Die furchtlose NFL-Vorschau 2013/14: Third Down, die Playoffkandidaten

Referenzen

Dritter Teil der furchtlosen NFL-Vorschau mit der Gruppe an Teams, von denen man erwarten kann, einen der 12 offenen Playoff-Plätze zu ergattern. Daher sprechen wir hier von der „CU in January“-Fraktion. Es ist möglich, dass eine oder zwei Mannschaften aus Teil 1 oder 2 einen Lauf kriegen und sich irgendwie durchwursteln und am Ende sensationell ein Playoffspiel bestreiten dürfen, aber es ist ausgeschlossen, vorher die richtige zu prognostizieren. Daher bleib’ ich mal furchtlos und tippe auf meine Playoff-Favoriten.

Chicago Bears

Division   NFC North
Headcoach  Marc Trestman
2012       10-6
Tipp 2013  Dritter

Bei den Chicago Bears wurde nach neun Jahren Lovie Smith im Winter die Umschalttaste gedrückt um nach Jahren der Stagnation auf hohem, aber nicht höchstem, Niveau eine neue Richtung einzuschlagen. GM Phil Emery installierte als neuen Head Coach überraschend Marc Trestman. Trestman? Jüngeren Zuschauern wird der Mann kein Begriff sein, aber wer schon vor zirka einem Jahrzehnt NFL verfolgt hat, der wird sich dunkel dran erinnert haben, dass Trestman erst als Offensivgenie und Kreator der kurzzeitig fabulösen Raiders-Offense gegolten hatte (inkl. MVP-würdigen Stats für den QB-Oldie Rich Gannon) um dann gemeinsam mit der ganzen Raiders-Baggage abzustürzen und einen Schwall an Streitigkeiten verwickelt zu werden. Trestman ging später in die CFL und sanierte dort die Montreal Alouettes. Jetzt also NFL. Jetzt Chicago. Die Wahl für Trestman erstaunte viele (inklusive mich). Chicago ist kein Allerweltsteam, sondern eines der größten Aushängeschilder der NFL. Das ist, als wenn sich Borussia Dortmund beim SV Josko Ried den Klopp-Nachfolger abgreift. Oder Bayern bei Rapid. Ja, ähnlicher Sport, aber die Ösis können eh nix.

Die entscheidende Frage ist: Bringt Trestman die Bears nach vorn? Es ist sonnenklar, dass Emery mit dem Move Schwung in eine seit Jahren verwaiste Offense bringen möchte. QB Cutler ist ein guter, aber kein herausragender Quarterback, und Cutler braucht Hilfe, die er bisher nie hatte: Mal war die O-Line zu schwach, mal gab es keine Receiver, mal der RB verletzt, mal ein Tight End mit Händen aus Stein, mal ein gefrorenes Spielfeld, mal ein OffCoord ohne Schimmer, mal eine Nacht mit schlechtem Sex. Jetzt sind endlich personell alle Pakete da: Offensivgeist Trestman, OffCoord Aaron Kromer, WRs Marshall/Jeffery, TE Bennett, RBs Forté/Bush, LT Bushrod, G Slauson und Rookie-OL Kyle Long. Cutler hat keine Ausreden mehr… es sei denn, Trestman limitiert den wurfgewaltigen Zocker Cutler mit zu vielen West-Coast-Elementen. West Coast, da kommt Trestman her, und dahin wurde Trestman einst in Oakland nach dem ersten Jahr des Kollapses auch wieder geschickt.

Ein wunder Punkt, der sich aufmachen könnte: Die Defense. Über viele Jahre hatten die Chicago Bears die einzige verbliebene „echte“ Tampa-2 Defense, die zwar einiges an Yards kassierte (2012 war es allerdings super: 5.4 NY/A im Passspiel, #3), aber doch erstaunlich konstant ihre Turnovers forcierte. Das wird nun neu. Es wird nicht alles umgestellt, aber der DefCoord ist mit Mel Tucker neu.

Skeptisch machen zwei Dinge: Wie bringt man eine Defense voller Veteranen, die nie etwas anderes gesehen hat als die Tampa-2 dazu, sich auf ihre alten Tage neu einzustellen? Ich meine, Chicago war nie dafür gebaut, die besten Yards/Play-Statistiken zu haben. Wenn diese kamen, dann waren sie Produkt einer großartigen Spielergeneration um Legenden wie Urlacher (trat im Winter zurück), Peppers (ist mittlerweile 34) oder Briggs auf dem Zenit. Vielmehr ging es immer darum, möglichst viele Turnovers zu forcieren. Da muss ein Umdenkprozess her.

Und zweitens: Was passiert, wenn die Regression zur Mitte zuschlägt und Chicago plötzlich nicht mehr als #3 der Adjusted Games Lost-Liste geführt wird? Die Tiefe hinter den Startern ist insbesondere in der Offense und im Linebacker-Corp quasi inexistent. Chicago ist 1-2 Verletzungen auf wichtigen Positionen vom schnellen Aus entfernt. Und Chicagos Kader wird nicht jünger, insbesondere nicht in der Defense. Älterer Kader = höhere Verletzungswahrscheinlichkeit = höheres Katastrophenpotenzial.

Es sind diese kleinen Zweifel, die in der knackigen NFC reichen, die Chicago Bears (!) nur als Playoff-Wackelkandidat einzustufen, obwohl ich kein Jota überrascht wäre, wenn diese Mannschaft in die Playoffs durchmarschiert. In der AFC wäre man wahrscheinlich aber als dritt- oder viertbeste Mannschaft ein todsicherer Qualifikant.

