The Countdown, T-minus 5: South Carolina Gamecocks

The Countdown

#5 South Carolina Gamecocks.
SEC, Eastern Division.
2012: 11-2.

Historisch gesehen sind die South Carolina Gamecocks aus Columbus/Süd-Carolina keines der ganz großen Programme im College-Football, was aber nicht heißt, dass Universität und Mannschaft nicht „ziehen“: Die Fanbasis gilt als extrem loyal und füllte die Hütte selbst in Zeiten, in denen man sieglos durch die Saison stolperte. Und seit mit Steve Spurrier ein ebenso kultiger wie klingender Name auf Head Coach übernommen hat, geht es auch sportlich nach oben.

Steve Spurrier wurde bekannt als einstiger Heisman-Trophy Sieger und späterer Coach-Revoluzzer, der der bodenständigen SEC das Passspiel beibrachte („Fun’n’Gun“-Offense). In South Carolina erinnert nicht viel an diese alten Zeiten, in denen Spurriers Mannschaften Wurfrekorde diverser Art sprengten und Titel abstaubten: Die Gamecocks brillieren vielmehr durch grundsolide exekutiertes Laufspiel, Fehlerminimierung und knackige Defense. In den letzten Jahren war man mehrmals nahe am Durchbruch, scheiterte aber immer wieder knapp, mal, weil man auf Übermannschaften im Conference-Finale traf, mal, weil man ungünstige Schedules spielen musste.

Heuer sieht man einen relativ einfachen Schedule: Man muss zwar in Woche 2 auswärts zum Divisions-Mitfavoriten Georiga, aber die beiden einzigen weiteren Kaliber, Florida und Clemson, bekommt man zuhause serviert. Mit Abstrichen UNC, Vanderbilt und Mississippi State (alle ebenso zuhause) sind die drei einzigen weiteren Teams, von denen man diese Saison Gutes erwarten würde.

Aber wie der Teufel es will, muss man haargenau diesmal mit einem personellen Aderlass fertig werden, der sich gewaschen hat. Der herausragende RB Marcus Lattimore ging in die NFL, aber er wäre wohl sowieso nicht fit gewesen und fehlte auch in den letzten Jahren immer wieder im Krankenstand. Vier der fünf besten Wide Receiver sind gegangen, die fünf besten Linebackers, der zweitbeste Defensive End (Devin Taylor) und der beste Safety (D.J. Swearinger) – das ist Material, das auch eine mittlerweile solide SEC-Uni nicht im Handumdrehen ersetzen kann.

Jadeveon Clowney

Der Mann, der trotzdem Hoffnungen auf eine große Saison macht, ist Superstar-DE Jadeveon Clowney, der als Top-Draftpick 2014 gilt und wirklich eine einzigartige Naturgewalt ist. Es gab in der Vergangenheit immer wieder freakige Athleten in der Defense, die alles in Grund und Boden spielten (vor einem Jahrzehnt Peppers, zuletzt Ndamukong Suh), aber Clowney ist selbst für solch epische Standards ein herausragendes Einzeltalent, bei dem man dankbar ist, wenn man es mal hat spielen sehen. Clowney machte in der Bowl Season einen highlight-trächtigen Tackle gegen einen Michigan-RB, der im Laufe der kommenden Scouting-Periode in der Murmeltierschleife durch den Äther gejagt werden dürfte:

Es ist nicht nur dieser Hit; es ist vor allem die Beständigkeit, mit der Clowney Terror veranstaltet. Clowney ist trotz 115kg schlaksig und fassungslos antrittsschnell und wuchtig. Allein, der Hype um diesen Spieler ist so groß, dass er die Erwartungen fast nicht erfüllen kann.

Und es bleiben viele Fragezeichen: Selbst wenn die Defensive Line dominiert – wer macht dahinter die Tackles? Wie viel Freelancing ist ohne Swearinger überhaupt noch möglich für die Defensive Backs? Was passiert, wenn Clowneys Leistung abfällt?

Gamecocks-Offense

Die Offense hatte zuletzt ein bissl was von Chamäleon, was auch an den vielen Verletzungen lag. Die erste QB-Option ist Connor Shaw, ein mobiler Glatzkopf, der die Tendenz hat, entweder den tiefen Ball zu suchen oder den Checkdown zum nahe stehenden Running Back. Fällt Shaw aus, ist mit Dylan Thompson Kontrastprogramm angesagt: Thompson ist keine Statue, aber er scrambelt vergleichsweise selten und zieht bevorzugt ein Mitteldistanzgewichse auf, das stilistisch völlig von Shaw abweicht. Beiden ist gemein, dass sie trotz ihrer Beweglichkeit viel zu viele Sacks einstecken. Wohin sie dieses Jahr werfen sollen, steht noch aus: Kaum Wide Receiver haben Spielerfahrung vorzuweisen.

Dafür sollte das Laufspiel auch in der Zeit nach dem Genie Lattimore halbwegs passen: Die Offense Line bleibt komplett zusammen und mit Mike Davis gibt es einen relativ guten Back, der irgendwann mal auch in der NFL Fuß fassen sollte.

Nochmal: South Carolina ist diesmal deutlich schwächer aufgestellt als in den letzten Jahren, aber sie haben Glück mit dem Schedule (oder anders: Diesmal hat Georgia den schweren Weg). Wenn der Kader im Gegensatz zu den letzten Saisons diesmal gesünder durch den Herbst kommt, dürfte das Conference-Finale drin sein. Man ist allerdings ziemlich abhängig von der QB-Situation im Angriff und Clowney in der Defense. Ich bin nicht allzu zuversichtlich, was die BCS-Chancen der Gamecocks angeht, aber einen Einbruch erwarte ich auch nicht.

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