The Countdown, T-minus 15: Oklahoma Sooners

The Countdown

#15 Oklahoma Sooners.
Big 12 Conference.
2012: 10-3.

Bei den Oklahoma Sooners wusste man in den letzten Jahren, was man bekommen wird: Eine sehr gute Mannschaft, die zehn, elf Siege in der hochwertigen Big 12 Conference einfahren wird, die zu den BCS-Anwärtern gehört, aber nur bis Ende Oktober, da spätestens dann ein, zwei überflüssige Stolperer eingestreut werden. Das ist das Stigma des Head Coaches Bob Stoops, der in seiner mittlerweile 14jährigen Amtszeit „nur“ einen BCS-Titel holen konnte (zu wenig an der vielleicht erfolgreichsten Football-Uni der letzten 50 Jahre).

Diesmal hat Oklahoma (das große Oklahoma!) etwas von dark horse: Die vergangene Saison war eigenartig steril mit einer windelweichen Defensive-Front-7, und in QB Landry Jones und OT Lane Johnson sind die besten Offensivspieler in die NFL gegangen. Stoops tauschte den halben Trainerstab aus und sieht sich vor einem Herbst, vor dem die Erwartungen für seine Sooners untypisch niedrig sind.

Es liegt vieles im Dunkeln. Wer wird zum Beispiel der Quarterback? Es gibt mit Blake Bell einen zirka zweieinhalb Meter großen und eineinhalb Meter breiten Schrank, der die letzten Jahre unter dem Decknamen „Belldozer“ als short yardage back eingesetzt wurde und dabei brillierte, der aber ganze 20 Passversuche in seiner Vita aufweist. Die Jungs hinter Bell sind noch grüner. Fix ist nur, dass der neue Quarterback sofort von der Leine gelassen werden wird: Stoops schenkt seinen Spielmachern von Beginn an volles Vertrauen und erwartet als Gegenleistung minimum 4000yds und 30 Touchdowns.

Der Trainerstab in Oklahoma verfügt über fassungsloses Wissen im Offense-Bereich, deswegen kann man davon ausgehen, dass die Sooners auch mit unbekanntem Spielermaterial Punkte aufs Scoreboard bringen werden. Wo größere Zweifel angebracht sind, da reden wir vom Gebiet der Verteidigung. Dort muss DefCoord Mike Stoops, Bobs Bruder, nach einem gewaltigen personellen Aderlass in den letzten Jahren mit einem mehr als suspekten Personal arbeiten. Waren bislang zumindest Passrush und Defense Line stets gut genug gewesen, um gemeinsam mit der starken Offense eine wechselhafte „Back-7“ im Sooners-patentierten 4-2-5 System zu kaschieren, so galten letztes Jahr ausgerechnet Lauf-Abwehr und Passrush als riesige Schwachstellen.

Für Stoops wäre es schon ein Erfolg, wenn die Unit nach erneut vielen Abgängen nicht noch weiter auseinander fällt, aber um im BCS- und Conference-Rennen weiter vorne dabei zu bleiben, müsste die Defense sich eigentlich sofort verbessern.

Merkwürdiger Status quo vor diesem Herbst: Oklahoma ist nicht der Big 12-Favorit, und wird selten genannt, wenn es um mögliche BCS-Sieger geht. Die Granden in den Staaten sagen, ein unterschätzter Bob Stoops ist ein gefährlicher Bob Stoops und immer gut genug, um die Footballwelt zu übertölpeln, aber: Nein. Diese Mannschaft kommt nicht ungeschlagen durch. Die Kombination aus Schedule (z.B. out of conference-Spiel gegen Notre Dame), Ausgeglichenheit an der Conference-Spitze und unerfahrenem Spielermaterial ist zu viel „Uphill“ für eine Perfect Season.

The Countdown, T-minus 16: Louisville Cardinals

The Countdown

#16 Louisville Cardinals.
AAC.
2012: 11-2.

