NFL-Gameday #4 zum Abendessen: Detroit Lions, Chicago Bears und die Krümeln zum Aufputzen

[22h33] Seattle gewinnt 23-20 in Houston in der Overtime (nach 3-20 Rückstand zur Pause). Der Depp des Tages ist CB #25 Kareem Jackson, der eine dieser Personal-Foul Strafen beging, für die man eigentlich eine Sperre für Dummheit verhängen sollte: Per Schulterwurf einen schon gebremsten Receiver zu Boden geschlagen – 15yds kassiert, Houston in FG-„Reichweite“ und K Hauschka versenkt Sekunden später.

In Buffalo beenden die Ravens ihr Trauerspiel auch mit einer Strafe gegen OLB #55 Suggs wegen Personal-Foul, und es kommt zu tumultartigen Szenen inklusive minutenlanger Diskussionen. Viel Frust bei den Ravens, die zwar immer noch 2-2 sind, aber sich wie ein 0-4 anfühlen.

[22h35] Ein eigentlich toller Punt von Shane Lechler wird von WR #81 Golden Tate aus der eigenen EndZone raus returniert, bis an die SEA 31. Mutig – und geglückt.

[22h17] Detroit gewinnt sein Heimspiel gegen die Chicago Bears 40-32. Chicago noch mit zwei langen Drives zum Anschluss, aber am Ende konnte Stafford abknien.

[22h12] Overtime im Reliant Stadium: Houstons nächste verpasste Chance: A.Johnson wird im dritten Down der Ball kurz vorm Catch aus der Hand geschlagen – Punt, Seattle kriegt nun den Ball an der eigenen 20. Field Goal gewinnt den Hawks nun das Spiel.

[22h07] Und Roethlisberger vergibt die Chance: Kassiert ohne Timeouts einen Sack und fumbelt. (sack allein wäre genug gewesen, um das Spiel zu beenden) Roethlisberger hätte es besser wissen müssen: Riskiere im schlimmsten Fall eine Intentional-Grounding, aber in dieser Situation einen Sack zu kassieren, ist echt ein übler Fehler des Quarterbacks. Pittsburgh ist sensationell 0-4.

[22h05] Pittsburgh steht nach einem spektakulären Catch im Nachfassen von WR Antonio Brown auch 22sek vor Ende an der MIN 6 bei 7pts Rückstand.

[22h04] Seattles Defense hält. 28sek vor Schluss muss Houston punten.

[21h52] HOU 20, SEA 20/Q4 2:40. Unglaubliche Szene in Houston: 3rd-Down, die Seahawks gehen komplett mit dem Spielzug nach links mit, außer einem: CB #25 Richard Sherman. Schaub wirft den Play-Action Pass rechts raus, aber Sherman springt dazwischen und macht den Ausgleich per INT-Return TD! Fassungslos.

(Chicago mit dem 22-40 durch Jeffery und dem 24-40 durch Jeffery)

[21h47] Monströser Druck der Texans, die aber auch die Disziplin haben, Wilson nicht aus der Pocket laufen zu lassen; Wilson wirft einen gewagten Ball, und CB #24 joseph macht die INT! HOU beginnt nun an der eigenen 43.

[21h44] Ausgangslage in Houston: Texans führen 20-13, aber die Stimmung ist gen Seattle gekippt. Die Seahawks scorten eben den Anschluss-TD durch einen 2yds-Run Lynch, dann wurde Houstons Offense blitzschnell gestoppt, und es bleiben noch 6:18 Minuten um auszugleichen. Seattle beginnt an der HOU 47.

Detroit Lions – Chicago Bears

[21h42] DET 40, CHI 16/Q4 8:57. Paar „Sidearm“-Pässe Staffords, die im Gegensatz zum letzten Jahr ihre Abnehmer finden (in Form von #18 Durham) und schwupps, Detroit mit dem nächsten Field Goal. Spiel entschieden, ich switche mal hinunter nach Houston, wo es eine spannende Schlussphase zu werden verspricht.

[21h34] Cutler hat heute aber auch einen schwachen Tag mit vielen unnötigen schlechten Bällen ohne Druck. Hatte eben Glück, nicht eine vierte INT zu kassieren. Chicago 0/9 bei dritten Downs.

[21h25] DET 37, CHI 16/Q3 0:20. Turnover-Festival geht weiter: DT Suh bricht im dritten Down mal wieder durch, schlägt Cutler mit einer Art „Swim-Move“ den Ball aus der Hand und DT-Kollege #98 Fairley nimmt den Ball auf und trabt die paar Yards in die EndZone.

Chicago hatte im dritten Viertel etwas Erfolg mit einem zusätzlichen Vorblocker an der Anspiellinie; der fehlte zuletzt wieder. Schon waren Suh/Fairley wieder in jedem Snap meterweit im Backfield.

