Der größte Spiel in der Geschichte der Atlantic Coast Conference: Clemson Tigers gegen Florida State Seminoles

Wie ich höre, ist das Spitzenspiel dieser Woche im College-Football in Deutschland nicht über den offiziellen Weg zu sehen, und das ist sehr schade, denn um 02h (MESZ) findet heute der Showdown der Atlantic Coast Conference statt: #3 Clemson Tigers gegen #5 Florida State Seminoles, das größte Spiel in der Geschichte dieser Conference. Clemson und F.S.U. sind Divisionsrivalen in der Atlantic Division, beide ungeschlagen, und nur der Sieger kann sich weiterhin Hoffnungen auf Conference-Titel und B.C.S.-Finale machen.

Clemson ist nicht der geschichtlich größte Rivale der Seminoles, aber das kann auch daran liegen, dass die Seminoles erst seit den späten 1970er und frühen 1980er Jahren eine Hausmacht im College-Football sind, seit die Coaching-Legende Bobby Bowden die Noles zu einem „Powerhouse“ transformierte. Die Noles spielen ja überhaupt erst seit gut zwei Jahrzehnten in der A.C.C. mit. Das erste bedeutungsvolle Aufeinandertreffen zwischen diesen beiden Mannschaften war erst 1988, und das war gleich ein besonders spektakuläres. Die Ausgangslage war damals ähnlich: Clemson an No. 3 gerankt, Florida State an No. 10.

Dann kamen die Noles mit Deion Sanders:

Und sie kamen mit einem der bekanntesten Trickspielzüge in den Annalen des College-Sports, dem „Puntrooski“:

Der Zufall will es so, dass dieses legendäre Upset (Seminoles gewannen) auf den Tag genau vor 25 Jahren passierte. Deshalb wird es heute auch die eine oder andere Anspielung in den Übertragungen daran geben.

Clemson gegen Florida State, das war vor circa einem Jahrzehnt bis vor wenigen Jahren auch die so genannte „Bowden Bowl“, das direkte Duell zwischen F.S.U.-Coach Bobby und dessen Sohn Terry, der Clemson coachte. Das, und die vielen engen Duelle um die Vorherrschaft in der Atlantic Division, die meistens entweder vom einen oder vom anderen gewonnen wird, machte aus Clemson und Florida State über die Jahre intensive Rivalen.

Heute hat Clemson den Heimvorteil. Die Tigers werden von Dabo Swinney gecoacht, einem eher stillen Mann, der lieber im Hintergrund bleibt und seinen Trainerstab um den heißer als Frittenfett gehandelten Offensive Coordinator Chad Morris und seine hoch talentierten Starspieler machen lässt. Swinney und sein Trainerstab lassen keine überaus spektakuläre Offense spielen, aber der Teufel liegt wohl im Detail und in der Konstanz dieser Mannschaft, denn sie scort sehr viele Punkte.

Quarterback ist mit Tajh Boyd ein Farbiger, der nächstes Jahr in die National Football League wechseln wird. Wide Receiver Sammy Watkins (No. 2) ist der größte Star der Offense, seit er vor zwei Jahren als Freshman die Liga im Sturm eroberte und fast die Heisman Trophy gewann. Und es gibt RB Roderick McDowell, gegen den bislang kein Kraut gewachsen war.

Dem gegenüber steht bei den Seminoles nur ein ganz großer Superstar: QB No. 5 Jameis Winston, auch ein Schwarzer und ein Freshman, bei dem schon diskutiert wird, ob er der beste Quarterback in der Geschichte dieser Universität ist. Nach sechs Spielen! Ob was dran ist oder nicht, „Famous Jameis“ hatte einen überragenden Einstand auf dem Parkett und gehört zu den großen Favoriten auf die Heisman-Trophy 2013. Merken sollte man sich bei den Noles auch andere Namen: RB James Wilder jr, RB Karlos Williams oder WR Kelvin Benjamin, die alle früher oder später Profis sein werden.

Im letzten Jahr gewann Florida State dieses Spiel zuhause mit 49:37 und alle bescheinigten damals den Noles die bessere Offensive Line gehabt zu haben. Um nicht technischer zu werden als ich es beurteilen kann: Alle sagen Clemson nach, keine gute Defensive Line zu haben, oder viel besser, eine, die sich gerne überlaufen lässt. Heute hat Clemson Heimvorteil.

Es dürfte klar sein, wo meine Präferenzen heute Abend liegen, aber hierzulande sind die Sympathien und die Tipps durchaus geteilt. Die Noles genießen immer noch einen landesweit guten Ruf, aber unter dem Head Coach Jimbo Fisher haben sie sich zusätzlich das Bild angelacht, in jeder Saison wenigstens ein „großes“ und ein „kleines“ Spiel zu vergeigen. Das heute ist ein „großes“.

Auf der anderen Seite folgen die Noles mit diesem Ruf ausgerechnet dem heutigen Gegner, denn „Clemsoning“ ist ein inoffiziell anerkanntes amerikanisches Wort dafür, aus riesigem Talentevorrat viel zu wenig zu machen, und das seit vielen Jahrzehnten.

Eine der beiden Mannschaften wird heute Abend ihren Ruf vorübergehend abschütteln, aber die Skeptiker sagen: Nur, weil es heute Abend eine Mannschaften nicht vergeigen kann.

GO NOLES.


Der TV-Plan für SPORT1 US stammt wie immer von korsakoff, und ich übernehme ihn ohne weiteres (alle Zeiten MESZ):

18h    Tennessee - South Carolina
21h30  Stanford - U.C.L.A.

Anstatt von Florida State – Clemson kommt bei SPORT1 US IndyCar Racing League, was verstehen mag wer will.

Edit|Nachtrag (korsakoff): Clemson-FSU kommt natürlich im ESPN-Player ab 2h. Ganzen Schedule des ESPN-Players kann man bei dogfood/Allesaussersport nachlesen. – korsakoff(/Update)

Noch was? Ach ja, die Oregon Ducks setzen heute mal wieder einen Modetrend und werden dem Monat des Brustkrebs-Gedenkens zu Ehren in rosaroten Helmen auflaufen.