College Football 2013/14, Week 10 Preview: Revival einer epischen Rivalität

Florida State Seminoles gegen Miami Hurricanes: Es ist schwierig, die historische Bedeutung dieses “Derbys” begreiflich aufzubereiten. Es ist keine historisch gewachsene Rivalität, aber weil beide ziemlich genau zur selben Zeit ihre Blüte erlebten, nämlich in den 80ern und 90er Jahren, und somit beide zugleich um für viele Jahre um den National-Title spielten, ist Seminoles gegen Hurricanes von sportgeschichtlich großer Bedeutung im amerikanischen College-Sport. Freilich habe ich diese Blütezeit nicht selbst erlebt, aber aus unzähligen gut aufbereiteten Texten (ich sage stellvertretend nur: Michael Weinreb) kann man Eindrücke jener Zeit gewinnen. Ein Tenor schwingt immer mit: Florida State und Miami standen schon in den 80er Jahren wie keine anderen Mannschaften für die Professionalisierung des College-Sports. College-Spiele zwischen FSU und Miami wirkten optisch wie verkappte NFL-Partien, kein Wunder, wenn man bedenkt, dass in einem 1987er Duell der beiden mal sagenhafte 50 spätere Profis auf dem Feld standen.

Wenn sich zwei Unis jahrelang um den Titel streiten, der dann zweimal quasi von Fehlkicks mit dem letzten Spielzug (Frag mal in der FSU-Anhängerschaft nach „Wide Right“) entschieden (oder vorentschieden) wird, sind wir sportlich im Rennen. Wenn exzentrische Charakterköpfe wie FSU-Trainerlegende Bobby Bowden oder die Miami-Riege um den schrulligen Howard Schnellenberger, den Betonfrisurkopf Jimmy Johnson oder den stillen Genießer Dennis Erickson aufeinander treffen, und sich Knallköpfe wie Deion Sanders auf dem Spielfeld bewegen, sind auch die Medien im Spiel. Aber bei FSU und Miami kam noch eine dritte Komponente ins Spiel: Die geographische Nähe. Beide Teams sind in Florida beheimatet, und entsprechend häufig lief man sich auch im Buhlen um die besten Nachwuchs-Talente (Fachbegriff: Recruiting) über den Weg, und entsprechend oft kannten sich die Spieler hernach auch noch aus diversen Highschool-Schlachten, oft sogar als einstige Teamkollegen und spätere Kontrahenten.

Obwohl die beiden sich so oft in die Quere kamen und so oft den Landesmeistertitel untereinander ausspielten, ließen sie nie vom alljährlichen direkten Duell gegeneinander ab (beide waren einst Independents, sind erst seit 2004 gemeinsame Conference-Mitglieder in der ACC). Dieses Highlight gönnte man sich. Es verband. Und so wurden in Miami der „Dritten im Bunde“, die Florida Gators, als Feiglinge verspottet, da diese um der sportlichen Aussicht willens Ende der 80er die Serie mit den übermächtigen Canes zwischenzeitlich zur Ruhe legten. Bei Florida State und bei Miami sieht man jeweils den anderen als primären Rivalen der Uni, und nicht die Gators. Und heute treffen sie erstmals seit Äonen wieder in einem sportlich für beide wichtigen Duell aufeinander. Ab 01h MEZ, aber nur im ESPN-Player, da SPORT1 US die NBA vorzieht.