Atlanta Falcons

Division   NFC South
Headcoach  Mike Smith
2012       13-3
Tipp 2013  Vierter

Die öffentliche Meinung über die Atlanta Falcons in der Zeit unter Head Coach Mike Smith (seit 2008) hat sich in den letzten Jahren relativ drastisch verändert. Nachdem die Franchise vor wenigen Jahren massiv überschätzt wurde (auch von mir, u.a. aufgrund einer durch viele glückliche Fügungen zustande gekommenen 13-3 Bilanz 2010), trat letztes Jahr das Gegenteil ein. Atlanta fuhr erneut ein 13-3 ein, bekam quasi null Reputationspunkte und galt in den Playoffs stets als Außenseiter. So geht’s dir, wenn du beständig gut bist, aber in den Ausscheidungsspielen immer im ersten Spiel rausfliegst. Letzten Winter konnten die Falcons sogar die Äffchen vom Buckel schießen und mit Seattle das Team des Jahres rauswerfen.

Jetzt gehen die Falcons wieder als Anwärter in die Saison. Sie sind nicht der größte Favorit, sondern werden stets als Drittes oder Viertes genannt, aber in der Wahrnehmung ist man im Dunstkreis „dort oben“ angekommen. Nicht ohne Grund.

QB Matt Ryan mag nur oberer Durchschnitt und ohne adäquaten Support-Cast verloren sein, aber Punkt ist: Er hat 2013 den Support-Cast. WR Roddy White, der überwiegend tief angespielt wird (14.8 Yards/Catch, davon nur 3.6 Yards nach dem Catch), WR Julio Jones (15.2 Yards/Catch, davon aber 5.9 Yards nach dem Catch) und TE Tony Gonzalez, der 38jährig ein letztes Halali unternimmt um doch noch kurz vor dem Abtritt eine Lombardi Trophy abzustauben.

Ryan und sein Wundertrio zerlegten schon 2012/13 viele Defenses, darunter auch Topdefenses wie San Francisco, nahezu im Alleingang ohne Laufspielunterstützung (7.1 NY/A im Passspiel, #4 der Liga). Weil das Problem des fußlahmen Ground-Games an Atlantas Front-Office und dem einfallsreichen OffCoord Dirk Koetter nicht vorbeiging, wurde mit RB Steven Jackson aus St Louis ein echtes, komplettes Arbeitstier eingekauft. Jackson ist mit bald 30 nicht mehr der Jüngste und er hatte oft Zipperlein in seiner Karriere, aber selbst ein 80%iger Jackson ist ein Upgrade gegenüber dem zuletzt komplett verbrauchten Michael Turner (ATL-Laufspiel 2012: #28). Jackson und sein wieselflinker Backup JaQuizz Rodgers sind auch gute Ballfänger, aber was bleibt, ist die bange Frage: Wo ist die Depth im Receiver-Chart?

Das zu Atlantas Stärken. Schauen wir uns die fraglicheren Punkte an. Offensive Line? Gut, aber zumindest auf Guard und Center verbesserungswürdig. Was aus dem RT-Platz wird, ist mir nach Clabos Abgang noch schleiferhaft. Generell versprühte Atlantas Schutzwalle nie richtige physische Dominanz. In der NFC South mit ihren eher soften Defenses mag das gut gehen, aber wenn die Juggernauts wie San Francisco, Arizona (well…) oder Detroit anrollen?

Die Defense ist das Reich des DefCoords Mike Nolan, einem Mann aus der Defensivschmiede der Baltimore Ravens. Sie hatte in den letzten Jahren Probleme, konstanten Passrush zu generieren und Yards zu verhindern (2012: 7.0 NY/A im Passspiel, #27). Nolan ließ in Ermangelung des richtigen Spielermaterials eine bend but don’t break Defense spielen, die sich darauf konzentrierte, wenn möglich wohl getimte INTs zu fangen. Klappte so lala.

Jetzt ist mit DE John Abraham der beste Passrusher weg. Ersetzt wird er durch Osi Umenyiora, der vor Jahren mal die Giants im Alleingang zum Superbowl geführt hatte. Umenyiora gilt als eindimensional, aber situativ gebräuchlich. Ein Titelfavorit braucht aber dauerhaften Druck. In Ermangelung von Top-Passrushern könnte es Blitzes gebrauchen – ein gefährliches Mittel. Aber ist ein LB Weatherspoon dafür der richtige Mann?

Die Laufdefense war nur #27 mit einer mickrigen Success-Rate von 54%, und Achtung: In DT Walker kam der souveränste Liner abhanden.

Eine weitere Baustelle in der Secondary: CB Robinson und CB Grimes wanderten ab; Robinson ist vielleicht kein allzu herber Verlust. Die Alternativen sind aber zwei Rookies, Trufant und Alford, und das ist immer gefährlich. Sollte das vorn mit dem Passrush nicht hinhauen, könnte die Secondary abgefackelt werden.

Atlanta hat einen heftigen Schedule: Die NFC South ist mit ihren Offensivgiganten nicht ohne, dazu gesellen sich vier Partien gegen die happige NFC West und vier gegen die weniger brutale AFC East. Ach, und Spiele gegen Washington und Green Bay. GM Dimitroff hat einen soliden Kader zusammengestellt, aber ich zweifle, ob das diesmal reicht. Man war letztes Jahr nicht weit vom Superbowl entfernt, aber es musste vieles richtig laufen, dass es überhaupt soweit kam. Ich fürchte, dass diesmal mehr als ein 4th Down fehlen wird: Schon in der NFC South sehe ich andere Teams vorn… leider. Ich drücke Mike Smith aber trotzdem weiterhin die Daumen. Ich liebe diesen Coach (rein platonisch, natürlich).

Kansas City Chiefs

Division   AFC West
Headcoach  Andy Reid
2012       2-14
Tipp 2013  Zweiter

Das schlechteste Team der Saison 2012/13 gilt in diesem Sommer als Sleeper-Kandidat, und das aus guten Gründen: Die Chiefs gingen ihre beiden größten Schwachstellen (Coach und Quarterback) an, und verfügen über einen insgesamt relativ soliden Kader mit mehreren Pro Bowlern.

