NFL 2013-14, Gameday #3 am Sonntag

Bitte nicht erschrecken. Ich muss diesen Sonntag für den urlaubenden korsakoff einspringen, der mir noch das Sendeprogramm der deutschsprachigen TV-Sender mit auf den Weg gegeben hat:

19h    Baltimore - Houston
19h    Washington - Detroit (*)
22h05  Miami - Atlanta (*)
22h25  San Francisco - Indianapolis
02h25  Pittsburgh - Chicago

Die mit (*) markierten Spiele laufen bei SPORT1 US auf SKY via Multifeed.

PULS4 in Österreich bringt ab 22h30 San FranciscoIndianapolis mit dem neu akquirierten Runningback der Colts, Trent Richardson.

Im NFL Gamepass gibt es heute ein Gratis-Spiel New Orleans SaintsArizona Cardinals. Man muss sich aber anmelden, und dann rechtzeitig wieder kündigen.


Zuerst zu den Spielen, die MESZ ab 19:00 Uhr ausgetragen werden. Ich hoffe, meine „Expertise“ reicht für das lesende Publikum aus.

Cincinnati Bengals – Green Bay Packers

Bei diesem Spiel muss ich immer an meinen Host Daddy aus der Schulzeit als Austauschschülerin in Pennsylvania denken: Glühender Bengals-Fan, der nach vielen Jahren Seuche zum ersten Mal so etwas wie Hoffnung spürte. Cincinnati qualifizierte sich in jenem Herbst zum ersten Mal seit 15 oder so Jahren für die Playoffs, und es waren selige Weihnachten, aber dann riss sich der Franchise-Quarterback alle Bänder und die Seuche ging weiter. Bis jetzt. 2013 treten die Bengals nach langen Jahren wieder mit echten großen Hoffnungen an. Überwiegende Meinung: Es fehlt ihnen nur noch eins, und das ist ironischerweise ein richtiger „Franchise-Quarterback“. QB Andy Dalton ist zwar ein Guter, aber nicht einer der besten. Das sah beim Monday Night Game gegen Pittsburgh in Week 2 dann so aus: Jeder längere Wurf segelte viele Meter am Ziel vorbei, oder drüber.

Tipp: Wenn wir schon über Franchise Quarterbacks sprechen, dann hat Green Bay nicht nur einen den besseren, sondern den Besten. Green Bay gewinnt.

Tennessee Titans – San Diego Chargers

Gäbe es Punkte für Attraktivität, dann hätten diese beiden Teams im Sommer nicht bloß keine bekommen, sondern Punktabzüge. Und dann starten beide mit 1-1 in die Saison und lehren dabei die Großen das Fürchten: Tennessee mit Auswärtssieg in Pittsburgh und nur knapper Auswärtsniederlage in Houston, San Diego verlor auch haarscharf gegen Houston und gewann auswärts in Philadelphia. Die besseren Impressionen hinterließ San Diego, die schon wieder von den Playoffs träumen.

Tipp: San Diego Chargers.

Washington Redskins – Detroit Lions

RGIII ist noch längst nicht wieder der Alte und humpelt zähnefletschend über das Feld, aber der einzige Weg, einen gesunden RGIII zu einem fitten RGIII zu einem _spielfitten_ RGIII hochzuziehen, ist es, RGIII spielen zu lassen. Deswegen werden sich die Schreie nach seinem Ersatzmann schnell einstellen. Der einzige Grund, ihn gegen Detroit keine Spielpraxis sammeln zu lassen, ist der gemeingefährliche Ndamukong Suh von den Lions, vor dem selbst die eigenen Mitspieler im Training Angst haben, weil er seine Energie nicht im Zaume halten kann.

Tipp: Detroit.

New England Patriots – Tampa Bay Buccaneers

Es war die erste Saison, in der ich rechte Hoffnungen hatte, dass es mit Evil B.B. und dem Modelficker (*) abwärts geht, und nix: Zwei Spiele, zwei Siege. Ja, es war zweimal knapp und gegen zwei der schlechtesten Teams (sagen zumindest alle über Buffalo und Jersey-B), aber das gehört alles zu B.B.s Plan. B.B. hat den ganzen Sommer damit verbracht, den Schedule zu studieren und kam zum Schluss, dass die ersten Games der Pats so einfach seien, dass sie selbst mit der B-Reserve zu gewinnen sind. Besser erstmal auf die richtigen Gegner einspielen und die schmutzigen Wins mitnehmen. Klappte ja hervorragend, auch wenn der Modelficker das in seinen Wutausbrüchen wohl nicht so sah, Aaron Dropson und Kenbrell Dropkins sei Dank.

