Guideline für Preseason-Woche 2

Vorab das TV-Programm der Livespiele (letzte Nacht hat bereits SD-CHI stattgefunden) bei SPORT1 US für dieses Wochenende, acc. to Sky-Guideline. Ich kann nicht für die völlige Richtigkeit bürgen:

16./17.8.  02h00   New England - Tampa Bay
18./19.8.  01h00   NY Giants - Indianapolis
19./20.8.  02h00   Washington - Pittsburgh

Ein paar vielleicht interessante Anmerkungen zu diesen Spielen und zu anderen, die es im NFL-Gamepass geben könnte. Ich hab letzte Woche sehr sporadisch ein paar Tapes durchgezappt um mir erste Eindrücke zu verschaffen. Nix besonderes, ein wenig CONDENSED-Spulen zum Einschlafen (gesamter Schedule ist hier):

New England – Tampa Bay. Brady soll sich an Tebows Geburtstag (!) eine leichte Knieverletzung im Training zugezogen haben, die aber nicht allzu schwer wiegt. Backup-QB Mallett fällt aus, es könnte also noch mehr von Tebows Incompletions als gewohnt zu sehen geben. Interessant aus Pats-Sicht ist ohnehin nur das erste Viertel, wenn Brady die Offense führt. Mike Tanier ist aufgefallen, dass die Patriots-Offense wieder etwas „retro“ aussieht, wie damals, in den guten alten Zeiten, 2004 als man den letzten Championship holte. Bei den Buccs ist ein Auge auf QB Josh Freeman zu werfen, der zwar fast sicher als Starter in die Saison gehen wird, aber dennoch längst nicht unumstritten ist. Backup-QB Glennon gefiel mir letzte Woche in etwa so gut wie am College, nämlich gar nicht. Auf Defense-Seite ist Buccs-DB Johnathan Banks zu beachten, der letzte Woche extrem gut ausgesehen haben soll.

Buffalo – Minnesota. Der 1st Rounder der Bills, QB E.J. Manuel, spielte letzte Woche eine ganze Halbzeit durch und hatte 16/21 complete für 107yds. Viel hat man dennoch nicht zu sehen bekommen, weil Manuel fast ausschließlich die 2yds-Pässe warf. Diesmal soll allerdings erstmal QB Kolb starten. Bei den Vikes sah Rookie Cordarrelle Patterson nach einem fulminanten Opening Kickoff-Return recht gut aus; Patterson schaut nicht aus wie der neue Harvin, sondern mehr wie eine Art „Moss für Arme“, weil es häufig downfield geht. Ich habe gelesen, dass in der Defense der Rookie-DT Sharrif Floyd (fiel im Draft für viele überraschend auf #23 runter) extrem gut ausgesehen haben soll.

NY Jets – Jacksonville. Mark Sanchez wird starten. Geno Smith soll so desolate Trainingsvorstellungen zeigen, dass sich sogar der eigene Head Coach nimmer genötigt sah, diese öffentlich mit Wehwehchen zu entschuldigen. Bei den Jags gilt weiterhin: Man werfe ein Auge auf QB Blaine Gabbert… obwohl: Man weiß eh, was kommt (nämlich wenig). Bei Gabbert ist es einfach der Unglauben, dass das bisher alles war, was ein für zwei Jahren mit so viel Tamtam geholter QB drauf hat.

NY Giants – Indianapolis. Wird Björn Werner erstmals spielen?

Washington – Pittsburgh. Ich weiß, dass es nicht relevant ist, aber wer sich an die gute alte College-Zeit erinnert fühlen will, der kann in der zweiten Halbzeit den Third (oder Fourth?) Stringer der Redskins sehen: QB Pat White, der einstige Superstar bei den West Virginia Mountaineers. White ist in der NFL als „Wildcat-QB“ brutal gefloppt, kriegt jetzt aber wieder ein paar Reps, und war letzte Woche flott bei Fuß. Bei den Steelers kann man ein Auge auf OLB Jarvis Jones werfen. Manche Scouts hatten bei Jones schon vor dem Draft eine Tendenz gesehen, gegen Blocks machtlos zu sein und nur bei freier Bahn auf den QB gut drauf zu sein. Sahen einige bei Jones’ Debüt letzte Woche ähnlich: Jones soll horrend ausgesehen haben.

The Countdown, T-minus 24: Kansas State Wildcats

The Countdown

#24 Kansas State Wildcats.
Big 12 Conference.
2012: 11-2.

Es gibt Mannschaften, bei denen unternehme ich nichtmal den Versuch zu verhehlen, dass ich einen sehr weichen Fleck für sie habe. Das Footballteam der Kansas State University ist eines von ihnen. Kansas State liegt irgendwo draußen in der Prärie der Rednecks, fernab jeder Zivilisation, und war über viele Jahrzehnte eine Lachnummer mit ihren 0-11 Bilanzen und verrosteten Facilities, bis Ende der 80er Jahre Head Coach Bill Snyder übernahm. Quasi über Nacht waren die Wildcats Anwärter auf den National Title. Ohne Ressourcen. Fast ohne richtiges Recruiting. K-State gewann nie einen National-Title, aber man war oft genug nah dran, dass Bill Snyder (heute 74jährig) als einer der besten Coaches in der Geschichte des College Footballs angepriesen wird. Snyder ist nach einer kurzen Auszeit seit 2009 wieder am Ruder, und K-State verzeichnete als vorläufigen Höhepunkt seiner zweiten Amtszeit im letzten Herbst den Gewinn der Big 12 Conference.