Erste und wichtigste Neuerung ist Head Coach Andy Reid aus Philadelphia. Das Gute mit Reid: Fast eineinhalb Jahrzehnte Nachweis, wie man eine auf Jahre erfolgreiche Franchise bauen und führen kann. Reid ist ein Offensivgeist, der es versteht, einen flüssigen Pass spielen zu lassen. Das Fragliche: Reid wirkte zuletzt ausgelutscht, um nicht zu sagen angebrannt. Wie viel Energie kann Andy Reid noch aufbringen?

Quasi die erste echte Amtshandlung war der Einkauf von QB Alex Smith aus San Francisco. Alle bescheinigen Smith, mittlerweile recht gut im Vermeiden von Fehlern zu sein (INT-Ratio 2.3% ist okay). Das war’s zwar auch schon, da sich Smiths „Quarterbacking“ durch ängstliche Checkdowns und wenige Yards/Passversuch auszeichnet, aber ein Alex Smith ist immer noch zwei Klassen besser als alle QB-Optionen, die die Chiefs in den letzten zwei Jahren hatten. Mit Smith kannste deine Offense diametral anders anlegen, weil der Gegner zumindest die Möglichkeit eines Passspielzugs in Betracht ziehen muss. Das heißt dann auch: Viel weniger RRPP (run-run-pass-punt), viel weniger lange 3rd Downs. Fazit: Mega-Upgrade. Das ist Rostlaube aus den 50ern gegen FIAT Punto.

Schauen wir etwas tiefer rein in die Glaskugel: Kansas City hatte letztes Jahr eine Turnover-Bilanz von -24; das schreit so stark nach Regression, dass ich meinen Radio leiser stellen musste. Auf der anderen Seite waren auch die Effizienz-Stats mit guter Vorhersage-Qualität schwach genug, dass die Chiefs das Power-Ranking auf Rang 31 abschlossen. Pythagorean auf #32 (2.5 Siege). Quintessenz: Die Chiefs 2012/13 waren krasse Pechvögel, aber sie waren auch krass schlecht. Trotz einiger guter Einzelspieler: 2-14 in einer schwachen Division ist schon Kakao.

Das Gute: Dieselbe schwache Division garantiert schon qua Existenz mehr als zwei Siege in diesem Herbst. Unvermeidlich.

Im Angriff wurde die Offense Line umgebaut: Der neue RT wird Rookie Eric Fisher sein, der Top-Draftpick overall 2013. Er ersetzt einen anderen Eric, Winston nämlich, keinen schlechten, aber einen quengeligen Mann, der sich traute zu sagen was er denkt. Neuer Center wird wohl Asamoah sein.

Die Skill-Positionen sind so’n fuzzi-Mittelding: Mit dem sagenhaften RB Jamaal Charles (5.8yds/Carry über die Karriere) und dem beständigen WR Dwayne Bowe gibt es zwei Granaten. Was aus dem in San Francisco komplett gescheiterten WR A.J. Jenkins wird, weiß keine. Und bei den Tight Ends regiert das Mittelmaß (Fasano), nachdem der einzige richtig Gute, TE Moeaki, wegen nicht enden wollender Verletzungsmisere gefeuert werden musste.

Die Defense war 2012 auch richtig kacke, aber hier gilt: Was jahrelang grundsolide war und einmal völlig neben der Spur, tendiert im Regelfall, wieder ins Lot gerückt zu werden. DefCoord Sutton kann mit ansehnlichem Material arbeiten.

Der enttäuschende DT Dorsey wurde nach San Francisco abgeschoben. Ersetzt wird er durch Danny Mike DeVito, einen PFF-Liebling. Je nachdem, wie sich der bullige NT Dontari Poe und der zugegeben überteuerte DE Jackson schlagen werden, ist die D-Line in Kansas City okay bis sehr gut besetzt, und dahinter arbeitet mit dem Linebacker-Trio ILB Johnson, OLB Houston und OLB Tamba Hali eine Unit, die es mit jeder anderen in der NFL aufnehmen kann. Hali habe ich sowieso seit Jahren einen Schrein in meinem Zimmer gewidmet, und Houston, der Kokser, ist in zwei Jahren vielleicht noch besser. Auf alle Fälle ist er kompletter – schon jetzt.

Im Backfield wurde Sean Smith aus Miami geholt, aber CB Arenas verkauft – ein zweifelhafter Move, denn Arenas‘ Ersatzmann ist ein anderer, der aus Atlanta neu geholte CB Robinson, der eine Reputation als überschätzter alles-oder-nix-Spieler hat, mit wenig Alles und viel Nix.

Potenzial ist in fast allen Mannschaftsteilen der Chiefs da. Das erwartet man auch von einer Mannschaft, die seit Jahren ständig in den Top-5 pickt. Irgendwo erinnern die Chiefs an die 49ers vor wenigen Jahren: Jedes Jahr ein dark horse, aber durch inexistente Quarterbacks und katastrophales Coaching selbst in einer schlechten Division nur ein Mitläufer. Jetzt ist wie damals in Frisco ein neuer Coach mit gutem Resümee da. Okay, der Quarterback ist in K.C. jetzt derselbe wie der, der in Frisco einst alles zurück hielt. Aber eine ordentliche Verbesserung der Siegbilanz riecht man zehn Meter gegen den Wind.

Ich sage nicht, dass die Chiefs besser sind als die Baltimore Ravens. Aber man vergleiche mal den Spielplan der Ravens (6x AFC North, 4x AFC East, 4x NFC North, Houston, @Denver) mit jenem der Chiefs (6x AFC West, 4x AFC South, 4x NFC East, @Buffalo, Cleveland). Das sind Welten. Das sind drei geschenkte Siege allein per Schedule.