[21h23] Riskanter Pass Staffords auf einer Slant-Route, INT durch S Wright. Konnte ich nicht genau sehen und ergo auch nicht besser beurteilen. Nächste verpasste RedZone-Chance der Lions.

[21h16] Good Cutler: Drittes Down, toller Ball für WR #80 Bennett, aber OG #75 Long kriegt ein Facemask gegen #90 Suh gepfiffen. Erneut drittes Down, diesmal dritter und 18: Jetzt wieder Bad Cutler, der zwar Zeit kriegt und sekundenlang an der Line of Scrimmage wartet, aber dann überfeuert, direkt in die Arme des Safetys. INT #26 Delmas, Cutlers dritte INT.

[21h09] Nächster schneller Punt der Lions, die nur ein 1st-Down hinkriegen. Detroit ist nun 2/8 bei dritten Downs (Chicago allerdings noch schlechter: 0/7). Im zweiten Down wurde TE Pettigrew angespielt und anschließend von zwei Bears-Safetys in die Zange genommen. Pettigrew sah nachher nicht fit aus, trabte erstmal in Richtung der falschen Sideline.

[21h05] Ich hab jetzt die Verletzung von Seattles DE Michael Bennett gesehen, und rate nicht, es nachzumachen. Bennetts Nacken wurde übel zusammengestaucht, und nach minutenlanger Behandlung wurde er sachte aus dem Stadioninneren gefahren. Bennett soll aber seine Extremitäten mittlerweile wieder spüren.

[21h02] DET 30, CHI 16/Q3 9:05. Cutler mit zwei tiefen Bomben: Erst für WR Marshall – riskanter Pass, der locker hätte auch schief gehen können. Dann für WR Jeffery, der einen schwierigen Catch in enger Doppeldeckung macht – fabulöser Catch. In der RedZone hält die Lions-Coverage – Trestman nimmt das Field Goal.

[20h58] Punt auch der Lions.

[20h52] Back in Motown. Chicago wieder mit einem Three’n’out, und danach mit einem weiteren dieser schlechten Punts, die nur den Returner davon abhalten sollen, an den Ball zu kommen. Spurlock hatte einen langen Return, ja. Aber warum schenkste in der Folge in jedem Punt dem Gegner 10-15yds durch diese kindischen Punts?

[20h50] Mal kurz hinüber gegangen ins Wembley-Stadion (just kidding), und Steelers-QB Roethlisberger geht tiiiiiiiiieeeeeeeeuuuuuuuuuuuuuuuuuf für WR #84 Brown, gegen sich sich der Vikes-DB mit der #21 nur mit Pass-Interference zu helfen weiß (war die wirklich notwendig?). Zwei Plays später versenkt RB #26 Bell und im Hintergrund rauscht ein extrem tiefer Stadionsound aus dem Wembley-Stadion durch den Äther.

[20h47] Eindrücke aus dem dritten Viertel und Stats vom kompletten Spiel lassen eine famose Vorstellung der Browns-Defense gegen Cincinnati vermuten. Die 3-4 klappt hervorragend, NT Phil Taylor ist lt. Kommentatoren der Schlüsselspieler.

[20h40] Furchtbar pathetische Schlussminute, die die Baltimore Ravens in Buffalo spielen. Die Ravens haben sieben Punkte zustande gebracht und die kamen aus einem 27yds-Drive.

[20h35] Halbzeit Detroit 30, Chicago 13. Langer Ball für WR Jeffery, der jenem INT-Pass vorhin ähnelte, aber diesmal springt S Quin zu spät in den Ball und die Bears kriegen Catch und noch drei Punkte vor der Pause.

Ansonsten eine Klassevorstellung der Detroit Lions in dieser ersten Halbzeit. Die Führung ist vielleicht einen Score zu hoch, weil doch viele Events zusammenkommen mussten, damit diese Punkteexplosion Mitte zweites Viertel zustande kam, aber nichtsdestotrotz ist das eine massive Vorstellung: Letzte sieben Drives: FG, FG, FG, TD, TD, TD + der verlorene Fumble Staffords.

Offense: Staffords Pässe sind nicht alle präzise, aber Stafford vermeidet die riskanten Würfe (drei zu hohe Würfe, die alle für freie Receiver gewesen wären). Laufspiel klappt über den besten aufgelegten RB Bush sensationell (Bush mit 11/112 und TD, plus 3 Catches für 24yds). Bei den Tight Ends Scheffler mit einem bitterbösen Drop im dritten Down, aber danach zwei wertvollen Catches.

