Redskins

Rick Reilly, millionenschwerer ESPN-Blogger, thematisiert in seiner Kolumne dieser Woche den in den USA durchaus kontrovers diskutierten Franchise-Namen der Washington Redskins („Rothäute“): Have the people spoken? Mancher namhafte Sportjournalist und nicht bloß eine große Zeitung verzichten mittlerweile auf die Nennung des Teamnamens und geben als Grund Rassismus-Bedenken an. Reilly hat eine andere, eindeutige Meinung zu diesem durchaus streitbaren Agendapunkt und zählt Argumente für seine Einstellung pro „Redskins“ auf. Es gibt bessere Argumente in einer durchaus erlaubten Diskussion in beide Richtungen, aber das ist nicht der Punkt.

So weit, so gut. Der harzige Happen steckt im Schluss von Reillys Kolumne:

Trust us. We know what’s best. We’ll take this away for your own good, and put up barriers that protect you from ever being harmed again.

Kind of like a reservation.

Holy Fuck. Wer die Geschichte der amerikanischen Ureinwohner („Redskins“) und den problematischen Umgang der Weißen mit ihnen kennt (Stichwort Reservate), da läuten die Alarmglocken. Es gibt Medien, die Reilly mit so einem Statement freistellen würden.

6 Kommentare zu “Redskins

  1. Also für mich klingt das so, dass Reilly (ohne weitere Texte von ihm bzw. seine politische Gesinnung zu kennen) die Bevormundung der amerikanischen Ureinwohner durch die restliche/weiße Bevölkerung „anklagt“, indem er sie mit den damaligen (populistischen) Begründungen (das Indianer zu ihrem „Schutz“ in Reservate umgesiedelt/gesperrt/verbannt werden; wenn ich mich korrekt an den Schulunterricht erinnere) vergleicht.

    Ich persönlich finde das jetzt weniger skandalös, auch wenn es mancher als unpassend oder geschmackslos empfinden mag. Das Ganze natürlich mit dem Hintergrund, das er in diesem Falle die „Interessen“ der damals Geschädigten vertritt.
    In so einer Frage aber den eigenen Schwiegervater als eines der Hauptargumente zu nutzen ist vielleicht nicht der beste/überzeugendste Argumentationsstil.

    P.S.: Der Englischunterricht liegt schon ein paar Jahre zurück; kann also sein, dass ich das Ganze auch falsch verstanden habe… 😉

  2. Ich pflichte McManus zu 100% bei. Ausserdem sollten wir uns hier über Football unterhalten, und uns nicht in deren „Probleme“ einmischen. Tägliche Vorwürfe von angeblichem Alltagsrassismus haben wir in Deutschland schon genug.

  3. Wer mischt sich in „Probleme“ ein?

    Die Diskussion um Vereinsnamen ist im US Sport ein Thema, und sie ist generell eines, über das man nachdenken kann.

    Rick Reilly hat vor 22 Jahren in der Sports Illustrated einen leidenschaftlichen Rant über rassistische Teamnamen geschrieben und kommt nun bei ESPN mit einem diametral verkehrten Weltbild, ohne seine frühere Meinung auch nur einmal zu thematisieren. Das ist wetterwendisch und mit einer Schlussformulierung wie der obigen heikel.


    (Ich habe keine spezielle Meinung pro oder contra Teamnamen. Aber nur als Einordnung: Der einzige Profifußballverein im meinem Land heißt FC Südtirol/Alto Adige. „Alto Adige“ ist die italienische Übersetzung – offiziell geworden in der Faschistenzeit – und wird daher von einigen Gruppen abgelehnt. Kann man als Korinthenkackerei abtun oder nicht.)

  4. Ich kenne seine früheren Äußerungen nicht, aber hier versucht Reilly ganz klar pointiert darauf hinzuweisen das hier nicht die eigentlich „Geschädigten“ gegen den Namen vorgehen sondern eher – seiner Meinung nach – die Medien für sie „entscheiden was gut für sie ist“.
    Habe mich mit der Thematik nicht so intensiv beschäftigt als das ich alle Argumente kennen würde, aber Reilly argumentiert hier zum Schluss ironisierend und somit sehe ich da auch keinen Grund für eine „Abstrafung“.
    In der Sache selbst kann man sicher anderer Meinung sein ….

  5. Meiner Ansicht nach geht er sogar noch weiter and greift den gesellschaftlich and politisch akzeptierten Rassissmus an indem er die Schaffung von Reservation zynisch kommentiert. Kann man schon mal machen um aufzuzeigen das Rassismus zu bekämpfen vielleicht mehr erfordert als das Vokabular zu glätten.

  6. Eigentlich nicht. Er greift eher den Hang zu überbordenden „political corrcectness“ mit dem Argument an, WIR (das weiße America) würde sich erneut anmaßen, zu entscheiden, was das Beste für eine Bevölkerungsminderheit ist. Man braucht also nicht sehr viel Interpretationsgeschick und Lesen zwischen den Zeilen, um seine Abschlusssätze als Sarkasmus zu deuten.

    Aus europäischer Sicht ist ein Diskussion um Teamnamen auch albern. So, wie es schon vor 20 Jahren Albern war, als Eastern Michigan trotz Unterstützung der noch existierenden Huronenstämme den Nickname von Hurons auf Eagles änderte. Grundsätzlich deute ich solche Namen wie Illini, Utes oder Aztecs eher als Hommage an diese Stämme und wie bei anderen College-Team auch als historischer Bezug zu dem Gebiet, in dem sich die Uni befindet, aber auf keinen Fall als Rassismus. Ich gebe zu, dass diese These beim lange Zeit als Schimpfwort gebrauchten Wort „Rothäute“ grenzwertig ist. Die Rassismusmus-Debatte in Amerika scheint mir (wieder aus meiner europäischen Sicht) aber auch ordentlich überspitzt. Man scheint sich eher an solchen Nebensächlichkeiten wie Teamnamen oder dem humorvolle Spielen mit Klischees abzuarbeiten, als den wirklichen alltäglichen Rassismus zu bekämpfen. Frei nach dem Motto: „Wenn eine weiße Nachbarschaftspatrouille nen Schwarzen erschießt , ist das kein Rassismus sondern Notwehr! Da kann man nichts machen. Aber diese Sache mit den Teamnamen- das geht nun wirklich nicht!“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.