The Countdown, T-minus 8: Florida State Seminoles

Bobby Bowden Field at Doak Campbell Stadium bei Nacht

Bobby Bowden Field at Doak Campbell Stadium bei Nacht

The Countdown

#8 Florida State Seminoles.
ACC, Atlantic Division.
2012: 12-2.

Die Florida State Seminoles gehören zu den bekanntesten Mannschaften in den Vereinigten Staaten, obwohl sie nicht auf denselben Rucksack an Tradition verweisen können wie beispielsweise Nebraska, Alabama oder Notre Dame. Berühmt sind die „Mighty Noles“ vor allem wegen eines sagenhaften Laufes in den 80er und 90er Jahren, als sie unter der Trainerlegende Bobby Bowden 14x (!) in Folge in den AP Top-5 abschlossen – eine Serie, die keine andere Uni auch nur annähernd jemals erreichte.

Wie es so ist, wenn eine Legende zu lange an ihrem Lebenswerk festhält und niemand die Schneid hat, sie abzusägen, ging es mit den Noles in den 2000ern ziemlich abwärts. Die PK-Auftritte des greisen Coaches Bowden in dessen letzten Amtsjahren gehörten zu den bizarreren TV-Momenten. Erst Anfang 2010 wurde der damals 82jährige Bowden von seinem Zögling Jimbo Fisher als Head Coach abgelöst. Seither geht es kontinuierlich bergauf.

Fisher hat kein schweres Leben, was das Recruiting im unendlich tief besetzten Highschool-System Floridas angeht: Viele der besten Talente werden noch immer von der Marke „Florida State University“ angezogen und zieht es nach Tallahassee. Für Fisher geht es viel mehr darum, wieder ein Produkt auf das Feld zu bringen, das den Erwartungen des erfolgsverwöhnten Publikums entspricht. Die Leute wollen einen „Winner“, und sie wollen ihn jedes Jahr.

Fisher gewann letzten Herbst erstmals die Atlantic Coast Conference und beendete das Jahr 12-2, aber so richtig glücklich war niemand. Schließlich sollte 2012 „das Jahr“ sein, ein Herbst, in dem etliche Supertalente ihr letztes College-Jahr absolvierten, ehe es in die NFL geht. Letztlich scheiterte man an den hohen Erwartungen, weil zwei eher unnötige Pleiten eingebaut wurden – Pleiten, die schon zur Folklore von Fishers Mannschaften gehören.

Jetzt also 2012.

Die Offense

Da schickte FSU zuletzt in Chris Ponder und E.J. Manuel zwei Erstrundenpicks auf Quarterback in die NFL, und trotzdem ist niemand so richtig besorgt. Das liegt vornehmlich am neuen Starting-QB, einem Freshman (!), Jameis Winston, einem schwarzen Scrambler, der nebenbei als zweites Hobby richtig gut Baseball spielt und von dem man ganze Wunderdinge erwartet. Wie gut Winston wirklich ist, wird sich zeigen, aber man sollte nicht erwarten, dass er sofort in Manziels Sphären aufgeigt. Auf alle Fälle ist Winston aber ein sehr ulkiger Charakter, immer für einen flotten Spruch gut und gilt als sehr gewinnender Typ.

Winston wird in Jimbo Fishers Offense unter Garantie nicht sofort von der Leine gelassen. Aber er hat neben einer sehr gut aufgestellten Offense Line auch noch gewaltige Skill-Player: RB James Wilder jr. und RB Devonta Freeman dürften eines der besten RB-Pärchen im Lande bilden und selbst die Ersatzleute dahinter gelten alle als Supertalente. FSUs Laufspiel dürfte eines der besten sein. Und bei den Wide Receivers haben die Noles seit etlichen Jahren einen Corp beisammen, der so breit ist, dass die Jungs aus 50m Entfernung nicht alle aufn Bildschirm passen.

Fragezeichen ist allerdings das Coaching: Der OffCoord James Coley ging frustriert nach Miami/FL, weil er bei FSU keine Spielzüge ansagen durfte. Und die Positionstrainer auf RB und QB sind beide ebenso weg. Fisher steht bei mir im Ruf, etwas zu zögerliche Calls zu machen und die Offense eher zu viel zu knebeln.

