Der Krisengipfel in der Montagnacht: Minnesota Vikings – New York Giants Preview

Das Monday Night Game von Woche 7 als Krisengipfel: Minnesota Vikings (1-4) vs New York Giants (0-6), heute ab 02h30 live im Gamepass und bei SPORT1 US. Hatte man bei den Vikes die problematische Saison erwarten können, so sind die Giants eine Überraschung am Bodensatz. Die Kernproblematik bei „Big Blue“ kann man in einem Wort zusammenfassen: Turnovers. Die Giants-Offense beging in den ersten sechs Spielen rekordverdächtige 23 Ballverluste (Allzeitrekord halten die 49ers von 1978 mit 63 Turnovers in 16 Spielen acc. to Wikipedia), während die Defense nur sieben forcierte. Eine Ratio von -16 ist die mit Abstand schlechteste der Liga.

Tatsächlich offenbaren sich im Augentest etliche Ungereimtheiten in einem Angriff, der schlicht „out of sync“ aussieht. Das Laufspiel ist ineffizient, QB Eli Manning (6.9% INT-Quote) nicht gerade in der Form seines Lebens, und dann fallen die Bälle halt auch manchmal schlicht in die falschen Hände. Eine Kombi aus Schrotflinten-Präzision und Pech ergibt einfach eine solche Freak-Statistik. Da wir Regression zur Mitte kennen, wissen wir: Die Ratio wird sich fast zwangsläufig verbessern. Die Frage ist bloß: Um wie viel?

Letzte Woche in Chicago sah sogar das Laufspiel um den aus der Versenkung geholten RB-Bullen Jacobs recht annehmbar aus, aber Jacobs ist heute mit Leistenverletzung fraglich. Unter der Woche wurde RB Hillis eingekauft, und heute wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf Rookie Michael Cox (nicht der Michael Cox von Zonalmarking.com) zurückgegriffen.

Ein bissl Laufspielerfolg wäre vor allem deswegen wichtig, weil es die langen dritten Downs zum Teil verhindern könnte. Gut für New York: Die Lauf-Defense der Vikes ist nach Success-Rate die zweitschlechteste der Liga. Auch eine halbwegs saubere Pocket für Manning wäre wünschenswert, aber das könnte zur Quadratur des Kreises werden, wenn ein komplett außer Form befindlicher LT Beatty gegen DE #69 Jared Allen angesetzt wird. Positiv für die Giants: WR Cruz ist in guter Form, und die mittelmäßige Secondary der Vikes muss auf ihren besten Mann, S #22 Harrison Smith, verzichten.

Auf Vikes-Seite gibt es das Debüt von QB #12 Josh Freeman, der in Minnesota einen Neustart versucht; Freeman hat sich als erstes gleich mal eine neue Rückennummer ausgewählt, obwohl die ihm aus Tampa bekannte #5 frei gewesen wäre. Freeman löst die Combo Ponder/Cassel ab, die beide offiziell leichte Blessuren mitschleppen, aber inoffiziell wohl nur allzu gerne durch das Versuchskaninchen Freeman ausgetauscht werden.

Die Frage ist: Was hat Freeman drauf? Freeman ist nach vier Jahren Tampa Bay immer noch eine relative Unbekannte, weil er schlicht so unkonstant spielte. Seine große Stärke ist Improvisationsfähigkeit und ein monströser Wurfarm, aber Freeman unter Passrush-Belastung ist eine Katastrophe, und das übelste: Manchmal kollabiert er ganz einfach ohne Vorwarnung auch in sauberer Pocket.

Nun ist a) von den durch Verletzungen dezimierten Giants dieses Jahr erstaunlicherweise recht wenig Passrush zu erwarten (schlechteste Sack-Rate der Liga trotz großer Namen wie Pierre-Paul oder Tuck – beide arg verletzungs-gehadicapt) und b) hat Ponder adäquates Spielermaterial zur Verfügung: Rookie-WR #84 Patterson hatte immer wieder gute Momente, WR #15 Greg Jennings kann mit seiner Präzision durchaus eine Hilfe für Freeman sein, und in TE #82 Kyle Rudolph gibt es sogar den Tight End, der ihm in Tampa als Checkdown-Anspielstation komplett abgegangen war. Eigentlich ist Rudolph ja mehr als das: Er gilt als einer der besten jungen fangstarken Tight Ends. Das sollte für die Vikes reichen, um den bisher mittelmäßigen Pass-Angriff (6.1 NY/A) zu verbessern.

RB #28 Adrian Peterson hat dieses Jahr eine furchtbare Success-Rate von nur 35%, was nahe dem Liga-Bodensatz ist. Es ist nicht Peterson allein; die Line gibt oft schlicht zu wenig Raum. Peterson hatte einige lange TD-Läufe, sodass es trotzdem zu 4.7 Yards pro Laufversuch reicht, aber konstante Entlastung für einen konstant unkonstanten neuen Quarterback sieht anders aus. Und zu allem Überfluss ist die Lauf-Defense der Giants bei aller sonstigen Schlechtigkeit noch das beste an deren Saison (#10 nach SR%).

Kurzum: Ich sehe hier kein gutes Matchup für die Vikings. New York ist zu favorisieren.