NFL Power-Ranking 2013, Woche 5: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Wie schrieb ich letzte Woche?

Also: Nach dem Sprung folgt die erste Version des Power-Rankings von Sideline Reporter von 2013/14, nebst kalkulierter Wahrscheinlichkeiten für Week 5. Wie immer habe ich volles Vertrauen in die Richtigkeit des Rankings.

Am Samstagabend kam ich von der Uni nach Hause und begann, nach dem Fehler bei den Arizona Cardinals (ich schrieb schon in oben verlinktem Eintrag drüber) zu suchen. Dabei stieß ich nicht nur auf eine Unsauberkeit bei den Cardinals (die Schleifen bei den Cards blieben nach zwei von fünf Runden stecken – Programmierfehler), sondern auf weitere Fehler:

  • Der Regressionskoeffizient war der falsche, weswegen die Spitzen in beide Richtungen zu hoch waren. Der Regressionskoeffizient ist 0.73 und ergibt sich aus meinen Studien zu den Ergebnissen der letzten sechs Jahre: Mit ihm ist die Preview-Genauigkeit maximal. Ich hatte Regressionskoeffizient „1“, also keinen implementiert.
  • Und, viel peinlicher noch: Für die Sieg-Wahrscheinlichkeiten verwendete ich die „puren“ Werte jeder Mannschaft, ohne die Strength of Schedule-Anpassung, die dem Modell für gewöhnlich ihre Präzision gibt. Damit hatte ein Team wie New Orleans mit relativ einfachem Schedule natürlich viel größere Vorteile als z.B. ein Team wie Philadelphia, das seine Werte gegen einen sehr viel schwierigeren Schedule erreicht hatte.

Ich aktualisierte die Werte, aber der Vorschau-Eintrag für Sonntag war schon geschrieben, ich war ohne Internetverbindung bis in die Abendstunden hinein und somit schienen viel zu lange die falschen Wahrscheinlichkeiten auf diesem Blog auf.

Das Modell mit den ursprünglich geposteten Wahrscheinlichkeiten ging am Wochenende 4-10. Das ist Top-5 Pick Range. Zugegeben, es spuckte fünf Spiele innerhalb von 55-45% Wahrscheinlichkeiten aus, und verlor alle, was unglücklich ist, aber das „aktualisierte“ Modell war in einigen dieser Spiele präziser, ging 8-6. Nicht überragend, aber bedeutend besser. Es war schließlich auch eine sehr schwer zu prognostizierende Woche mit einigen richtigen Münzwurfspielen.

Ich habe das Power-Ranking für letzte Woche aktualisiert. Ein falsches Ergebnis gepostet zu haben, ist mir extrem peinlich und ich traute mich am Sonntag kaum unter meiner Decke hervor vor lauter Scham. Es tut mir leid. Vollstes Vertrauen ohne zweiten Blick ist leider zu wenig. My fault. S’nächste Mal (also diesmal) passe ich besser auf oder warte lieber noch eine Woche bis zur ersten Veröffentlichung.

Zu den Power-Rankings nach Spielwoche 5 – diese sind nun garantiert richtig erstellt. Ich habe gestern Abend noch zwei Loops eingebaut, um wirklich sicher zu gehen.

NFL-Power Ranking 2013, Week 5

NFL-Power Ranking 2013, Week 5

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das (provisorische) Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 5.


Variablen

Auf mehrfachen Wunsch hin werde ich ab sofort in einer zweiten Tabelle die wichtigsten Input-Variablen mir jeweiligen Rang posten; nicht alle, weil ich noch Übersichtlichkeit wahren möchte. „Alle“ wären:

  • Pass-Offense NY/A
  • Run Success Rate Offense %
  • INT-Quote Offense %
  • Fumble-Quote Offense %
  • Pass-Defense NY/A
  • Run Success Rate Defense %
  • INT-Quote Defense %
  • Fumble-Quote Defense %
  • Penalty Yards pro Spielzug

Fettgedruckte habe ich in nachfolgendem Bild aufgelistet. Grün (positive Ausreißer) und rot (negative Ausreißer) kennzeichnen Ausreißer, die weit vom Mittelwert weg liegen und möglicherweise früher oder später Regression zur Mitte erleben werden. Die Grenzen sind dabei willkürlich gewählt und gründen nicht auf wissenschaftlichen Konzepten (Stichwort für Qualitätsmanager: Six Sigma).