#3 Florida State (7-0) ist dabei gegen das punktgleiche #7 Miami/FL (7-0) bei den Buchmachern mit 21.5 Punkten favorisiert, ein Spread, der erstmal wahnsinnig klingt, aber bei genauem Hinsehen auch im recht simplen Vergleichs-Ranking SRS herausspringt. Man muss dabei noch einmal betonen, dass die Seminoles nun schon seit Jahren, quasi seit der Inthronisierung von Head Coach Jimbo Fisher als Nachfolger des greisen Bobby Bowden 2010, als potenzieller BCS-Titelkandidat gehypt werden, aber bis dato stets an den hohen Erwartungen scheiterten. So gut wie diesmal waren Fishers Jungs aber noch nie – und das ist kontraintuitiv, denn es musste in der Offseason einige Abwanderung in die NFL hingenommen werden, von Erstrundenpicks wie QB Manuel, DE Werner oder CB Rhodes angefangen. Scherte Fisher nicht, er installierte im landesweit begehrten Baseball-Star QB Jameis Winston einen Freshman als neuen Quarterback und erlebt eine Explosion an Offense in der ersten Saisonhälfte. Florida State walzte bislang über den Gegner wie seit der letzten BCS-Finalqualifikation vor dreizehn Jahren nicht mehr.

Für den Gegner Miami/FL gilt im Prinzip ähnliches: Auch hier haben wir eine Uni, die sich nach dem letzten BCS-Titel 2001/02 in niedrige Gefilde begab und um den Anschluss kämpfen musste. Seit Headcoach Al Golden am Werk ist, geht es aufwärts. Athleten waren immer genug da, schließlich steht Floridas Highschool-System für einen nie enden wollenden Talentestrom, aber Golden baute daraus in drei Jahren Amtszeit wieder sowas wie ein „Team“. Goldens Arbeit ist nicht zu unterschätzen, musste er doch gleichzeitig mit einer völlig desinteressierten Anhängerschaft, einem langweiligen Heimstadion, und dem wie ein Damoklesschwert schwebenden Schwert namens „Shapiro“ kämpfen. Shapiro ist, wie wir wissen, erst seit gut zehn Tagen geklärt, und Golden kann endlich frei arbeiten.

QB bei den Canes ist Stephen Morris, den manche in der NFL sehen wollen, der aber nur zeitweise souverän aussieht. Star der Offense ist RB Duke Johnson, der immer wieder großartige Plays einbaut, aber unkonstant at best ist, und wohl deshalb auch nur in homöopathischen Dosen eingesetzt wird. Die Defense ist okay, aber nicht weltbewegend. Irgendwie sieht Miami/FL so aus wie Florida State vor 2-3 Jahren: Sehr gut, aber noch zu wackelig. Deswegen wäre ein Upset heute Nacht auch eine Sensation.

Zuschauen lohnt sich trotzdem, denn die Stimmung in einem nächtlichen Doak Campbell Stadium in Tallahassee in einem Spiel von zentraler Bedeutung ist nicht nur knisternd, sondern elektrisierend und nur von wenigen Stadien zu schlagen.


Es gibt eine zweite große Rivalität am heutigen Samstag, die schon einige Stunden früher ausgespielt wird und bei uns offiziell nicht bekömmlich ist: 20h30, Georgia Bulldogs gegen Florida Gators, tituliert mit The World’s Largest Cocktail Party, wie ich schon früher schrieb, für beide Studentengruppen ein Ausflug in eine neutrale Stadt (Austragungsort ist Jacksonville), der kurzerhand in ein gigantisches Besäufnis umfunktioniert wird. Das in Nordflorida zu dieser Jahreszeit meist noch milde Wetter tut das Ihrige zur relaxten Grundstimmung dieses Events. Offiziell ist es nichtmal mehr erwünscht, mit „Cocktail Party“ zu werben, da Cocktail = Alkohol = Saufen und damit Böse.

Konzentrieren wir uns auf das Sportliche: Beide Teams kommen schwer angeschlagen daher. Georgia kann zwar wohl wieder auf RB Gurley bauen, muss aber den besten WR Mitchell, die halbe Offensive Line und mehrere Starter in der Defense mit Verletzungen vorgeben. Florida spielt ohne den besten DT Easley, und ohne Starting-RB Matt Jones und Starting-QB Driskel. Beide Trainerstäbe versuchen, die Teams mit Brandreden zu emotionalisieren. Motivationsbestien wie Muschamp (Gators-Headcoach) oder Grantham (Bulldogs-DefCoord) sorgen für entsprechende Unterhaltung an der Seitenlinie. Beide Teams sind 4-3, und 3-2 in der Conference. Beide sind damit nach großartiger Saison 2012 nicht zufrieden. Nach dem heutigen Spiel ist nur noch einer mit Restchancen auf einen Platz im SEC-Finale.


