NFL-Sonntagabendvorschau #2, 2013

Die Reaktionen nach einer ersten Spielwoche in der NFL sind meistens von arg nach oben gepushten Storys geprägt, die zur Folge haben, dass das tatsächlich Passierte oft schon auf die komplette Saison projiziert wird. Ein schlechtes Auftaktspiel ist aber ebenso ein Todesstoß für die Hoffnungen einer Franchise wie ein genialer Kantersieg nicht immer ein Zeichen für einen dominanten Herbst wird. Sehen wir es so: Es gab 16 Spiele. 13 (!) davon endeten innerhalb eines Scores Differenz. Manchmal mag ein spätes Comeback dafür verantwortlich gewesen sein, aber es gab auch eines dieser oft verspotteten „späten Comebacks“, das am Ende in einem nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg endete (HOU @ SD). Das ist doch aufregend. Also: Ich hab zwar auch eine Serie an Spielen analysiert und schon versucht, erste Eindrücke zu sammeln, aber bleiben wir noch am Boden, was die Langzeit-Aussichten angeht. Abheben können wir nach 3-4 Wochen, wenn sich echte Trends ablesen lassen.

Weekometer 1

Dann wird auch das unbestechliche Power-Ranking zurückkehren. Nach der ersten Woche gibt es deswegen nur ein kurzes Barometer der ersten Performance. Lassen wir uns nicht von Siegen und Niederlagen verarschen, und sehen wir es mal nüchtern – das Donnerstagsspiel hab ich noch nicht gesehen:

  • Überzeugende Vorstellung: Denver, San Francisco, Green Bay, Seattle, Carolina, New Orleans, Cincinnati, Miami
  • Noch Luft nach oben: Atlanta, Chicago, Houston, Kansas City, New England, Tampa Bay, Pittsburgh, Philadelphia, Detroit, Dallas, NY Giants
  • Die grauen Mäuse: Baltimore, St Louis, Arizona, Washington, Indianapolis, Oakland, San Diego, Tennessee, NY Jets, Minnesota, Cleveland, Buffalo
  • Bleeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeep: Jacksonville

Sonntag #2: NFL-Programm im TV

SPORT1 US und sein TV-Programm bleibt für diese Woche noch drin. Der Sender läuft quasi auf Bewährung. Er überträgt live:

19h    Chicago - Minnesota
19h    Philadelphia - San Diego
22h05  Arizona - Detroit (*)
22h25  New York Giants - Denver
02h25  Seattle - San Francisco

Die mit (*) gekennzeichneten Spielen laufen bei SKY im Multifeed-Kanal.

PULS4 bringt in Österreich ab 22h30 live die Partie New York Giants – Denver Broncos.

Frühabendprogramm um 19 Uhr

Das vermeintliche Topspiel des 19h-Slates ist Green Bay PackersWashington Redskins, das aber überraschend nicht im TV-Programm bei SPORT1 US auftaucht. Die Packers kriegen eine Woche nach der Verarsche in San Francisco nun endlich die erste „echte“ read-option Offense vorgeschmissen, auf die sie sich ein halbes Jahr lang vorbereitet haben: Während die 49ers die Packers einfach „überwarfen“, wird Washington mit RG3 im Angriff schon eher nach der alten read-option Offense aussehen. Bei den Skins war man letzte Woche bass erstaunt, wie „langweilig“ diese spektakuläre Mannschaft im direkten Vergleich mit Philadelphia aussah. Green Bay ist der klare Favorit, aber es gibt durchaus Hoffnungsschimmer: Die Redskins-DEs Orakpo/Kerrigan hatten letzte Woche ein recht gutes Spiel, und sie kriegen nun eine eher schwache Offense Line vorgeworfen. Auf der anderen Seite: Das Skins-DB ist so schwach besetzt, dass QB Rodgers unter 30 Punkten nicht aus der Partie kommt…

Die Eagles treffen daheim im Duell zweier zum Auftakt überraschend starker Mannschaften auf die San Diego Chargers. Das erste bestaunenswerte ist natürlich dieser fassungslos schnelle Eagles-Angriff, der letzte Woche in der ersten Halbzeit unglaubliche 53 Plays machte! Da haben manche Teams im ganzen Spiel nicht viel mehr davon. Wie wird San Diegos Abwehr reagieren? Die Skins schienen am Montag recht ausgelaugt zu sein, und trotz sehr guter Outside Linebackers bekamen sie nie wirklich Zugriff auf die Pocket. Bei San Diego ist der beste Verteidiger in der Front-Seven in DE Freeney ein Mann, der gegen den Lauf als ungebräuchlich gilt. Zufälligerweise war genau jenes Laufspiel der Iggles um RB McCoy letzte Woche der Killer.

