College Football 2013/14, Week 2 Preview

Heute geht es weiter mit dem zweiten Football-Großkampftag an Amerikas Universitäten. Vor dem Einstieg noch eine kurze Recap zur Woche 1:

  • Alabama mit einem auf dem Papier souveränen 35-10 über Virginia Tech, aber in Wahrheit war das eher mau, mit viel Special Teams. Alabama bleibt die #1.
  • ClemsonGeorgia war ein insgesamt exzellentes Spiel zwischen zwei Mannschaften. QB Tajh Boyd spielte sich in den Kreis möglicher 1st-rd Draftpicks, auch wenn die Vorstellung nicht komplett einwandfrei war. Aber Pässe wie dieser famose lange Wurf rechts runter downfield in die Arme des in die Endzone fallenden Backup-RBs sind allerallerallererste Sahne und werden Scouts aufhorchen lassen. WR Sammy Watkins scheint dieses Jahr auch wieder besser aufgelegt zu sein: Der 77yds-TD zeigte alles, was Scouts sehen möchten: Super Catch, exzellente Physis (ließ 1-2 Linebacker einfach abprallen), Willen, downfield zu starten, sensationelle Beschleunigung und das, was man in den USA „closing speed“ nennt. Großartig. Sofern die Drops bei Watkins nur Unkonzentriertheiten wg. Saisonbeginn waren, sprechen wir da über einen Top-10 Pick.
  • Bei South Carolina fusseln viele über die null-Sack Performance von Superstar-DE Jadeveon Clowney. Ich bin überrascht, dass so viele geschätzte Schreiber in den USA Clowney überhaupt „verteidigen“ müssen; das Spiel zeigte IMHO eindeutig und zu 100%, weshalb Clowney der nächste Top-Pick ist. Er dominierte das Spiel nicht nur. Nein, der Gegner richtete seinen Game-Plan allein nach Clowney. Ein größeres Kompliment kannste nicht kriegen. Die Konditionsprobleme ließen sich übrigens mit Virusinfektion erklären. Angesichts der Umstände einer ständig bedrohten Pocket fand ich übrigens UNC-QB Renners Leistung mehr als akzeptabel.
  • Texas A&M mit lange Zeit Besorgnis erregender Abwehrleistung.
  • Das LSU-Spiel habe ich schon im Liveblog ausführlicher zusammengefasst; beide Teams mit guten Vorstellungen. LSU ist absolut ein BCS-Contender, trotz hammerhartem Schedule.
  • Bei FSU erfüllte Freshman-QB Jameis Winston nicht bloß die hohen Erwartungen, er übertraf sie. Gigantisches Debüt für Winston (25/27 für 356yds, 4 TD; 6 Carries, 34yds, TD/eine nicht gegebene Completion + okay, eine Fast-INT). Pitts Defense ist nicht überragend, aber auch nicht unterirdisch – insofern: Gigantisches Debüt, hatte ich so nicht erwartet. Winston hat übrigens eine etwas bizarre Wurfbewegung, aber die Bälle kommen trotzdem wie Raketen mit Top-Speed raus.
  • Höchste Niederlage für Boise State (6-38 in Washington) in der Ära Chris Petersen. Erstaunlich leblose Offense (u.a. 3.8yds/Passversuch). Hab Youtube-Ausschnitte gesehen: Washington-QB Price sah wie verwechselt aus. Wenn das der neue Price ist, sehen wir den irgendwann in der NFL wieder, zumindest als Backup.

Die ersten AP-Rankings kann man unter diesem Link nachlesen. Damit zum heutigen Spieltag, einem Tag mit nur wenigen Ansetzungen (wenn ich das richtig aufgeschnappt habe, spielen z.B. 35 Mannschaften (!) gegen Gegner aus der FCS/Football Championship Subdivision, der zweiten Ebene im College Football):

Übertragungen

SPORT1 US

18h   Miami - #12 Florida
21h30 Virginia - #2 Oregon
02h   #17 Michigan - #14 Notre Dame

EUROSPORT 2

21h30 Penn State - Eastern Michigan (Tape)

ESPN-Player

18h   Miami/FL-Florida
18h   Michigan State-South Florida
18h   Kentucky-Miami/OH
18h   Tennessee-Western Kentucky
18h   Temple-Houston
18h   Kent State-Bowling Green
18h   Louisville-Eastern Kentucky
18h   Illinois-Cincinnati
18h30 Clemson-South Carolina State
18h30 UNC-Middle Tennessee State
19h   Ball State-Army
19h30 Virginia Tech-Western Carolina
20h   UMass-Maine
21h   Boise State-Tennessee Martin
21h   Central Michigan-New Hampshire
21h30 Mississippi State-Alcorn State
21h30 Oklahoma State-San Diego State
21h30 Virginia-Oregon
21h30 Missouri-Toledo
22h   Maryland-Old Dominion
22h30 Memphis-Duke
22h30 Georgia-South Carolina
00h   NC State-Richmond
00h   Akron-James Madison
01h   Brigham Young-Texas
01h   Louisiana State-UAB
01h   Troy-Savannah State
01h   Texas A&M-Sam Houston State
01h30 Auburn-Arkansas State
01h30 Vanderbilt-Austin Peay
02h   Michigan-Notre Dame
02h   SMU-Montana State
04h   Fresno State-Cal Poly