Um 20h30 dagegen zu sehen ist bei SPORT1 das Lokalderby aus der Big Ten Conference (Legends Division), #22 Michigan State Spartans gegen #21 Michigan Wolverines in East Lansing. Man sagt der Michigan State University einen gewissen Komplex nach, wenn sie sich mit der großen, weltgewandten Uni von Michigan vergleicht; historisch ist man ein kleiner Wurm gegen Michigan, eine der größten Unis des Landes mit dem größten Stadion der Vereinigten Staaten. Michigan State spielt seinerseits in einem 72000er Stadion, aber es fühlt sich alles eine Dimension ruhiger, kleiner an.

Heute geht es neben der Ehre auch schon um eine Art Vorentscheidung im Kampf um das Finalticket für das Conference-Endspiel. Michigan State ist nach vier Conference-Spielen 4-0, Michigan nach drei 2-1. Die Wolverines hinterließen bisher einen wackeligen Eindruck, wären vor Wochen fast gegen das unterirdische Akron gefallen. Michigan State wirkt nach außen immer banal, was an der inexistenten Offense liegt; aber die Spartans haben die beste, oder zweitbeste, oder drittbeste Defense im Lande, und gelten somit unter vielen Beobachtern heute als leichter Favorit.

Was kann ich dann heute wo sehen?

SPORT1 US mit zwei Spielen:

17h    Boston College - Virginia Tech
20h30  #22 Michigan State - #21 Michigan

EUROSPORT 2 bringt ab 21h eine Aufzeichnung von Purdue#4 Ohio State aus der Big Ten Conference. Der NBC-Stream könnte wieder ab 20h30 #25 Notre Dame zeigen; die Fighting Irish spielen gegen die US-Navy. Der ESPN-Player hat potenziell folgendes Programm im Petto (wenn nicht noch was rausgestrichen wird):

  • 17h: UMass-#17 Northern Illinois, Iowa-#24 Wisconsin, Boston College-Virginia Tech, Rutgers-Temple, Penn State-Temple, Air Force-Army
  • 17h21: #14 South Carolina-Mississippi State
  • 17h30: NC State-UNC, Syracuse-Wake Forest
  • 18h: Georgia State-Western Kentucky
  • 20h30: Virginia-#8 Clemson, #22 Michigan State-#21 Michigan, Texas-Kansas, Akron-Kent State, TCU-West Virginia
  • 23h: Arkansas-#11 Auburn
  • 0h: #9 Mizzou-Tennessee, Georgia Tech-Pitt, Toledo-Eastern Michigan
  • 0h30: South Alabama-Arkansas State, Kentucky-Alabama State
  • 1h: #3 FSU-#7 Miami/FL
  • 2h: #12 Texas A&M-UTEP
  • 3h30: #16 Fresno State-Nevada

7 Kommentare zu “College Football 2013/14, Week 10 Preview: Revival einer epischen Rivalität

  1. Schon schade dass gerade am Samstag ein NBA Spiel platziert wird.
    Man kann die Spiele die man doch zur Verfügung hat auch unter der Woche platzieren. Bzw. Freitag abends .
    Schon schade…

  2. Seminole is bestimmt grad übelst am feiern, oder??? Naja, gutes Spiel aber ich glaub das wird nicht mehr spannend….

  3. Denke diese Runde, wie sich durchwegs alle Favoriten durch gesetzt haben war das vorgeblänkel für die anstehende Woche.
    Die 2 Do/Fr Games versprechen schon mal eine weitere Standortbestimmung.
    10 Oklahoma Sooners 7-1, 3rd Big 12
    6 Baylor Bears 7-0, 1st Big 12

    2 Oregon Ducks 8-0, 1st Pac-12 – North Division
    5 Stanford Cardinal 7-1, 2nd Pac-12 – North Division

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.