Man kann den Chiefs trotz aller positiv stimmender Vorzeichen natürlich so viel misstrauen wie man will. Ich bin auch nicht vollends überzeugt. Aber wenn dieses Jahr ein Grottenteam im Gesamtpaket mit Spielplan und Personal-Upgrades besser aufgestellt ist, um die Colts 2012 zu imitieren, dann zeige man mir dieses bitte.

Pittsburgh Steelers

Division   AFC North
Headcoach  Mike Tomlin
2012       8-8
Tipp 2013  Zweiter

Bei den Pittsburgh Steelers weht seit eineinhalb Jahren ein Hauch von Endzeitstimmung durch den Laden: Eine superb erfolgreiche Franchise, deren Schlüsselspieler immer älter und verletzter wurden, die immer früher rausflog (2010 Superbowl, 2011 Wildcard, 2012 Regular Season) und ihre besten Spieler nicht mehr halten konnte. Sinnbildlich steht dafür der humpelnde QB Ben Roethlisberger, einer der unkonventionellsten Spieler in der NFL, aber auch einer der besten.

Von den Steelers scheint diesmal niemand besondere Dinge zu erwarten, aber ich weigere mich, diesen Laden abzuschreiben. Zum ersten: DefCoord Dick LeBeau ist immer noch am Werkeln. Zum zweiten: Headcoach Mike Tomlin hält den Laden mit ruhiger Hand zusammen. Drittens: Roethlisberger. Viertens: Die Chemie zwischen Roethlisberger und seinem OffCoord Todd Haley, einem ehemaligen Ballbuben bei Pittsburgh, scheint sich verbessert zu haben.

Haley hatte Roethlisberger letztes Jahr erzürnt mit „gewagtem“ PlayCalling („Ben, du wirst gekillt. Verzichte aufs Improvisieren, wirf schneller!“), aber tatsächlich wäre es hinter einer O-Line der Steelers-Qualität oft gescheiter gewesen, mehr Kurzpassspiel aufzuziehen, als bis 7sek nach dem Snap zu warten und einen Risikopass abzufeuern. Haley und Roethlisberger kriegen dieses Jahr vermutlich die beste Offense Line seit sieben, acht Jahren (OTs Adams und Gilbert, OG DeCastro und C Pouncey sollen fit sein). Wohlgemerkt nicht „überragend“, aber mit mittelmäßigem Verletzungsglück „solide“ – und das ist eine nennenswerte Weiterentwicklung.

Der Abgang von WR Wallace dürfte sportlich weh tun, aber die verbliebenen Optionen sind keine schlechten: Sanders und Brown gelten als mehr als solide 2er und 3er-Receiver, und wenn der neue Rookie-WR Markus Wheaton eine herausragende Eigenschaft hat, ist es Speed. Wheaton ist ein Sprinter mit einem ähnlichen Skill-Set wie Wallace. Problematisch für den Angriff könnte allerdings der Ausfall von TE Heath Miller (fällt zumindest die erste Saisonhälfte mit Kreuzbandverletzungen aus) und Backup-TE Spaeth sein: Millers Fangkünste werden eklatant fehlen; Spaeth hat Hände aus Butter. Oder aus Stein. Sie entscheiden per Knopfdruck.

Auf Runningback habe ich erst seit Dywers Entlassung am Samstag kapiert, weswegen die Steelers in LeVeon Bell eine Dwyer-Kopie gedraftet haben. Bells Einberufung ist nicht mehr so „baffling“ wie noch letzte Woche. Bell fällt zwar das erste Saisondrittel aus, aber danach dürfte das Steelers-Laufspiel durchaus eine Reminiszenz an die 70er Jahre bieten.

Die Defense leidet unter dem Abgang von OLB Harrison, bei dem Preis/Leistung und Alter nicht mehr stimmten. Als Ersatz wird Schritt für Schritt Rookie-OLB Jarvis Jones aufgebaut werden, der mit OLB Worilds seine Einsatzzeit teilen wird. Jones ist alles andere als eine sichere Tüte, aber wenn ein Coach die richtigen Plays für Jones kreieren kann, dann ist es LeBeau.

Die D-Line ist jung und hungrig, NT Hampton wird nach drei Jahrzehnte langer Karriere durch Frischblut ersetzt. Vor allem DE Hayward begeistert und ist im dritten Jahr wie gemacht für den Durchbruch.

Fragezeichen ist ein bissl das Defensive Backfield, wo S Polamalu konstant die Hälfte der Saison mit Gehirnerschütterungen verpasst, S Clark keine Spiele in Höhenluft bestreiten darf und CB Keenan Lewis abgewandert ist, aber LeBeau dürfte den Aderlass mit seinen Schemes halbwegs ausgleichen können, und der Steel Curtain war auch letztes Jahr mit 5.3 NY/A im Passspiel noch eine der besten Pass-Defenses (genauer gesagt: die beste zum zweiten Mal en suite) trotz ähnlicher Probleme.

Pittsburgh ist für mich ein Faktor in der AFC. Die Defense würde ich nie abschreiben (nach meinem Ranking immer noch #4 letztes Jahr), Roethlisberger ist immer noch ein Super-QB und kaum vom Feld zu prügeln (und dieses Jahr auch besser geschützt) und in der AFC sehe ich nur wenige deutlich besser aufgestellte Teams. Der größte Superbowl-Favorit ist Pittsburgh freilich nicht, aber zumindest eine Wildcard sehe ich durchaus nach Pittsburgh gehen.