Wichtigste Variablen für das Power Ranking, Week 5-2013

Wichtigste Variablen für das Power Ranking, Week 5-2013

Die Kommentarsektion / Rechtfertigung

  • Denvers Pass-Offense ist mit bisher 9.1 NY/A so gut wie keine Offense in den letzten zehn Jahren. Die Rams hatten unter Kurt Warner mal zirka achteinhalb Yards/Passversuch über eine Saison, aber 9.1 NY/A ist bisher ungesehen, und ich gehe ehrlicherweise auch nicht davon aus, dass die Broncos diese Pace halten können, QB Peyton Manning hin, WR-Armada Thomas/Thomas/Welker/Decker her. Bei den Broncos hat sich nach dem Shootout in Dallas eine andere Baustelle aufgemacht: Die Passverteidigung. Jeder sieht, dass den Broncos Passrush fehlt, und mittlerweile sind die Jungs mit 7.7 NY/A das Liga-Schlusslicht in der Pass-Defense. Ich erwarte auch hier baldige Regression, vor allem wenn dann Von Miller wieder zurückkehrt, und nächste Woche kommt mit Jacksonville dann auch die schlechteste Pass-Defense nach Denver. Es zeigt sich aber: Denver ist ein Titelkandidat, ja – aber die Broncos sind längst nicht unschlagbar.
  • Die Dallas Cowboys auf der anderen Seiten holen im Ranking massiv auf: Dank des Superspiels gegen Denver und dem damit auch verbesserten SOS (Strength of Schedule) rücken die Cowboys auf #10 vor. Ich hatte im Laufe des späten Sonntags von Experten, auf die ich was gebe, mitbekommen, wie hoch diese Tony Romo dieses Jahr einschätze (Meinung: Romo sei der zweitbeste QB diese Saison nach Manning). Romo antwortete mit einer sagenhaften Performance.
  • Indianapolis rückt von #6 auf #4: Natürlich ist QB Andrew Luck nach seiner besten Karriereleistung am Sonntag gegen Seattle der erste und augenscheinlichste Erfolgsgarant, aber die Pass-Offense der Colts ist nur #13. Die heimlichen Stars bei den Colts sind das Laufspiel um die RBs Brown/Bradshaw/Richardson (#2 ligaweit nach SR%), wobei ausgerechnet Richardson abfällt, die elftbeste Pass-Defense und das disziplinierteste Team der Liga (0.24 Yards pro Offense- oder Defense-Spielzug ist gewaltig).
  • Green Bay rückt nach dem Sieg gegen Green Bay in die Top-5, praktisch auf Augenhöhe mit Seattle und Indy (die drei sind durch die vierte bzw. fünfte Nachkommastelle getrennt). Green Bay profitierte dabei von effizientem Passspiel um QB Rodgers (effizient, aber sonderlich spektakulär war’s nicht) sowie dem Totalausfall der Lions ohne Calvin Johnson. Detroit seinerseits fällt nicht allzu tief, und sollte es auch nicht: Die Lions sind nicht kaputt, und Johnson wird bald zurückkehren.
  • San Francisco rückt in die Top-10 vor bzw. zurück. Die Niners plagen sich weiterhin mit Problemen rum (QB Kaepernick am Sonntag 6/15 und kaum über 100yds Passspiel), aber ihre Pass-Defense ist mittlerweile wieder eine der absolut besten, und den Rest erledigt der SOS.
  • Kansas City ist 5-0 und nach Pythagorean das beste Team der Liga, weil es in der Defense fast keine Punkte zulässt, aber mal langsam: Die Chiefs spielen eine fürchterliche Pass-Offense, die am Sonntag in Tennessee so überhaupt nichts zustande brachte und mit ihrem ängstlichen Spiel früher oder später auf die Fresse fallen wird. Okay, die Chiefs sind insgesamt dank ihrer Defense prädestiniert, ihren Erwartungswert aus diesem Power-Ranking zu schlagen, aber trotzdem: Die Chiefs sind abhängig davon, dass die Offense ja keine Turnovers begeht. In der Defense hatte Justin Houston in Tennessee ein eher schwaches Spiel, dafür aber mausert sich Dontari Poe immer mehr zum veritablen DPOY-Kandidaten.
  • Chicago rückt nach der guten Leistung gegen die extrem starken New Orleans Saints 16 Plätze nach oben auf Rang 12. Den Bears kommt dabei zugute, dass sie die Super-Offense um QB Brees verhältnismäßig gut im Griff hatten, und den Rest macht hier wie bei den Niners der SOS.
  • Carolina hatte ich vor der Saison ziemlich gehypt, weil sie letztes Jahr eine effiziente Pass-Offense gespielt haben, aber davon ist dieses Jahr nix zu sehen: 5.4 NY/A ist der sechsschlechteste Wert der Liga, und jeder, der am Sonntag sah, wie mühselig sich Cam Newton und Co. in Arizona herumplagten, glaubt ungern an ein Breakout der Panthers-Passoffense.
  • Atlanta ist 1-4 und 1-4 in engen Spielen. Die Probleme der Falcons liegen vornehmlich in der Defense (Pass-D #25, Run-D #20) und obwohl man noch immer eines der disziplinierteren Teams ist: Im Vergleich zu den braven Bubis im letzten Jahr kassiert Atlanta dieses Jahr viele Strafen. Tja, und möglicherweise fällt WR Julio Jones für den Rest der Saison aus.
  • New England plagt sich mit einer weiterhin schwachen Pass-Offense (5.5 NY/A).
  • Miami ist entgegen den optischen Eindrücken auch eher ein enttäuschendes Team, weil überall unterdurchschnittlich. Im Moment sind tatsächlich die New York Jets der AFC East-Favorit! Die Jets haben eine okaye Pass-Offense und eine der besten Pass-Defenses; wenn sie nur bloß die vielen Strafen abstellen könnten…
  • Die Probleme der Giants sind längst nicht mehr bloß Interceptions und Fumbles in der Offense, sondern mittlerweile auch immer mauere Effizienz-Stats: QB Eli Manning nur noch mit durchschnittlichen 6.3 NY/A, was zu wenig ist.
  • Wie schlecht ist Tampa Bay? So schlecht, dass sie mit bloß durchschnittlichem Passspiel (6.35 NY/A) per sofort auf #10 hochhüpfen würden! Die Buccs sind ein großartiges Team, das nur auf einer Position eine Katastrophe ist: Auf Quarterback. Nur die Jaguars haben noch ein Jota schlechtere Pass-Offense, und das heißt was…
  •  Kurz noch zu den Ravens, die eine wechselhafte Saison spielen, 3-2 sind und im Power-Ranking an #30 ausgespuckt werden: Die Ravens sind in fast allen Kategorien unterdurchschnittlich, haben auch keinen schwierigen Schedule gespielt, und vor allem: Ihre Lauf-Offense spottet jeder Beschreibung. Baltimore ist trotz Ray Rice mit 27% Success-Rate das Schlusslicht der Liga, und das nicht zu knapp. Nur die an vorletzter Stelle klassierten Steelers sind „in Reichweite“.

