NFL-Power Ranking 2013, Woche 6: Wer ist Carolinas wahrer Coach?

Eine kleine Neuerung in den Power-Rankings diese Woche: Ich habe die Penalty-Yards auf die Special-Teams ausgeweitet: Die Korrelation mit oder ohne Special-Teams Plays ist nur in der dritten Nachkommastelle anders, deswegen habe ich entschieden, ab sofort auch die zirka 22 Special Teams Plays, die jede NFL-Mannschaft im Schnitt pro Partie absolviert, mit zu inkludieren.

Woche 5 war übrigens ein recht erfolgreiches Wochenende für dieses Power-Ranking: 10-5 korrekte Tipps. Damit hat es in der korrigierten Version in den ersten 29 Partien diese Saison 18 korrekte Tipps abgegeben (.620) – für die ersten Wochen, in denen man für gewöhnlich noch nicht viel über die wahre Stärke der Teams aussagen kann, schon recht ordentlich.

Nachfolgend sei das Ranking nach Woche 6 ausgewiesen, mit angehängter Tabelle der wichtigsten Stats, Kommentarsektion sowie den Tipps für Woche 7.

NFL-Power Ranking nach Woche 6

NFL-Power Ranking nach Woche 6

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das (provisorische) Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 6.

Statistik-Tabelle

Statistik-Tabelle nach Woche 6

Statistik-Tabelle nach Woche 6

Kommentarsektion

Die Broncos bleiben trotz der durchwachsenen Leistung gegen Jacksonville ganz vorn. Der Absolutwert der Broncos nahm auch keinen allzu großen Schaden, was vor allem am gestiegenen Regressionskoeffizienten liegt. Ich schrieb letzte Woche, dass Peyton Manning seine 9.1 NY/A im Passspiel nicht würde halten können. Schon gegen Jacksonville setzte die Regression ein, Denver ist trotz des vergleichsweise einfachen Loses nur mehr bei 8.7 NY/A. Trotz der zweitschlechtesten Pass-Defense im Lande reicht es aber weiter für die Spitzenposition. Ab sofort ist dann auch wieder Von Miller mit von der Partie.

Das Freak-Team sind die Philadelphia Eagles an #4, bei denen ich zugeben muss: Der Augentest sieht hier kein Top-10 Team. Zu schwach ist die Eagles-Defense, in der (optisch zumindest) so vieles nicht zusammenpasst. Aber: Aufgegebene 6.8 NY/A gegen den Pass sind „immerhin“ nur der elfschlechteste Wert in der NFL. Und die Eagles-Offense ist an #2 hinter Denver gerankt. Was die Defense wert ist, wird das nächste Spiel zeigen: Es geht gegen Gunslinger Tony Romo.

Die San Francisco 49ers beißen sich zurück ins Rennen. Zuerst zur Offense: QB Kaepernick durchleidet zwar immer noch ein tiefes Tal, aber in TE Vernon Davis haben die 49ers vielleicht den besten Tight End der Liga. Den besten? Ich hatte am Wochenende eine Diskussion mit einem geschätzten Kollegen, der so argumentierte: Witten hat den weitaus besseren Support-Cast, Gronkowski ist aktuell dauerverletzt, Gonzalez kann nur fangen, und im Vergleich zu Jimmy Graham ist Davis der bei weitem bessere Blocker. Ich muss ihm da irgendwo recht geben…

Größtes Problem der 49ers ist meiner Meinung nach das Defensive Backfield, das sich am Sonntag mit zwei INTs herausreiten konnte, aber: Diese Cornerbacks sind massivst überschätzt. Ein Carlos Rogers als Top-Corner ist gegen die Star-QBs ein Himmelfahrtskommando. Und die Safetys sind auch so bolle nicht: Hitner ist ein boom or bust-Spieler, Reid ein Rookie, der seine vielen Böcke bisher nur mit INTs übertüncht. Die Pass-Defense ist trotzdem mit 5.7 NY/A die 7t-beste in der Liga, was ich mit einem erstaunten Stirnrunzeln quittiere.

Kansas City? Diese 2011-49ers Kopie spielte bisher einen richtig schwachen Schedule, und bringt trotzdem nur 5.8 NY/A im Passspiel zustande. Wie es Barnwell am Montag so schön schrieb: Gegen den Bodensatz reicht das, aber wenn die richtig guten Quarterbacks kommen und schnell Punkte auf das Tablett legen, wird Alex Smith im Comeback-Modus gekillt.

