NFL-Recap, Week 1: San Diego Chargers – Houston Texans

Lass uns schnell die spektakulären Geschichten des Spiels abhaken: Die Houston Texans gewannen 31-28 nach einem wilden Spielverlauf inklusive zwischenzeitlichem Rückstand von drei Touchdowns gegen Ende des dritten Spielviertels. Es war nicht nur beim Blick auf das Stat-Sheet ein hochverdienter Sieg gegen eine allerdings lange Zeit gute Chargers-Mannschaft, aber es gibt eine versteckte Geschichte des Spiels, die mich einen Tick mehr beschäftigt. Dazu gleich. Erstmal: Kompliment an die Chargers, die eine zeitlang richtig ordentlich spielten. QB Rivers hatte ein grausames Schlussviertel, aber bis dahin war das gemessen an den letzten zwei Jahren eine richtig gute Vorstellung. San Diegos zeitweise klare Führung war aufgrund diverser „Breaks“ irreführend (extrem knapp gescheiterte Catches von WR Andre Johnson (1x knapp out of bounds, einmal wegen einer Zehenspitze ein 40yds-TD zurückgepfiffen) gescheiterte 4th Downs und Field Goals der Texans usw.), aber San Diego hielt relativ gut mit.

Bei den Texans bin ich mir nicht ganz so sicher ob der Form von Head Coach Gary Kubiak. Wer die NFL erst seit 1-2 Jahren verfolgt: Kubiak war vor gar nicht so langer Zeit das, was heute Rivera und Shurmur sind – Synonyme für unterirdische Game-Manager. Kubiak hatte ein wechselhaftes Spiel in San Diego. Ich bin nicht so weit, die verschwunden geglaubten Geister zu rufen, die Geister jener Zeit, als Kubiak Woche für Woche einen playoff-überfälligen Mitfavoriten unter .500 coachte.

Extrem bizarr, aber nicht spielentscheidend war der Handoff zu RB Arian Foster mit 2sek auf der Uhr in der ersten Halbzeit. Ich wusste sofort, dass Bill Barnwell in seiner Kolumne „Thank You for not Coaching“ dieses Play aufnehmen würde, denn er ist so sinnlos wie das Wasser gegen den Durst: Wenn du in der Situation schon nicht abkniest, dann wirf doch bitte downfield! Das schlimmste, was dir passiert, ist ein Sack oder eine Incompletion, aber du hast wenigstens die Chance auf eine Pass-Interference oder im Traumfall den TD. Mit einer Ballübergabe hast du null Gewinnchance nach oben (TD-Run ist ausgeschlossen), kassierst höchstens den Fumble. Aber okay: So oder so ist die Chance auf einen ereignisreichen Spielzug im Positiven wie im Negativen recht gering, insofern zwar eine schlechte, aber keine weltbewegende Entscheidung.

Kubiak hatte gute Momente: Er riskierte das Ausspielen eines 4th Downs und 1 nahe der gegnerischen RedZone und versuchte zu meinem Erstaunen sogar im Schlussviertel einen Punt-Fake bei einem weiteren 4th Down (erfolgreich, aber kurz darauf musste man trotzdem punten). Kubiak ließ seine Offense in den letzten Spielsekunden beim 28-28 Spielstand weiter nach vorne spielen, als man schon in vager FG-Reichweite war, und verbesserte damit die Siegchance seiner Mannschaft.

Während ich bei beschriebenem Handoff für Foster fast mein Mobiliar zertrümmert hätte, grüble ich immer noch über die spektakulärste Entscheidung von Kubiak: Der Field Goal Kick eingangs des Schlussviertels (ca. 14:50 to go, Spielstand 14-28, HOU mit 4th-und-8 an der SD 19yds Line): Rechnerisch gesehen ist es vermutlich für eine durchschnittliche Offense keine falsche Entscheidung zu kicken. Aber im letzten Viertel, bei 14pts-Rückstand in der gegnerischen RedZone ein Field Goal zu kicken? Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Kubiak sprang von der Schippe, weil die Chargers eine hirntote Strafe begingen und Houston ein neues 1st-Down schenkten, das die Texans prompt zum Touchdown nutzten, aber trotzdem: Ich meine, hier kann man es mehr als vertreten, wenn man die aggressivere Variante nimmt und versucht, gleich auf den TD zu gehen.

Houston hatte in der Folge Glück, dass der genesene ILB #56 Brian Cushing eine bärenstarke  INT gegen einen zaudernden Rivers (Rivers wartete, schaute, wartete, und warf dann genau den Mann an, den er sekundenlang angestarrt hatte) machte und auf 28-28 ausglich. Der Sieg der Texans war verdient, keine Frage. Die Texans sahen lange Zeit viel gegen sich laufen, aber im Gegensatz zu vielen Texans-Teams der letzten Jahre, die in solchen Momenten trotz guter Leistung eingingen, spielten sie diesmal bis zum Ende munter weiter, und wurden in der letzten Sekunde mit dem Sieg belohnt.

Kubiaks Entscheidungen aber sind das, was mich erstmal noch beschäftigen. Der Mann macht mir im Guten wie im Schlechten Angst, und ich habe keine Ahnung, was wir von dem Mann dieses Jahr noch sehen werden.

Ein Kommentar zu “NFL-Recap, Week 1: San Diego Chargers – Houston Texans

  1. Hmm, ich weiß nicht, bei 4th-und-8 an der 19yds Line, würde ich vermutlich auch die relativ sicheren 3 Punkte nehmen und die Defense den Job machen lassen.

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