Freilich kann man das in der Retrospektive sogar als kleine Enttäuschung werten, nachdem ein Debakel gegen den Zwerg Baylor kurz vor Saisonende die Qualifikation für das BCS-Finale kostete, und mir das Herz zerbrach. Freilich zeigte sich in der Fiesta Bowl, wie überfordert die Wildcats mit Oregon waren. Das ändert jedoch nix dran, dass K-State zuletzt zwei phänomenale Jahre spielte (Record: 21-5).

Joeyseck Blog

Eindrücke vom Campus.

Alle Mannschaften von Snyder haben eines gemein: Sie spielen großartige Special-Teams, sie haben konstant gute Turnover-Ratios (eigentlich müsste ich von Turnover-Glück sprechen) und sie schlagen ihre statistischen Erwartungen. Sie sind overachiever. Aber weil sie vom Leistungsvermögen ihrer Athleten auf einer Stufe mit – sagen wir: Colorado State – sind, müssen sie auch overachiever sein. Nennen wir es Magie, nennen wir es Glück, nennen wir es wie immer wir es nennen wollen: Die Wildcats von Bill Snyder werden uns immer überraschen, weil wir nicht wahrhaben wollen, dass ein solches Team die Arrivierten nicht bloß ärgert, sondern regelmäßig stürzt.


Das gesagt, bin ich dieses Jahr mal richtig gespannt, was die Jungs auf die Beine gestellt bekommen. In der Offense muss mit dem einzigartigen QB Collin Klein Herz, Niere, Lunge und Seele der Mannschaft ersetzt werden. Klein war nie ein Werfer aus dem Lehrbuch, aber er war einer der bestmöglichen Quarterbacks für diese steinzeitliche Option-Offense, in denen du drauf angewiesen bist, dass dein QB die 3rd-und-3 Downs verwertet. Collin Klein verwertete sie alle, und das hinter einer mehr als suspekten Offensive Line.

Tja, und in der Defense muss ersetzt werden: Quasi alles. Neun Starter (!) sind weg, darunter der hoch gelobte LB Arthur Brown, der so gut war, dass ihn die Baltimore Ravens zum potenziellen Nachfolger von Ray Lewis auserkoren haben.

Wie ersetzt man Collin Klein? Es wird nicht 1:1 gehen, aber der OffCoord Dana Dimel steht bei mir hoch genug im Ruf, dass ich ihm zutraue, einen Nachzügler wie QB Daniel Sams oder Jake Waters adäquat einzubauen. Insbesondere Sams ist mir als extrem effizienter Scrambler in recht guter Erinnerung, aber Sams ist ein schwacher Werfer. Waters wirft geilere Pässe, ist aber eher eine Statue.

Bei den Running Backs sollte man besser heute als morgen versuchen, John Hubert zu ersetzen. Mir ist es ein Rätsel, wie Hubert 5.0yds/Carry im Stat-Book stehen haben kann: Der Mann ist eine Walze, aber er bringt deiner Offense kaum Geschwindigkeit. Dafür gibt es in Tyler Lockett und Tramain Thompson zwei absolut fantastische Wide Receivers, Jungs, für die nichtmal der Ausdruck „Zwergen-Combo“ angebracht wäre: Zwei Winzlinge, aber Baby, mit einer Agilität, dass es dir beim Zuschauen die die Haxen verknotet. Der Trainerstab wird dieses Jahr vermutlich den einen oder anderen Passspielzug mehr ansagen müssen, allein wegen diesen beiden Spielern.

In der Defense ist jede Prognose ein Schuss ins Blaue, außer dieser: Snyder wird geeignete Ersatzleute in den Junior-Colleges (JUCO) finden. Athleten, die vor zwei Jahren aufgrund diverser Probleme (Schlägereien, Analphabetismus,…) von einem Top-College geflogen sind und nun noch 1-2 Jahre College Football spielen wollen. Snyder macht das immer, und ich ginge jede Wette ein, dass es auch diesmal so sein wird. Wichtig wird die Front-Seven: Die Lauf-Defense muss halten, und der Passrush zumindest halbwegs zünden. Die Secondary ist grundsolide, aber sie kann die Passfeuerwerke der Big 12 Conference nicht ohne Unterstützung vom Passrush abwehren.


Wird eine interessante Saison: K-State kann den Erfolg der letzten beiden Jahre fast nicht wiederholen, dafür ist zuviel Top-Qualität abgewandert. Wenn der Laden von diesem einzigartigen Trainerstab zusammengehalten wird (und niemand zweifelt daran), wird K-State nicht komplett eingehen. In der sehr guten, sehr breit besetzten, aber ohne die ganz großen Top-Teams oben und ohne die ganz gurkigen Gurken unten, Big 12 Conference könnte das viele engen Spiele mit wenig Punktedifferenz bedeuten. Snyders Bilanz in engen Spielen ist seit seinem zweiten Amtantritt 2009 jenseits von gut und böse (16-4 Siege), aber ich weigere mich, drauf zu wetten, dass es auch diesmal wieder ein 7-0 o.Ä. in engen Spielen wird (Snyder hatte z.B. in seiner ersten Amtszeit eine negative Bilanz in engen Spielen).

Zwischen 6 und 9 Saisonsiegen halte ich alles für möglich – je nachdem, wie gut die Wildcats in engen Spielen abschneiden.