The Countdown, T-minus 13: Notre Dame Fighting Irish

The Countdown

#13 Notre Dame Fighting Irish.
Independent.
2012: 12-1.

Der letzte Eindruck ist oft ein bleibender, was im Falle der Notre Dame Fighting Irish ein ziemlich negativer ist: So bitterböse, wie man von Alabama im BCS-Endspiel niedergemacht wurde (und, really, die 28pts-Niederlage war noch Gnadenbrot), tat man sich im Nachhinein schwer, die erste ungeschlagene Regular Season seit vielen, vielen Jahren schön zu reden.

Notre Dame ist keine gewöhnliche Uni. Notre Dame, die größte und strahlkräftigste Katholiken-Uni der Staaten, schleppt viele Jahrzehnte Football-Tradition und etliche Mythen mit, sodass sie auch ohne direkten sportlichen Erfolg stets relevant in der Wahrnehmung der US-Massen bleibt. Klassischer Fall von man liebt sie oder man hasst sie. Insofern war es schon überraschend gewesen, wie schwer Notre Dame letztes Jahr unterschätzt worden war, nachdem es vor der Saison klare Anzeichen einer exzellenten Saison 2012 gegeben hatte (viele knappe Niederlagen 2011, sehr gutes SRS, viel Turnover-Pech…). Einzig der Schedule hatte mich nervös gemacht, aber einen schweren Schedule spielt Notre Dame fast immer. Und wie es im Football oft so läuft, war Notre Dame kein viel besseres Team als vorher gewesen, allein, sie hatten die Würfel diesmal auf ihrer Seite: Sie gewannen Freakspiele gegen Pitt und Stanford mit Hilfe vom Heiligen Petrus und den Zebras (Slang: Refs) und wurstelten sich irgendwie ins BCS-Endspiel durch. Das ist ein Erfolg, den man nicht kleinreden muss, denn viele Teams, die ins BCS-Endspiel kommen, brauchen solches Glück, selbst Alabama, das ein viel besseres Team stellt, aber in den beiden letzten Jahren trotzdem jedes Mal auf fremde Hilfe angewiesen war, um das Endspiel überhaupt zu erreichen.

Dass die Fighting Irish im Endspiel so platt gemacht wurden, trimmt die Erwartungen für dieses Jahr und sorgt auch für eine gesündere Einordnung der Erwartungen: Yup, das Team ist immer gut für neun oder zehn Saisonsiege, aber ein Verpassen des BCS-Finals als Enttäuschung zu werten, ist vermessen.

Das Team von Head Coach Brian Kelly muss diesmal zusätzlich im Vorfeld der anstehenden Saison auf den einen oder anderen Eckpfeiler verzichten. LB Manti Te’o zum Beispiel ist weg. Te’os Einfluss auf die Defense wird im Nachhinein durch den bizarren Kekua-Hoax vielleicht etwas unterschätzt: Einen so dynamischen Spieler musst du erstmal ersetzen. Gut für das Team, dass die Defense Line um die künftigen Erstrundenpicks DT Louis Nix und DT Stephon Tuitt weiterhin erstklassig bleibt. Auch auf OLB Prince Shembo wird eine extrem wichtige Rolle zukommen, denn der Passrush der Front-Seven muss zünden, um eine ausgedünnte Secondary zu entlasten. DefCoord Bob Diaco ist nicht unbedingt bekannt dafür, viel zu blitzen.

In der Offense wurde der Quarterback der letzten Saison, Everett Golson (damals ein Freshman) von der Uni geschmissen. Das führt dazu, dass Kelly dieses Jahr wieder auf den alten QB, Tommy Rees, zurückgreifen wird, was im Umkehrschluss bedeutet: Wir sind nur zwei Interceptions von einer QB-Controversy entfernt. Auch beim Rest der Offense wird man abwarten müssen: Die Running Backs sind samt und sonders suspekt, aus der Crew der Ballfänger ist mit TE Tyler Eifert der meilenweit beste Mann in die NFL gegangen. Wie Eifert ersetzt werden soll, steht noch in den Sternen.

Notre Dame wird nicht einbrechen, dafür sieht die Front-Seven zu dominant aus. Aber es ist anzunehmen, dass die Mannschaft im Vergleich zur letzten Saison an Qualität eingebüßt hat, und vor allen Dingen im Zweifelsfall keine 5-0 Bilanz in engen Spielen mehr einfahren wird. Es wird wohl auf eine 8-4 oder 9-3 Regular Season hinauslaufen.

The Countdown, T-minus 14: Florida Gators

The Countdown

#14 Florida Gators.
SEC, Eastern Division.
2012: 11-2.

