NFL-Sonntagsvorschauer 2013, Week 9: Defensivschlacht kann was Herrliches sein

Week 9 steht vor der Tür, und bevor heute ein „neuer“ Gast die Vorschau durchzieht, wie gewohnt das TV-Programm bei SPORT1 US für den heutigen NFL-Abend (mit Sternchen gekennzeichnete Partien laufen im Multifeed-Kanal bei SKY):

19h    New York Jets - New Orleans Saints
19h    Washington Redskins - San Diego Chargers (*)
22h05  Oakland Raiders - Philadelphia Eagles
22h05  Seattle Seahawks - Tampa Bay Buccaneers (*)
02h25  Houston Texans - Indianapolis Colts

PULS4 bringt ab 22h35 die black’n’blue Partie New England PatriotsPittsburgh Steelers. Der Gamepass hat wieder alle Spiele live. Der komplette Spielplan von heute ist folgender:

19h    Buffalo Bills - Kansas City Chiefs
19h    Dallas Cowboys - Minnesota Vikings
19h    St Louis Rams - Tennessee Titans
19h    New York Jets - New Orleans Saints
19h    Washington Redskins - San Diego Chargers
19h    Carolina Panthers - Atlanta Falcons
22h05  Oakland Raiders - Philadelphia Eagles
22h05  Seattle Seahawks - Tampa Bay Buccaneers
22h25  Cleveland Browns - Baltimore Ravens
22h25  New England Patriots - Pittsburgh Steelers
02h25  Houston Texans - Indianapolis Colts

Diese Woche gibt es nicht bloß ein Free-Game, sondern den Gamepass gratis zu testen, bis inkl. 8.11.2013, aber aufgepasst auf die Kündigungsmodalitäten:

* Nach Ablauf des kostenlosen Probeabonnements am 8. November 2013. wird der Sonderpreis von €134,99 abgerechnet, sofern Sie das Abonnement nicht gemäß den geltenden Anweisungen gekündigt haben.

Zur Registrierung geht es hier entlang.

Damit zum Vorschautext, der heute vom Leser und aus der Kommentarspalte bekannten Philipp S., der sich an die interessantesten Spiele des Abends gemacht hat – nach dem Sprung.

Kansas City Chiefs @ Buffalo Bills

Dieses Matchup ist ein Paradebeispiel über die (Nicht-)Aussagekraft von den Statistiken, die die Diskussionen in der NFL so stark prägen. Chiefs und Bills sind in praktischen allen „oberflächlichen“ offensiven Team-Kategorien gleichauf. P/R YPG, PPG, 3rd Down Conversion – alles im Prinzip dead even, sogar die Turnovers, die das Bills-(Rookie)-QB-Rodeo in Form von INTs produziert sind nicht allzu signifikant über jene von Bilanzbuchhalter Alex Smith zu stellen. Trotz dieser Ähnlichkeit würde man nun wohl schwerlich behaupten wollen, dass die Chiefs offensiv nicht stärker einzuschätzen sind als die Bills. Dieser Unterschied hat 2 Namen und die sind auch die X-Factors des Spiels:

  1. Jamaal Charles: wenn ein RB der nicht AP heißt in der 9. Woche noch ernsthaft als MVP gehandelt wird (vor allem in Anbetracht von Mannings Madden-Statistiken) dann ist das schon eine Ansage. Wenn er dann auch noch (im Gegensatz zu AP) eine Waffe überall am Feld ist und nicht primär im Running Game, dann bereitet das dem DC wirklich Kopfzerbrechen. Die Flip-Side: Außer Charles haben die Chiefs keine wirklich Waffe, denn wegen Smith bekommt keiner Kopfzerbrechen. Einzig Charles zu covern, das hat noch keiner geschafft und wird wohl mehr als spannend: das könnte die Feuertaufe für den vielgelobten Rookie-LB Kiko Alonso werden.
  2. Bills-QBs: ich denke man muss nicht viel dazu sagen – jedes Team wird Probleme bekommen, wenn man 3 oder gar 4 (möglicherweise startet sogar Flynn am Sonntag) QBs in 9 Wochen auf das Feld schicken muss. Andere Teams schicken in 13 Jahren nicht so viele verschiedene QBs auf das Feld. Es ist bewundernswert wie die Bills das bislang kompensieren, vor allem weil auch ihr Jamaal Charles-light (C. J. Spiller) selbst schon die ganze Saison kaum bei 100 % spielt. Deshalb muss man die Bills auch Ernst nehmen. Wenn allerdings Thad Lewis nicht starten kann, dann wird es wohl ein sehr langer Abend werden. Für Jeff Tuel und Matt Flynn wird die starke KC-Defense wohl eine Nummer zu groß sein.

