Der Nachtspiele-Vorschauer am sechsten NFL-Spieltag 2013/14

Die 19h-Spiele hatte ich schon in der Früh in der Preview, inklusive Sendepläne. Daher sehen wir das als Fortsetzung, und gehen weiter zu den Spielen ab 22h.

Denver Broncos – Jacksonville Jaguars

Kickoff 22h05

Sie werden es vielleicht schon mitbekommen haben: Es ist die Ansetzung mit dem höchsten Spread in den Wettbüros ever: 28 Punkte Differenz betrug die Opening-Line zwischen Denver und Jacksonville, was ziemlich gut kongruent geht mit der SRS-Differenz zwischen den beiden Mannschaften: (3pts werden zusätzlich für Heimvorteil vergeben).

Ich glaube, Denver wird diesen Spread covern, obwohl vier Touchdowns natürlich schon massivst Holz sind. Aber die Broncos machten in den bisherigen Spielen nicht den Eindruck, als ob sie allzu schnell Erbarmen mit dem Gegner haben, und legten auch in entschiedenen Spielen noch 2-3 Touchdowns nach. Die Broncos-Offense ist bei Gott nicht unstoppbar, aber Jacksonville mit seinen vielen Ausfällen hat nicht die Waffen, um 5-6 Touchdowns draufzulegen, sofern Denver Ernst macht.

Die Bronco-Defense ist ebenso nicht kritikfrei, weil ohne den zum letzten Mal gesperrten OLB Von Miller alles andere als überzeugender Passrush kommt und in der Secondary CB Rodgers-Cromartie durchaus eine Sollbruchstelle ist, aber was haben die Jags an Offense? Einen quasi verletzten QB-Bust Gabbert, einen WR Blackmon und mittlerweile keine Offensive Tackles mehr (LT Monroe nach Baltimore, RT Joeckel auf die IR).

Seattle Seahawks – Tennessee Titans

Kickoff 22h05

Wer hat schonmal gehört davon, dass die Seahawks zuhause unschlagbar sein sollen? Bei Seattle ist die Sachlage klar; die interessantere Tüte heute sind die Titans. Was ist das Gesicht der Titans 2013? Was dort letzte Woche ohne den verletzten QB Locker an „Offense“ produziert wurde, spottet eigentlich jeder Beschreibung, und doch war Tennessee bis kurz vor Schluss im Spiel. Die Punkte wurden aus einem Freakspielzug über RB Chris Johnson und direkt im Anschluss an einen 42yds-INT Return erzielt. Der Rest war offensive Leblosigkeit. Ein WR Kenny Britt ist z.B. nicht wiederzuerkennen vor lauter Verunsicherung. Viel anders war es in den ersten vier Wochen auch nicht, allein hatte dort QB Locker die paar Würfe drauf, die QB Fitzpatrick nicht drauf hat – und das reichte zu Siegen, die sich „zufällig“ anfühlten, aber in Wahrheit durchaus leistungsmäßig auf dem Stat-Sheet „verdient“ anfühlen. Ich habe mehr schon am Freitag darüber geschrieben.

New England Patriots – New Orleans Saints

Kickoff 22h25, live bei SPORT1 US und PULS4

Das ist die vielleicht leckerste Ansetzung am heutigen Abend: Patriots (4-1) gegen Saints (5-0) in Foxboro. Das Aufeinandertreffen der QB-Legenden Tom Brady und Drew Brees, aber obwohl beide Mannschaften ähnlich viele Siege auf ihrem Konto haben, sind die Aggregatzustände in beiden Lägern unterschiedliche.

