NFL Notizblock, Week 6: SNF Washington Redskins @ Dallas Cowboys

Die Dallas Cowboys (2-3) empfingen mit der Motiviation des „moralischen Sieges“ im bisher wildesten shootout der Saison letzte Woche gegen Denver die Washington Redskins (1-3). Die Haupstädter erholten sich in ihrer bye week und konnten so regeneriert und frisch versuchen, den Anschluß an die Spitze der NFC East zu halten. Die Teams der NFC East zeichnen sich in dieser Spielzeit vor allem durch aufregende Konzepte (Eagles), aufregendes Unvermögen (Giants) und aufregende individuelle Talente (Skins, Cowboys) aus – aber weniger durch Siege. Hier nun mußte eine der Mannschaft der ehemaligen NFC Beast gewinnen.

Am Sonntag in Jerry´s World zeigte sich allerdings, wer wirklich das Talent hat – und wer nicht. Während die Cowboys gleich mehrere blue chippers in ihren Reihen wissen, haben die Redskins gerade mal zwei halbe. Diese zwei halben, Left Tackle Trent Williams und Quarterback Robert Griffin, konnten denn auch nichts ausrichten gegen die individuelle Klasse der `Boys.

Stats / Gamebook

Gamebook Redskins@Cowboys

Obwohl Dallas´ bester Verteidiger, OLB DeMarcus, auch weiterhin angeschlagenen nur so vor sich hin humpelt, kam Washington nie so recht voran. Das lag vor allem an drei Spielern. Sean Lee – der oft vergessen wird, wenn bei der Rede um die großartigen jungen Linebackers immer nur NaVorro Bowman, Luke Kuechly und Bobby Wagner genannt werden – ließ keinen Lauf am mid level vorbei. Falls die die Skins mit ihrer gefürchteten Laufmasche überhaupt mal bis dahin kam und nicht schon vorher von Jason Hatcher eingestampft wurde. Hatcher war der einzige topfitte etatmäßige Starter in einer arg dezimierten Defensive Line und hat seinen Nebenleuten das Leben enorm erleichtert. Rechnet man den überraschenden 45-yard-TD-Lauf von Alfred Morris heraus, blieben für diesen nur 36 Yards aus 15 Läufen. Wenn etwas am Boden ging, dann über die Beine Griffins, wenn er mal aus der pocket ausbrach.

Das Paßspiel kam auch nie so recht in Gang. Das lag vor allem an CB Brandon Carr, der WR Pierre Garcon ununterbrochen Kopfschmerzen bereitete. Das Blöde für Griffin ist, daß dieser Garcon der einzige vernünftige Receiver ist. Underneath hat Lee auch so einiges abgeräumt. Wenn etwas ging für Washington, dann gegen den fürchterlichen Barry Church. Ohne die Ausbrüche Griffins (9 Läufe für 77 Yards), sähe diese Offense aus wie die Jacksonvilles. Das Paßspiel funktioniert nur, wenn auch das Laufspiel funktioniert – funktioniert das Laufspiel nicht, sind Griffin und seine WRs überfordert.

Auf der anderen Seite hatte Dez Bryant zwar nicht seinen allerbesten Tag, aber trotzdem glaube ich mittlerweile, daß er der talentierteste Wide Receiver der NFL ist. Leider zeigt er das nur streckenweise und nicht konstant über mehrere Wochen. Würde er das mal, hätte QB Tony Romo jeden Sonntag  500 Yards auf der Uhr. Diese Woche wurde es ihm ziemlich schwer gemacht, vor allem weil Offensive Coordinator Bill Callahan nach der Verletzung von DeMarco Murray keine Laufspielzüge mehr angesagt hat und Washingtons DC Jim Haslett daraufhin geblitzt hat bis es knallt.

Aber langer Rede kurzer Sinn: am Ende werden knappe Spiele und Divisionsduelle immer von drei Dingen entschieden: Turnovers, Special Teams, Penalties. Penalties: Washington 12, Dallas 7. Return Yards: Washington 46, Dallas 222. Turnovers: Washington 3, Dallas 1.

