Die Akademische Viertelstunde, Woche 5: Schmeiß den Coach

(Die Akademische Viertelstunde, wieder von Seminole; aus technischen Gründen heute von mir online gestellt.)


Es gibt wenige Gestalten in der amerikanischen Footballwelt, die mehr Häme ertragen müssen als Lane Kiffin. Lane ist der Sohn eines bekannten Coaches, der große Erfolge in der NFL feierte, und bekam schon in jungen Jahren Anstellungen bei den attraktivsten Arbeitgebern in der Footballwelt, und es waren nicht irgendwelche Anstellungen, sondern gleich die großen Coordinator und Head Coach Aufgaben. Mit 31 Head Coach bei den Oakland Raiders? Für Lane Kiffin kein Problem! Und obwohl er nirgendwo besonderen Erfolg hatte, zündete er immer gleich die nächste Karrierestufe. Nebenher beleidigte er ein paar Trainerkollegen und reizte die Limits des Erträglichen beim Thema Menschenführung aus.

Dieser Lane Kiffin ist bei den U.S.C. Trojans mit 3-2 Siegen in die Saison 2013-14 gestartet. Das war der stolzen Universität zu wenig, und nach der 42:61 Schlappe gegen Arizona State wurde Lane Kiffin noch am Samstag gefeuert. Dem Vernehmen nach soll die Entscheidung bereits während des laufenden Spiels gefallen sein, und Kiffin darüber hinterher am Parkplatz darüber informiert worden sein. Halb Amerika freute sich diebisch über den Rauswurf.

Bei den Oakland Raiders konnte man Kiffin noch entschuldigen mit minimaler Erfahrung und einem durchgedrehten Besitzer Al Davis, der seine Paradigmen über alles stellte und Spieler holte, die der Jungtrainer nicht wollte. Bei Tennessee trat er die Nachfolge einer Legende an, was im College Football immer schwierig ist, aber seine arrogante Attitüde und sein fluchtartiger Abgang bereits nach einem Jahr brachten ihm einen Ruf wie Pest und Cholera ein. Bei U.S.C. kam Kiffin auch in eine vertrackte Situation: Southern Cal wurde von der N.C.A.A. wegen Verletzungen abgestraft, die viele Jahre zuvor begangen worden waren (Mitte des Jahrzehnts 2000er, als Kiffin Offensive Coach dort war) und er musste mit Limitierungen leben.

Im zweiten Jahr holte er 10:2 Siege und schoss Oregon aus dem B.C.S.-Titelfinale, aber es wurde nur am Rande Notiz genommen, weil Southern Cal wegen der Sperre außer Konkurrenz am Spielbetrieb teilnahm. U.S.C. ging als Preseason #1 in den Herbst 2012 und schmierte auf 7:6 Siege ab. Von da an war Lane Kiffin „Lame Duck“, die zum Abschuss frei gegebene Ente.

Alle bescheinigen ihm, ein sehr guter „Recruiter“ zu sein, aber von der Coaching-Materie nicht annähernd so viel zu verstehen wie andere Kollegen. Und „Recruiting“, das geht bei Southern Cal meistens sowieso von alleine. Deswegen wird der nächste Coach, den die Trojans anstellen, einen Traumjob bekommen, der auch noch fürstlich vergütet sein wird. Die ersten Namen, die gehandelt werden, sind James Franklin (Head Coach von Vanderbilt) und Jack Del Rio (Defensive Coordinator Denver Broncos).

Offensive S.E.C.

Zwei Wochen nach dem offensiven Schlagabtausch zwischen Alabama und Texas A&M trafen sich am Samstag in Athens/GA die Georgia Bulldogs und Louisiana State Tigers zum nächsten Spitzenspiel in der der Southeastern Conference. Das Spiel hielt die hohen Erwartungen, und Georgia gewann es nach mehreren Führungswechseln 44:41. Wer auf viele Punkte und gute Offense steht, für den war es das beste Spiel der Saison. Wer gute Defense sehen will, schaut sich woanders um. Es war für Laien (wie mich) nicht schwierig zu erkennen, wie viele Abwehrfehler dort begangen wurden.

Das führt hierzulande zur Frage, ob die S.E.C. ihre Werte aufgibt, für die sie so lange stand: Defense, Defense, Defense. Früher wurde die Big 12 Conference mit ihren inzestuösen Punktefestivals verspottet („Mickey Mouse Football“), jetzt spielen die eigenen Aushängeschilder dieselbe Marke.

Wer sind die Topteams in der Southeastern Conference?