New Orleans Saints

Division   NFC South
Headcoach  Sean Payton
2012       7-9
Tipp 2013  Dritter

Die Saints haben eigentlich das Look’n’Feel eines Rebuilding-Teams, aber sie verhalten sich nicht so, und das hat einen Grund: QB Drew Brees, mittlerweile weit jenseits der 30 und mit einem nicht mehr unendlich weit offenen Erfolgsfenster. Brees ist eine NFL-Allzeitgröße, eine unkonventionelle Erfolgsgeschichte, weil er als sehr speziell, weil schmächtig, gebauter Spieler gleich in zwei Franchises gigantische Statistiken und Erfolge hatte, und die Saints wären Idioten, würden sie die letzten drei produktiven Jahre von Brees dem Neuaufbau opfern.

Also wird in dem Mannschaftsteil, in dem man eh alles kann – der Offense – fast alles beim Status quo belassen: Head Coach Sean Payton kehrt nach abgesessener einjähriger Sperre aus der Highschool zurück und übernimmt wieder das zuletzt eher ängstliche PlayCalling. Einziger nennenswerter Abgang im Angriff ist neben OffCoord Kromer der LT Bushrod, der für einen unverantwortlichen Preis nach Chicago ging. Einziger nennenswerter Zugang… gibt’s keinen. Nada. Das Offensivpersonal bleibt nahezu identisch, und das ist bei einer Top-5 Offense zumindest für dieses Jahr nicht ungewöhnlich.

Die große Frage ist höchstens, wie breit der WR-Corp nach der Kreuzbandverletzung des „Dritten Mannes“ Joe Morgan noch aufgestellt ist. Ach ja, und was geschieht, wenn Brees hinter einem Left Tackle wie Charles Brown 60 Pässe pro Spiel werfen muss. Brees ist dafür bekannt, gelegentlich zu überziehen. Aber ist bei so einer schlechten Defense eine INT überhaupt übler als ein Punt?

Ist die Defense überhaupt noch so schlecht?

Nun, sie wird zum x-ten Mal in den letzten Jahren umgebaut, im verzweifelten Versuch, wenigstens unter 30 Gegenpunkte/Spiel zu erreichen. Letztes Jahr war’s im Zuge von Bountygate eher ein notgedrungener Wechsel von DC Williams auf DC Spagnuolo. Diesmal ist es ein notwendiger vom gescheiterten „Spags“ auf den Lautsprecher Rob Ryan. Ryan steht für Hyper-Aggressivität, und er soll die schlechteste Passverteidigung aller Zeiten (7.4 NY/A ist Allzeitrekord) auf NFL-Standard bringen.

Wichtigster Neuzugang ist Rookie-Safety Kenny Vaccaro, und die Tapes der Saints-Secondary machen es schwer die Wichtigkeit dieses Moves in Worte zu fassen. Nur soviel: Er ist wichtig. Harpers Deckungskünste waren zuletzt so schlimm, dass sie sogar eine ansonsten funktionierende Defense angesengt hätten. Harper ist ein brauchbarer Blitzer, insofern verständlich, dass er im Kader bleiben durfte. Der andere Neuzugang ist CB Keenan Lewis aus Pittsburgh.

Das zweite Problem der Saints war der mickrige Passrush: 30 Sacks (4.7% Sack-Rate, #29). Passrusher gibt es fast keine, aber Ryan ist bekannt für seine kreativen Packages, die auch aus mittelmäßigen Spielern wenigstens Passrush-Lüftchen entfachen können.

Die Stirnrunzler abseits der Defense sind bei den Saints die Verletzungen, die in beiden Mannschaftsteilen aufgrund des mittlerweile dünnen Kaders hinter den Startern böse Folgen haben könnten (2012 kam man als #5 der AGL glimpflich durch).

Ich zuckte lange und wollte die Saints in die Playoffs schreiben. Wenn der Kern halbwegs gesund durch die Saison kommt, halte ich bis elf, zwölf Saisonsiegen für möglich. Eine Mannschaft, die vor zwei Jahren mit fast deckungsgleichem Personal vielleicht die beste Mannschaft der Saison gestellt hatte, muss noch was auf dem Kasten haben. Wenn die Offense ihren Level halbwegs hält und die Defense wenigstens zwei Buchstaben ihres Namens verdient, ist mit New Orleans zu rechnen. Aber es gibt drei Teams, denen ich eher die beiden Wildcards zutraue.

Carolina Panthers

Division   NFC South
Headcoach  Ron Rivera
2012       7-9
Tipp 2013  Zweiter

Das erste ist eines der Freak-Teams des letzten Jahres, die Carolina Panthers,  zwischendurch mit 2-8 Bilanz zum selben Zeitpunkt, als sie in meinem Power-Ranking auf #5 gereiht waren. Was nach gigantischem WTF?-Moment klingt, war einfach zu erklären: Carolina hatte eine der besten Passoffenses der Liga (7.0 NY/A, #6), verlor aber gegen einen knüppelharten Schedule reihenweise knappe Spiele, teilweise eigenverschuldet durch horrende Coaching-Entscheidungen.

Prompt beendeten die Panthers danach aber das Jahr mit fünf Siegen in sechs Spielen und einer 7-9 Bilanz (4-7 in engen Spielen), und gelten nun auch unter Studiopundits als potenzieller Sleeper.

Es ist nicht schwierig, die Panthers zu hypen. Die Advanced-Metrics sind das eine: Pass-Offense, die unter QB Cameron Newton in beiden Jahren in den Top-10 war. Lauf-Offense, zwar mit hoffnungslos überteuerten Runningbacks, aber auch mit einer der besten Success-Rates in der NFL (44.4%, #9). Eine Defense, die auf wichtigen Positionen verstärkt wurde. Schwache Vorjahresbilanz in engen Spielen. Pythagorean 2012 von 0.8 Spielen unter Wert.

