Vor der NFL-Saison 2013/14

Der eine oder andere wird vielleicht in den letzten Tagen irgendwo aufgeschnappt haben, dass heute Nacht die NFL-Saison 2013/14 beginnt. Es ist die NFL-Saison, die die erste Superbowl-Austragung im Großraum New York City sieht, ergo zum ersten Mal in einer Stadt mit kaltem Winter und Stadion ohne Dach. Das Kickoff Game der National Football League, Denver Broncos Baltimore Ravens, ist dann auch für mich meistens das Zeichen, dass der Sommer demnächst seine letzten Atemzüge aushauchen und sich in absehbarer Zeit der Herbst ankündigen wird. Passend dazu beginnt bei uns auch genau heute das neue Schuljahr. Vorgestern war ich mit der kleinen Nichte die erste Schultasche kaufen. Schulzeit… wie viele Stunden habe ich mit Augen auf Halbmast verbracht, weil ich montags nicht bis zum Nachmittag warten konnte, bis ich Bewegtbilder vom aktuellen NFL-Spieltag zu Gesichte bekam. Meine allerallerallerbeste Mathe-Arbeit habe ich direkt im Anschluss an ein NFL-Spiel geschrieben, damals, als sich Patriots und Colts im direkten Duell den Superbowl-Teilnehmer ausmachten. Das war Glück. Es ging nicht immer gut, aber es war’s meistens wert. Heute, Studienzeit und erste Arbeitsjahre hinter mir, geht’s nicht mehr immer so leicht. Ich musste lernen, auf manche Nachtspiele zu verzichten.

Ich werde diesen Herbst zum zweiten Mal en suite auch nicht mehr alle Spieltage vollumfänglich verfolgen können. Es sind zu viele Verpflichtungen, die kollidieren, am Samstag, am Sonntag, und insbesondere am Montag. Trotzdem wird die Saison nicht unkommentiert ablaufen. Die Preview habe ich schon abgearbeitet. Ich schiebe jetzt gleich die Regeländerungen nach; am Nachmittag werden noch TV-Übertragungsmöglichkeiten kommen. Morgen folgt ein Blogeintrag zu den US-Originalkommentatoren, die uns diesmal durch den NFL-Herbst begleiten werden.

Regeländerungen vor der NFL-Saison 2013/14

Die meist diskutierte und umstrittenste Regeländerung ist die „Helm Regel“, bei der künftig Verteidiger und Ballträger bestraft werden, wenn sie 3yds jenseits der „Tackle-Box“ (Table Box =  Zone zwischen den Offensive Tackle) mit dem Helm voran in ein direktes Duell gehen. Die Raumstrafe soll 15yds betragen und ist dem Kopfschutz gewidmet, sorgte aber für einen Aufschrei sondergleichen unter insbesondere Running Backs und ehemaligen Running Backs.

Ebenso für bessere Sicherheit wurde bei Fieldgoal-Kicks gesorgt: Der Long-Snapper gilt ab sofort als „defenseless“ (schutzlos) und darf nicht angegangen werden. Zudem wurde das Überladen einer FG-Seite und das Hochheben bei Mitspielern für Blocks verboten. Weil eh kaum Fieldgoals geblockt werden, sind das eher sinnvolle Neuerungen.

Weiters heißt es Abschied nehmen von der berühmt-berüchtigten „Tuck-Rule“: Verliert der Quarterback künftig beim Pump-Fake den Ball, wird der Fumble nun auch wieder als solcher gewertet; das war in den letzten Jahren nicht so gewesen, weswegen einst die Patriots überhaupt erst die Chance bekamen, ihre erste Superbowl zu gewinnen:

Jetzt gilt der eventuell folgende Turnover. Sollte jetzt immer noch ein Coach die rote Flagge zur Challenge direkt im Anschluss werfen, kriegt er zwar 15yds Raumstrafe und ein Timeout abgezogen, aber der Spielzug wird trotzdem vom Video-Ref angeschaut. Schwartz kann beruhigt sein. Und wenn der Turnover zurückgenommen wird, kriegt Schwartz sogar seine Auszeit wieder rückerstattet!

Etwas besser sind die neuen Regeln „drüben“ im Hard Count Blog erklärt, wo der Kollege Benni Köpfle sich schon vor Monaten der Sache angenommen hat.

