NFL-Wembley wird weiter ausgebaut

Die NFL hat heute bekannt gegeben, dass im nächsten Jahr (Herbst 2014) ein drittes NFL-Spiel im Wembley-Stadion ausgetragen werden wird. Neben den bereits vertraglich gebundenen Jacksonville Jaguars werden dann die Oakland Raiders und die Atlanta Falcons die anderen Heimteams sein. Oakland und Atlanta… sind nicht die beiden gerade mitten in Verhandlungen mit ihren jeweiligen Städten, weil sie ihre in den 90ern renovierten (Oakland/Mt. Davis) bzw. neu gebauten (Falcons) Stadien leid sind und lieber in moderneren Tempeln spielen möchten? Da ist NFL-International natürlich eine subtile Art, Druck aufzubauen.

Von der persönlichen Warte aus kann ich sagen, dass im September beim Vikes-Steelers Spiel für meine Begriffe ein gewaltiger Auflauf an NFL-Fans in London tummelte. Okay, waren zwei der traditionellen und bekanntesten NFL-Mannschaften, aber dennoch fand ich das mächtig Betrieb. Mal schauen, wie das in zweieinhalb Wochen sein wird, wenn sich zu den Niners auch die Jaguars gesellen.

NFL Notizblock, Week 5: Seattle Seahawks (4-0) @ Indianapolis Colts (3-1)

In diesem ominösen „Früher“, so geht die Legende, baute man sich eine erfolgreiche Mannschaft von innen nach außen. Das heißt, man draftete sich möglichst gute Linienspieler und hoffte dann, daß skill players hinter/vor diesem Schutzwall gar nicht mehr schlecht aussehen konnte. Mit dem neuen CBA gibt es einen viel besseren Weg. Man draftet einfach einen Top-Quarterback, bezahlt ihm ungefähr so viel wie dem back-up Running Back und kauft sich für die gesparten $20 Millionen  jede Menge erfahrener Veteranen. Zwei dieser Exemplare, nämlich die ungeschlagenen Seattle Seahawks (4-0) und die Indianapolis Colts (3-1), trafen am Sonntag im RCA Dome Lucas Oil Stadium aufeinander. Indys QB Andrew Luck, der in der öffentlichen Wahrnehmung immer ein wenig hinter dem gut bebeinten Trio Russel Wilson, Colin Kaepernick und RG Three Minus zurücksteht, hatte jetzt mal die Chance, ein Ausrufezeichen zu setzen.

Und wie er das machte! Das war eine der besten Quarterback-Leistungen, die ich je gesehen habe. Es hatte schon etwas Unheimliches, wie souverän, ruhig und in den richtigen Momenten aggressiv Andrew Luck war – und das gegen eine der besten Verteidigungsreihen der letzten Jahre. Luck war Seattles-D überlegen. Und es war nicht so, daß er irgendwelche Unterstützung von seiner Offensive Line, seinem Laufspiel oder gar seiner Verteidigung bekommen hätte.

Stats / Gamebook

Gamebook Seahawks@Colts

Die Defense hat sich zum Fußabtreter von Seattles neu zusammengewürfelter O-Line degradieren lassen (Mit RG Sweezy hat nur einer der nominellen starters gespielt): mehr als 200 rushing yards am Ende. Zu Beginn stampfen die Hawks breitbeinig durch die Colts-D für zehn Punke. Einen Safety nach geblocktem Punt später steht es nach nur zehn Minuten schon 12-0; es ist mucksmäuschenstill.

Danach begann die Luck-Show. Starker Paß zu Hilton, der sich mit bis in die Endzone kämpft. Der anschließende Hawks-Drive endet mit einem geblockten Field-Goal-Versuch, den Safety Howell zum 14-12 trägt. Den nächsten Drive über mehr als 90 Yards schließt Jermaine Kearse mit dem obligatorischen Zirkuscatch ab, den er in jedem Spiel hat und bei dem sofort fünfmal auf den „10-sec-back“-button drückt.