Womit wir beim letzten X-Factor wären: Defense. Hier ist KC ganz klar über die Bills zu stellen (auch statistisch), allerdings muss man auch hier aufpassen. Die beiden Defenses sind ähnlich gebaut. Sehr starke D-Line, an sich gute Secondary. Das Potential der Bills sehe ich hier ähnlich, allerdings rufen die Chiefs dieses Potential ab und die Bills nicht – jedenfalls nicht ein ganzes Spiel hindurch. Sollten sie das schaffen, kann die Defense diese Mannschaft tragen (so wie es die KC-Defense tut) und hier liegt auch das Upset-Potential in diesem Spiel.

Atlanta Falcons @ Carolina Panthers

Who knew? Everybody´s Darling aus dem Frühling ist de facto raus in diesem Jahr. In der NFC werden 8 oder 9 Wins nicht reichen und damit kann man Atlanta im Prinzip „forken“. Das ist Regression zur Mitte in ihrer extremsten Form. Die Falcons waren letztes Jahr nie so gut wie sie teilweise gemacht wurden und gewannen Spiele, die man normal nicht in so einer Anzahl gewinnt – das hat vor allem Schwächen in der Defense übertüncht. Und dazu kommen heuer Verletzungen.

Auf der anderen Seite die Panthers. Viele redeten bereits den endgültigen Fall von Cam Newton herbei und ergaben sich genüsslich der Erbsenzählerei über seine Fehler der letzten Saison – anscheinend sich ohne die Spiele wirklich anzuschauen (denn er hat durch die Bank gut gespielt). Das Ergebnis ist schnell zusammengefasst: alles andere als ein Panthers-Sieg wäre eine Überraschung, zumal die Falcons außerhalb der friktionsfreien Dome-Atmosphäre grundsätzlich Probleme haben (siehe Saints).

Klar, die Falcons sind nicht so schwach wie ihr Record (deswegen genannte extremste Form der Regression) und haben Spiele heuer durch dumme Fehler und nicht gemachte Plays hergeschenkt. Mit den Jaguars haben sie – außer geografischer Nähe – nichts zu tun. Aber machen wir es simpel und kramen in der Stat-Kiste: 62,4 Rushing Yards per Game. Die beiden Top-Receiver out. Eine Defense die keinen Druck auf den QB ausüben kann.

Wir haben sie gefunden: die goldene Ananas für „how to lose in the NFL“.

Minnesota Vikings @ Dallas Cowboys

Dass Christian Ponder vom Vikings-Coach wieder zum Starting-QB ernannt wurde sagt wohl mehr über die Schwäche der Backups (Matt Cassel und Josh Freeman) aus, als über die Stärke von Ponder. In meinen Augen sind alle ähnlich problematisch, Ponder hat vielleicht die Upside, dass er mobiler als die anderen beiden ist. Allerdings ist Ponder auch anfälliger für Turnovers (vor allem INTs) und insofern könnte das ganze für die Vikings ugly werden. Eine gewisse Logik gibt es aber trotzdem hinter dieser Entscheidung, da natürlich Ponder am längsten im System ist und im Gegensatz zu den anderen beiden kann ihm möglicherweise noch Lernfähigkeit und unausgeschöpftes Potential unterstellt werden.

Jedenfalls wenn man zuversichtlich sein möchte.

Unter obigem Kontext sollte es eigentlich ein Cakewalk für die ‚Boys werden. Die haben allerdings schon die ganze Saison über gehöriges Potential zur Selbstzerstörung gezeigt. Spielt die Offense ähnlich gut wie z.B. gegen die Broncos sollte es kein Problem geben. Wenn allerdings das Running Game weiterhin überhaupt nicht in die Gänge kommt könnte es auch gegen die Vikings Probleme geben.