Bei den Patriots grübelt man darüber, wie man die Offense wieder in Schwung bekommen könnte: Diese Saison ist bisher gekennzeichnet von noch mehr Klein-Klein als in der Vergangenheit gewohnt, und daraus folglich wenig Explosivität in der einst besten Offense im Lande. Die Probleme sind überall zu verorten. Es sind keine bedrohlichen Probleme, aber viele kleine, die man korrigieren muss, um den Angriff wieder in Schwung zu bringen:

  • Offensive Line: Gegen Cincinnatis wuchtige Front-Four tat sich die Line relativ schwer, Brady viele Sekunden vorzublocken. Obwohl man LT Solder eine starke Saison nachsagt, sah er letzte Woche teilweise wie ein Verlierer in seinen direkten Duellen nach.
  • Tom Brady: Bradys einzige echte Schwäche über all die Jahre war seine Performance mit viel Druck in der Pocket. Jeder Quarterback ist im Angesicht von Passrush schwächer, aber Brady fällt weiter ab als Kollegen wie Rodgers oder Manning. Diese Saison ist nicht anders: Brady wirft in solchen Situationen teilweise schlechte Pässe.
  • Wide Receivers und Tight Ends: Diese schlechten Pässe wurden in der jüngeren Vergangenheit oft kaschiert durch einen sensationellen Receiving-Corp. Den hat Brady dieser Tage nicht mehr. Amendola, Dobson, Thompkins und wie sie alle heißen – sie alle sind okaye Spieler, aber keine Granaten. Sie lassen aktuell mehr Bälle fallen als notwendig. Das Problem ist korrigierbar, und vielleicht kann man etliches der Unerfahrenheit zuschreiben und wir haben in zwei Monaten eine Super-Offense auf dem Feld, aber im Moment sieht das recht steril aus.

Der große Hoffnungsträger ist TE #87 Rob Gronkowski, aber die jüngsten Meldungen lassen vermuten, dass Gronkowski heute ausfallen wird. Das wäre bitter, aber ich denke nicht, dass die Patriots noch einmal ihren Gronkowski zu schnell auf das Spielfeld zurückschicken und im Zweifelsfall lieber noch eine Woche warten.

Die Saints ihrerseits bringen dieses Jahr eine mehr als brauchbare Defense daher: Vorne fällt vor allen DE #94 Cameron Jordan auf, während „hinten“ in erster Linie der Rookie-Safety Kenny Vaccaro zur Stabilität beiträgt. Es ist keine exzellente Defense, aber eine, die um Welten besser ist als die Saints-„Verteidigungen“ der letzten Jahre.

Die Saints-Offense ist sowieso ein permanentes Mismatch. New England spielt in der Abwehr eine bisher ordentliche Saison, aber die Saints haben zwei Spieler, die mir als Pats-Fan Angst machen würden – und ein Brees wird Wege finden, entweder diese Jungs zu bedienen, oder die Räume zu nutzen, die durch die Präsenz dieser beiden Jungs entstehen:

  • TE Jimmy Graham, für mich einer der Spieler der Saison bisher: Wer zum Teufel soll Graham decken?
  • Und sollte man irgendwelche Mittel finden, um Graham kaltzustellen, ist da noch der kleine Irrwisch, RB #43 Darron Sproles. Den mussten die Pats im letzten Aufeinandertreffen dieser beiden Mannschaften (2009) noch nicht kaltstellen.

Jenes Aufeinandertreffen war im November 2009. Saints gewannen irgendwo in der Region 35-17 (es war eine Woche nach dem 4th-und-2 Spiel der Pats in Indy), und ich hatte bis dahin nie ein Spiel gesehen, in dem Bill Belichick so ratlos an der Seitenlinie gestanden hatte. Belichick wusste damals nicht, wie ihm geschah.

Heute haben nicht die Saints, sondern die Patriots Heimvorteil. Das könnte mit entscheidend sein, auch wenn für heute Abend (bzw. Nachmittag lokaler Zeit) gutes Wetter angekündigt ist. Ich glaube, die Saints sind hier zu favorisieren.

