Hallowe’en Gruseling Party 2013: Miami Dolphins – Cincinnati Bengals Preview

Das Donnerstagsspiel der NFL-Woche 9 lautet diesmal Miami Dolphins (3-4) gegen Cincinnati Bengals (6-2) und wird um 1h30 angepfiffen (SPORT1 US und Gamepass live). Die Partie hätte man vor rund einem Monat auf Augenhöhe empfunden, aber mittlerweile fühlt sie sich wie ein echtes Mismatch an, da hier zwei Teams mit Trendkurven in unterschiedliche Richtungen aufeinander prallen.

Geschmacksrichtung „nach unten“ sind die Dolphins mit zuletzt vier Niederlage en suite, inklusive unnötiger Divisionspleiten gegen Buffalo und New England. Es hakt vor allem in der Offense, wo QB #8 Ryan Tannehill sich nicht entfalten kann, weil die Rahmenbedingungen nicht passen: Das Play-Calling von OffCoord Mike Sherman ist nicht überzeugend, und das Tackle-Problem schlägt mittlerweile ganz heftig zu: RT Clabo hatte einen derart desaströsen Einstand in Miami, dass zuletzt der LT Jonathan Martin, ein Junge im zweiten Jahr, dem man auf links erhebliche Schwierigkeiten nachsagte, auf Clabos Position stellte, und dafür routinierten LT-Ersatz von außen holte: Den zirka 500 Pfund schweren Bomber Bryan McKinnie aus Baltimore, der in den letzten Jahre nur noch selten zeigte, weswegen er einst ein gefeierter Star in Minnesota war. Immerhin: Drei überdurchschnittliche Spiele machte McKinnie in den letzten Jahren: Alle drei kamen ausgerechnet in den letzten Playoffs…

Die Verstärkung wird dringend gebraucht: Tannehill kassierte 32 Sacks in den ersten sieben Spielen (das sind die meisten; auf 100 Pässe kassiert Tannehill 10.9 Sacks, #30 der Liga). Und der heutige Gegner Cincinnati fährt eine gefürchtete Defense Line auf, in der ein Allstar in DT #97 Geno Atkins innen kommen kann, und gefährliche Passrusher wie DE #98 Dunlap oder DE #96 Johnson über außen. Wenn die Dolphins Tannehill nicht wenigstens die Zeit zum Schauen geben können, hagelt es heute erneut Sacks.

Im Corp der Ballfänger muss Miami ab sofort Brandon Gibson vorgeben (out for season) – ein übler Verlust im Slot, wo man sich plötzlich nichts sehnlicher zurückwünschen würde als den in der Offseason nach Cleveland verkauften Davone Bess. In TE #42 Charlie Clay gibt es immerhin einen überraschenden neuen Stern, aber das Top-WR Duo #11 Mike Wallace (Ziel jedes vierten Tannehill-Wurfs) und #82 Brian Hartline sind bislang so banal wie das leblose Dolphins-Laufspiel um RB #26 Lamar Miller. Vor allem Wallace‘ Einfluss ist deutlich geringer als es sein monströser Vertrag erwarten ließ.

Der Langzeitausfall von CB #29 Leon Hall sollte heute für Cincinnati damit auch nicht allzu schwer ins Gewicht fallen; die Secondary ist überhaupt so grundsolide, dass sie schon Green Bay abwürgte. Über die Saison kassiert die kollektive Pass-Defense der Bengals ganze 5.4 NY/A, ein beeindruckendes Zeugnis für den stillen DefCoord Mike Zimmer. Zuletzt wurde sogar der letztjährige 1st-Rounder CB Dre Kirkpatrick verstärkt eingesetzt, nachdem man schon das Bust-Label befürchten musste: Kaum Einsätze 2012 + nur 2 Snaps für Kirkpatrick im Season-Opener 2013, aber zuletzt immerhin 42 Snaps gegen die Jets. „Aus der Not eine Tugend“ oder wird Kirkpatrick tatsächlich besser?

Dass Cincinnati Defense spielen kann, wusste man; umso erstaunter war man in den letzten zwei Wochen dann aber ob der plötzlichen Effizienz der Offense um den bislang als blässlich empfundenen QB #14 Andy Dalton (gegen DET und NYJ 8 TD vs 1 INT), der mittlerweile 7.3 NY/A generiert und damit einen Top-10 Pass-Angriff anführt. Ich bin noch nicht überzeugt; gegen Detroit verfehlte Dalton gleich mehrere tiefe Bälle. Der Mann bleibt limitiert. Was aber definitiv besser wurde zuletzt: Die Bengals-WRs hinter der Megawaffe A.J. Green.

Man sah zu Saisonbeginn spärliche Versuche, das Spiel von Green „unabhängiger“ zu machen, was für Cincinnati in einigen Spielen mit kaum mehr Anspielen für Green resultierte. Zuletzt wurde Green wieder mehr in die Pflicht genommen, bekam die wichtigen Routen, und schaffte somit offensichtlich auch wieder Räume für die Mitspieler – und diese, wie #12 Marv Jones oder die Tight Ends #82 Eifert | #84 Gresham nutzen diese besser. Green bleibt mit 31% Anspielen der zentrale Fokus, aber Dalton verteilte die Bälle zuletzt effizienter an seine Nebenleute.

Das Bengals-Laufspiel bleibt weiterhin extrem ineffizient; der Rookie Gio Bernard hat seinen größten Impact als Empfänger von Screenpässen mit langen Läufen nach dem Catch. Miami hat eine exzellente Lauf-Defense. Trotzdem ist nicht zu erwarten, dass Bengals-OffCoord Gruden von seiner Pass/Lauf-Ratio ablässt.

Gepaart mit der exzellenten Offense Line der Bengals, die die größte Stärke Miamis (Defense Line um DT Odrick und DE Wake) neutralisieren sollte, bleibt den Dolphins eigentlich neben dem Heimvorteil nur noch die Hoffnung der dezenten Unkonstanz der Bengals: Die machten die nominellen Spitzenteams in ihrem Schedule bisher platt, verloren aber andererseits vergleichsweise einfache Partien wie @Cleveland oder @Chicago und hatten Probleme gegen Buffalo. Ein bissl unausgereift wirkt Cincinnati schon noch im Angriff, das gebe ich gern zu, aber die Entwicklung der letzten Wochen stimmt positiv, deswegen würde ich Cincinnati hier recht klar favorisieren.