Auf der anderen Seiten spielen die Panthers in der NFC South, der potenziell offensivgewaltigsten Division, und haben auch 2013 einen den schwersten Schedules zu bestreiten.

Carolinas erster großer Schwachpunkt in der Defensive Line, die Tackle-Positionen, wurde via Draft relativ aggressiv angegangen mit 1st und 2nd Round-Picks (Star Lotulelei, Kawann Short). Die Ends mit Johnson und Hardy sind keine Weltstars, aber grundsolide Arbeiter. Dahinter operiert mit LB Luke Kuechly der amtierende Defensiv-Rookie des Jahres. Einzig das Defensive Backfield war schon immer eine Schwäche, und ist, kaum verstärkt, sondern gar geschwächt durch Chris Gambles Rücktritt, diesmal eine echte Sollbruchstelle.

Head Coach Ron Rivera kommt von Defense und DefCoord McDermott hat auch schon Kreativität bewiesen, aber der Trainerstab muss sich da schematisch etwas einfallen lassen, damit den Panthers die Secondary nicht um die Ohren fliegt.

Das Gute ist, dass QB Newton und seine Offense das Tempo vorgeben. Newton mag ein Unsympath sein und die geistige Reife eines pubertären 14jährigen haben, aber es steht außer Frage, dass Newtons beide Einstandsjahre in der US-Öffentlichkeit zu schlecht weg kommen: Die Option-Offense der Panthers ist eine Art Vorreiterin für die neumodischen NFL-Angriffe, und sie ist effizient auch quasi ohne echte Anspielstationen.

WR Steve Smith, der Superzwerg, ist noch immer das einzige downfield-Threat, aber der 1,78m-Mann Smith geht auf die Mitte dreißig zu und es ist ein baldiger Leistungseinbruch zu befürchten. Um mal kurz sentimental zu werden: Smith war einer der ersten Footballer, die ich verehrt habe. Smith ist einer der besten Wide Receiver aller Zeiten, dessen Größe keine Sau zu schätzen weiß. Smiths Touchdown in der Superbowl vor zehn Jahren ist immer noch einer der geilsten Spielzüge, die ich kenne. Ganz generell war Smith stets ein Spieler, der immer 110% gab, so intensiv spielte, dass ich mich im Zimmer stets am Heizkörper entladen musste, nachdem Carolina fertig gespielt hatte. Ich würde Smith ein letztes Halali mehr wünschen als den meisten Footballprofis, die sich durch die NFL schlagen. Die restlichen potenziellen Ballfänger sind mit Ausnahme vielleicht noch von TE Olsen reine Mitläufer und kriegen sich aus eigener Kraft nicht freigelaufen. Es braucht dafür die Schemes des beförderten OffCoords Mike Shula.

Carolina ist trotzdem viel näher an den Playoffs dran als man meinen möchte. Die Panthers waren eines der Teams schlechthin von 2012, über das man nix wusste, höchstens, dass Head Coach Rivera ein Schisshase war, der keinerlei Gefühl für die Wahrscheinlichkeiten in 4th Downs und „Clutch“-Situationen besitzt. Ein Coach kann in der Hitze des Gefechts nicht alle Entscheidungen richtig treffen, aber 100% Fehlentscheidungen? No way. Rivera macht mir Angst. Ich wette, der Mann macht grandiose Trainings- und Vorbereitungsarbeit, ansonsten hätte er nicht aus einem Trümmerhaufen innerhalb kürzester Zeit einen wettbewerbsfähigen erweiterten Titelkandidaten gemacht. Nur allzu schade, dass seine Entscheidungen an der Seitenlinie so viels kaputt machten.

Ich bezweifle, dass Rivera sich komplett geändert hat. Der Mensch ändert sein Naturell nicht über Nacht. Manche ändern sich nie. Aber vielleicht, vielleicht hat Rivera doch Wind davon bekommen, dass es eine Spur weniger Konservativismus tut um die zwei, drei engen Spiele mehr zu gewinnen, die dann für die Playoffs und Anerkennung reichen.

Detroit Lions

Division   NFC North
Headcoach  Jim Schwartz
2012       4-12
Tipp 2013  Zweiter

Ein anderer gigantische Sleeper spielt in der Motown Detroit, und er bekam auf diesem Blog stets seine Präsenz, was aber vor allem an der Gesinnung des Autors liegt. Die Detroit Lions waren letztes Jahr eine Enttäuschung, keine Frage. 4-12 ist ein Jahr nach einer Playoff-Qualifikation zu wenig, aber man vergesse die Umstände nicht: 2.4 Spiele unter der Pythagoreischen Erwartung, zumindest durchschnittliches Team, fassungslose 3-9 Bilanz in engen Spielen. Ich schrieb letztes Jahr über die Minnesota Vikings, dass eine 2-9 Bilanz in engen Spielen (die die Vikes 2011 hatten) hausgemacht ist für eine Regression zur Mitte. Prompt marschierten die Vikes in die Playoffs. Bilanz in engen Spielen 2012: 5-1. Nuff said.

Freilich kann man nicht drauf bauen, dass sich die engen Spiele wenden, schon gar nicht um 180°. Das generische NFL-Team schafft über einen langen Zeitraum .500 in engen Spielen, und alles drüber oder drunter kann zum beträchtlichen Teil dem Zufall zugeschrieben werden, und wir werden einen Teufel tun, den Zufall zu prognostizieren. (und ganz ehrlich: Ich würde den Lesern den Spaß am Spiel verderben)

Detroit hat Potenzial für Großes im Kader, und wenn die Elemente einrasten und „klick“ machen, sind auch 13, 14 Siege denkbar. Really. Alles, was es dazu braucht, ist etwas Verletzungsglück (nicht so wie 2012, als man #24 der Adjusted Games Lost-Liste war mit 81.5 verpassten Adjusted-Games), etwas weniger Fehleranfälligkeit der eigenen Offense (2012: 30 Turnovers), die eine oder andere besser getimte Interception in der Defense (2012: nur 16 Turnovers erzwungen) und etwas Fumble-Glück. 2012 war dort unglaublich unglücklich: Nur 4/17 der Offense-Fumbles und 5/16 der Defense-Fumbles wurden erobert. Das sind in Summe 27.3%. Fumbles sind Münzwürfe, ergo ist es wahrscheinlich, dass Regression zur Mitte auch hier zuschlägt.

