The Countdown, T-minus 11: Nebraska Cornhuskers

The Countdown

#11 Nebraska Cornhuskers.
Big Ten Conference.
2012: 10-4.

Die Nebraska Cornhuskers zählen zu den größten Schwergewichten des College Football, dank einer stolzen Tradition an Option-Offenses, die schon in der Urzeit des Sports begann. Nebraska ist ein weites Land, draußen in den Rednecks, entfernt von uns bekannten urbanen Gesellschaftsformen, und entsprechend zerstückelt sind die Dörfer und Kleinstädte. Die Universität Nebraska-Lincoln ist das große Identifikationspunkt des Staates, und sie kann über ein zwar nicht sonderlich bevölkerungsreiches, dafür aber unendlich weites Gebiet die Recruiting-Hohheit beanspruchen und gliedert schon seit vielen Jahrzehnten ihre Talente in immergleiche Spielsysteme.

Bis nach einer langen und erfolgreichen Zeit mit einigen der besten Mannschaften aller Zeiten der leichte Abstieg begann, und als reaktive Gegenmaßnahme ab Mitte der 2000er der ehemalige Head Coach der Oakland Raiders, Bill Callahan, als neuer Chef eingestellt wurde. Callahan riss alle Konventionen nieder und installierte einen quicken West-Coast-Style, mit dem sich die Menschen nicht identifizieren konnten. Callahan bekam nach der ersten historischen Pleite (vs Kansas wurden 2007 76 Punkte aufgegeben!) die Revolte zu spüren und wurde zugunsten con Bo Pelini abgesägt. Man hatte keine Geduld mit ihm. Man hatte Angst, dass nun alles anders wird.

Seit Pelini in Lincoln am Werk ist, ist die Meute wieder zufrieden: Ein schreihalsiger Defensivkünstler, dem in der Offense alles recht ist, solange nicht mehr als zehn Pässe pro Spiel geworfen werden. Das ist dann auch alles im Sinne von Athletic-Director und Nebraska-Legende Tom Osborne, den wir ja bereits kennen. Nebraska spielt mittlerweile nicht mehr wie zuvor seit Äonen in der Big 8 oder Big 12 Conference, sondern in der Big Ten Conference, in die man kulturell – Hand aufs Herz – auch etwas besser passt. Dort stehen keine Passfeuerwerke an. Dort wird noch überwiegend traditionell RRPP (run-run-pass-punt) gespielt.

Bloß: Es hat noch nie einer dran gedacht, dass man mit diesen Vorstellungen im heutigen College-Football kaum mehr 11-1 Saison en suite zustande kriegt, sondern sich eben mit reihenweise 9-4 Jahren zufrieden geben muss. Zumal Nebraskas Highschool-System nicht die Wunderspieler wie in Texas oder Florida hergibt. Und so sprechen wir hier über eine Großmacht, die verzweifelt versucht, wieder alten Glanz zu versprühen ohne von ihren uralten Werten loslassen zu wollen.

Dem Publikum isses wurscht: Die Leute kommen eh. Kein Spiel seit über 50 Jahren, das nicht ausverkauft war. Kaum ein Spiel, bei dem sich nicht noch vor dem Stadion 20.000 Verzweifelte ohne Karten tummeln. Cornhuskers-Heimspiele haben Kultstatus in einem bodenständigen Staat, dem es abseits von Football und der Bibel an echter Unterhaltung mangelt.

Was soll ich sonst noch schreiben: Dass QB Taylor Martinez mobil wie eh und je ist, und mittlerweile sogar sowas wie ein echter Werfer? Dass die Defense, die bisher gebaut war, die wurfgewaltigen Big12-Konkurrenten zu stoppen, noch immer nicht ganz soweit ist, die laufspielorientierte Big Ten einzubremsen? Alles schon oft gesagt. Es wird so „laufen“ wie immer: Nebraska putzt den Bodensatz im Schedule, gewinnt gegen 1 oder 2 der 4 „echten“ Gegner, weil es nicht die Qualität hat, sie alle – UCLA, Michigan (auswärts), Michigan State, Penn State (auswärts) – hintereinander zu übertölpeln, und am Ende wird man mit acht bis zehn Siegen in der Regular Season in ein Bowl Typus „Capital One“ eingeladen (um diese dann zu gewinnen oder zu verlieren, je nachdem um mit 9-4 oder 10-4 abzuschließen).

Und am 1. Jänner werde ich wieder die gleiche Story erzählen. Wie schon immer und immer wieder. Weil sie immer wieder sympathisch ist. Weil sie so… Nebraska ist.