Bemerkung am Rande: die ganze Dez Bryant-Geschichte scheint mir eher ein medialer Luftballoon gewesen zu sein. Unmutsbekundungen/emotionale Reaktionen gab’s auch schon von ganz anderen Typen, von denen man sich das nicht so erwartet (Brady fällt mir spontan ein). Das ist einfach Part of the Game bei Dez Bryant und ich meine die Cowboys wissen das – insofern glaube ich weder, dass es hier disziplinare Maßnahmen oder gar einen Leistungsabfall geben wird. Eher das Gegenteil erscheint wahrscheinlich.

New Orleans Saints @ New York Jets

Nach dem den Jets in der letzten Woche der Arsch gehörig aufgerissen wurde möchte man hier eine klar Sache vermuten. Da würde man aber womöglich gehörig falsch liegen. 3 zentrale Punkte, warum das nicht so laufen wird, wie die Exekution der Jets letzte Woche in Cincinnati:

#1: Die Jets unter Rex Ryan sind keine Mannschaft, die sich zweimal hintereinander so aufgibt. Einmal, ja, aber dann zeigen sie üblicherweise Eier. Und Rex Ryan ist im Stande die Mannschaft wieder aufzurichten und ihr Selbstvertrauen zu geben – siehe vor 3 Jahren, als sie von den Pats zuerst verhauen wurden und sie dann in den Play-Offs geschlagen haben (auch wenn da ein paar Wochen dazwischen waren). Zudem sollte der „Geno-Coaster“ nach der Performance letzte Woche wieder in Richtung oben zeigen.

#2: Die Saints-Offense mag nominell stärker als jene der Bengals sein, aber außerhalb des Superdomes und vor allem in windigen Stadien nicht das, was sie drinnen ist. Das MetLife Stadion ist – vor allem zu dieser Jahreszeit – eines der windigsten bzw. ist es sehr anfällig für böige und drehende Winde. Man kombiniere das mit einem starken Pass-Rush der Jets und muss nicht lange überlegen um zum Schluss zu kommen, dass Brees es schwer haben wird hier grandiose Passer-Numbers aufzustellen.

#3: Rex hat seinen Bruder bislang immer geschlagen (4-0) und dieses Metagame, wenngleich beide sich primär mit den jeweiligen Defenses beschäftigen, ist nicht zu unterschätzen.

Philadelphia Eagles @ Oakland Raiders

Im letzten Jahr hatte die NFL „Chuckstrong“, in diesem Jahr sind bislang – auch wenn das natürlich nicht vergleichbar ist – die Raiders die „Feel-good Story“. Das Team, dem vor der Saison eine gute Chance in der Bridgewater-Bowl eingeräumt wurde steht aufeinmal mit einem QB da, der Franchise-Potential zu haben scheint. Das Gute für die Raiders: da in der wohl stärksten AFC-Divison auch nach diesem Beginn keiner ernsthaft an die Play-Offs denken kann, haben sie die Möglichkeit Pryor wirklich zu entwickeln – denn so gut er läuft, so schlecht sind oftmals seine Pässe und Entscheidungen. Gegen Philadelphia wird es aber vor allem darauf ankommen, ob die Defense stark weitermachen kann.

Die Eagles sind für viele irgendwie eine Enttäuschung, weil man von Chip Kelly Revolutionen erwartete. Ob das fair ist muss jeder für sich beurteilen. Der wichtigste X-Factor wird wohl für beide Defenses sein die gegnerischen Rusher, vor allem die QBs, in check zu halten. Insgesamt deutet in dem Spiel aber doch einiges darauf hin, dass es sich wohl dadurch entscheiden wird, dass eines der Teams auf Grund von zu vielen Fehlern verliert.

Baltimore Ravens @ Cleveland Browns

Wir schreiben Woche 9 und die Browns sind weder aus dem Play-Off-Rennen noch erzittern sie in Angst vor einem wichtigen Division-Matchup gegen die Ravens. Alleine das hätten sich auch hartgesottene Browns-Fans nicht erwartet, vor allem nicht nachdem mit dem Richardson-Trade die Saison quasi offiziell in die Tonne getreten wurde. Das Paradoxe daran ist, dass die Siege irgendwie auch schal schmecken, weil man mit Weeden nicht wirklich an die Play-Offs glaubt und ein richtig hoher Draftpick immer weiter in die Entfernung rückt. Die Ravens hingegen befinden sich im Must-Win Modus, vor allem weil es ein Division Matchup ist.