Heute folgt Stufe zwei des B.B. Plans, und sehr zur Freude geht es gegen den besten Kumpel, Greg Schiano, den einzigen NFL Coach, der noch unsympathischer ist ohne B.B.s Kultigkeit zu besitzen. Die halbe Mannschaft des B.B. besteht aus Jungens, die Schiano am College in Rutgers unter seinen Fittichen hatte. Das ist kein Zufall. B.B. weiß, dass alle Menschen, die schonmal unter Schiano arbeiten mussten, dankbar sind, unter B.B. arbeiten zu dürfen. Um das zu verdeutlichen, hält B.B. gemeinsame Trainings mit Schiano ab.

Schiano steht nach dem missglückten Auftakt der Bucs (0-2) schon mit dem Rücken zur Wand. Dass Schiano ein menschliches A****loch ist, verheimlicht niemand. Wichtige Spieler wie Darrelle Revis kritisieren Schiano öffentlich oder denken an einen schnellen Abgang wie Josh Freeman. Dieser ist der Quarterback, und der spürt von Schiano so viel Rückhalt, dass er bei der Heimniederlage gegen New Orleans nicht einmal 3 Yards in der letzten Minute ausspielen durfte.

Tipp: New England.

[Update] (*) Um der Entrüstung Einhalt zu gewähren, ein Verweis auf die eine oder andere Stelle aus den Tiefen der Vergangenheit dieses Blogs. – korsakoff[/Update]

Die anderen Spiele

St. Louis Rams – Dallas Cowboys. Wenn es nicht so egal wäre: Cowboys gewinnen das.

Minnesota Vikings – Cleveland Browns. Das Duell der großen Running Backs ist nach dem Abgang von Trent Richardson in Cleveland zu einem Rohrkrepierer geworden. So wird es zum Duell der QB Chris Ponder gegen Brian Hoyer. Chris Ponder wuppt das. Tipp: Vikings.

New Orleans – Arizona Cardinals. Tipp ist nicht schwierig: New Orleans.

Carolina Panthers – New York Giants. Spielen hier die beiden unsympathischsten Quarterbacks gegeneinander? Nein, New England ist nicht mit von der Partie. Tipp: New York Giants.

Baltimore Ravens – Houston Texans. Hier sind die Namen größer als die Leistung. Baltimore ist weniger Not als Houston Elend. Deswegen: Ravens gewinnen und schicken Ed Reed nachher einen Blumenstraß mit nach Houston.


Weiter mit den Spielen, die zwischen 22:05 Uhr und 22:25 Uhr MESZ angestoßen werden.

New York Jets – Buffalo Bills

Zweimal schwarze Rookie-Quarterbacks. E.J. Manuel für die Bills war der erste 2013 genommene Quarterback im Draft, Geno Smith für die Jets der zweite. Beide Teams stehen bei 1-1. Beide gewannen ein Heimspiel gegen einen vermeintlich überlegenen Gegner mit einem Punkt. Beide profitierten dabei von haarsträubenden Fehlern beim Gegner, Strafen und schlechte Coach-Entscheidungen. Beide spielten schon gegen die Patriots, und beide verloren trotz guter Leistung knapp. Die Bills verloren mit 2 Punkten, die Jets mit 3, aber die Jets spielten auswärts gegen die Pats. Nach dieser Logik müsste es ein ausgeglichenes Spiel werden.

Tipp: Jets haben Heimvorteil, Jets gewinnen.

San Francisco 49ers – Indianapolis Colts

Es gibt bei diesem Spiel nur eine Storyline, und die ist das Wiedersehen von Colts-QB Andrew Luck mit seinem ehemaligen Head Coach am College, nun Head Coach in San Francisco: Jim Harbaugh. Für das breitere Verständnis ist hier ein wenig Kontext angebracht. Die beiden arbeiteten an der Stanford University zusammen. Diese Uni war für alles bekannt, nur nicht für hohe Ambitionen im Football. Bis Jim Harbaugh kam, der früher mal NFL-Quarterback gewesen war bei den *pling* Indianapolis Colts. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte Harbaugh Stanford von einem der schlechtesten Teams zu einem der besten.