Die Defense

Die Seminoles-Defense galt in den letzten beiden Jahren als fantastische Einheit, als einer der drei, vier besten im Lande. Nun ist mit Mark Stoops der DefCoord weg, und zudem die Positionscoaches auf DL und LB. Auf Spielerseite sind vor allem die Abgänge von DE Björn Werner, DE Cornelius Carradine und CB Xavier Rhodes zu beklagen. Wer den Draftprozess auf diesem Blog verfolgt hat, wird die Namen wiedererkennen: Alle drei waren hoch gedraftete Jungs. Einen solchen Talentabfall kannste nicht per Knopfdruck vergessen machen, nichtmal im Talenteschuppen Florida.

Linebackers und Defensive Backfield sind noch immer überladene Units mit etlichen künftigen NFL-Profis (vor allem der FS/CB Lamarcus Joyner ist ein Mann, den ich aufgrund seines Potenzials seit Jahren anhimmle), aber „vorne“ in der Defense Line, da gibt es schon einige Bedenken: Von den 35 Sacks der Noles sind allein in Werner und Carradine 24 (!) abhanden gegangen. Das Tackle-Pärchen Tim Jernigan/Demonte McAllister dürfte noch gut gegen den Lauf sein, und der Sophomore-DE Mario Edwards war ein Highschool-Talent, das die Scouts an allen großen Unis sabbern ließ, aber hinter diesem Trio wird es schnell seeeeehr dünn. Da sind die Noles eine Verletzung oder zu viele Spiele down to the wire davon entfernt, dass die geringe Kadertiefe böse zuschlägt.

Ausblick

Die BCS-Titelchancen für FSU sehe ich eher gering. Vielleicht kriegen die Noles sogar schon in der Atlantic Coast Conference ein Problem, denn sie müssen das schwierigste Spiel auswärts bei den Clemson Tigers bestreiten. Verliert man dort, dürfte ein Einzug ins ACC-Finale fast unmöglich werden. Das zweite große Spiel der Saison ist der „Sunshine-Showdown“ gegen die Florida Gators am Thanksgiving-Wochenende, das viel Prestige enthält, aber nur dann wirklich relevant ist, wenn die Noles dann – rein hypothetisch jetzt – mit 11-0 anreisen. Wahrscheinlicher ist aber, dass FSU bis dahin das eine oder andere Spiel abgeschenkt haben wird. Blickt man sich die Rankings in den Staaten so an, erwartet eigentlich auch niemand einen Durchmarsch der Seminoles. Nicht in diesem Jahr.

2 Kommentare zu “The Countdown, T-minus 8: Florida State Seminoles

  1. Die Vereinigten Staaten sind zu optimistisch wenn es um die Noles geht. Natürlich können die Noles jeden schlagen, aber sie können unter Jimbo auch gegen jeden verlieren (ok, zumindest solange sie ungeschlagen sind). Diese Noles haben alles Talent der Welt und sie zeigen das auch. Weil sie nämlich immer einen oder zwei Grottenkicks einbauen und die Saison somit weg schmeißen. Die Noles können das laxeste Team von allen sein.

    Ich kenne viele, die „nur“ mit dem A.C.C. Title nicht zufrieden wären, aber alle fürchten zur gleichen Zeit, dass es die Noles zustande bringen, sogar diesen zu verlieren. Die Angst ist nicht einmal so sehr Clemson, sondern die einfachen Lose: Wake, N.C. State, Maryland.

    Aber genug der bösen Worte. Es wird wieder eine aufregende Saison mit einem neuen Hero Jameis („Jayyyyy-Misssss“) Winston. Langeweilig wird es bei F.S.U. sowieso nie.

    GO NOLES.

  2. Bin gerade Live dabei bei -Pittsburgh vs. Florida St-. Im vollbesetzten Heinzfield.
    „Winston wird in Jimbo Fishers Offense unter Garantie nicht sofort von der Leine gelassen.“
    ..und ob.
    Was dieser Junge da zelebriert ist vom feinsten.Bin gerade Live dabei bei -Pittsburgh vs. Florida St-. Im vollbesetzten Heinzfield.

    3 TD Pässe zu Nick O’Leary. 1 selbst gelaufen,
    dies kurz vor Ende des Spiels bei Stande von 41 : 13 für die Seminoles.

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