Award Section

  • MVP-Watch: Peyton Manning, Drew Brees, Romo, Andrew Luck, Dontari Poe
  • Offense-MVP Watch: P.Manning, Jimmy Graham, LeSean McCoy
  • Defensive-MVP Watch: Poe, J.J. Watt, Ndamukong Suh, Richard Sherman, Justin Houston
  • Rookie of the Year-Watch: Star Lotulelei, Kiko Alonso, DeAndre Hopkins
  • Coach of the Year Watch: Chuck Pagano, Andy Reid, Sean Payton

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 6

Nach dem oben erklärten Totalschaden letzte Woche habe ich dieses Mal besser aufgepasst. Ich kann kein besseres Ergebnis garantieren, weil die NFL-Spiele nun mal zum beträchtlichen Teil knapp ausgehen, aber ich kann diesmal methodische Korrektheit garantieren.

HOME                 %   AWAY                  %
Chicago             64   NY Giants            36
Buffalo             46   Cincinnati           54     
Cleveland           45   Detroit              55
Kansas City         70   Oakland              30
Minnesota           58   Carolina             42
NY Jets             61   Pittsburgh           39
Tampa Bay           39   Philadelphia         61
Baltimore           37   Green Bay            63
Houston             73   St Louis             27
Denver              86   Jacksonville         14
Seattle             65   Tennessee            35
San Francisco       69   Arizona              31
New England         43   New Orleans          57
Dallas              66   Washington           34
San Diego           49   Indianapolis         51

Jacksonville ist in den Wettbüros Rekord-Underdogs in Denver (28pts-Spread), aber das Power-Ranking gibt den Jaguars die Chance, immerhin eines von sieben direkten Duellen auswärts in Denver zu gewinnen! Immerhin eines von drei Spielen zu gewinnen, traut das Modell Tennessee und Arizona jeweils auswärts in Seattle und San Francisco zu.

New Orleans ist 57%-Favorit in New England, was einem Point-Spread von 3 Punkten entspricht – und das auswärts. Minnesota und Carolina liegen im Power-Ranking nahezu auf Augenhöhe (Minnesota ist minimal vorn). Dank Heimvorteil (der bei Duell zweier gleich guter Mannschaften 57% beträgt) ist Minnesota mit 58:42 favorisiert.

Etwas überraschend, wenn man die jüngsten Spiele der beiden Teams gesehen hat: Indianapolis ist in San Diego nur mit 51% zu 49% favorisiert. Auch hier spielt der Heimvorteil für die Chargers eine gewichtige Rolle.