Defense: Die Line um DT #90 Suh pulverisiert die OL der Bears. Vor allem die Guards haben keine Chance. Cutler muss oft früh werfen. Dahinter haben die Linebackers freie Hand, das Defensive Backfield mit wohl recht solider Coverage, ansonsten würde Cutler manchmal schneller werfen. Jo, es gab zwei lange Runs, wie schon in Woche eins der eine lange Run gegen Peterson zugelassen wurde. Aber wenn die Schotten für den Rest des Spiels so massiv dicht gemacht werden, nehme ich das gern in Kauf.

30 Punkte sind vielleicht ein paar zu viele. Aber nicht vergessen: Detroit hätte mit einem Fetzen mehr Konsequenz in der RedZone (oder mehr Eiern des Coaches) noch mehr scoren können.

Spiel lebt noch, Chicago kriegt als erstes den Ball nach der Pause.

[20h33] 21sek vor der Pause grabscht #90 Peppers Stafford das Ei aus der Hand, Fumble, Turnover.

[20h22] DET 30, CHI 10/Q2 2:43. Reggie Bush x2. Zuerst für 15yds, Fumble, aber der hinterherhechelnde Calvin Johnson sichert den Fumble. Nächstes Play, wieder Bush, wieder großes Loch aufgeblockt und Bush zündet den Nachbrenner und explodiert förmlich aus dem Stand nach einem Sprung.

[20h19] Erneutes Three’n’Out der Bears-Offense, die von der Wucht der Lions-DL komplett übermannt wird. Lauf für -2yds, Sack gegen Cutler und ein kurzer Checkdown. Lions beginnen an der Spielfeldmitte.

[20h15] DET 23, CHI 10/Q2 5:47. Grottenschlechter Wurf von QB Cutler, der vom hinteren Fuß aus eine Bogenlampe rechts downfield loslässt, die dem einfach wartenden S #30 Quin in die Hände fällt. Quin returniert an die CHI 2, C. Johnson verwertet im nächsten Spielzug mit artistischem Catch zum TD.

[20h10] DET 16, CHI 10/Q2 6:09. Stafford für Johnson, 9yds. Bush für ein halbes Yard. Im dritten Down wird geworfen, und TE Scheffler hält den Ball diesmal fest an die 0,5yds Line. Dann kommt der QB-Sneak, und Stafford muss bei Brady Nachhilfe gehen: Stafford fumbelt den Ball in die EndZone hinein und während ich Hotelmobiliar aus dem Fenster werfe, fasst Stafford nach und scort doch noch den TD. Brady hätte das besser hingekriegt, aber gut: Endlich mal die gute Ausgangslage zum TD verwertet.

[20h05] Jetzt wieder eine erstklassige Serie der Lions-Defense, die jetzt die Offense Line der Bears dominiert. Punt, und #15 Spurlock mit einem sehr guten Return hinein an die CHI 22yds Line. Spurlock braucht danach eine Prise Sauerstoff.

[19h59] DET 9, CHI 10/Q2 10:21. Erneut ein vielversprechender Lions-Drive mit viel gutem Laufspiel über RB Bush zu Beginn, dann einigen guten Passspielzügen über TE Scheffler, aber schon wieder scheitert ein 3rd-und-1 in der RedZone (diesmal ein Drop von Scheffler) – und schon wieder wird das Field Goal gekickt. Detroit hat minimum 4-8 Punkte schon verschenkt.

[19h49] DET 6, CHI 10/Q2 13:44. Kompletter Zusammenbruch der Lions-Laufdefense, die sich erst vom End-Around des WRs #17 Jeffery verarschen lässt und ein Play später kommt RB #22 Forté ohne Berührung durch und läuft 53yds zum TD durch. Zwei Plays der Bears. 80 Yards.

[19h44] DET 6, CHI 3/Q2 14:28. Stafford hat heute mal wieder ein eher lockeres Abzugshändchen mitgenommen und überwirft seine Receiver in dieser Anfangsphase. Zweite Chance der Lions in der RedZone, zweites Mal muss man mit dem Trostpreis Vorlieb nehmen.

[19h34] Exzellente Serie für Detroits Defense: Erst wird die Pocket mehrfach zusammengefaltet, dann im dritten Down springt FS #26 Delmas schnell in einen für WR Jeffery gedachten Ball; lt. Kommentator Billick war Cutler wohl zuallererst auf Rookie-CB Slay gegangen.

[19h27] DET 3, CHI 3/Q1 2:40. Vom Drive hab ich nicht allzuviel gesehen, aber Schwartz kehrt bei 4th and 1 innerhalb der Bears 10yds Line wieder in tiefste Steinzeit zurück und lässt das Fieldgoal kicken. Meine am Vormittag geäußerten Hoffnungen auf Besserung im PlayCalling haben sich schnell zerschlagen.

[19h15] DET 0, CHI 3/Q1 8:35. Recht einsames Leben, das QB Jay Cutler in seiner Pocket lebt. Cutler mit einigen schönen Pässen (z.B. für #83 Bennett), aber der schönste Catch zählt nicht: WR Marshall ist in der EndZone mit einem Fuß aussm Spielfeld. Daher nur ein kurzes Fieldgoal für Chicago.