Miami Hurricanes – #12 Florida Gators

Canes-Gators ist die unspektakulärste der großen Rivalitäten im College-Football Floridas, und es ist ein Duell, dessen Zukunft mal wieder in den Sternen steht. Was an der Ansetzung erstmal überrascht, ist die Zeitansetzung: 12h mittags in Miami! Wie liest man über die mörderische Hitze in South Beach, und das Sunlife Stadium ist keine 20km entfernt! Normalerweise würde man erwarten, dass The U gegen einen Gegner wie Florida ausnahmsweise mal einige tausend Zuschauer ins Stadion bringt, aber bei den Temperaturen…

Zum Sportlichen: Florida ist mir weiterhin ein Rätsel: Die Mannschaft hat keine Offense. Gegen Toledo wurde mit aller Gewalt ein Laufspiel über RB Brown durchgedrückt, aber QB Driskel war bestenfalls unbeständig. Es reichte, weil die Defense einen unterklassigen Gegner komplett abwürgte. Obwohl: So unterklassig ist Toledos Offense eigentlich nicht, und sie machte keinen Stich! Das, obwohl einige der besten Verteidiger fehlten. Miamis Angriff ist noch etwas besser als Toledo, in QB Morris und vor allem RB Duke Johnson gibt es ernst zu nehmende Optionen. Können die Gators erneut so eine Abwehrschlacht liefern? Und wenn ja: Was ist Muschamps Plan, um Johnson zu stoppen?

Oft geschrieben, aber immer noch fehlt mir der Glaube: Ist Florida gut genug? Kann man mit so einer Spielweise wirklich heil durch eine Saison in der SEC kommen? Dieses Spiel wird uns Aufschlüsse gegen, da Miami ein erster Prüfstein von Format ist – zumal zuhause.

#11 Georgia Bulldogs – #6 South Carolina Gamecocks

Das Spiel kommt um 22h30, leider nur im ESPN-Player (edit: scheint leider nicht mehr auf), und es ist in der SEC-East vielleicht schon von vorentscheidender Bedeutung: Eine Niederlage ist kein ganzer Beinbruch hinsichtlich Conference-Ambitionen, aber ein halber. Für Georgia wäre es nach der Auftaktniederlage letzte Woche in Clemson ferner das frühzeitige Ende sämtlicher BCS-Ambitionen.

Das Geile bei jedem Georgia-Heimspiel ist schonmal das riesige Sanford-Stadium in Athens, 92.000 Rabauken und neben den EndZonen wachsen die Hecken (daher auch der oft gehörte Terminus „between the hedges“). Das gibt den Bulldogs ein ganz eigenes Flair.

Sportlich wird sich vieles im Duell von South Carolinas oben beschriebenem superbem DE #7 Clowney gegen die Offense Line entscheiden. Werden die Bulldogs ähnlich wie letzte Woche UNC ihren kompletten Offensiv-Gameplan von Clowney weg konzipieren? Schwierig vorstellbar. OffCoord Mike Bobo ist mir nicht dafür bekannt, sich zu passiv in seiner Ansage zu verhalten. Bobo sucht vielmehr selbst danach, dem Gegner sein Spiel aufzudrücken. Und ganz ehrlich: Georgia hat ganz andere Ressourcen als UNC, um eine Offense gegen einen Superspieler wie Clowney aufzustellen.

Auf der anderen Seite bin ich bei Gamecocks-QB Connor Shaw nicht vollends überzeugt: Erster Mann ist zugedeckt, und Shaw wird nervös, improvisiert sich in einen Strudel schlechter Entscheidungen und muss die Bälle gleich in Serie auf die Tribüne werfen. Andererseits: Physisch war das von South Carolinas O-Line und RB Mike Davis letzte Woche schon sehr beeindruckend.

Ich habe in diesem Spiel keinen Favoriten. Ich weigere mich, Georgia wegen einer knappen Niederlage gegen Clemsons Power-Offense abzuschreiben. Kurzum: Es ist das Spiel an diesem College-Weekend, auf das ich mich am meisten freue.