Aber zurück zu Luck. Das ging schon los mit seinem snap count. Mehrmals provoziert er offside penalties und nicht nur das: sieht er das offside, nimmt er sofort und snap und feuert die Dinger tief in dem Wissen, ein free play zu haben, also volles Risiko gehen zu können. Dann under pressure: er kann nicht einfach nur dem Druck entkommen, er kann es auf drei verschiedene Arten. 1) pocket movement: wie Tom Brady macht er bei zusammenbrechender pocket nur zwei, drei kleine Schritte und steht prompt auf dem Quadratmilimeter Fleckchen, wo ihn kein Verteidiger beim Passen stört. 2) mit seinem Cam-Newton-Körper schüttelt er an ihm hängende pass rushers einfach weg wie Schmeißfliegen. 3) Wenn es mal nicht in der pocket und auch nicht mit Power geht, bricht er einfach aus und sucht sich einen Platz außerhalb der pocket zum Werfen oder läuft gleich selbst für das First Down. Währenddessen sieht er wie selbstverständlich auch immer, was seine Receivers machen und ob da nicht einer frei ist. Wenn er dann paßt, sitzen die Dinger beinahe immer, auch die tiefen Bälle. Das alles unter den erschwerten Bedingungen des Rückstandes und des schlechten Laufspiesl. Viel besser kann man nicht Quarterback spielen als Luck am Sonntag.

Taktisch hat Indys Offense aber auch ziemlich gut die Schwachstellen Seattles attackiert. Reggie Wayne hat einfach nicht an der rechten Seitenlinie gespielt, wo CB Richard Sherman immer rumhängt, so konnte er im slot recht locker mit Walter Thurmond spielen. Daß die Colts schon von Haus aus sehr viel mit stack– und trips– Formationen spielen, kam ihnen gegen die man coverage von Seattle sehr entgegen, Wenn die WRs sehr eng zusammenstehen, führt das nach dem snap oft zu Verwirrung und natürliche picks entstehen. Und wenn das alles mal nicht funktionierte, hat Luck einfach so lange Zeit erkämpft, bis irgendwer frei war. Hilton zum Beispiel.

T.Y. Hilton macht mittlerweile ganz klar Anstalten, später mal den Posten NR.1 WR zu übernehmen und da kann man sich jetzt schon darauf freuen, der Kleine macht Spaß und hat richtig was auf´m Kasten. Aber irgendwer sollte dringend mal erklären, welche Berechtigung Darius Heyward-Bey hat. Und irgendwie scheint Coby Fleener in seiner Entwicklung keine großen Fortschritte zu machen.

Seattles Angriff hat das ganz solide gespielt. Bei elf Drives waren es nur zwei Punts. Nur haben sie zuviele Chance liegen lassen. Da war das geblockte Field; Fumble und Interception von Wilson und im dritten Viertel waren sie dreimal tief in Indys Hälfte und mußten sich jedes Mal mit einem Field Goal zufrieden geben.

Während Seattle immer noch zum engsten Favoritenkreis der NFC gehört, schicken sich die Colts mit diesem Andrew Luck an, in den Favoritenkreis der AFC vorzustoßen. Laufspiel schlecht, Defense doof, Team trotzdem erfolgreich? Kennt man ja in Indy…

Die Akademische Viertelstunde, Woche 6: Wir waren so knapp davor!

Woche 6 im College-Football bot einige spannende Spiele, und fast hätte es das erste große Chaos in den Rankings gegeben, aber eben nur fast. So blieb von diesem Wochenende bloß der Schrecken, den einige Top-10 Teams mitnahmen in das Wochenende. Beginnen wir vielleicht chronologisch mit einer der wenigen Mannschaften, die voll überzeugt haben.

Und zwar den Florida State Seminoles, die gegen die Maryland Terrapins ein 63:0-Feuerwerk abbrannten. Nun mag der geneigte Fan sagen, waren doch nur die Terps! Stimmt – vielleicht. Denn diese Terps waren bisher 4-0 und an #25 im A.P.-Poll gerankt. In Tallahassee war davon nicht viel zu sehen, denn die Noles hatten von der ersten Minute an keine Probleme und machten die Terps platt. Überzeugend war einmal mehr QB „Famous Jameis“ Winston, der immer mehr mit Johnny Manziel verglichen wird, was auch heißt: Jameis wird im Heisman-Rennen ab sofort öfters genannt werden.

Kein Heisman-Rennen, sondern A.C.C. bzw. National Title Race war für die Clemson Tigers angesagt, die nach der Demonstration der Noles am Mittag nachlegen mussten und im Nachmittags-Slate ab 14:30 (Eastern Time) den armen Syracuse Orange sieben Touchdowns einschenkten und 49:27 gewannen. Am nächsten Wochenende geht es für die beiden im direkten Duell um alles, sprich: Wohl den A.C.C.-Finaleinzug aus der Atlantic Division.

