate 3.5%).

Kopfzerbrechen bereitet die Defense, die unter Golden einfach nicht in Fahrt kommt. Hauptkritikpunkt: Mangelnder Passrush. Der angedachte Superstar ist DE/DT Anthony Chickillo, der seit ich denken kann hoch gehypt wird, aber nie mehr als 4 Sacks produziert. Hoffnung macht man sich dieses Jahr u.a., weil Chickillos Nebenmann ein Neuer sein wird: DE Gilbert, der aus Wisconsin kommt; Gilbert wollte es mit dem Football eigentlich seinem Fuß zuliebe sein lassen, aber er probiert es nun ein letztes Mal in seiner Heimatstadt Miami. Bleibt der Mann halbwegs gesund, besteht kein Zweifel, dass die Front-Seven der Canes gut aufgestellt sein wird. Dass sollte sie auch besser, denn in der Secondary geht man hauptsächlich mit Spielern im ersten oder zweiten Jahr ins Rennen.

Oben angesprochener Booster-Skandal trägt den Codenamen „Nevin Shapiro“ (der Mann, der die Nutten zahlte und sich im Knast an seinen ehemaligen „Freunden“ rächte). Das übelste an dem Fall für Miami: Die NCAA wartet schon fast zwei Jahre zu mit den Strafen. Niemand weiß Stand heute, ob Miami im Winter überhaupt spielberechtigt für die Bowl-Season sein wird. Schlägt der Hammer zu: Nein. Aber gehen wir jetzt mal zum Zweck dieses Blogeintrags davon aus, dass die Canes spielberechtigt sein werden.

Dann haben sie gute Chancen, das ACC-Finale zu erreichen. Miami spielt in der schwächeren Coastal-Conference, und hat bis auf das heikle Auswärtsspiel bei Florida State und ein 50/50-Spiel in North Carolina einen machbaren Schedule. Es gibt sogar gleich am zweiten Spieltag zuhause gegen die Florida Gators die Chance, einen fetten out of conference-Sieg einzufahren, mit dessen Hilfe man Schwung in die Saison aufnimmt. Für Al Golden und seine Jungs könnte das Jahr tatsächlich so was wie die Rückkehr in höhere Sphären des College-Football werden.