San Francisco 49ers – Arizona Cardinals

Kickoff 22h25

Beide Teams befinden sich in einem merkwürdigen Zwischenzustand zwischen zuletzt wieder akzeptablen Ergebnissen und eher unzufriedenstellenden Leistungen. Vorneweg die 49ers, die zuletzt zwar den Texans 34 Punkte einschenkten, aber QB Kaepernick in der Offense 6/15 für 113yds. Bolzen vermieden, aber alles was nicht in Richtung TE Davis oder WR Boldin ging, war Grütze. Wenn man sich da anschaut, welche Abwehrbolzen die Cardinals dagegen aufmarschieren: DE Campbell als Beschäftigungstherapie für jedweden Offense Tackle, LBs Dansby und Washington (Washington war phänomenal gegen die Panthers) für die „Tight End-Zone“ und einen CB Patrick Peterson, der kräftig genug für den Brocken Boldin sein dürfte.

Dallas Cowboys – Washington Redskins

Kickoff 2h25, live bei SPORT1 US

Dallas gegen Washington ist eine der wenigen wirklichen historischen Rivalitäten, die in der NFL immer einen Wert haben, egal wie gut oder schlecht beide Teams gerade drauf sind. Das geht noch zurück in die Zeiten, in denen der rassistische Redskins-Besitzer George Preston Marshall eine NFL-Expansion südlich von Washington verhindern wollte – unglaublich eigentlich. Cowboys und Indianer – eine ewige Rivalität.

Heute ist der Redskins-QB ein Farbiger, und wir alle kennen ihn. Es wird interessant zu sehen sein, wie weit RG3 nach der spielfreien Woche ist: In den ersten Wochen hatte er sichtlich noch ein paar Unsicherheiten, vertraute seinem Knie noch nicht 100%ig – ein völlig normaler Prozess. Die Redskins haben ohnehin andere Probleme, zum Beispiel in der Defense, wo trotz zweier starker Passrushers die Passverteidigung keinen Stich macht. Nicht gut, wenn’e gegen QB Tony Romo in der Form dessen Lebens spielst. Romo gilt unter einigen Experten als nächstbester Saison-QB zu Peyton Manning, und Romo zerlegte letzte Woche die Broncos-Defense nach Strich und Faden.

Gemessen an den bisher gesammelten Eindrücken sehe ich a) nicht, wer Romos #1-Ziel WR Dez Bryant decken soll und b) wie die Redskins heute in Dallas gewinnen wollen. Mit Kreation von sieben Turnovers und drei Return-TDs? Würde da nicht drauf wetten…

3 Kommentare zu “Der Nachtspiele-Vorschauer am sechsten NFL-Spieltag 2013/14

  1. Amendola sollte man aus Pats-Sicht freisprechen, er hat erst zwei Spiele gemacht und gefühlt maximal 2 Bälle nicht festgehalten. Der fängt sogar die allerschwierigsten Bälle extrem sicher. Das Problem dieser Offense ist in erster Linie der ungenaue Brady, danach kommt es mir so vor als ob oftmals Receiver einfach nicht frei stehen. Und natürlich die ganzen Drops von den Rookies. New England kriegt natürlich seit der Offseason ständig news-technisch in die Fresse, aber da müssen sie durch.
    Gronk wird wohl nicht spielen und das führt laut ESPN mittlerweile schon zu Problemen mit der Mannschaft.

  2. Bei New England spielt im Moment einfach alles mit rein.
    Defense eigentlich gut, aber jetzt verletzen sich auch noch beide Veteranen DTs.
    Die Offense ist aus mehreren Gründen schlecht. Erstmal muss man sich komplett darauf einstellen ohne TEs auszukommen. Bei den Receivern ist man selbst Schuld. Man lässt Welker gehen und holt als „jüngeren“ Ersatz einen Mann, der sich schon beim Zähneputzen einen Kieferbruch zuzieht. Die Rookies lasse ich mal außen vor…sind halt Rookies. Aber wenn man jetzt schon Cap-Space hat, dann muss ich da halt mal wirklich was tun (Nicks, Sanders).
    Warum Gronk heute zurückbringen…Reicht, wenn er bei Spielen gegen die AFC dabei ist. Muss eh wieder Masse an seinem Arm aufbauen.

    Auch wenn die Defense gut spielt, wird ne klare Niederlage werden. Kann ich mit Leben.

  3. Pingback: NFL 2013/14, Week 6: New England Patriots – New Orleans Saints im Liveblog | Sideline Reporter

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