Date am Donnerstag, #8: Tampa Bay Buccaneers – Carolina Panthers Preview

Das heutige Donnerstagnachtspiel (02h30 LIVE bei SPORT1 US) kommt aus der NFC South und bietet mir die Chance, den Scheinwerfer auf die chaotische Situation der Tampa Bay Buccaneers zu richten – jene Buccaneers, die ich zu meinen Superbowl-Favoriten 2013/14 gezählt hatte, und die nach sieben Spieltagen mit 0-6 Bilanz als eine der schlechtesten Mannschaften der Saison am Bodensatz dümpeln.

Mehr noch: Die Buccs sind zur Lachnummer verkommen. Ein in weiten Teilen der Anhängerschaft mittlerweile komplett verhasster und zum Abschuss frei gegebener Head Coach Greg Schiano in seinem heute vielleicht letzten Spiel als Buccs-Trainer. Schiano, ein Grund-Unsympath von Mensch mit einer diffusen Vergangenheit (windige Machenschaften schon bei Rutgers am College), sägte erst QB Josh Freeman bei der ersten sich bietenden Gelegenheit ab um Freeman auch gleich noch unterschwellig ein Drogenproblem zu unterstellen.

Dieses Durchsickern der Freeman-Problematik könnte Schiano auch unabhängig von der sportlichen Enttäuschung den Strick drehen, denn die NFLPA ermittelt in dieser „Leaking“-Geschichte: ein baldiges Untersuchungsergebnis wird erwartet, und bei für Schiano negativem Report könnte er im Entlassungsfall auch den Anspruch auf Abfindung verlieren. Spitze Zungen behaupten, Tampa warte nur noch das (für Schiano negative) Gutachten in einer NFLPA-Ermittlung ab, um die Millionen zu sparen. Dass Schiano rasiert wird, gilt als fix. Das zeitnah erwartete Untersuchungsergebnis sowie die zehn Tage Pause bis zum nächsten Spiel summieren sich zu einem „idealen“ Zeitpunkt für eine Entlassung.

Sportlich führte sich das Team mit einer Unzahl an Strafen und Penaltys in den ersten Wochen der Saison ein, dass Stänkerer nicht anders konnten als darauf hinzuweisen, dass man von einer Mannschaft, deren Trainerstab selbst die „Victory-Formation“ zum Abknien attackieren lässt, nix besseres erwarten kann. Dass Teams, die sich so verhalten, überhaupt leichter in die Lage kommen, die gegnerische Victory-Formation gegen sich zu sehen. Aber da waren die Pleiten noch knapp, und trotz der Defense-Strafen in erster Linie der anämischen Offense zuzuschreiben.

Aber mittlerweile läuft selbst in der Defense alles aus dem Ruder. Zuletzt in Atlanta trat die eigentlich bärenstark besetzte Defense unabängig von den Strafen auf eine Art und Weise auf, die man im Fußball mit „spielen gegen den Trainer“ umschreibt. Da kommt nix mehr. Dieses Jahr ist abgeschrieben.

Als Memo an mich: Der Trainerstab ist eine extremst wichtige Komponente einer Footballmannschaft. Ein herausragender Trainerstab kann eine mittelmäßige Mannschaft weiter bringen als ein herausragender Kader einen mittelmäßigen Trainerstab. Ich habe das Coaching-Problem in Tampa unterschätzt. Aber einen derartigen Absturz hätte ich auch mit viel Pessimismus niemals sehen kommen.

Das „scheming“-Problem der Buccs lässt sich wunderbar am Einsatzgebiet des CBs #24 Darrelle Revis ablesen: Revis‘ Ruf wie Donnerhall gründet auf seiner Fähigkeit, gegnerische Top-Receiver im 1-vs-1 kaltzustellen, scheißegal, wo der sich an der Anspiellinie aufstellt. Dieses meisterhafte Neutralisieren der besten Waffe des Gegners machte Revis quasi zu einer lebenden Legende.

In Tampa wird der beste Manndecker der Liga in eine Zonendeckung gesteckt, acc. to Greg Cosell. Der muss es wissen. Mehr muss man zur fachlichen Qualität des Trainerstabs nicht sagen.

Was heißt das für die Zukunft der Buccs?

Nicht unbedingt Schlechtes. Kaderqualität ist, wie wir wissen, nicht alles, aber sie ist nichtsdestotrotz eminent wichtig. Und Tampa Bay hat von der personellen Besetzung einen der 4-5 besten der Liga, wenn wir die QB-Position rausrechnen. Fast alle Schlüsselpositionen (außer QB) sind mit jungen Weltklassespielern besetzt, von denen niemand besorgnis errgend teure Verträge besitzt: RB mit Doug Martin (2013 allerdings out for the season), OT mit Penn, OG mit Nicks und Joseph, WR mit Jackson und Williams, DT mit McCoy, DE mit Clayborn und mit Abstrichen Bowers, LB mit Lavonte David, Secondary mit Revis und Barron. Mal ehrlich: Seattle hat vielleicht noch einen breiteren Kader, San Francisco ist in der Spitze vielleicht etwas besser besetzt, aber sonst?

Der neue Trainerstab findet 2014 für NFL-Verhältnisse paradiesische Zustände vor, und hat zu allem „Überfluss“ noch das Glück, aus einer breit besetzten QB-Klasse den neuen Franchise-QB auszuwählen. Dass der diesjährige third rounder Mike Glennon nicht des Rätsels Lösung ist, dürfte klar sein. Glennon kann einem in dieser Situation schon etwas Leid tun, als derjenige, der sich dem Spott auf dem Feld ausgesetzt sieht.

Für dieses Jahr ist Tampa abzuschreiben. Vielleicht geht es nach Schianos Rauswurf Richtung Mitte, und Tampa schließt mit einer 5-5 Serie oder so das Jahr ab.


Wie schnell ein neuer Franchise-QB einer Franchise nicht bloß ein neues Image, sondern auch sportliche Perspektive geben kann, zeigt der heutige Gegner. Dort wurde 2011 Cameron Newton mit dem Top-Pick geholt, und quasi über Nacht war eine leblose Franchise wieder ein Contender. Ich verhehle nicht, dass ich Newtons Einberufung damals gelinde gesagt skeptisch gesehen habe, aber ich habe meine Meinung geändert: Newton ist ein Volltreffer. Vielleicht kein Luck oder RG3, aber er macht mit schlechterem Supporting-Cast ähnlich vieles.

Deswegen, und wegen der monströsen Panthers-Front 7, ist Carolina in diesem Spiel zu favorisieren.