Heute dran im College Fooball Countdown: Die Louisville Cardinals aus der American Athletic Conference, eines der Teams mit dem meisten Buzz im Vorfeld der anstehenden Saison. Hauptgrund war die lange Ungeschlagenheit letztes Jahr, und vor allem der Kantersieg über die Florida Gators in der Fiesta Bowl. Ich bin überzeugt, dass der common sense die Cardinals vom sympathischen Head Coach Charlie Strong in diesen Tagen massiv überschätzt und im Simple Ranking System maximal eine Platzierung zwischen 15 und 20 herausschauen wird, aber gut. Louisville stellt die kompletteste Mannschaft in der Conference, und „Top-25“ ist dann ja auch schon mal etwas.

Im Fokus sollten die Cards in erster Linie wegen ihres Quarterbacks sein: Teddy Bridgewater, der schwarze Scrambler, der in sein drittes Jahr am College geht und nach der Saison in die NFL wechseln dürfte. Bridgewater geht als Favorit auf den Top-Pick 2014 in die Saison, und wer ihn schon hat spielen sehen, kann nachvollziehen, warum.

Bridgewater zeigte letzte Saison ein Standing, das nur noch mit jenem von Andrew Luck vergleichbar war. Dieses charakteristische „hält die Augen immer downfield“, das Scouts so lieben, ist bei keinem Prospect so ausgeprägt wie bei Bridgewater. Die Pocket ist am Kollabieren? Wurscht, es wird auch noch die allerletzte Millisekunde ausgenutzt, ehe der Pass versucht wird. Bei vielen mobilen Quarterbacks (Bridgewater ist nur unwesentlich unspektakulärer als RG3) hast du die Schweißperlen auf der Stirn, weil sie sich zu schnell ins Getümmel stürzen. Nicht so hier: Der Teddy läuft im Zweifelsfall eher zu spät los. Und: Ich kenne keinen Rechtshänder, der so geniale Pässe in Bewegung wirft, wenn er links gegen die Laufbewegung rausrollt.

Man gebe sich mal die 8min Highlights gegen die Florida Gators (Sugar Bowl 2012):

Bridgewater kommt aus der Umgebung von Miami/Südflorida, und kam nur durch die Hintertür nach Louisville, weil eben Strong aufgrund seiner jahrelangen Arbeit in Florida noch gute Beziehungen dorthin hatte. Das Freshman-Jahr hatte man als „vielversprechend“ eingeordnet. Der letzte Herbst galt schon als Top-Pick-würdig. Was man auch immer wieder vernahm, sind die Lobpreisungen, wie anspruchslos das Supertalent doch sei. „Bridge over troubled Water“ hat sich die Latte hoch gelegt: Liefert er Leistung, werden Teams wie Jets, Jaguars oder Raiders im nächsten Frühjahr schwerlich an ihm vorbeischauen können. Auf der anderen Seite sind immer wieder hoch gehypte Prospects im Jahr der Wahrheit gestrauchelt. Ist Bridgewater der nächste? Wir werden sehen.

Für die Interessierten gibt es noch einen zweiten potenziellen Superstar-Angreifer: RB Michael Dyer, dessen Irrwege von Auburn über Arkansas State über Grundkurse in Benimmregeln ein vorläufiges Ende haben sollen. Dyer war der MVP im BCS-Finale 2010/11, versank danach aber in Chaos und Sumpf. Er kriegt in Louisville diesen Herbst die x-te Chance, sein Leben auf die Reihe zu kriegen. Bridgewater und Dyer sollen sich persönlich recht gut verstehen. Auf dem Spielfeld sollten sie ein spektakuläres Angriffs-Duo bilden können, das anzuschauen sich lohnt.

Die beiden allein machen Louisville zum Favoriten in der American Athletic Conference (AAC), aber dass es für die Cardinals zu mehr – sprich: BCS-Titelträumen – reicht, daran glaube ich keine Sekunde. Trotz Bridgewater, und trotz eines lächerlichen Schedules.