  1. Alabama (4-0), an #1 im landesweiten A.P.-Poll gerankt. Alabama gewann einen „Shut-Out“ gegen Ole Miss mit 25:0 und zeigte wieder die alte Abwehrstärke, nachdem man gegen Texas A&M willentlich ein Punkt-Feuerwerk mitgegangen war. Niemand ist so anpassungsfähig wie Nick Saban.
  2. Georgia (3-1), an #6 gerankt nach dem tollen Heimsieg gegen L.S.U. Georgia hat damit schon zwei echte Statement-Siege, weil es auch schon South Carolina besiegt hatte und dabei über 40 Punkte gescort hatte. Von vielen als beste Offense im College-Footall gepriesen, halten QB Andy Murray und seine Kollegen bisher die Erwartung.
  3. Texas A&M (4-1), an #9 gerankt. Johnny Manziel reißt mit seinen allwöchentlichen “Plays des Jahres” die Aggies im gefühlten Test heraus, aber es gibt wenige Defenses, die schlechter aussehen als jene der Aggies in dieser Conference.
  4. Louisiana State (4-1), an #10 gerankt. Zach Mettenberger wird von vielen schon in die National Football League geschrieben und der ebendort gescheiterte Offensive Coordinator Cam Cameron hat eine der besten Offenses unter seinen Fittichen, was für wenige Unis komischer klingt als für L.S.U., wo seit vielen Jahrzehnten zuerst die Null gesichert sein muss.
  5. South Carolina (3-1), an #13 gerankt. Hier haben wir die zweitbeste Defense nach Alabama. Verantwortlich dafür ist ein Mann, den alle kennen, Jadeveon Clowney. Der spielt aber momentan wegen vieler Probleme nur mit halber Kraft, was für viele Journalisten ein Segen ist, denn sie können nach Herzenslust schreiben von wegen: Clowney bringt eine Ausrede nach der anderen (stimmt nicht: Sein Umfeld macht es) für seine schwachen Leistungen. Clowney ist überschätzt. Wenn Clowney wirklich der erste Draftpick wird, müsste er besser spielen auch mit Grippe und kaputten Muskeln. Blabla. Immerhin vermieden die Gamecocks das fiese Auswärtsspiel bei Central Florida und konnten sich mit einem knappen 28:25 herauswringen.
  6. Florida (3-1), an #18 gerankt. Hier haben wir eine außerordentlich gute Defense, aber überhaupt keine Offense. Damit sieht Florida langweilig aus, was in einem System, in dem Menschen über das Schicksal der Titel mit ihrer Stimme entscheiden, schlecht ist: Du bist langweilig, du bist schlecht. Oder so. Zumindest in der S.E.C. 2013.
  7. Ole Miss (3-1), an #24 gerankt. Trotz Shutout sind die Rebels noch im Ranking dabei. Wogegen Auburn mit seinem ähnlichen Record und besserer Offense nicht im Ranking aufscheint.

Die A.P. Top 25

  1. Alabama. Ungefährdet beim 25:0 gegen Ole Miss.
  2. Oregon. Kantersieg im Regen gegen Cal.
  3. Clemson.  Kantersieg ohne Regen gegen Wake.
  4. Ohio State. Knapp, aber verdient gegen Wisconsin gewonnen und den Quarterback Braxton Miller gestärkt.
  5. Stanford. Kantersieg im Regen gegen Washington State.
  6. Georgia. 44:41 gegen Louisiana State.
  7. Louisville. Spielfrei.
  8. Florida State. „Meine“ Noles vermieden beim 48:34 gegen Boston College eine bittere Niederlage, weil sie sich nach der Pause doch noch am Riehmen rissen.
  9. Texas A&M. Wenig überzeugender Auswärtssieg gegen Arkansas.
  10. Louisiana State. Knapp 41:44 in Georgia verloren.
  11. Oklahoma. Auswärtssieg in Notre Dame. Und obwohl ungeschlagen und einer der größten Namen im Football, ist Oklahoma weiter außerhalb der Top 10 gerankt!
  12. U.C.L.A. Spielfrei.
  13. South Carolina. Ein sensationelles Upset bei Central Florida wurde gerade so abgewandt.
  14. Miami (Fla.). Die Canes warten heiß auf das Duell mit Florida State.
  15. Washington. Unbekanntes Team, das nach Boise mit Arizona den nächsten Gegner abschoss.
  16. Northwestern. Spielfrei.
  17. Baylor. Spielfrei.
  18. Florida. Wenn du eine starke Defense hast, aber keine Offense, gewinnt man sogar gegen Gurkenteams wie Kentucky nur mit 20:7.
  19. Michigan. Spielfrei.
  20. Texas Tech. Spielfrei.
  21. Oklahoma State. Wurde überraschend von West Virginia geschlagen.
  22. Arizona State. 61 Punkte gegen U.S.C. eingeschenkt.
  23. Fresno State. Hawaii nur haarscharf geschlagen.
  24. Ole Miss. Trotz Shut-Out nur drei Plätze im Poll verloren. So geht es dir, wenn du gegen Alabama anständig mithälst (nur 0:9 zur Pause).
  25. Maryland. So ein „Top 25 per Knopfdruck“ Team. Gibt halt keine Alternativen. Zugegebenermaßen sieht Marylands 37:0 Sieg über West Virginia nach dem Sieg von West Virginia über Oklahoma State mit einem Mal respektabel aus.

2 thoughts on “Die Akademische Viertelstunde, Woche 5: Schmeiß den Coach

  1. Das liebe ich an deinem Blog; schreibst doch schon am 17.Sept. — >>Stiller Protest der Woche<<
    und prompt kommt die Aktualisierung.
    Merci

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