Prognosen

Einen Großteil meiner Prognosen habe ich schon in der großen, furchtlosen Vorschau auf die NFL-Saison 2013/14 vorweggenommen. Wer sich den Vierteiler noch nicht durchgelesen hat und auf die Schnelle die (meiner Meinung nach) wissenswertesten Dinge erfahren und eine kurze Einschätzung kriegen möchte, kann die Einträge unter folgenden vier Links noch einmal durchgehen:

Wer es komprimierter möchte: Bei NFL-Crush habe ich auch schon einen Eintrag zur AFC online gestellt. Heute oder morgen sollte noch die NFC kommen. Bei den Sofa-QBs habe ich vorgestern ebenso die AFC mit Manfred Groitl abgearbeitet. Die komplette Episode gibt es bei Sportradio360.

Ganz komprimiert sei nachfolgend nochmal eine persönliche Einschätzung auf die Saison gegeben.

American Football Conference

  • East – New England
  • North – Cincinnati
  • South – Houston
  • West – Denver

Wildcards – Pittsburgh, Kansas City

Das Leistungsgefälle zwischen AFC und NFC war zum letzten Mal in der Saison 2004 so krass – damals war es die NFC, die die unterlegene Conference war. Heute ist es genau umgekehrt: Viele AFC-Teams plagen sich durch ein Tal, in der verzweifelten Suche nach Stabilität und Quarterbacks. Manches mag auch Zufall sein, wie beispielsweise die QB-Busts in Tennessee, Cleveland oder Jacksonville, aber auf der anderen Seite hat die AFC auch viele Mannschaften, die seit Jahren nicht hochkommen. Während in der NFC z.B. mit Detroit, St Louis oder Washington jahrelange echte Rohrkrepierer zumindest mehr als respektable Teams beisammen haben, krebsen in einer AFC Jacksonville oder Oakland seit fast zehn Jahren hoffnungslos am Boden.

So sind drei Divisionssieger fast per Knopfdruck: Patriots, Broncos und Texans. Erstere beiden stellen die beiden meilenweit besten Quarterbacks in der AFC. Letztere haben seit vielen Jahren einen extrem potenten Kader, der nur drauf wartet, dass mal ein Trainerstab das Optimum herauskitzelt. Der vierte Divisionssieger ist bei mir Cincinnati, eine Mannschaft, die eigentlich alles hat, außer einen echten Franchise-QB. Trotzdem sind die Bengals meiner Meinung nach gut genug aufgestellt, um die AFC North zu gewinnen.

Die Suche nach Wildcard-Teams gestaltet sind einfacher nach Ausschlussverfahren: In JAX, TEN, NYJ, BUF, CLE und OAK kannste quasi sechs Teams ohne nachzudenken kicken. Die Colts geben als reines Zufallsteam von 2012 auch keine wirklich glaubhafte Playoff-Bewerbung ab. Bleiben San Diego, Kansas City, Pittsburgh, Baltimore und Miami. MIA und SD sind am ehesten auszuschließen, Pittsburgh am ehesten reinzuwählen. Zwischen Chiefs und dem komplett umgekrempelten Titelverteidiger Baltimore entscheidet der einfachere Schedule pro Chiefs. So komme ich ganz unkompliziert erklärt auf ein Playoffbild, das ich ganz unverblümt so kommentieren würde: Wäre das Sextett in der NFC, ich würde nur Denver mit Überzeugung zum Playoffkandidaten wählen.

National Football Conference

  • East – New York Giants
  • North – Green Bay
  • South – Tampa Bay
  • West – Seattle

Wildcards – San Francisco, Detroit

Die NFC ist das Gegenstück. Zum Beispiel überlegte ich eine Weile ernsthaft, ob ich die Bears überhaupt als „Playoffkandidaten“ deklarieren sollte. Die Bears wären in der AFC ohne mit der Wimper zu zucken minimum das 4t- oder 5t-beste Team. Besonders heftig finde ich die NFC South, der das „top end“-Talent abgeht, was die absoluten Titelfavoriten angeht, aber mich würde nicht überraschen, wenn die Division alle Teams über .500 in den Winter schicken würde. Das Gegenstück dazu ist die East-Division, wo mit NYG, WAS, DAL und PHI vier eher durchschnittliche Teams spielen.

Per Ausschlussverfahren würde ich in der NFC als erstes ARI, MIN und STL aus dem Playoffrennen wählen. Allen weiteren Teams traue ich durchaus den Durchmarsch zu. Ich erwarte beide der Giganten des Westens, San Francisco und Seattle, in den Playoffs. Ich erwarte in der NFC East die Giants in den Playoffs, weil sie noch das kompletteste Team mit den wenigsten Fragezeichen stellen. Im Norden ist Green Bay erneut hoher Favorit. Die zweite Wildcard habe ich nicht bloß aus Sympathie an Detroit vergeben. Die Lions haben trotz zuletzt 4-12 Saison das statistische Profil eines Teams, dem nicht viel fehlt. Detroit sollte gesünder durchs Jahr kommen, und das könnte durchaus für ein 10-6 oder 11-5 langen. NO oder CAR als Playoffteam würden mich aber auch nicht überraschen.