Die Probleme hatten die anderen. Die Georgia Bulldogs zum Beispiel, die eine Woche nach ihrem gefeierten Heimsieg über L.S.U. nach Knoxville fahren mussten, um den Tennessee Volunteers entgegenzutreten. Was wie eine Pflichtaufgabe klang, entwickelte sich zu einem echten Knüller, in dem Georgia in der zweiten Halbzeit „outplayed“ wurde und erst fünf Sekunden vor Schluss durch einen TD-Pass von QB Aaron Murray überhaupt den Ausgleich für die Overtime erzielten! Dort erzielte RB Pig Howard (der heißt wirklich so) dann sogar einen Touchdown – dachten alle. Es wurde Fumble gegeben, und Georgia konnte hernach per Field Goal zum knappen 34:31 Sieg einschießen. Damit haben die Vols einmal mehr eine herzzerreißende Niederlage erlebt, aber dafür waren auch die Georgia Bulldogs viele Jahre lang bekannt. Die haben das Stigma scheinbar erst einmal abgelegt.

Das Primetime-Spiel zwischen den Northwestern Wildcats und den Ohio State Buckeyes brachte neben riesigen Emotionen auch einen spannenden Spielverlauf. Ohio State gewann am Ende 40:30, aber der Endstand trügt und täuscht darüber hinweg, dass es in der zweiten Halbzeit lange sehr knapp war. Bei 23:20 Führung für Northwestern konnte Buckeyes-RB Carlos Hyde nur um Zentimeter den TD erzielen, und später, als die Buckeyes drei Minuten vor Spielende nur mit 34:30 führten, scheiterten die beherzten Wildcats nur um Haaresbreite an einem Fourth Down: QB Kain Colter wurde unter einer Menschentraube begraben, und kein Mensch vermochte abzuschätzen, ob Colter die notwendigen Zentimeter erreicht hatte. Weil es für die Video-Referees im American Football aber zweifelsfreie Beweislage braucht, wurde der Versuch „zu kurz“ gebeben.

Zwei haben wir schon, aber die Trilogie ist noch nicht komplett: Im Spätspiel standen sich Stanford und die Washington Huskies gegebenüber, und auch hier hatte der Favorit (Stanford) erhebliche Schwierigkeiten. Wer das Spiel gesehen hat, sah eine richtig starke Stanford-Mannschaft, keine Frage. Aber Washington hatte seine Chancen: Kurz vor Schluss, eben auf 28:31 herangekommen, stürmten die Huskies das Spielfeld hoch, bis in einem weiteren Fourth Down der WR Kevin Smith einen überragenden Catch machte, oder „keinen Catch machte“?  Smith fiel nach vorne und hatte den Ball fest verschränkt unter seinem Körper. Die Referees gaben auch nach dem Video-Review „incomplete Pass“. Keine Fehlentscheidung, aber man sieht: Es war ganz einfach extrem knapp.

So haben wir nahezu unveränderte Top-10 vor dem nächsten Spieltag (F.S.U. überholte aufgrund des überzeugenderen Sieges im AP Poll Georgia). Ab nächstem Spieltag werden dann auch wieder die B.C.S. Rankings zum letzten Halali blasen und erstmals in ihrer letzten Saison erscheinen.

Von der persönlichen Warte aus gab es auf dem Campus hier in Bloomington am Wochenende ein großes Highlight, als die Indiana Hoosiers die höher eingeschätzten Penn State Nittany Lions klar schlugen. Indiana ist vielleicht noch keine Spitzenmannschaft, aber die Leute hier sind fast schon euphorisch, dass es endlich mal eine Footballmannschaft gibt, die nicht Woche ein, Woche aus abgeschossen wird. Der Head Coach Kevin Wilson hat ganze Arbeit geleistet, und man bewundert ihn nicht nur für die Siege, sondern auch für das ziemlich ansehnliche Offensivspiel der Hoosiers.

Damit für heute fast schon das Ende, allein das obligatorische Texas-Spiel fehlt uns noch. Die Longhorns waren schon am Donnerstag im Einsatz, in Ames in Iowa, bei den Iowa State Cyclones. Texas gewann 31:30, aber es war ein Spiel für die Verschwörungstheoretiker – so sehr wurde Texas in diesem Spiel von den Referees bevorzugt: Im letzten Drive zu den siegbringenden Punkten gab es einen so eindeutigen Fumble eines Texas-RBs, dass es unverständlich war, wie die Referees sogar nach dem Video-Beweis noch behaupten konnten, er sei am Boden gewesen.

Für Karma und Ansehen taten die Longhorns zehn Tage vor ihrem großen Schlager an diesem Wochenende gegen Erzfeind Oklahoma auch nicht viel: Der Wide Receiver Mike Davis hatte die unfairste Aktion an diesem Wochenende:

Der unfairste Late Hit des Jahres

Wir ahnen es: Mike Davis wurde von den Referees dafür nicht bestraft.