Date am Donnerstag, #7: Arizona Cardinals – Seattle Seahawks Preview

Thursday Night Football diesmal wie schon vor wenigen Wochen mit einer Ansetzung aus der NFC West: Heute sind des Arizona Cardinals (3-3) und die Seattle Seahawks (5-1), die sich ab 2h30 MESZ (live bei SPORT1 US) matchen. Austragungsort ist das University of Phoenix Stadium in Glendale/AZ.

Die Seahawks wurden nach dem überragenden Start in die Saison zuletzt etwas gestutzt und hatten drei Spiele lang einige Probleme, sich gegen scheinbar schwächer besetzte Gegner durchzubeißen. Auch am Sonntag war das in gegen Tennessee wieder ein Hängen und Würgen, in dem die Hawks-Offense über weite Strecken wie eine völlig normale Mannschaft aussah. QB #3 Russell Wilson und ein in der zweiten Halbzeit effizienterer RB #24 Lynch rissen das Spiel heraus, aber es ist unverkennbar, dass Seattle derzeit vor allem in der Offensive Line zu knabbern hat: Zwei Starter fehlen derzeit noch verletzungsbedingt, und vor allem die linke Seite ist derzeit ein offenes Fass.

Da kommt Arizona mit seiner nominell fassungslos gut besetzten Front-Seven genau zum schlechtesten Zeitpunkt daher, wobei: Seattle könnte noch Glück haben, dass ausgerechnet am Sonntag der wichtigste Verteidiger der Cards mit einer schrecklich aussehenden Verletzung abtransportiert wurde: DE #93 Calais Campbell, der aber nach einigen Medienberichten heute möglicherweise schon wieder einsatzbereit ist! Campbell ist eine Wucht, der auch seinen Nebenleuten hilft: DT #92 Dan Williams und DT #90 Darnell Dockett, der längst nimmer die Granate der Superbowl-Cards ist.

Die Cards haben auch einen faszinierenden Linebacker-Corps, der letzte Woche wieder Auffrischung erfuhr, weil der famose LB #58 Daryl Washington wieder zurückkehrte. Washington hatte gleich mal einen Einstand nach Maß und geigte wieder auf wie zu besten College-Zeiten bei TCU. Neben Washington blüht offensichtlich auch wieder der schon abgeschriebene LB #56 Dansby auf, den die Dolphins aus verständlichen Gründen (Alter) ziehen ließen, der an alter Wirkungsstätte in Arizona aber wieder eine Saison vor dem Herrn zu spielen scheint. Passrush schlägt bei den Cards von allen Seiten ein, nachdem bei den OLBs Leute wie #91 Shaughnessy, #50 Moch oder #55 John Abraham spielen.

Hinten sichert die LSU-Combo #21 Patrick Peterson und #32 Honey Badger ab. Die Cards-Defense lässt zwar 6.3 NY/A zu und ist damit nur Mittelmaß, aber sie ist in allen Play-by-Play Stats wie Success-Rate gegen Lauf und Pass oder EPA/Play in den Top-10 oder knapp außerhalb der Top-10 beheimatet.

Über Seattles Defense wissen wir Bescheid; erwähnenswert seit den letzten Lobhuldigungen meinerseits vor wenigen Wochen ist vielleicht, dass mittlerweile in OLB #51 Bruce Irvin oder DE #91 Chris Clemons zwei Leistungsträger zurückgekehrt sind (Clemons ist heute wegen leichter Armverletzung gegen Tennessee „game time decision“) und vor allem die Defense Line tiefste Tiefe im Kader zu verweisen hat, und vielleicht noch, dass FS #29 Earl Thomas entgegen meiner Prognosen ja doch zeitweise fehlbar aussieht.

Frage ist halt, ob QB #3 Carson Palmer (nur 6.0 NY/A, wirft in jedem 20ten Pass eine INT – nur die beiden New Yorker QB-Granaten Eli Manning und Geno sind noch unzuverlässiger) das auszunutzen imstande ist: Mit Palmer als QB sind die Cards das, was man sich erhofft hatte, nämlich deutlich effizienter als in den letzten Jahren, wo man froh war, überhaupt positive Yardage im Passspiel zu erzielen. Aber Palmer ist auch, analog seiner Zeit in Oakland, weiterhin extrem turnoveranfällig. Anspielstationen hat er freilich auch net viele: #11 Fitzgerald und gelegentlich #15 Michael Floyd sind tolle Wide Receiver, aber hinter dem Duo ist quasi nix da. Wenn Fitzgerald von CB #25 Sherman unter Kontrolle gehalten werden kann, sehe ich schwarz für Arizonas Offense.

Zumal die Cards ein ernsthaftes O-Line Problem haben; auch das ist bekannt aus den letzten Jahren. Es gibt keine Tackles und auf Right Guard ist seit Coopers Verletzung praktisch kein Schutz. Und es gibt es einen Trainerstab, der aus unerfindlichen Gründen weiterhin am ineffizienten RB #28 Mendenhall (35% Success-Rate, 3.3 Yards/Carry, 10 Catches für 66yds) festhält, anstelle den massiv produktiveren Rookie-Backup #38 Andre Ellington aus Clemson einzusetzen: Ellington bringt 50% SR, 7.0 YPC und 18 Catches für 180yds auf das Terrain, und das bei weit geringerer Einsatzzeit.

Kurzum: Seattle ist der Favorit, auch wenn Seattle momentan nicht die beste Phase der Saison durchmacht. Die Cards haben dann eine Chance, wenn Fitzgerald Sherman die Grenzen aufzeigen und Palmer Interceptions vermeiden kann. Beides ist alles andere als gewiss. Ich erwarte keinen Shootout, aber ich würde Seattle mit sieben bis zehn Punkten nehmen.