Ach, und es braucht noch eine Prise guter Entscheidungen des Head Coaches Jim Schwartz. Schwartz‘ Ruf als „Number’s Guy“ und Pragmatiker bekam letztes Jahr nicht bloß eine Delle. Die Kratzer wurden jede Woche mehr, und Schwartz steht mittlerweile komplett auf dem Prüfstand: Ist er wirklich so instinktgetrieben oder spürte da letztes Jahr bloß ein junger Trainer zum ersten Mal echten Gegenwind und wurde nervös? Die Entscheidungen bewegten sich jedenfalls auf Rivera-Niveau. Auf Basis seiner Vergangenheit gebe ich Schwartz einen letzten Kredit und vertraue auf seinen Verstand.

QB Matthew Stafford hat Potenzial, die Welt zu erobern, aber Stafford muss geduldiger werden, und sich von der Vorstellung lösen, WR Calvin Johnson in jedem Spielzug anspielen zu wollen. Johnson ist natürlich die Superwaffe schlechthin, aber selbst Moss konnte seine Offense nie allein tragen. Es gibt solides WR-Potenzial um Johnson herum: Burleson, Broyles, Pettigrew, Scheffler, Thomas – sie alle sind brauchbare Ergänzungsspieler neben einem Johnson. Und für die Checkdowns wurde mit RB Reggie Bush ein zweiter Back neben dem brauchbaren Zwitterdings Joique Bell geholt. Die Arbeitstier-Rolle kann RB Leshoure übernehmen – so what? Konzeptionell ist das nicht unter aller Sau. Ein bissl mehr Variabilität im PlayCalling, ein bisschen weniger arrogante „ich fahr über dich drüber, Mäuschen“-Arroganz, und die Offense kann mit diesen Skill-Players mit allen mithalten.

Sollbruchstelle sind die Offense Tackles, die nach dem Verlust von Cherilus und Backus ziemlich grünschnäblig sind: LT Reiff ist zwar 1st Rounder, hat aber kaum Erfahrung. Der andere könnte Cox sein (bisher null Starts). Hm. Wenigstens wurde für das Laufspiel über innen mit RG Warford ein hoch gehandelter Rookie geholt.

Konzeptionelles Fragezeichen ist gewiss auch die Defense: Das Tackle-Pärchen Suh/Fairley ist hier alles andere als das Problem. In DE Idonije und Allrounder DL Jason Jones hat man zwei wertvolle Ergänzungsspieler geholt, aber für den Passrush über die Flanken soll nach Avrils Abgang allen Ernstes der völlig ungeschliffene Rookie-DE Ezekiel Ansah zuständig sein. Ansah galt in der Preseason als gute Waffe in der Lauf-Defense, aber noch wenig auffällig als Passrusher. Immerhin: Die Defense Line zeigte beeindruckende Frühform.

Dahinter spielt DefCoord Gunther Cunningham eine veraltete Version der Cover-2 Defense: Klappt manchmal, aber wenn die ersten Verletzungen zuschlagen, sind nicht ausreichend Nachrücker verfügbar. Immerhin wurden fürs Defensive Backfield mit S Quin und Rookie-CB Slay zwei Neulinge geholt, und mit CB Houston und S Delmas die beiden wichtigsten Eigenbauprodukte gehalten.

Worauf man fast vertrauen kann: Die Defense wird dieses Jahr gesünder durchkommen. 2012 war sie die #31 in Adjusted-Games Lost mit unglaublichen 58.3 verpassten Spielen – das sind fast vier Starter über die komplette Saison! Allein das Defensive Backfield davon machte den Löwenanteil aus mit fast 40 Adjusted-Games, was über 50% der Starter über eine ganze Saison sind.

Ich schrieb oben was von gewaltigem Potenzial. Das haben viele andere Mannschaften auch, aber nur wenige erreichen es konstant. Die Lions haben trotz aller Zeichen, dass sie ein dark horse sind, ausreichend Fragezeichen, dass schon alle Würfel genau an den richtigen Ort führen müssen, um das Potenzial auszuschöpfen. Daran glaube ich nicht. Der Herbst 2012 war in Sachen Eigenfehler und Schlampigkeiten so sehr Radio Punxatawney, dass man versucht ist, eine kulturell verankerte Problematik zu wittern. Das schlimme Vertragsmanagement von GM Martin Mayhew trägt das seinige dazu bei, dass sich diese Eindrücke verfestigen.

Somit sind die Lions für mich rational betrachtet immerhin erster Anwärter auf den letzten Wildcard-Platz, sofern sie nicht durch irgendeine Freakgeschichte die Packers vom Thron der NFC North stoßen können: Der Schedule ist hart, aber machbar.

New York Giants

Division   NFC East
Headcoach  Tom Coughlin
2012       9-7
Tipp 2013  Erster

Die Giants waren zuletzt zweimal en suite ein 9-7 Team. Der Unterschied: 2011 kam man auf den letzten Drücker in die Playoffs und gewann danach überraschend die Super Bowl. 2012 verpasste man die Playoffs, weil die Würfel nicht so günstig fielen. Man kann sogar argumentieren, dass die Giants von 2012 besser waren als die Giants von 2011. Dafür sprechen würde ein sehr viel besseres Punkteverhältnis (2011 war man der erste Superbowlchamp mit negativem Punktverhältnis, 2012 hatte man dagegen die Pythagoreische Erwartung eines 10-6 Teams).