[19h09] Zarte Versuche der Lions, ihr Offensivspiel um RB #21 Reggie Bush aufzuziehen: 3 Läufe, ein Anspiel. Das funktioniert relativ gut, aber die anderen beiden Pässe, die Stafford warf, waren überworfen. Somit Punt.

[18h42] N’Abend aus London – aber nicht von NFL-International. Ich bin anderweitig hier. NFL hab ich nur gestern kurz geschnuppert, als ich am frühen Nachmittag kurz in der Regent Street vorbeischaute, wo sich Steelers und Vikings einer gesalzenen Menschenmenge präsentierten. Okay, Vikings ist eine Annahme, da ich nur Pittsburghs Protagonisten erspähen konnte: Mike Tomlin, Roethlisberger und die Steelers-#24 (Ike Taylor?) standen für ein paar Minuten auf einem recht niedrigen Podium einem hageren alten Mann Frage und Antwort. Ein paar Minuten später mischte sich Roethlisberger soweit ich sehen konnte unter die Menschen, um ein paar Autogramme zu geben.

Generell fand ich den Auflauf recht groß. Die Steelers-Fans waren ziemlich präsent, und es waren gewiss nicht bloß Briten, die da rumturnten. Ich hab kurz mit Holländern und Dänen gesprochen, aber weil ich quasi keine Zeit hatte um mich länger umzuschauen, kann ich wenig Substanzielleres beitragen.

Okay, eins noch: Es war ziemlich viel „Jacksonville Jaguars“ da: Ein Jaguars-Maul als Eingang, durch den man sich in die NFL-Zone schlängeln konnte, und ein Jaguars-bemalenes Auto. Es wird schon ein klein wenig die Werbetrommel für das neue „London-Team“ gerührt. Dazu aller Schnickschnack wie testweise Football spielen für Kleinkinder und Hüpfburgen in den Mannschaftsfarben von Vikes und Steelers.

Heute kündige ich gleich mal an, dass ich mich im Liveblog primär anderen Spielen widmen werde. Zu Vikes-Steelers gibt es in den nächsten Tagen vielleicht noch einen Lokalaugenscheinbericht ausdann wirklich allererster Hand.

Vorschau zu allen Spielen habe ich schon am Vormittag online gestellt.

NFL-Sonntagsvorschauer 2013, Week #4

Einer der Vorteile, wenn man einen kompletten Spieltag aussetzt und sich in den freien Minuten der danach folgenden Tage haufenweise Condensed-Tapes durchschaut: Man kriegt 10-12 Spiele vorgesetzt, die man spoilerfrei sehen kann. Der Nachteil: Es dauert fast bis zum nächsten Spieltag, bis man alle Ergebnisse und Spiele kennt. Daher fiel diese Woche das Performance-Barometer aus. Es wird nun in aller Kürze nachgeholt. STL-SF hab ich noch nicht gesehen und kenne noch kein Ergebnis. Das Power-Ranking habe ich schon einmal durchlaufen lassen, aber mit den alten Koeffizienten; die nonlineare multivariate Regression für die Ermittlung der Koeffizienten werde ich erst am Dienstag oder Mittwoch durchführen können. Daher ein letztes Mal Grüppchenbildung.

Weekometer 3

CU in February Fraktion: Seattle | Denver. Die beiden stehen unüberraschend im provisorischen Power-Ranking ganz oben, und es ist not even close. Sie sind dem Rest der Liga momentan meilenweit voraus.

Rest der Top-Ten: New Orleans | Atlanta | NY Jets (!) | Indianapolis | Detroit | Kansas City | Miami | NY Giants (!). Die Colts haben die zweitbeste Lauf-Offense und sind das mit riesigem Abstand disziplinierteste Team, wenn es nach Penaltys geht. Miami ist in letzterer Kategorie übrigens Zweiter. Detroit hat die drittbeste Pass-Offense. Die Jets machen mich ziemlich baff, aber es ist wahr: Recht solide Pass-Offense und zweitbeste Pass-Defense nach Seattle. Die Giants sind zwar 0-3, aber das Modell sieht in ihnen eine gute Pass-Offense, eine INT-Quote des QBs, die nach Regression förmlich schreit (7.6% INT-Quote ist irre) und ein extrem diszipliniertes Team; plus: NYG hatte den schwersten Schedule bisher, und das mit Abstand.

Middle Class (11-20): Dallas | New England | Carolina | Tampa Bay (!)| Buffalo | Philadelphia | Houston | Cincinnati | Tennessee | San Diego. Carolina ist nirgendwo herausragend, hatte aber den zweitschwersten Schedule. Tampa sticht auch hervor: Superbe Pass-Defense und gespielt gegen den drittschwersten Schedule. Chargers werden durch eine „Flop 3“ Pass-Defense runtergezogen.