  • AFC-Champ – Denver
  • NFC-Champ – Green Bay
  • Superbowl-Champ – Denver

Ich prognostiziere insgesamt fünf „neue“ Playoffteams im Vergleich zur letzten Saison. Das ist in etwa NFL-Durchschnitt – 5 aus 12 Neue sind durchaus üblich. Mein größter Superbowl-Favorit dieses Jahr ist Denver: Die personellen Probleme zu Saisonbeginn fallen aufgrund des machbaren Saisonprogramms nicht so schlimm ins Gewicht.

Individual-Awards

  • MVP – Aaron Rodgers
  • Offensivspieler des Jahres – Rodgers
  • Defensivspieler des Jahres – J.J. Watt
  • Offensivrookie des Jahres – DeAndre Hopkins
  • Defensivrookie des Jahres – Barkevious Mingo
  • Coach des Jahres – Bill Belichick
  • Comebacker des Jahres – RG3

Heut’Nacht: Die Geister, die Rahim Moore rief

Ab 02h30 geht es heute Nacht los mit der NFL-Saison. Kickoff-Spiel, wie oben angekündigt, ist Denver Broncos gegen Titelverteidiger Baltimore Ravens. Es ist die Neuauflage des Playoff-Viertelfinalklassikers aus dem vergangenen Jänner, dem viertlängsten Spiel der NFL-Geschichte. Die tragische Figur des Spiels war damals Broncos-Safety Rahim Moore, der meinte, bei -20°C im eisigsten Winter die Fliegen in Denver zu verscheuchen und im letzten Verzweiflungspass des QBs Joe Flacco im falschen Moment ins Nichts griff:

Baltimore glich aus, John Fox kniete ab, und der turmhohe Favorit Denver verlor nach langem Kampf. Jetzt gibt es die Neuauflage zum Saisonauftakt 2013/14 – nicht wie bisher gewohnt im Stadion des Titelverteidigers, sondern erneut in Denver. Grund dafür ist ein bizarrer Scheduling-Konflikt mit dem MLB-Team der Baltimore Orioles (wir berichteten), die ihr Stadion unweit des Ravens-Stadion haben und eine parallele Austragung ergo Parkplatzprobleme verursacht hätte.

Das erste Saisonspiel ist oft eines, das noch von Fehlern geprägt ist. Aber wir werden trotzdem erst Eindrücke sammeln können: Ist Joe Flaccos Form näher an jener der Regular Season oder jener der Playoffs? Inwiefern beeinträchtigt die Suspendierung von OLB Von Miller die Front-Seven der Broncos? Wie sieht die Secondary aus, nachdem CB Champ Bailey mit hoher Wahrscheinlichkeit ausfallen wird? Wie sieht die Broncos-Offense mit dem Neuzugang Welker aus? Wie wird Elvis Dumervil in Denver empfangen? Wie wichtig ist er bereits für die Ravens?

Es ist auf alle Fälle kein witzloses Auftaktspiel. Rahim Moore steht jedenfalls im Line-Up.

(Und vorab möchte ich schon ankündigen, dass es heute Nachmittag/frühen Abend noch einen Blogeintrag zu den TV-/Online-Möglichkeiten geben wird. Ich schaff das heute Vormittag nicht mehr, fertig zu stellen. Vielleicht kommt bei Allesaussersport im Laufe des Vormittags eh noch mehr dazu.)

3 Kommentare zu “Vor der NFL-Saison 2013/14

  1. also deine NFC prognose geht ja gar nicht,ich weis nicht was die bucs mit den playoffs zu tun haben werden.

    Meine prognose sieht mal so aus

    American Football Conference

    East – New England
    North – Pittsburgh
    South – Indianapolis
    West – Denver

    wildcards: Oakland Buffalo

    National Football Conference

    East – Philadelphia
    North – Detroit
    South – Carolina
    West – San Francisco

    wildcards; Seattle Washington

    wünsche allen football fans eine spannende Nfl season.

  2. Pingback: NFL 2013/14, Week 17 um 22h25: Chicago Bears – Green Bay Packers | Sideline Reporter

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