Die Akademische Viertelstunde, Woche 4: Das weiße Fähnchen

Vor zwei Wochen schrieb ich an dieser Stelle über eine Recherche-Artikelserie von Sports Illustrated, die sich mit jahrelangen Verfehlungen im Athletic Department an der Oklahoma State University befasste. Die Artikelserie ist mittlerweile veröffentlicht worden, und die Reaktionen darauf waren überraschende: SI.com wird von allen Seiten angefeindet. Zum ersten, weil die Recherche-Arbeit der Journalisten schlampig war. Aber es sind auch andere Phänomene zu beobachten:

  • Es ist nur „ein weiterer Skandal“.
  • Die Leute haben sich damit abgefunden, dass College-Sport abgrundtief korrupt ist. Wo es um so viel Geld geht, ist ein maroder Unterbau scheinbar latent akzeptiert.
  • Die Leute sind es satt, sich den Spaß am College-Sport nehmen zu lassen. Sie wollen Brot und Spiele.

Sind das zu pauschale Verurteilungen? Ist das der Freischuss zur Korruption? Es gibt gewisse Parallelen zur latenten Resignation in Sachen Sportpolitik in FIFA und im Internationalen Olympischen Komitee.

Stand der sportlichen Dinge

Woche vier hatte den vielleicht schwächsten Spielplan in dieser Saison. Ich hatte dennoch auf ein Highlight gehofft, in Form des Besuchs des Heimspiels der Indiana Hoosiers gegen Missouri, doch das fiel kurzfristig flach. Indiana ist eigentlich gut in die Saison gekommen und spürt mit einer attraktiven Spielweise viele Sympathien, aber Mizzou war am Ende doch zu viel und Indiana verlor zuhause mit 28:45.

Ganz oben in den AP-Rankings bleibt alles unverändert. #1 Alabama gewann locker 31:6 gegen Colorado State, und das einzige, was einige Experten darüber zu erzählen wissen, ist die Tatsache, dass Bama in den Spielen gegen kleine Mannschaften oft nicht überzeugt, und es auch diesmal nicht machte.

#5 Stanford hatte mit #23 Arizona State überhaupt keine Probleme und gewann locker mit 42:28. Die 14 Punkte Differenz sahen zur Halbzeit noch etwas anders aus: Stanford führte da bereits mit 29:0 und beeindruckte die Pollster mit seiner kraftvollen Spielweise. Es läuft für die Kalifornier alles auf den großen Saisonhöhepunkt „Heimspiel gegen Oregon“ im November hinaus.

Die einzige andere Mannschaft aus den Top Ten, die wirklich stürzen hätte können, war #3 Clemson, aber die Tigers gewannen bereits am Donnerstag Abend locker 26:14 gegen N.C. State.

Bei den Texas Longhorns beruhigten sich die Gemüter fürs erste: Das 31:21 gegen die Kansas State Wildcats war der erste Sieg über K-State seit zehn Jahren. Viel wichtiger für den nahe der Entlassung stehenden Coach Mack Brown war aber die Art und Weise, mit der die sehr farblose Offense von K-State gestoppt wurde: Keine Big Runs für K-State, Texas zum ersten Mal seit langem mit einer brauchbaren Abwehrleistung.

Das Spiel der Woche fand Freitagnacht in Fresno statt, wo im Spitzenspiel der Mountain West Conference die Fresno State Bulldogs nach einem sehr spannenden Spielverlauf die Boise State Broncos mit 41:40 besiegten. Der hoch gelobte QB von Fresno State, Derek Carr, lieferte eine wahnsinnige Leistung mit 460 Passing Yards und dem entscheidenden Touchdown kurz vor Spielende. Zusammen mit einer tollen Stimmung im Stadion bleibt von Fresno State das Bild des vielleicht besten non-AQ Teams diesen Herbst. Die Bulldogs sind 3-0 und damit nur noch eines von drei ungeschlagenen Teams aus einer der Mid Major-Ligen. Ein so markanter Sieg über Boise hilft, die Bulldogs ernst zu nehmen.

Woche 5 bietet wieder mehr Action. Wir werden noch gründlicher darauf eingehen, aber wenn Georgia und L.S.U. gegeneinander spielen, dann geht es immer um einiges in der S.E.C. Das andere klangvolle Spiel ist Notre Dame gegen Oklahoma. Bei Notre Dame werden viele nervös, weil man vor zwei Wochen gegen Michigan verlor und Michigan seither Probleme hatte, selbst schwache Mannschaften aus den kleinen Conferences zu schlagen. Wie gut ist Notre Dame ein Jahr nach der B.C.S.-Finalqualifikation noch?

Die Mercy Rule

In Abwesenheit von besseren Themen gibt es für Woche 4 nur noch die „Mercy rule“ als Aufreger. Bei Miami (Fla.) gegen Savannah State (Endstand 77:7) und Louisville gegen Florida International (Endstand 72:0) kam jeweils im letzten Spielviertel die ansonsten nur im Highschool-Bereich angewandte „Mercy Rule“ zum Einsatz: Eine Spieluhr, die in Real-Zeit tickt, und ein verkürztes letztes Viertel. Das ist sozusagen das weiße Fähnchen, das die Coaches hissen.

Die N.C.A.A. möchte die Anwendung der Mercy-Rule nur in absoluten Ausnahmefällen gestatten. Bei Florida International ist es unglücklich, weil die Panthers momentan ein sehr tiefes sportliches Loch durchmachen. Bei anderen Teams, und zwar jenen aus der F.C.S., ist der Kern der Problematik das Scheduling.

Ein Team wie Savannah State wird auch im regulären Spielbetrieb von Gleichgesinnten platt gemacht. Es gibt gute oder sehr gute Teams in der F.C.S., wie zum Beispiel North Dakota State, die jederzeit in einer F.B.S.-Conference mitspielen könnten, aber diese Teams sind die Ausnahme. Weil das momentane Regelwerk natürlich keine Unterscheidung zwischen „guten“ und „schlechten“ F.C.S.-Teams macht, sind auch zukünftig Blowouts in dieser Art möglich. Der einzige Weg, dem aus dem Weg zu gehen, ist die Teilung der F.C.S. in zwei Divisionen, ähnlich der Spaltung der früheren Division-I, die Ende der 70er Jahre in Division I-A (heute F.B.S.) und Division I-AA (heute F.C.S.) gemacht wurde, und nachfolgend ein Verbot, Teams aus der Division I-AAA (nenne ich mal so) in den Spielplan aufzunehmen.

Es hat niemand was davon, wenn Savannah State mit 70 Punkten besiegt wird und es nur keine 100 werden, weil das Fähnchen gehisst wird. Als Anschauung: Miami nahm seine Starter nach zwei oder drei Drives vom Feld. Die Stars in der Offense, Stephen Morris und Duke Johnson, hatten zusammen neun Ballkontakte.

One thought on “Die Akademische Viertelstunde, Woche 4: Das weiße Fähnchen

  1. Ich weiß nicht, wie viel es hergibt, aber eine Ergänzung könnte ich zu Penn State machen: Die NCAA wird dort einen Teil der Sanktionen aufheben und fünf Scholarships zurückerstatten. Jay Paterno (ich glaube der Sohn von Joe) hat die NCAA dafür ordentlich angepflaumt und verlangt alle Scholarships zurück:

    Das ging ziemlich schnell mit den Scholarship Rückgaben. Obwohl ich Penn State Fan bin hoffe ich dass man den Paterno Skandal damit nicht kleiner macht als er ist.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s