2013 gehen die Giants wieder als Favorit in der NFC East ins Rennen, aber man darf sich ruhig fragen, ob die Qualität im Kader ausreicht, um erneut den ganzen Weg ins Endspiel zu gehen. Für die Giants spricht der Fakt, dass man auch letztes Jahr eine qualitativ gute Offense hatte, die nach Drives die zweitmeisten Punkte der NFL erzielte. Dagegen spricht: New York hatte die bei weitem beste Starting Field Position (31yds-Line) in der NFL – ein Wert, der sich relativ schwankend verhält.

QB Eli Manning bleibt die Schlüsselfigur im Angriff. Eli spielte eine passable 2012er-Runde, wenn auch sein NY/A-Wert von 7.7 (2011) auf 6.8 (2012) sank – es gibt Hinweise, dass die vielen langen Dinger zu WR Victor Cruuuuuuuz, die die 2011er Saison kennzeichneten, dafür hauptverantwortlich waren. Das tiefe Element im Giants-Passspiel: Letztes Jahr ging es etwas ab.

Wie kann es wiederbelebt werden? Zum Beispiel mit einer besseren Offensive Line. OG Pugh war kein spektakulärer Draftpick, aber ein Need-Pick zur Stärkung der Protection. Auf der anderen Seite ist man nach dem Langzeitausfall von RT Diehl brettlun, und die Blockkünste des abgewanderten RB Bradshaw werden ebenso fehlen. Dafür kann man eine bessere Saison von Cruuuuuz erwarten, dessen 2012er Saison nach vielen Messungen enttäuschend verlief, sowie auf die Reife vom WR Randle bauen – und natürlich die Genesung von WR Hakeem Nicks, dem zweit- oder drittwichtigsten Offensivspieler. Etwas suspekt ist das Laufspiel, wenn es tatsächlich um den Role-Player RB David Wilson aufgezogen werden soll.

In der Defense gibt es eine Sollbruchstelle: Die Secondary, die zuletzt schwer enttäuschende 7.2 NY/A kassierte – der drittschlechteste Wert in der kompletten Liga. Mitverantwortlich war dafür ein schwächerer Passrush; vor allem DL Tuck soll enttäuscht haben. Nun ist mit Umenyiora ein wichtiger Ergänzungsspieler weg, dafür wurden DT Hankins und DE Moore gedraftet. Dazu soll der junge DT Marv Austin erstmals fit sein. Die Defense Line bleibt die absolute Stärke, und sie ist auch – wenn wir vielleicht Jason Pierre-Paul mal ausklammern – auch relativ resistent gegen Verletzungsprobleme, weil viel Tiefe da ist. Leider hat JPP Rückenprobleme.

Die Cornerbacks gefallen eigentlich, bis auf Webster, dessen letztes Jahr legendär schlecht war. Mögliche Stellschrauben werden auf Inside Linebacker sowie Safety (Antrel Rolle!) zu drehen sein, will Big-Blue sich die Divisionskrone schnappen.

Ein Knackpunkt bei New York 2013: Der Schedule. Unter Coughlin ist man bekannt als Schnellstarter, aber diesmal geht es los mit @Dallas, Denver, @Carolina: Ist ein 0-3 Start völlig ausgeschlossen? Freilich kannste aber auch mit einem Auswärtssieg in Dallas am Sonntagabend gleich mal den Ton in der Division vorgeben. Der Schedule ist in der Saisonmitte besser, aber am Ende kommen noch mal ein paar Kracher. Realistisch gesehen kann man von den Giants einen Divisionssieg und den vierten Seed in der NFC erwarten. Die Giants sind nicht das viertbeste Team der Conference, aber sie spielen diesmal in einer günstigen Division.

13 thoughts on “Die furchtlose NFL-Vorschau 2013/14: Third Down, die Playoffkandidaten

  1. Gut getroffen -und dies bei der diesjährigen Wundertüte mit den üblichen Verdächtigen a la Hopp oder Flopp.

    Bei der AFC sieht es wirklich leichter aus um einen etwaigen Ablauf zu prognostizieren im Vorfeld der Saison.

    Aber bei der NFC tue ich mich schwer, geradezu East, Nord & Süd.

    Deine Einschätzung ist auf jeden Fall anhand deiner Datenmenge immer wieder einen Rückblick wert um diese in der laufenden Spielzeit abzugleichen.

    Vielen Dank für das verfasste mit feiner Tastaturklinge.

  2. Interessante Auswahl, die ich fast ausnahmslos in dieser Aufstellung 3RD DOWN erwartet hatte. Vor allem der Mut, Atlanta nach der 13-3 Season runterzunehmen ist zu begrüßen. Matty Ice und Co. sind gut, aber die Defense ist schlecht => Falcons kommen nicht in die Playoffs. Wobei man sagen muss dass die Effizienz vom HC Smith sehr gut ist. Jedes Jahr alle statistischen Profiles geschlagen. das schaffen nur wenige HC (BB, Dungy).

    Auch die Panthers nach dem Super Power Ranking letztes Jahr hinter die Bucs zu setzen ist nachvollziehbar: Bucs mit toller Einkaufspolitik und Freeman wird nicht wieder so eingehen, da kann man Gift drauf nehmen. Ich sehe trotzdem die Saints in der NFC South vorne: Zweitbestes Pass Spiel in NFL und die Def. wird Regression nach oben haben.

    Und noch ein Tip, bitte nicht bös sein: Detroit kommt nicht in die PO. Zwei Teams (NO, TB) aus der South, zwei aus der West (unschwer zu erraten, wer) und zwei andere Div.-Sieger.

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