Mit half die von ihm gepredigte Disziplin. Aber ebenso half Andrew Luck, der Quarterback, den Harbaugh rekrutiert hatte. Ich war damals Auslandsstudentin in den Vereinigten Staaten und nur nur periphär am Football interessiert, aber ich erinnere mich an ein Spiel zurück, das an der Westküste stattfand, aber auch bei „uns“ im Südosten Wellen schlug: Stanford mit Harbaugh und Luck schlug auswärts als Wett-Underdog von 41 Punkten die landesweite #1 Southern Cal! Die Geburtsstunde der Legende von Stanford, Harbaugh und Luck. Gemeinsam gewannen sie nie den National Title, aber sie spielten wenigstens zu Harbaughs Abschied in der Orange Bowl und gewannen deutlich. Jim Harbaugh ging 2011 in die National Football League und machte in San Francisco aus einem der schlechtesten Teams eines der besten. Luck folgte 2012 und half in Indy mit, das schlechteste Team zu einem Playoff-Team zu machen.

Über die Connection Harbaugh-Colts, Colts-Luck, Luck-Harbaugh tummeln sich viele weitere Gestalten aus dem damaligen Umfeld von Stanford in den beiden Mannschaften. Harbaugh hat beispielweise seinen Offensive Coach Greg Roman mit in die N.F.L. genommen. In Indy spielt mit TE Coby Fleener ein ehemaliger Stanford Cardinal, und Offensive-Coordinator Pep Hamilton war auch Lucks Positionscoach an der Uni.

Tipp: San Francisco gewinnt klar und deutlich.

Seattle Seahawks – Jacksonville Jaguars

Wiedersehen war das Thema, Wiedersehen ist das Thema: Bei diesem Spiel geht es um Gus Bradley, formerly Defensive Coordinator bei Seattle, und jetzt Head Coach bei Jacksonville. Für ihn ist es die Rückkehr in sein altes Stadion, wo er den Grundstein legte für die Defense der ‘Hawks, die jetzt die beste der N.F.L. ist. Überhaupt ist Seattle eines der besten Teams und ein Super Bowl Favorit. Da muss es für Bradley ein Kulturschock gewesen sein, denn Seattle und Jacksonville sind nicht bloß geographisch tausende Meilen entfernt – vom äußersten Nordwesten in den (fast) äußersten Südosten – sondern auch footballerisch. Die Jags sind das schlechteste Team der Liga! So schlecht, dass sich letztens sogar der lokale Broadcast-Ableger von CBS in Florida entschuldigte, das Jaguars-Spiel vertraglich übertragen zu müssen.

Jacksonville hat bisher gegen zwei der drei schlechtesten Teams von 2012 gespielt. Das dritte im Bunde waren sie übrigends selbst. Dabei haben die Jags insgesamt ganze elf Punkte erzielt. Zum Vergleich: Seattle hat gegen zwei der besseren Teams gespielt, und insgesamt ganze zehn Punkte ZUGELASSEN!

Die einzige Gefahr vor einem solchen Spiel ist der „Hangover“, das Unterschätzen des Gegners. Genau über diese Gefahr und wie er damit umgeht, hat der Cornerback Richard Sherman bei Sports Illustrated geschrieben. Sherman mag ein Lautsprecher sein, aber er hatte mal ein Scholarship bei Stanford. Richard Sherman ist nicht dumm.

Tipp: Die Jaguars sind mein Lieblingsteam in der NFL, aber nichts liegt heute ferner als ein weiteres Debakel. Das ist vielleicht auch gut so, denn es vergrößert die Chancen auf hohe Draftpicks 2014. Seattle gewinnt mit wenigstens vier Touchdowns Differenz.

Miami Dolphins – Atlanta Falcons. Atlantas Schönwetterspieler kriegen schönes Wetter in Miami. Tipp: Falcons.


Und schließlich das Sunday Night Game um 2:20 Uhr MESZ.

Pittsburgh Steelers – Chicago Bears

Das Sunday Night Game lebt mehr von den großen Namen als von der Qualität der beiden Mannschaften. Mal ehrlich: Die Steelers sind 0-2, und sie sind verdient 0-2. Die Bears sind 2-0, aber es waren die sprichwörtlichen engen Spiele, die ihnen dazu verhalfen: Touchdowns in den letzten Sekunden und Fehler beim Gegner ohne Ende. Der gemeinsame Nenner zwischen den beiden ist Cincinnati: Beide haben schon gegen die Bengals gespielt. Chicago gewann daheim glücklich mit +3, Pittsburgh verlor auswärts verdient mit -10. Wenn wir die Heimvorteile in allen drei Spielen berücksichtigen, ist Chicago trotz Auswärtsspiel mit 4 Punkten favorisiert, und in etwa so ist die gefühlte Ausgangslage auch vor diesem Spiel. Jay Cutler wird es richten.