Die Cowboys spielen nun nächste Woche um die alleinige Führung in der NFC East gegen die Philadelphia Eagles. Washington empfängt nächsten Sonntag Chicago und könnte mit einer Niederlage sogar hinter den FC Slapstick aus New York zurückfallen. Die Stühle des Shanaclans werden so langsam wärmer.

Die Akademische Viertelstunde, Woche 7: Das Vorbeben

Woche sieben im College Football ist gespielt, und passenderweise gingen am Wochenende sieben Top-25 Teams aus dem Poll der Associated Press baden: Georgia, Florida, Washington, Oklahoma, Michigan, Northwestern und Stanford. Ersteres Trio verlor zugegebenermaßen gegen jeweils ebenso gerankte Teams, aber das Quartett am Ende ging gegen jeweils nicht gerankte Teams baden.

Mit Georgia und Stanford sind dann auch gleich zwei der größten Titelfavoriten im Rennen um die National Championship betroffen, und somit haben wir eine Woche vor den ersten B.C.S. Rankings 2013 (letzte Woche hatte ich sie eine Woche zu früh angekündigt) schon mal ein kleines Vorbeben auf das, was vielleicht noch kommt.

Spiele der Woche

Auch spielerisch war es die bisher vielleicht hochklassigste Woche. Ein sehr spannendes Spiel gab es zum Beispiel in Athens, GA, wo die Heimmannschaft der Georgia Bulldogs ihren vielen Verletzungen Tribut zollen musste und gegen die Missouri Tigers überraschend mit 26:41 verlor. „Mizzou“ war nicht die bessere Mannschaft, aber wohl die tiefer besetzte, während bei den Bulldogs mehrere Starter in der Offense und Defense fehlten. Man merkte das.

Die „Red River Rivalry“ zwischen Texas und Oklahoma war zwar kein überragendes Spiel von der Qualität, aber es ist erstens immer eine der größten Ansetzungen, die der College-Sport hergibt, und zweitens endete sie in einer großen Überraschung: Texas gewann 36:20. Es war nicht einmal ein glücklicher Sieg, sondern die Mannen von Head Coach Mack Brown waren einfach besser. Sie machten nicht nur die schlechten Leistungen dieses Jahr wett, sondern polierten auch ihren Ruf mit einer mannschaftlich blitzsauberen Leistung auf. Mack Brown wird wohl trotzdem nicht zu halten sein und sein Abgang scheint trotz des Sieges unausweichlich, aber immerhin verabschiedet sich einer der erfolgreichsten Coaches des letzten Jahrzehnts mit einem Highlight von der University of Texas.

Ein Klassespiel gab es auch in Salt Lake City, wo die Utah Utes die in den Top-5 gerankten Stanford Cardinal mit 27:21 schlugen. Das Spiel war im ersten und vierten Quarter sehr wild. Nachdem Stanford mit einem sehr glücklichen Referee-Call den Anschluss-TD geschafft hatte, führte QB Kevin Hogan den allerletzten Drive mit Seelenruhe aus, verwertete alle schwierigen Third und Fourth Downs, ehe es 47 Sekunden vor dem Ende dann doch einer zuviel war: Der allerletzte Pass Hogans segelte knapp zu hoch durch die Endzone, und Stanford holte sich seine obligatorisch-überflüssige Pleite ab. Es ist noch nicht alles verloren für „The Farm“, denn man kann immer noch die Pac-12 North mit einem Heimsieg gegen Oregon im November gewinnen, aber die B.C.S.-Chancen werden durch diese Niederlage herb geschwächt. Für den einstigen B.C.S.-Buster Utah war es hingegen einer der größten Siege in der Uni-Geschichte.

Die Legende besagt, dass der Mythos des Johnny Manziel vor ziemlich genau einem Jahr gegen die Ole Miss Rebels geboren wurde, als Manziel ein Comeback im vierten Viertel zurücklegte. Genau gegen diese Rebels spielte Manziel mit den Texas A&M Aggies am Samstag erneut – auswärts. Manziel verdrehte sich gleich zu Spielbeginn eh schon angeschlagen das Knie, humpelte ein wenig an der Seitenlinie herum und kehrte dann ins Spielgeschehen zurück, um Ole Miss das Fürchten zu lehren.