The Countdown, T-minus 12: Texas Longhorns

The Countdown

#12 Texas Longhorns.
Big 12 Conference.
2012: 9-4.

Um mal einen schrägen Vergleich zu bemühen: Die University of Texas aus der texanischen Hauptstadt Austin ist sowas wie der FC Barcelona (pre-2005) oder das Real Madrid (post-2002) im College-Football: Die finanziellen Möglichkeiten übersteigen alles, was die Konkurrenz zu bieten hat, man liegt mitten im Herzen vom footballverrückten Texas mit seinen Abertausenden an Super-Athleten, man ist ständig im Mittelpunkt des Medieninteresses… und man hat das Image des underachievers: Ganze zwei National Championships hat man in über 100 Jahren Bestehen holen können!

2009/10 erreichte man das BCS-Finale, das man unter eher unglücklichen Umständen verlor. Seither kämpfen die Longhorns um den Anschluss an die Spitze – mit äußerst wechselhaftem Erfolg. Das führte dazu, dass Head Coach Mack Brown nach jeder nicht vollends überzeugenden Leistung ins Fadenkreuz gerät.

Brown ist beileibe kein innovativer Coach, der durch besonders geniale GamePlans auffällt. Was Brown auszeichnet, ist seine ausgleichende Persönlichkeit: Bei Texas musst du 24/7 die Mutti für alles geben, die sich um alles und jeden kümmert. Du musst dich gegen den ständigen Gegenwind aus allen Richtungen wehren. Du brauchst viel Leim für deinen angesägten Stuhl. Es ist angesichts der Umstände bemerkenswert, wie lange sich Brown nun schon in Austin schon halten kann; 100%ig wären andere Trainerstäbe längst in die Luft geflogen.

Das gesagt, sind die Texas Longhorns von 2013 potenziell scary: In Sachen Talente aus den Highschools gibt es keinen hochwertigeren Kader im College-Football, und nun ist es auch das erste Mal seit Jahren, dass sich dazu ein gesunder, erfahrener Mannschaftskern gesellt (19 Starter bleiben im Kader!). Talent + Erfahrung ist eine der sichersten Erfolgsformeln im College-Football.

Problematisch war letztes Jahr die Defense, die nach der Verletzung von LB Jordan Hicks komplett auseinander brach. 61 kassierte Punkte gegen den größten Rivalen Oklahoma hat man DefCoord Manny Diaz noch nicht verziehen. Aber es gab auch bessere Phasen, in denen die Abwehr tolle Ansätze zeigte. Das Spielermaterial ist da; allein die beiden besten Spieler müssen ersetzt werden: S Vaccaro und DE Okafor, die in die NFL gingen. Gut ist, dass die Backups sich bereits auf den Füßen stehen.

Die Offense hat Potenzial für eine der besten im Lande, und das, obwohl es eine nie endende QB-Controversy gibt: Da ist zum einen David Ash, der immer für ein Gurkenspiel gut ist, und zum anderen Case McCoy, dessen Vorstellungen kaum blasser sein könnten, aber der politisch viel Einfluss hat („Mein Bruder Colt ist eine Legende auf dem Campus, also verdiene ich mir den Starter-Spot“).

Alles abseits der Quarterbacks ist sensationell besetzt, aber genannte beiden QB-Optionen haben so viele Flauseln, dass die OffCoords seit Jahren wie wild drum herum doktern müssen, um Konstanz in den Laden zu bringen. Letzten Herbst scheiterte der geniale OffCoord Bryan Harsin an dieser Monsteraufgabe, und Harsin gehörte nun wirklich zur heißesten Ware, was Offensivgeister angeht (Harsin ist nun weg, wird Head Coach bei Arkansas State).

So ist das Gesamtbild der Texas Longhorns ein recht frustrierendes: Die Möglichkeiten und Ressourcen sind schier unbegrenzt, aber die nicht aufhörenden Kleinkriege bei so vielen Interessensgruppen und die erfolglose Suche nach einem wirklich beständigen Quarterback verhinderten in den letzten drei Jahren den Durchbruch. Die Longhorns stecken ein bissl in der Zwickmühle, auch wenn es dank Talent+Erfahrung jederzeit den Breakout geben kann. Über ein 11-1 wäre ich alles andere als überrascht, auch wenn die drei schwersten Conference-Spiele auswärts oder auf neutralem Feld fern des heimischen Memorial Stadiums (100.000 Zuschauer) sind.

Wahrscheinlicher ist aber sowas wie ein erneutes 9-4 oder 10-3, mit aufflammenden Diskussionen um die Zukunft von Mack Brown.