Die Baltimore Orioles haben es nicht geschafft,

sich für die Playoffs zu qualifizieren. Ein Jahr nach dem sensationellen 93-69 Lauf inklusive Playoff-Quali stürzten di O’s auf 85-77 ab und verpassten die MLB-Playoffs deutlich. Wie viel schlechter waren die O’s?

Nun, nehmen wir die Pythagoreische Erwartung her: Nach dieser verbesserten sich die O’s von letztem Jahr auf dieses Jahr, und zwar von 82-80 (2012) auf 85-77 (2013). Woran lag der Absturz also? Batting-Probleme? Schwache Nerven? Ein leerer Medizinschrank?

Nope. Die Antwort lautet: One-Score Games, oder besser: One-Point Games. Ein Jahr nach der sensationellen 29-9 Bilanz in Spielen mit einem Punkt Differenz, der besten solchen Bilanz in der mehr als 100jährigen MLB-Geschichte, stürzten die “Clutch”-O’s auf den 28ten von 30 Plätzen in der “Clutch”-Rangliste ab und gingen 20-31 in Spielen mit einem Punkt Differenz.

Das ist der Unterschied. In einer Sportart wie Baseball, in der jedes einzelne Spiel fast ein Münzwurf ist, viel mehr noch als in der NFL, gleichen sich Glück und Pech oft über 162 Saisonspiele in etwa aus. Aber nicht immer. Die O’s 2012 und 2013 sind ein weiteres Indiz dafür, wie viel Zufall generell im Sport und insbesondere in den recht „sozialistisch“ aufgebauten US-Profisportligen herrscht. Du kannst deine Mannschaft danach zusammen- und aufstellen, dass sie möglichst viele Hits und Runs macht und möglichst wenige kassiert, aber du kannst dich nicht darauf verlassen, dass die Runs immer im rechten Moment gemacht oder verhindert werden.

Monday Night Game, #4: New Orleans Saints – Miami Dolphins Preview

Ich wundere mich ja eigentlich immer, wenn ESPN für sein Monday Night Game Interconference-Spiele zwischen Teams auswählt, die nicht zur absoluten Liga-Elite gehören, aber die heutige Paarung (ab 02h30 SPORT1 US) hat es nach den bisher gesammelten Eindrücken in sich: New Orleans Saints (3-0) gegen Miami Dolphins (3-0), beide ungeschlagen, und beide durchaus recht überzeugend ungeschlagen.

Die Saints hatte ich vor der Saison schon auf dem Radar gehabt: Exzellente Offense, ein hervorragender Trainerstab, eine Defense, die schlicht besser werden musste, von Pech geplagtes 2012. Anders die Dolphins, bei denen ich mir ob des Erfolgs des massiven Kaderumbaus nicht sicher war. Beide Teams haben in den ersten Wochen gute bis sehr gute Leistungen gezeigt und geben heute ein würdiges Matchup für die US-Primetime ab.

Miami hat seine Vorteile vor allem in der Defense: DE Cameron Wake spielte bisher alles an die Wand und sollte gegen den unerfahrenen LT Charlie Brown – ein schwer kritisierter Mann bei den Saints – erneut die Chance für Terror im Sperrbezirk bekommen. Wake ist die Einmann-Abrissbirne der Saints, weil der „andere“ End, der hoch gedraftete Dion Jordan, bisher wenig Druck im Passrush zustande bekommt. Insofern könnten die Saints Wake mit einem Tight End auf die Nüsse steigen, aber wen von den zirka zweiunddreißig Passempfängern will Sean Payton dafür vom Platz nehmen? Riskiert Payton lieber, dass QB Drew Brees 50 Pässe mit Passrush im Gesicht abfeuert und dabei wie gewohnt 1-2x überzieht?

Ein von mir bisher unterschätzter Teil der Dolphins-Defense ist die Secondary: Die beiden Safetys waren mir neu, gefallen aber beide außerordentlich, und auch CB Brent Grimes macht bisher einen fantastischen Job, viel besser als erwartet, und sofern Grimes fit bleibt (Fragezeichen), hat es jeder Angriff schwer gegen Miami, denn nicht vergessen: Weil „dort vorne“ so bombensicher getackelt wird und die Lauf-Defense wie schon letztes Jahr überragend ist, muss Miami nicht dauerhaft acht Mann dorthin „in die Box“ stellen.

Apropos Safetys: Schnell mal gegoogelt, und man findet einen schönen Artikel von Robert Mays über einen dieser beiden Dolphins-Safetys, Reshad Jones. Ehemaliger 5th-Round Pick, der lernen musste, die Big-Hits für solideres Spiel aufzugeben. Und man sieht das auf dem Feld: Reshad Jones ist ein fanastischer Spieler, diszipliniert, flink, physisch.

Auf der anderen Seite sah die Dolphins-Offense der ersten Wochen gar nicht so schlecht aus; die als Sollbruchstelle ausgemachte Left Tackle-Position wird vom jungen Jonathan Martin solider ausgefüllt als befürchtet, und auch wenn QB Ryan Tannehill nicht den ganz großen Glanz versprüht: Das Passspiel ist trotz 14 Sacks in drei Spielen gerade effizient genug um genügend Punkte vorzulegen, dass es reicht. WR Mike Wallace ist längst nicht der monströse Receiver, den viele in ihm sehen, aber wenn du als Cornerback gegen Wallace 1-vs-1 aufgestellt bist oder der Safety in der Cover-2 hinter dir einmal pennt, hätte Tannehill ausreichend Wurfarm, um die Defense zum Big Play-TD zu verbrennen. Bisschen zu steif wirkt die Offense aber noch, zu verzagt, zu wenig downfield orientiert.

Miami ist kein Spitzenteam, weil es – zumindest bis jetzt – zu wenig Explosivität in der Offense ausstrahlt und das Laufspiel etwas minder ist. Aber vielleicht verdeckt der unspektakuläre Augentest auch wie gut Miami ist. Immerhin gut genug, um Cleveland komplett abzuwürgen, um verdient die Colts zu schlagen, die eine Woche später San Francisco platt machen, und gut genug, um den Selbstzerstörungsmodus der Atlanta Falcons zu nutzen.

Miami hat die Spielanlagen. Nicht ausgeschlossen, dass die Waffen der Dolphins heute ausreichen, aber im extrem lauten Superdome tue ich mir nach wie vor schwer, gegen die New Orleans Saints zu setzen.