Die Akademische Viertelstunde, Woche 6: Wir waren so knapp davor!

Woche 6 im College-Football bot einige spannende Spiele, und fast hätte es das erste große Chaos in den Rankings gegeben, aber eben nur fast. So blieb von diesem Wochenende bloß der Schrecken, den einige Top-10 Teams mitnahmen in das Wochenende. Beginnen wir vielleicht chronologisch mit einer der wenigen Mannschaften, die voll überzeugt haben.

Und zwar den Florida State Seminoles, die gegen die Maryland Terrapins ein 63:0-Feuerwerk abbrannten. Nun mag der geneigte Fan sagen, waren doch nur die Terps! Stimmt – vielleicht. Denn diese Terps waren bisher 4-0 und an #25 im A.P.-Poll gerankt. In Tallahassee war davon nicht viel zu sehen, denn die Noles hatten von der ersten Minute an keine Probleme und machten die Terps platt. Überzeugend war einmal mehr QB „Famous Jameis“ Winston, der immer mehr mit Johnny Manziel verglichen wird, was auch heißt: Jameis wird im Heisman-Rennen ab sofort öfters genannt werden.

Kein Heisman-Rennen, sondern A.C.C. bzw. National Title Race war für die Clemson Tigers angesagt, die nach der Demonstration der Noles am Mittag nachlegen mussten und im Nachmittags-Slate ab 14:30 (Eastern Time) den armen Syracuse Orange sieben Touchdowns einschenkten und 49:27 gewannen. Am nächsten Wochenende geht es für die beiden im direkten Duell um alles, sprich: Wohl den A.C.C.-Finaleinzug aus der Atlantic Division.

Die Probleme hatten die anderen. Die Georgia Bulldogs zum Beispiel, die eine Woche nach ihrem gefeierten Heimsieg über L.S.U. nach Knoxville fahren mussten, um den Tennessee Volunteers entgegenzutreten. Was wie eine Pflichtaufgabe klang, entwickelte sich zu einem echten Knüller, in dem Georgia in der zweiten Halbzeit „outplayed“ wurde und erst fünf Sekunden vor Schluss durch einen TD-Pass von QB Aaron Murray überhaupt den Ausgleich für die Overtime erzielten! Dort erzielte RB Pig Howard (der heißt wirklich so) dann sogar einen Touchdown – dachten alle. Es wurde Fumble gegeben, und Georgia konnte hernach per Field Goal zum knappen 34:31 Sieg einschießen. Damit haben die Vols einmal mehr eine herzzerreißende Niederlage erlebt, aber dafür waren auch die Georgia Bulldogs viele Jahre lang bekannt. Die haben das Stigma scheinbar erst einmal abgelegt.

Das Primetime-Spiel zwischen den Northwestern Wildcats und den Ohio State Buckeyes brachte neben riesigen Emotionen auch einen spannenden Spielverlauf. Ohio State gewann am Ende 40:30, aber der Endstand trügt und täuscht darüber hinweg, dass es in der zweiten Halbzeit lange sehr knapp war. Bei 23:20 Führung für Northwestern konnte Buckeyes-RB Carlos Hyde nur um Zentimeter den TD erzielen, und später, als die Buckeyes drei Minuten vor Spielende nur mit 34:30 führten, scheiterten die beherzten Wildcats nur um Haaresbreite an einem Fourth Down: QB Kain Colter wurde unter einer Menschentraube begraben, und kein Mensch vermochte abzuschätzen, ob Colter die notwendigen Zentimeter erreicht hatte. Weil es für die Video-Referees im American Football aber zweifelsfreie Beweislage braucht, wurde der Versuch „zu kurz“ gebeben.

Zwei haben wir schon, aber die Trilogie ist noch nicht komplett: Im Spätspiel standen sich Stanford und die Washington Huskies gegebenüber, und auch hier hatte der Favorit (Stanford) erhebliche Schwierigkeiten. Wer das Spiel gesehen hat, sah eine richtig starke Stanford-Mannschaft, keine Frage. Aber Washington hatte seine Chancen: Kurz vor Schluss, eben auf 28:31 herangekommen, stürmten die Huskies das Spielfeld hoch, bis in einem weiteren Fourth Down der WR Kevin Smith einen überragenden Catch machte, oder „keinen Catch machte“?  Smith fiel nach vorne und hatte den Ball fest verschränkt unter seinem Körper. Die Referees gaben auch nach dem Video-Review „incomplete Pass“. Keine Fehlentscheidung, aber man sieht: Es war ganz einfach extrem knapp.

So haben wir nahezu unveränderte Top-10 vor dem nächsten Spieltag (F.S.U. überholte aufgrund des überzeugenderen Sieges im AP Poll Georgia). Ab nächstem Spieltag werden dann auch wieder die B.C.S. Rankings zum letzten Halali blasen und erstmals in ihrer letzten Saison erscheinen.

Von der persönlichen Warte aus gab es auf dem Campus hier in Bloomington am Wochenende ein großes Highlight, als die Indiana Hoosiers die höher eingeschätzten Penn State Nittany Lions klar schlugen. Indiana ist vielleicht noch keine Spitzenmannschaft, aber die Leute hier sind fast schon euphorisch, dass es endlich mal eine Footballmannschaft gibt, die nicht Woche ein, Woche aus abgeschossen wird. Der Head Coach Kevin Wilson hat ganze Arbeit geleistet, und man bewundert ihn nicht nur für die Siege, sondern auch für das ziemlich ansehnliche Offensivspiel der Hoosiers.

Damit für heute fast schon das Ende, allein das obligatorische Texas-Spiel fehlt uns noch. Die Longhorns waren schon am Donnerstag im Einsatz, in Ames in Iowa, bei den Iowa State Cyclones. Texas gewann 31:30, aber es war ein Spiel für die Verschwörungstheoretiker – so sehr wurde Texas in diesem Spiel von den Referees bevorzugt: Im letzten Drive zu den siegbringenden Punkten gab es einen so eindeutigen Fumble eines Texas-RBs, dass es unverständlich war, wie die Referees sogar nach dem Video-Beweis noch behaupten konnten, er sei am Boden gewesen.

Für Karma und Ansehen taten die Longhorns zehn Tage vor ihrem großen Schlager an diesem Wochenende gegen Erzfeind Oklahoma auch nicht viel: Der Wide Receiver Mike Davis hatte die unfairste Aktion an diesem Wochenende:

Der unfairste Late Hit des Jahres

Wir ahnen es: Mike Davis wurde von den Referees dafür nicht bestraft.

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