Bei ChicagoMinnesota muss man sehen, ob die Bears eine erneut so solide Offensivvorstellung wie letzte Woche bringen können. Die Bears zeigten erstmals seit vielen Jahren richtig gute Ansätze, und der neue Head Coach Trestman, eigens genau dafür geholt, wird schon als großer Innovator gefeiert. Dabei zeigte sich nur eins, das man eh schon wusste: QB Jay Cutler braucht eine saubere Pocket, um effizient zu sein. Als der Passrush der Defense Line durchkam, zeigte Cutler altbekannte Schwächen. Immerhin: Die Offense Line der Bears hielt halbwegs gegen eine der gewaltigsten Verteidigungen in der NFL. Minnesota hat keinen viel schwächeren Passrush, aber die Vikes sind im Angriff eindimensional wie eine Scheibe Toastbrot, und deswegen klarer Außenseiter.

IndianapolisMiami ist die Partie zweier Quarterbacks, die letztes Jahr in den Top-10 gedraftet wurden. Der große Knackpunkt in diesem Spiel wird das Duell DE Cameron Wake gegen die Colts-OL sein. Letztere sah letzte Woche seeeehr wackelig aus. Wake dagegen brannte ein Feuerwerk ab, über das sich sämtliche Experten noch heute die Mäuler zerreißen. Wird QB Andrew Luck überhaupt Zeit genug bekommen, und wenn ja, wird er auch noch gute Pässe werfen, wenn er jedes Mal Wake im Helm sieht?

BaltimoreCleveland ist die Rivalität der alten mit den neuen Browns, die ich so oft schon auf diesem Blog thematisierte. Beide haben diesmal aber andere Probleme, als sich mit den 90er Jahren auseinanderzusetzen. Die Ravens können sich immerhin noch an einer ordentlicher ersten Halbzeit im ersten Spiel hochziehen, aber die Ursachenforschung ob des Totalkollapses nach einem unglücklich verlaufenen dritten Spielviertel dürfte noch anhalten. Die Browns waren die Browns. Sie zeigten halbwegs gute Ansätze, aber QB Weeden war ohne echte Anspielstationen so verloren wie es der triste Endstand (10-23 gegen Miami) aussagt. Leider wird WR Gordon auch heute mit Sperre fehlen.

HoustonTennessee riecht trotz der Riesensensation der Titans letzte Woche in Pittsburgh nach einer klaren Angelegenheit pro Texans. Wird erneut RB Ben Tate seinen bekannteren Kollegen RB Foster in Grund und Boden spielen? Kansas CityDallas ist schon spannender: Die Chiefs zeigten sich von der souveränen Seite, aber der Gegner Jacksonville war harmlos wie ein kleines Kätzchen. Dallas wird der erste Test: Die Cowboys gewannen gegen die Giants, aber es war kein überzeugender Sieg, der alle die Boys mit drei Meter breiten Schultern durch Texas stapfen ließe. Andy Reid will das natürlich unbedingt gewinnen, um am Donnerstag mit 2-0 Bilanz nach Philly zurückzukehren.

AtlantaSt Louis klingt als Ansetzung langweiliger als es vielleicht wird: Die Rams haben eine extrem physische Mannschaft, und genau Physis ist das, was Atlanta nicht schmeckt. Beide sind die Hallenatmosphäre gewohnt. Es ist das Wiedersehen von RB Steven Jackson, der seine beste Karriere-Jahre in einem Müllteam in St Louis vergeudete, mit seiner alten Mannschaft. Jackson wurde letzte Woche nur in homöopathischen Dosen eingesetzt, aber er wurde vielseitig eingesetzt, vor allem auch als das, was Vorgänger Turner abgegangen war: Als Receiver.

Schließlich Buffalo BillsCarolina Panthers. Beide verloren letzte Woche, aber beide verließen das Stadion mit einem guten Gefühl. Die Panthers lieferten Seattle einen großen Kampf, und ganz ehrlich: Qualitätsunterschied hab ich keinen gesehen. Die Statements der Panthers-Coaches („Sorry, wir haben eine zu konservative Offense gespielt“) gehen genau in die richtige Richtung – überraschend nach einer Offseason, in denen man den guten alten Zeiten mit I-Formation nachweinte. QB Cam Newton trifft auf einen anderen schwarzen Jungstar-QB: E.J. Manuel, dessen Debüt gegen die Pats wechselhaft war.