Panther-Sprung für Carolina. Wenige Stunden, nachdem ich die Panther-Offense kritisierte, antwortete Cam Newton mit einer einwandfreien Leistung. Carolina hat nach diesem Ranking zwar weiterhin nur die 22t-beste Offense, aber dafür auch die drittbeste Defense. Die Nachricht des Tages ist aber folgende:

 “It’s about trying to make a statement,” Rivera said of his fourth-down risks on Monday. “And it’s probably also honestly one of the things that I’ve learned. Sometimes you play by the book and you miss opportunities. It’s been an enlightening situation for me. One of the things that I want to try to do is to make sure we are in the best position to win. And the other realization is kicking field goals is obviously not good enough.”

Wenn Rivera das in Zukunft durchzieht, wäre das eine der größten Sensationen, die ich an Umdenkprozess in den letzten Jahren gesehen hätte. Ich traue dem noch nicht ganz, denn der Mensch ist en Gewohnheitstier, aber zieht Rivera das durch, weiß ich, wer Coach des Jahres wird.

Eines der Teams des Jahres stellen die Tennessee Titans. Augentest: Die können nix. Aber selbiges könntest du gegen bisher jeden Titans-Gegner sagen. Die Titans lassen jeden Gegner schlecht aussehen. Die Run-Offense ist komplett steril, aber die Defense ist zeckig und der Schedule ist der bislang 8t-schwerste. Trotzdem sind die Titans nach zwei „un-Lockeren“ Spielen auf #20 abgerutscht.

Die 0-6 New York Giants gelten für das Ranking weiterhin als Mittelklasse-Team. Ich kann verstehen, warum: Die Pass-Offense ist guter Durchschnitt, und der Schedule der Giants ist der Schedule der schwerste bisher (.608) – und es ist nichtmal knapp: Washingtons (.562) zweitschwerster Schedule ist näher an Baltimore (.516) mit dem 13t-schwersten Schedule als an den Giants. Regression coming soon.

Das Ranking ist vom Comeback-Sieg der Patriots gegen die Saints nicht sonderlich beeindruckt; Brady hatte auch gegen die Saints keine 6 NY/A im Passspiel und nutzte erst die allerletzte von vielen Chancen. Ich hatte trotzdem aufgrund des „Boosts“ im Schedule einen Anstieg der Pats erwartet, aber: Nada. Andere bisherige Gegner wie Bills, Jets oder Buccs stürzten hinreichend ab um diesen potenziellen Boost für die Pats zu negieren.

Jacksonville rutscht trotz der ordentlichen Leistung in Denver im Ranking weiter ab. Das einzige Trostpflaster: Die Jags haben die Buccs im Pass-Offense Ranking überholt und sind mit 5.1 NY/A der Tebow-Zone entfleucht. Tampa ist nun Letzter in der Pass-Offense.

Award Section

  • MVP-Watch: Peyton Manning, Drew Brees, Romo, Andrew Luck, Dontari Poe
  • Offense-MVP Watch: P. Manning, Jimmy Graham, LeSean McCoy
  • Defensive-MVP Watch: Poe, J.J. Watt, Ndamukong Suh, Richard Sherman, Justin Houston
  • Rookie of the Year-Watch: Star Lotulelei, Kiko Alonso, DeAndre Hopkins, Sheldon Richardson
  • Coach of the Year Watch: Chuck Pagano, Andy Reid, Sean Payton

Aufgrund der exzellenten Bewertung bei PFF.com habe ich Sheldon Richardson in die „Watch-List“ mit aufgenommen. Ansonsten keine Änderungen diese Woche. Rivera bleibt im Hinterkopf.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 7

Letzte Woche eine akzeptable 10-5 Bilanz für das Power-Ranking. Die Wahrscheinlichkeiten für Woche 7 sehen so aus:

HOME                 %   AWAY                  %
Arizona             36   Seattle              64
Atlanta             69   Tampa Bay            31
Detroit             59   Cincinnati           41
Miami               61   Buffalo              39
NY Jets             57   New England          43
Philadelphia        67   Dallas               33
Washington          43   Chicago              57
Carolina            80   St Louis             20
Jacksonville        28   San Diego            72
Tennessee           42   San Francisco        58
Green Bay           70   Cleveland            30
Kansas City         71   Houston              29
Pittsburgh          67   Baltimore            33
Indianapolis        49   Denver               51
NY Giants           63   Minnesota            37

Relativ wenige enge Matchups diese Woche. Jets-Patriots ist ein Spiel zwischen zwei Teams mit quasi identischem Ranking, ergo macht der Heimvorteil den Ausschlag. Heimvorteil ist, wie wir wissen, für gewöhnlich 57% – also gewinnen ein Team mit den Werten der Jets auf lange Sicht 57 von 100 Heimspielen gegen ein Team mit den Werten der Pats.

Das knappste Matchup gehört wie schon letzte Woche den Indianapolis Colts, die bei der Rückkehr von Peyton Manning ins Lucas Oil Stadium minimalster Außenseiter sind: Das Power-Ranking gibt den Colts eine 49.8%ige Chance – das ist Münzwurf-Niveau.