Graue Mäuse (21-28): Oakland | San Francisco | Green Bay (!)| Pittsburgh | Cleveland | Chicago (!!) | Minnesota | Baltimore (!). Chicago wird vom Modell wegen seiner viertschlechtesten Pass-Defense verachtet; die Bears hielten sich durch extremst viele Turnover und Return-TD bisher über Wasser – sie werden Regression zur Mitte erleben. Auch Baltimore ist so ein Fall: Sie sind in allen Kategorien weit unterdurchschnittlich. Der Kantersieg über Houston war z.B. u.a. zwei Return-TDs mit zu verdanken, das ist nicht zu halten. Green Bay wird durch die drittschlechteste Pass-Defense abgestraft, und weil es bisher kaum INTs fing, konnte man dies nicht kaschieren.

Bodensatz (29-32): St Louis | Arizona | Washington | Jacksonville. Eigene Kategorie für dieses Quartett, weil es im Modell meilenweit hinter den Ravens die letzten vier Plätze besetzt. Rams haben eine schwache Pass-Defense, Cards sind in beiden Pass-Statistiken weit unter Durchschnitt. Redskins haben die mit Abstand schlimmste Pass-Defense, Jacksonville völlig unüberraschend die mit weitem Abstand schlechteste Pass-Offense.

Nochmal: Vieles an diesem Modell ist noch unscharf, a) wegen der noch relativ kleinen Datenmenge und b) wegen der noch nicht aktualisierten Koeffizienten. Das Modell kratzt sich nicht um den Record einer Mannschaft, sondern versucht, die stabilsten Statistiken für Sieg und Niederlagen zu messen und sie für Down und Schedule zu adjustieren – es ist ein Modell, das versucht, künftige Leistungen zu schätzen.

Der TV-Sendeplan von heute

SPORT1 US hat heute folgendes Programm im Petto:

19h    Houston – Seattle
19h    Pittsburgh – Minnesota (*) (Wembley-Spiel)
22h25  Denver – Philadelphia
22h25  San Diego – Dallas (*)
02h25  Atlanta – New England

Die mit (*) gekennzeichneten Spiele laufen bei SKY im Multifeed-Kanal.

PULS4 bringt ab 22h30 die Partie Denver BroncosPhiladelphia Eagles.

Abendmahlzeit um 19h

Zwei Ansetzungen haben Spitzenspiel-Charakter: HoustonSeattle ist zwar ein Interconference-Spiel, aber beide sind die Favoriten in ihren jeweiligen Divisions, und beide sind noch ungeschlagen. Die um Welten besseren Eindrücke hinterließen dabei allerdings die Seahawks. Die Texans stehen im Ruf, gegen die Liga-Elite nur allzu schnell den Schwanz einzuziehen und zu abhängig von ihrer Front-Seven zu sein. In diesem Matchup gibt es die Chance, das Gegenteil zu beweisen: DE Watt und ILB Cushing gegen die heiß/kalt Protection der Hawks? Diese Front-Seven ist bisher die beste Lauf-Defense der Liga. Der zweite Vorteil pro Houston: Die laute Heimspielatmosphäre. Auswärtsspiele in lauten Stadien behagen Seattle nicht. Ich kann mir einen Texans-Sieg zwar ausmalen, aber die Seahawks sind mir zu gut drauf, als dass ich hier gegen sie tippen möchte.

Detroit Lions (2-1) – Chicago Bears (3-0) ist die andere nominelle Top-Paarung, und diesmal ist es ein Divisionsduell. Die Bears haben mich bisher nicht vollends überzeugt, aber es gibt positive Anhaltspunkte vor allem die besser funktionierende Offense um QB Cutler. Auf der anderen Seite wird die Leistung der Bears vielleicht durch bereit oben angesprochene Return-TDs geschönt: Man war gegen Cincinnati die schwächere Mannschaft, brauchte gegen Minnesota alles Glück der Welt und hatte gegen Pittsburgh eine schwer zu haltende +5 Turnover Ratio.

Detroit ist Detroit: Das Gesamtbild der Mannschaft sieht in etwa gleich aus wie letztes Jahr mit einer Prise mehr Konsequenz. Zuletzt hatte RB #35 Bell einen relativ guten Tag als Bush-Ersatz, aber im Laufspiel ist immer noch viel Leerlauf. HC Schwartz sammelte mit seiner 4th-Down Entscheidung gegen Spielende mächtig Pluspunkte: Schwartz‘ letzte 12 Monate als Entscheider an der Seitenlinie waren so desaströs, dass ich ihm schon die Qualität absprechen wollte. Das ausgespielte 4th Down gegen die Redskins zeigte, dass der studierte Ökonom (und einst als Wunderkind des Football-Pragmatismus gepriesene) Schwartz doch noch so etwas wie Spielgefühl besitzt.