Abendspiele nach 22 Uhr

Als erstes zu nennen ist die „Manning Bowl“ der beiden berühmtesten Quarterback-Brüder Amerikas, Eli Manning (NY Giants) gegen den großen Bruder Peyton Manning (Denver Broncos) ab 22h25. Das Spiel kommt auf SPORT1 US und bei PULS4. Bei den Giants ist sich noch kein Mensch im Klaren, was die Mannschaft drauf hat: Das Auftaktspiel war komplett vogelwild und als solche auch unterhaltsam, aber es ist immer schwierig, aus solchen Freakspielen mit sieben Turnovers, fünf Fumbles und Fantillionen an Big-Plays irgendwelche Folgerungen zu ziehen… außer dass Tom Coughlin diesmal garantiert keine 14jährigen Jungs mit zittrigen Händen in diesem Spiel aufstellen wird.

Denvers QB Peyton Manning hatte im Season-Opener 7 TD-Pässe, NFL-Rekord eingestellt. Ich hab aber noch nicht vergessen, wie zäh die Broncos über eine Halbzeit lang spielten. Und diesmal wird man eine tief besetzte Defense Line antreffen, und eine Defense, die zuletzt trotz einer Unzahl an Turnovers ihrer Offense ein Auswärtsspiel im lauten Dallas bis zuletzt offen halten konnte.

Bei Tampa BayNew Orleans steht das Mannschaftskonstrukt der Buccs auf dem Prüfstand. Nach der überraschenden Pleite letzte Woche bei den Jets hat es eine Mannschaftsaussprache gegeben, bei der QB Josh Freeman angeblich ziemlich harsch angemacht wurde. Freeman zog sich daraufhin wie ein beleidigtes Kind, dem man seinen Lutscher geklaut hatte, zurück und schmollte so lange, dass er einen offiziellen Foto-Termin mit der Mannschaft verpasste. Kein Mensch wagt darauf zu wetten, ob Freeman nun gegen eine nicht mehr unterirdische, aber immer noch ziemlich mäßige Pass-Defense der Saints mit vier Touchdowns oder fünf Interceptions (oder beidem) antworten wird. Auf alle Fälle potenziell ein gewaltiger Shootout (Spiel ab 22h05!).

Auch 22h05 ist der Kickoff für Arizona CardinalsDetroit Lions. Letzte Jahr war das Cards-Spiel die höchste Pleite für eine motivationslose Lions-Mannschaft im späten Dezember (10-38 Schlappe). Diesmal sind die Vorzeichen andere: Detroit kommt aus einer Auftaktwoche, in der man in Minnesota einen Divisionskonkurrenten nur wegen eigener Nachlässigkeiten nicht komplett abgeschossen hat. Arizona bringt eine ähnlich gepolte Defense daher, und die Cardinals haben eine bessere Offense als dies Vikes (und Heimvorteil), aber alles in allem riecht das doch eher pro Lions, sofern QB Staffords Form im Auftaktspiel keine Eintagsfliege war.

Bei den Lions steht mal wieder DT Ndamukong Suh nach einem unnötigen wie unfairen „low block“ bei einem INT-Return gegen C Sullivan in der Kritik. Suh musste 100k Strafe zahlen, aber unter der Woche meldete sich in Chris Canty ein Line-Kollege zu Wort, der zurecht ansprach, dass diese für die Knie bedrohliche Art des Blockens quer durch die Bank von Offense Linern praktiziert wird – für die ist es zwar legal, aber Canty sieht in Sullivans Aufschrei Doppelmoral.

Noch was? Ah ja. Die Jacksonville Jaguars kriegen eine Woche nach Kansas City das nächste Team vorgeworfen, das dieses Jahr einen der drei schlechtesten Records hatte: Die Oakland Raiders. Die zeigten eine couragierte Leistung in Indianapolis. Bei den Jaguars dagegen zuckte zum Auftakt noch nix: Eine 2-28 Pleite, bei der sich der Gegner nichtmal schmutzig machen musste. QB Gabbert ist nun angeschlagen, muss quasi ohne Anspielstationen ein Spiel bestreiten, bei dem jeder sagen wird „wenn’s nicht mal gegen die Raiders was wird…“

Sunday Night Game

More to come. Aber erst zu Mittag oder am Nachmittag.

5 Kommentare zu “NFL-Sonntagabendvorschau #2, 2013

  1. Pingback: NFL-Week #2, 2013 Sunday Night Game Preview: Seattle Seahawks – San Francisco 49ers | Sideline Reporter

  2. Pingback: NFL 2013/14, Chips vom zweiten Spieltag um 19h | Sideline Reporter

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