Ästhetisch ansprechend ist das, was die Florida Gators unter Head Coach Will Muschamp spielen, nicht, aber es ist erfolgreich: Letztes Jahr kam Florida in der zweiten Saison unter Muschamp mit 11-1 Siegen durch die Regular Season, und nur eine unglückliche Niederlage gegen Georgia verhinderte den Divisionssieg in der SEC-East. In der Sugar Bowl ging man dann zwar als hoher Favorit gegen Louisville baden, aber das konnte die guten Eindrücke nicht mehr trüben: 2012/13 wird in Gainesville als Erfolg gewertet.

Die University of Florida war in den letzten zwei Jahrzehnten eine Angriffsschmiede mit Passfeuerwerken unter Steve Spurrier in den 90ern und einer sehr erfolgreichen Zeit mit Spread-Option-Laufoffense und dem gefeierten Triumvirat HC Urban Meyer, WR Percy Harvin, QB Tim Tebow. Seit Muschamp da ist, regiert rohe Physis und Fokus auf perfekte Ausführung der Basics im Football: Tackling, Blocken, Laufspiel über die Mitte. Optisch schreit nix nach den klassischen „Florida Gators“, aber immerhin ist es nach zwei, drei Jahren Mittelmaß wieder erfolgreich.

Das alles überrascht ein wenig, denn OffCoord Brent Pease kommt aus der Schule der Boise State Broncos und hatte dort eine der schönsten Offenses überhaupt unter seinen Fittichen. In der aktuellen Florida-Mannschaft fehlt für diese Spread-Offense der kleinen Schritte aber das Spielermaterial, und so hat der Angriff einen merkwürdigen Look: Es gibt zwar viele Spielzüge mit drei, vier potenziellen Ballfängern im Line-Up, es gibt auch die aus Boise bekannte Bewegung vor dem Snap mit vielen Motions, aber es folgt in aller Regelmäßigkeit ein trockener Lauf ohne viel Trara. Geworfen wird nur, wenn unbedingt notwendig. Wenn deine Defense das Spiel eng halten kann, ist das bei aller Hässlichkeit ein probates, risikoloses Mittel.

Und so ist der mobile QB Jeff Driskel vor allem darauf bedacht, nur ja keine unnötigen Fehler zu begehen. Notfalls lieber den Sack kassieren als eine Interception zu riskieren (Driskel wird in jedem achten Passversuch gesackt – rekordverdächtig). Den Rest sollen Offense Line und Running Backs machen und schauen, wie lange es dauert, bis selbst Monster-Defenses wie LSU oder FSU klein beigeben. Fehlerminimierung in ihrer reinsten Form geht allerdings häufig auf Kosten des K.o.-Schlags, und so war Floridas Offense zuletzt berüchtigt für ihre banale RedZone-Offense (im Zweifelsfall wird das 3rd down ins Aus geworfen und fast immer das Field Goal gekickt). Diese bodenlose RedZone-Offense kostete Florida nicht zuletzt im einzigen verlorenen Spiel der Regular Season gegen Georgia den Divisionssieg und die Aussicht auf das BCS-Finale.

Mal sehen, wie die Offense dieses Jahr aussieht. Jungs wie RB Mack Brown oder noch viel mehr Matt Jones deuteten großes Potenzial an, und in WR/KR Trey Burton gibt es auch einen dieser aufregenden Playmaker in der Tradition von Harvin oder Austin.

Die Defense war zuletzt unüberwindbar für gegnerisches Laufspiel und zwang sämtliche Gegner zu Passspiel. Die Frage ist nun, nach den Abgängen der drei wichtigsten Ecksteine DT Floyd, LB Bostic und S Elam (alle Erst- und Zweitrundendraftpicks), wie sich dieses Rezept halten lässt. Floridas Passrush war auch mit Sharrif Floyd nicht gefürchtet, und mit Bostic und Elam müssen die zwei schnellsten Tackler ersetzt werden. Kann die Defense überhaupt ihr Level halten? Wichtig werden auch die Special Teams: P Kyle Christy war letzte Saison ein wichtiger Faktor für den Feldpositionskampf, und auch er sollte zumindest annähernd die Leistung halten können, um die anderen beiden Mannschaftsteile so weit wie möglich zu entlasten.

Wird spannend. Florida geht nach common sense als leichter Divisionsfavorit in der SEC-East ins Rennen; der Schedule ist wie immer nicht zu unterschätzen (@LSU als alljährlicher Gegner ist eines der schwierigsten „Rivalry“-Lose, aber zumindest FSU ist kein Conference-Spiel) und im Vergleich zu Truppen wie South Carolina dieses Jahr ein echter Nachteil.

Persönlich habe ich das Gefühl, dass wir alle zusammen Florida leicht überschätzen: Die Bilanz letztes Jahr ist durch ein 4-1 in engen Spielen leicht geschönt, die Mannschaft hatte etwas Turnoverglück (viele abgefälschte Bälle wurden abgefangen), und immer wenn bei Teams mit in diesem Eintrag beschriebenen Charakteristika Defense und Special Teams einen Zapfen nachlassen und die Offense in Zugzwang zu werfen kommt, droht die eine oder andere unnötig ausschauende Niederlage…