So. Lions vs Bears. Seit etlichen Jahren gibt es dabei einen Knackpunkt: WR #81 Calvin Johnson gegen CB #33 Charles Tillman – gegen keinen direkten Gegenspieler hat Johnson mehr Probleme. Auf der anderen Seite war Chicago in den letzten Jahren für Detroit immer ein schlagbarer Gegner, gegen den nur ein einziges Mal hoch verloren wurde.

Tampa BayArizona ist das Duell zweier strauchelnder Offenses gegen jeweils recht gute Defenses. Die Buccs stehen bei 0-3 und haben den QB-Wechsel von Josh Freeman auf den Rookie Mike Glennon bereits unter der Woche vollzogen. Ich mag den Wechsel nicht, aber das hat in erster Linie persönliche Gründe: Josh Freeman ist mein aktueller NFL-Lieblingsspieler. Er hatte lichte Momente dieses Jahr, aber viel zu wenige. Der Wechsel schießt die Buccs nicht automatisch ab: Die Pass-Offense war wirklich schwach bisher, und viel tiefer wird sie mit Glennon auch nicht fallen.

Die 0-3 Bilanz täuscht aber auch hinweg: In beiden der ersten zwei Spiele machte man trotz lauer Leistung jeweils genug um zu gewinnen, verlor dann aber durch Field Goals in letzter Sekunde. Gegen New England verlor man höher, aber es war auch Pech dabei, u.a. bei vier ausgespielten 4th-Downs viermal gescheitert.

Es gibt Stimmen, die vermuten, dass HC Schiano das nichtmal so unrecht war: Schiano hatte zuvor wegen seines konservativen Handlings gegen die Saints in der Kritik gestanden, u.a. weil er seinen QB Freeman die drei Yards in einem entscheidenden 4th-Down nicht zu getraut hatte. Jezz kann Schiano die harten Nippel rausstellen und sagen, seht es euch doch an! Er hat’s ja doch nicht drauf.

Alleur: Spiel der letzten Hoffnung für die Buccs. Und das Debüt des dritten Rookie-QBs dieses Jahr.

Bei Jacksonville (0-3) – Indianapolis (2-1) gehen die Colts nach zwei richtig guten Vorstellungen als klarer Favorit ins Rennen. Das Ding letzte Woche in San Francisco war der Statement-Sieg der Colts; bisher waren es zumeist knappe, kämpferisch gute, aber spielerisch schon seeehr wackelige Siege gewesen oder einfach eine geile Story (Chuckstrong vs Packers 2012). Aber dann nach San Francisco zu fahren und die 49ers (die FOURTYNINERS!) so zu plätten, das hatte was. Beste Vorstellung der Colts seit HC Paganos Einstellung. Wenn das kein einmaliger Ausreißer war, sondern die in den letzten beiden Spielen gezeigten Ansätze „for real“ sind, sind die Colts Playoff-Anwärter. Im Power-Ranking Erstansatz von 2013 scheinen die Colts jedenfalls auf Platz 6 auf, was ein gutes Zeichen für den Rest der Saison ist.

Kansas CityNY Giants, oder wie es Kollege Herrmann schrieb:

Nächste Woche reisen die Giants nach Kansas City zu Eintracht Langeweile – allerdings haben diese in der Verteidigung mit Tamba Hali und Justin Houston noch bessere pass rushers als Carolina. Das wird dann entweder der Saisonabschluß der Giants oder der Beginn der alljährlichen Aufholjagd.

Für die Giants ist es das gefühlte Rematch des NFC-Finals 2011/12. Zumindest ist der Gegner eine 1A-Kopie, sogar im richtigen Farbton.

MinnesotaPittsburgh ab 19h aus dem Wembley-Stadion als erster Part der heuer zweiteiligen „International Series“ (am 27.10. kommt JAX-SF) der NFL. Alle beide sind sieglos gestartet. Vor allem die Steelers sind bereits im Alarm-Modus und auf der Suche nach ihrer Offense. Einen sehr bedachten Artikel zum Thema „Wie rette ich die Steelers-Offense?“ hat Mike Tanier in seinem Blog verfasst.

Kernproblematik der Steelers neben dem katastrophalen Laufspiel (25% Success-Rate ist so unterirdisch, dass sie fast von allein besser werden muss) sind bisher alerdings „glücklicherweise“ die Turnovers: Sie verlieren in der Offense in unglaublichen 6.2% der Spielzüge den Ball durch Fumble. Ligaschnitt ist heuer 2.3% und war in den letzten Jahren immer so um die 1.2% (wird sich auch dieses Jahr dahin bewegen). Man denke mal drüber nach: Pittsburgh hatte in nur drei Spielen so viele Lost Fumbles wie man normalerweise in einem ganzen Jahr verliert! Das wird besser werden. Auch Roethlisberger wird nicht ewig 3.6 INTs pro 100 Passversuchen werfen. Und dass die Defense noch nicht einen einzigen Turnover kreierte, hilft auch net.