#17 Michigan Wolverines – #14 Notre Dame Fighting Irish

Michigan und Notre Dame verbindet eine große Rivalität, auch wenn beide Universitäten in ihrer langen Historie vergleichweise erstaunlich selten gegeneinander gespielt haben. Trotzdem kann man sich die Partie schonmal geben, was schon allein am Heimstadion der Wolverines liegt, dem „Big-House“ mit seinen 110.000 Zuschauern – bei Nacht. Nachtspiele in Michigan sind in etwa so zahlreich wie Puffs im Vatikan. Das erste gab es vor zwei Jahren. Gegner damals: Notre Dame. Das Spiel damals: Ein Spektakel allererster Güte, mit einem 35-31 Sieg für Michigan und drei Touchdowns und ebenso vielen Führungswechseln in den letzten 72 Spielsekunden.

Daran wird heute Nacht eher wenig erinnern, denn beide Offenses versuchen verzweifelt, solider, langweiliger zu spielen. Michigans OffCoord arbeitet fieberhaft, die alte I-Formation mit zwei Runningbacks wieder einzuführen. Letzte Woche holten zwar beide Teams Siege, aber die Art und Weise beunruhigte: Beide waren nicht konstant in der Lage, ihre Drives auszuspielen, sondern mussten sich auf Big-Plays verlassen. Beide Defenses waren eher soft.

Ein Knackpunkt heute könnte das Duell der NFL-reifen Defensive Line von Notre Dame gegen eine rundumerneuerte „Interior Offensive Line“ (Center, Guards) bei Michigan sein: Wird Michigan da überpowert, stirbt die I-Formation Offense im Ansatz. Auf der anderen Seite: Notre Dame reist mit QB Tommy Rees als Starter an, was schon qua Rees‘ Standing die Favoritenrolle zu Michigan verschiebt…

Sonstige Spiele im ESPN-Player

Der ESPN-Player hat von den Mittagsspielen nicht unbedingt viele Alternativen zu Canes-Gators zu bieten. Bei #8 Louisville – Eastern Kentucky kann man QB Bridgewater beobachten, aber wie viel lässt sich aus einem Spiel eines Top-Prospects gegen einen bestenfalls drittklassigen Gegner herauslesen? Michigan State South Florida ist insofern interessant, weil der neue USF-Coach Willie Taggert letzte Woche nach einer schwachen Debütvorstellung dermaßen medial auf die Fresse bekam, dass man keinen anderen Eindruck bekommen kann als der Mann coacht ab sofort um seine Zukunft.

IllinoisCincinnati? Cincinnati soll einer der Mitfavoriten in der American Athletic Conference sein, aber interessanter finde ich den Gegner, Illinois. Über zwei Ecken hab ich Verbindungen zu dieser Uni, und ich hege gewisse Sympathien für die Fighting Illini, wie das Team dort heißt. Sportlich waren die letzten eineinhalb Jahre (seit dem 6-0 Start 2011 gab es eine 1-17 Bilanz) katastrophal, und der Anfang 2012 mit viel Tamtam angeheuerte Head Coach Tim Beckman ging schon als lame duck in den Herbst.

Zum Time-Slot der Nachmittagsspiele (ab 21h): Ab 21h Boise State auf dem blue turf gegen das unterklassige Tennessee-Martin. Die Broncos müssen sich nach der verheerenden, weil so ungewohnten hohen Pleite gegen Washington rehabilitieren. Für Abgesänge ist es noch zu früh, aber das Debakel war so krass, dass jedermann die Bronco-Saison bereits als verloren deklariert.

SPORT1 US (plus ESPN-Player) überträgt um 21h30 Virginia#2 Oregon, das eigentlich nicht nach einem Upset riecht. Virginia in Woche 2 zuhause… da hatten wir schonmal was. Kann man mal nen Blick drauf werfen, inwiefern die Oregon-Offense des neuen Headcoaches Mark Helfrich sich von jener des alten Coache Chip Kelly unterscheidet.

Um den Link zwischen Virginia und einem Team des nächsten Spiels, BYU, herzustellen: Die beiden spielten letzte Woche gegeneinander. Virginia und BYU brachten es zustande, eine Partie mit 24 (!) Punts zu generieren. Sensationellerweise gewannen übrigens die Cavs, weswegen BYU heute schon unter Druck steht…

…und zwar um 1h zuhause gegen #15 Texas. BYUs Heimspiele sind schon wegen des Stadionpanoramas stets ein Schmankerl, aber diesmal gibt es durchaus auch Upset-Potenzial. BYU mag letzte Woche katastrophal aufgetreten sein, aber es hat eine hervorragende Front-Seven mit vielen möglichen hohen NFL-Picks, und das schmeckt den nervösen Texas-QBs im Normalfall nicht.

Ab 1h30 AuburnArkansas St. Letzteres Spiel ist das Wiedersehen von Auburn-HC Malzahn mit seiner ehemaligen Uni (Malzahn coachte die Red Wolves 2012). Arkansas St ist keine unterirdische Mannschaft. Auburn wird einen ersten ansatzweisen Test vorgesetzt bekommen. Wie funktioniert die Spread-Offense, bei der man monatelang nicht wusste, wessen Quarterback sie führen soll?