Das Tolle für den geneigten Viewer: auch wenn sich kaum jemand vorstellen kann, dass die Browns dieses Spiel wirklich gewinnen, so kann man doch davon ausgehen, dass die Browns-Defense dieses Spiel jedenfalls bis ins 4. Quarter offen hält. Und alleine das ist bei einem AFC North-Spiel schonmal gut und hat das Potential für richtig geile finale Minuten. Denn – und das kann man denke ich so sagen – die Ravens haben wenn’s hart auf hart kommt niemanden der WR Josh Gordon und TE Jordan Cameron gleichzeitig aus dem Spiel nehmen könnte.

Und man darf nicht vergessen: Ein Sieg und dir Browns sind VOR den Ravens. Das wäre ein verspäteter und mehr als unerwartet Halloween-Trick für alle Ravens-Fans.

Pittsburgh Steelers @ New England Patriots

Was sich noch vor 2 oder sogar vor einem Jahr als 60 – 70 Punkte Spiel gelesen hätte (mal abgesehen davon, dass Big Ben vs. Tom Terrific natürlich ein absoluter Klassiker der 2000er Jahre ist), das lässt am Halloween-Wochenende 2013 alles andere als ein Offensiv-Festival erwarten.

Macht aber nichts! Denn die Würze ist trotzdem im Spiel und auch eine Defensivschlacht kann etwas Herrliches sein. Für die Steelers heißt es im Wesentlichen „Win or Done“, denn die Divisionkrone ist abgehakt und wenngleich in der AFC 9 Wins durchaus für einen Wild Card Spot reichen könnten, so ist nach einer Niederlage in New England kaum eine mirakulöse Winning-Streak zu erwarten. Zu schwach ist die Steelers Offense dafür ganz einfach.

Für die Pats auf der anderen Seite scheint die Situation komfortabel zu sein. 2 Spiele Führung in der Division und die Jets mit einem schwierigen Gegner. Vorsicht wäre aber angebracht. Der Pats-Schedule wird in der 2. Hälfte nochmal richtig knackig (Panthers, Broncos, Texans, Browns, Ravens, Bills) und durch die Bank wird ihnen ohne Heimrecht in den Play-Offs kaum eine Chance eingeräumt.

Im Spiel wird das wichtigste Matchup in den Trenches stattfinden. Die Pats haben Sopoaga zur Verstärkung der Run Defense geholt und das war nötig. Andererseits ist das Running Game der Steelers unterirdisch und die Pats-Lineman sind (außer Ninkovich) allesamt sehr jung, haben also durchaus noch Potential noch oben auf ihrer Habenseite.

Ohne Laufspiel wird’s aber für die Steelers nicht gehen, weil wahrscheinlich CB Aqib Talib bei den Pats zurückkehren wird und im Zusammenspiel mit CB Dennard und Safety McCourty ist das eine der stärksten Secondaries der NFL. Wenn man nun hinzuzählt, dass die Steelers abgesehen vom starken Antonio Brown kaum Gefahren im Passspiel besitzen, auf der anderen Seite aber Talib gezeigt hat, dass er einzelne Spieler (Jimmy Graham, anyone?) einfach mal 60 Minuten lang rausnehmen kann, dann sollte relativ klar sein, dass die Steelers das Spiel wohl nicht durch die Luft gewinnen werden.

Auf der anderen Seite schaut Gronkowski die letzten beiden Wochen fit aus und 2nd Round Pick WR Aaron Dobson gewinnt immer mehr Vertrauen von Brady – und verringert auch langsam seine Drops. Man hat im Moment das Gefühl, dass es jederzeit passieren könnte, dass diese Pats-Offense zu „clicken“ beginnt. Und das könnte für die Steelers dann problematisch werden.


Damit an dieser Stelle noch einmal ein fettes Dankeschön an Philipp S. für diese Vorschau. Das Sunday Night Game ist Houston TexansIndianapolis Colts, mit dem zweiten Einsatz für Houstons Backup-QB Keenum, der im Debüt vor zwei Wochen gar nicht übel aussah. Bei den Colts schaue man sich an, inwiefern sie weiterhin versuchen werden, einen ineffizienten RB Trent Richardson durchzuschleppen.