Ich würde Pittsburgh trotz aller offensichtlichen Probleme schon allein wegen „Regression zur Mitte“ in angesprochenen Kategorien nicht abschreiben. Yup, der erste Monat war schlecht, aber es waren jetzt bei allen Problemen auch keine totalen Blamagen gegen Titans (ein Score Differenz), @Bengals (AFC-Mitfavorit) und @Bears (eingangs viertes Viertel nur ein Score Differenz, exzellente 3rd Down Defense). Alleine regelt die natürliche Regression logisch nicht alles, aber sie wird helfen.

Minnesota, das Team mit den dicksten Eiern, das einfach weiß, wie man enge Spiele gewinnt (letztes Jahr 5-1) ist dieses Jahr 0-2 in Spielen mit einem Score Differenz, mit zwei Pleiten in den finalen Sekunden. Problematisch dort ist vor allem der leblose Passrush und eine indiskutable Front-Seven. Dass RB Peterson keine 4yds/Carry zustande bekommt, ist ein Problem der vielen „9 men boxes“, die man sich als Gegner erlauben kann, weil die Vikes ein bestenfalls durchschnittliches Passspiel um QB Ponder aufziehen.

ClevelandCincinnati als Ohio-Derby. Die Browns zuletzt mit einer couragierten Leistung, aber ob das gegen diese Bengals reicht? Diese Bengals, die zwar nicht kritikfrei im Angriff sind, aber nach dem fulminanten Comeback-Heimsieg über Green Bay auch der Wahrnehmung der großen Medien im Kreis der möglichen AFC-Kandidaten angekommen sind?

Die 22h-Spiele

Die nominelle Top-Paarung ist Denver Broncos (3-0) vs Philadelphia Eagles (1-2). Denver ist zwar im Power-Ranking die #2, aber dennoch etwas schwer einordenbar: Drei glatte Siege über Gegner, die bisher sonst nicht viel gerissen haben (Baltimore, Giants, Oakland). Klare Siege über inferiore Konkurrenz ist das Zeichen einer dominanten Mannschaft, aber Denver ist im Augentest noch nicht bei 100%: Zweimal war das eine eher zähe Geschichte in der ersten Halbzeit, und der Passrush in der Abwehr ist eher so mittelmäßig zu verorten. Okay, OLB Miller fehlt noch immer, aber dennoch: Ein komplettes Team ist Denver noch nicht, und 8.9 NY/A sind auch für einen QB Peyton Manning nicht zu halten.

Auf alle Fälle ist die Eagles-Offense heute Abend aber die beste Offense, die Denver bisher gesehen hat. Wobei: Die Iggles sind noch ein kleines Rätsel. Dem furiosen Auftakt gegen Washington folgten ein lala-Spiel gegen San Diego und ein Grottenkick gegen Kansas City. In allen Spielen gab es zwischendurch Drives, in denen alles „klickte“ und in drei Plays waren die Eagles drunten in der EndZone. Aber in den letzten beiden Wochen gab es immer mehr Stotter-Drives.

Einiges kann man an der Offense Line festmachen: Die war im ersten Spiel nicht völlig überzeugend, aber noch akzeptabel. Im zweiten gab es Risse gegen den Einmann-Passrush Dwight Freeney. Im dritten war das eine Katastrophe. LT #71 Peters allein wurde von Hali fertig gemacht, der OT #68 Lane Johnson von Houston regelrecht gedemütigt. Dahinter zeigten sich bei QB Vick altbekannte Schwächen in Form von schnellen und überhasteten Pässen.

Zwei Erklärungsansätze für die Eagles-Formkurve bisher: Die gegnerische Abwehr wurde mit jedem Spiel eine Klasse stärker. Und die neu installierten Konzepte des Chip Kelly (v.a. das rasende Tempo) sind noch nicht völlig in der Team-DNA, was verständlich wäre. Fast alle Teams erlebten diese growing pains.

Denver halte ich in diesem Spiel für klar favorisiert: Sollte die Broncos-Defense tatsächlich allzu große Probleme mit Vick und Kollegen kriegen, hat man immer noch Manning gegen die alles andere als überzeugende Iggle-Defense.