Das Spiel entwickelte sich zum Schlagabtausch zwischen zwei genialen Offenses, und Manziel sammelte wieder weit über 350 Passing-Yards und über 100 Rushing-Yards. Trotzdem lagen die Aggies wenige Minuten vor dem Ende wieder 38:31, also einen TD, zurück. Manziel orchestrierte, Manziel improvisierte, und er drehte die Partie noch zum 41:38 Sieg. Der kleine Schmierfink machte auch auf sich aufmerksam, weil er bei seinen Scrambles ungefähr 40 Kilogramm schwerere Brocken abprallen ließ. Den entscheidenden Kick versenkte mit auslaufender Uhr übrigens Josh Lambo, ein ehemaliger Torwart beim F.C. Dallas (ein Team aus der Major League Soccer).

Das irrste Spiel mit der besten Stimmung im Stadion war aber wohl Penn State Nittany Lions gegen Michigan Wolverines, das die Lions 43:40 gewannen. Es war das erste Spiel in dieser Saison, das in die vierte Overtime ging. Gekennzeichnet war es, wie so viele Overtime-Spiele, von einem fehlerhaften Spielverlauf auf beiden Seiten, mit verkickten Field Goals und verpassten Chancen für die Kontrahenten. Erst ein „QB Sneak“ von Christian Hackenberg 27 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit brachte Penn State überhaupt in die Verlängerung, und dort gab es nur in zwei der vier Overtimes Punkte. Dabei schlug sogar das „Bad Karma“ vom auf diesem Blog bereits bekannten Kicker der Nittany Lions, Sam Ficken, wieder zu, aber es reichte am Ende trotzdem für Penn State.

Wer das Spiel und die Minuten direkt danach gesehen hat, der wird es nicht so schnell vergessen. 107.000 im Stadion sorgten für mehr als bloß Gänsehaut-Atmosphäre. Für Penn State war es der größte Höhepunkt der letzten Jahre, für Michigan die erste Saison-Pleite, eine Niederlage, die überfällig war, nachdem die Wolverines in den letzten Wochen mehrere wenig überzeugende Spiele nur mit Glück gewinnen konnten.

College-Football goes out of Bounds

  • Ab nächster Saison wird es in der Bowl-Season ein Spiel auf den Bahamas geben: Die kleinen Ligen M.A.C., The American, Sunbelt, C-U.S.A. sowie Mountain West haben sich darauf geeinigt, in die Karibik auszuziehen. Die gleichen Ligen wollen untereinander auch rotierend Bowls in Miami und Boca Raton (nahe Miami) austragen.
  • Wisconsin und Louisiana State vereinbarten für die 2016er Saison ein Spiel im legendären Lambeau Field der Green Bay Packers, das als eines der letzten Profi-Stadien noch so aussieht wie die klassischen College-Schüsseln.
  • Die krasseste Idee verkündeten unter der Woche aber die Tennessee Volunteers und die Virginia Tech Hokies, die ebenso im nicht mehr so fernen Jahre 2016 tatsächlich eine Partie am 10. September ein Spiel im NASCAR-Speedway von Bristol (Tennessee) austragen. Das Oval bringt in der Spitze bis zu 160.000 Menschen unter – das wird ein einmaliges Ereignis und könnte den Rekord an Zuschauern brechen. Der wurde dieses Jahr aufgestellt, als bei Michigan gegen Notre Dame über 115.000 Stück im Stadion zusahen. Der Speedway sieht übrigens furchteinflößend eng aus.

Damit sei es für diese Woche belassen. Die Autorin zittert ohnehin schon dem Samstag entgegen, wenn der Schlager in der Atlantic Coast Conference ansteht: Die #3 Clemson Tigers empfangen in der Primetime im eigenen Stadion die #5 Florida State Seminoles. Beide sind ungeschlagen. Nur der Sieger hat wahrscheinlich noch Meisterschaftschancen in der A.C.C. sowie der Bowl Championship Series.