OaklandWashington ist die Partie, bei der es für die Redskins händeringend darum geht, den ersten Saisonsieg einzufahren. Wenn es für die Skins gegen die Raiders nicht klappt, wann dann? Und immerhin: Zuletzt gab es aufsteigende Tendenz: Daheim gegen die Lions konnte man ein relativ offenes Spiel gestalten. Die Offense um RG3 funktioniert erwartungsmäßig besser mit zunehmendem Saisonverlauf: RG3s Würfe kommen besser, auch wenn es oft noch etwas zögerlich wirkt. Die grottenschlechte Secondary sollte mit den Raiders eines der einfachsten Lose bekommen: So beherzt Terrelle Pryor in seinen ersten Spielen aufgeigt, so ist es doch zu wenig konstant, was Pryor fabriziert. Redskins-DefCoord Haslett muss seinen Gameplan ironischerweise in erster Linie darauf ausrichten, Pryor zum Werfen zu zwingen.

Ab 22h05 übrigens auch im Programm: Jets @ Tennessee, eines der Spiele mit dem meisten Slapstick 2012. Diesmal allerdings ohne QB Sanchez. Dafür mit der Frage, welche Penalty-Rekorde New York heute brechen wird.

Um mir nicht vorwerfen lassen zu müssen, ich hätte was vergessen: Zu San DiegoDallas fällt mir net allzu viel ein. Chargers-QB Rivers bislang viel besser als erwartet, die Mannschaft macht insgesamt kaum Fehler und begeht wenige Strafen, aber die Defense ist relativ abhängig von 1-2 Einzelspielern (DE Freeney, S Weddle). Dallas ist mal so, mal so. Aber letzte Woche schossen sie die Rams so dermaßen ab, dass ich keine Ahnung habe, was das Gesicht der Boys ist. Eigentlich hätte St Louis von der Anlage alle Waffen gehabt, um Dallas Paroli zu bieten, aber schon nach wenigen Spielminuten war klar, wo der Hammer hängt.

Sunday Night Game

Das Sunday Night Game Atlanta Falcons (1-2) vs New England Patriots (3-0) ab 02h20 verspricht einiges an Erkenntniswert. Die Pats sind ein 3-0 Team, dem man am liebsten misstraut, aber es gibt trotz Holperstart positive Signale, und das nicht nur wegen der Siege.

Die Offense sah zwei Spiele lang komplett asynchron aus; gegen Tampa kam erstmals etwas Leben rein. Man muss bei rundumerneuertem Spielerpersonal aber auch von anfänglichen Wehwehchen ausgehen, vor allem wenn der wichtigste TE Gronkowski und der zweitwichtigste WR Amendola verletzt ausfallen. Die jungen WR #85 Thompkins und WR #17 Dobson sahen in den drei Spielen bisher extrem viele Bälle, und obwohl es brutal viele Drops und suboptimales Timing gab: Es waren auch die toughen Catches dabei, die dir nicht jedermann macht. QB Brady fiel zwar durch Wutanfälle auf, aber so ganz schuldlos scheint mir Brady auch nicht zu sein: Zumindest gegen Jets und Buccs waren das auch von Brady Wackelspiele mit mehr als einer Handvoll abmahnwürdigen Würfen.

Auf der anderen Seite wird die Pats-Defense nicht ganz zu Unrecht für einen ordentlichen Saisonstart gelobt, aber die gegnerischen Offenses waren halt auch eher untere Schublade: Manuel/Buffalo, Smith/Jets (mit Abstrichen zumindest) und Freeman/Buccs rissen bis dato gegen keine Defense Besonderes. Der Gewinn zu den Vorjahren: New England hatte damals teilweise selbst gegen solche Offenses Probleme.

Bei aller guter Front-Seven sind DE #95 Chandler Jones und CB #37 Dennard frustrierende Spieler, weil sie immer nach einem großen Play wieder für drei Spielzüge abtauchen und schwer erklärbare Bolzen begehen; junge Spieler: ja, aber die Pats müssen auf diese Herrschaften bauen, wenn sie in den Superbowl wollen.

Atlanta habe ich erst zweimal gesehen. Die Offense gab zweimal relativ schnell das Laufspiel auf, obwohl es so schwach nie aussah. Die Offense Line hat einige Probleme über ihre linke Seite. Die Defense ist vor allem in der Secondary besser als befürchtet (CB Alford gefällt mir außerordentlich), aber wo bitteschön soll der Passrush kommen?

Atlanta hat den Heimvorteil und ist wohl der bislang kompletteste Gegner, den New England in dieser frühen Saisonphase sieht. Gut möglich, dass eines der Schlüssel-Matchups sein wird, ob der wie ein Linebacker gebaute CB #31 Talib mit seiner physischen Spielweise den WR #11 Julio Jones in den Griff bekommen kann. Ist Jones ausgeschaltet oder eingebremst, wird es für Atlanta schwierig. Atlanta ist aber extrem heimstark, deswegen halte ich die Falcons hier für favorisiert.

(Green Bay und Carolina haben spielfrei)